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Sperrgebiet

24. Januar 2020 21:10; Akt: 24.01.2020 21:10 Print

Zehn verbotene oder gefährliche Orte

Auf der ganzen Welt gibt es Orte, die von Besuchern nicht betreten werden dürfen – aus den unterschiedlichsten Gründen.

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Ein Kofun ist ein japanischer Grabhügel. Die «Friedhöfe» sind wie Schlüssellöcher geformt und unterschiedlich gross: Während die kleinsten nur wenige Meter lang und breit sind, ist der grösste Grabhügel 725 Meter lang und 305 Meter breit. Die Gesamtfläche des Daisenry-Kofuns inklusive der Begrenzungen am Rand hat eine Fläche von über 300'000 Quadratmetern. Die Gräber stammen aus dem 3. bis 7. Jahrhundert. Während einige wenige dieser Grabhügel untersucht wurden, sind die meisten heute Sperrgebiet. In Japan gelten sie nämlich nicht als Kulturdenkmäler, sondern als Privatgräber des kaiserlichen Hofes. Entsprechend wurden Untersuchungen und Ausgrabungen, wenn überhaupt, nur in sehr kleinem Rahmen bewilligt, und die Grabhügel werden bewacht, um unerwünschte Besucher zu stoppen. Das Plutonion in Hierapolis in der Nähe des heutigen Pamukkale in der Türkei ist auch als «Tor zur Hölle» bekannt. Es kommt in diversen Werken von antiken Schriftstellern vor. So schreibt Strabon, ein griechischer Geograph: «Dieser Raum ist voll von einem Nebel, so dunstig und dicht, dass man kaum den Boden sehen kann. Jedes Tier, das hineingeht, ist sofort tot. Ich warf Spatzen hinein, und sie atmeten sofort ihren letzten Atemzug und stürzten.» Tatsächlich sterben hier noch immer regelmässig Vögel, die unglücklicherweise in die Höhle fliegen. Grund dafür: vulkanisches Kohlenstoffdioxid, das durch einen Spalt im Boden austritt. Während sich das Gas tagsüber verteilt, sinkt es nachts zu Boden und hat eine tödlich hohe Konzentration. Derzeit ist das Gebiet um die Höhle gesperrt. Der Bolton Strid ist ein Abschnitt der Flusses Wharfe in England. Der Abschnitt ist so aussergewöhnlich, weil der Fluss hier plötzlich sehr viel enger wird und eine grosse Menge Wasser durch eine schmale Stelle fliesst. Über die Jahre wurde der Fluss hier so immer tiefer und immer gefährlicher. Tatsächlich hat der Bolton Strid schon Leben gefordert: Wer in eine der tiefen Stellen fällt, ... ... der droht unter Wasser gezogen zu werden. Besonders gefährlich: Der Fluss ist unter den Steinen deutlich breiter, als von der Oberfläche ersichtlich ist. Das jüngste Opfer des Flusses war ein frisch verheiratetes Pärchen auf Hochzeitsreise, das bei schlechtem Wetter in den Fluss stürzte und es nicht mehr an die Oberfläche schaffte. Während diverse Teile des Mausoleums des ersten chinesischen Kaisers nicht nur überdacht, sondern auch für Besucher zugänglich sind, weiss niemand so genau, was sich im eigentlichen Grabhügel befindet. Qin Shihuangdi gilt als besonders tyrannischer und gewalttätiger Herrscher, seine Grabstätte soll verflucht und voller böser Geister sein. Trotzdem planen chinesische Archäologen, den Grabhügel in einigen Jahren zu öffnen. Das ist aber nicht ungefährlich: Neue Tests haben eine erschreckend hohe Quecksilberkonzentration (100-mal höher als in der Natur üblich) festgestellt. Die chinesische Regierung hat den Grabhügel gesperrt, auch das umliegende Gebiet darf nicht betreten werden. (Im Bild: ein Teil der ausgegrabenen und überdachten Fundstellen) Der Black Mountain ist ein Berg in Queensland und besteht hauptsächlich aus Granitblöcken, manche sind so gross wie ein Haus. Die Aborigines nennen den Berg «Kalkajaka», also «Berg des Todes». Einerseits lebt hier laut Legenden der Queensland-Tiger, ein Fabelwesen. Andrerseits hat der Berg bereits viele Opfer gefordert, ... ... die in Gesteinsspalten gefallen sind. Unter den Granitblöcken gibt es riesige Höhlensysteme, die sich ständig verändern, da manche Schächte zusammenbrechen. Wegen dieser Spalten scheint der Berg bei Wind zu heulen und zu pfeifen. Einheimische geben ausserdem an, in der Nähe des Berges gestörte Radio- und TV-Signale zu empfangen. Es gibt einen Park mit einem befestigten Weg, der Rest des Berges ist Sperrgebiet. In Frankreich gibt es eine ganze Reihe von sogenannten «roten Zonen». Das sind Gebiete, die nach dem Ersten Weltkrieg von den Franzosen unter Schutz gestellt wurden. Das war nötig, weil einzelne Abschnitte Frankreichs nach dem Krieg wie Mondlandschaften aussahen: überall Krater, alle Bäume waren weg, und zusätzlich befanden sich Munitions- und Giftgasreste im Boden. Die meisten dieser Zonen (die kurz nach dem Krieg so aussahen) sind heute noch Sperrgebiet: Sie gelten als unmöglich zu reinigen. Der Boden ist voller Giftstoffe, und in manchen roten Zonen hat sich die Natur noch immer nicht erholt – und das über 100 Jahre später. Morgan Island, das auch als Monkey Island bekannt ist, ist eine 18 Quadratkilometer grosse Insel vor der Küste von South Carolina. Die unerschlossene Insel ist die Heimat von rund 3500 Rhesusaffen. Das Problem: Diese Affen sind von Natur aus Träger des Herpes-B-Virus, ... ... das für den Menschen tödlich sein kann. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und darf nur von Wissenschaftlern betreten werden. Touristen sind auf der Insel nicht erlaubt. Diese Insel ist auch als «Schlangeninsel» bekannt und befindet sich rund 150 Kilometer vor São Paulo entfernt. Sie ist touristisches Sperrgebiet, da sich auf der Insel Abertausende von Giftschlangen tummeln. Wissenschaftler nehmen an, dass sich auf der Insel eine bis fünf Schlangen pro Quadratmeter befinden. Die brasilianische Marine behandelt die Insel als Quarantänegebiet und ein Biologe sagte über die Insel, «dass man nie mehr als 3 Meter vom sicheren Tod entfernt ist». Als Darién-Hindernis bezeichnet man die letzte Lücke in der Panamericana, der Strasse zwischen Nord- und Südamerika. Es gibt mehrere Gründe, warum dieser Abschnitt noch nicht bebaut wurde: Einerseits wäre der Bau einer Strasse durch das Sumpfgebiet sehr teuer, andererseits gilt der Bau als sehr umweltschädlich. Zudem haben Kolumbien und Panama Angst, dass sich durch den Bau (und dadurch ungehinderte Viehtransporte) bereits ausgerottete Krankheiten wie die Maul- und Klauenseuche wieder verbreiten könnten. Im Gebiet leben Choco- und Kuna-Indianer, die sich gegen den Bau wehren. Im kolumbianischen Teil sind ausserdem Guerillagruppen wie die FARC aktiv. Die «Bottomless Lakes» in New Mexiko sind genau das: eine ganze Reihe kleiner Seen, die keinen Grund haben. Sie sind alle durch unterirdische Flüsse verbunden, die sich möglicherweise über Hunderte oder Tausende von Kilometern erstrecken. Wissenschaftler haben schon diverse GPS-Tracker in den Seen versenkt, die dann einige Tage später am Golf von Mexiko wieder auftauchten. Nachdem einige Schwimmer in den unterirdischen Flüssen ertrunken sind, ist das Schwimmen in den bodenlosen Seen heute strengstens verboten.

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Einen bestimmten Ort für Zivilsten zu sperren, ist nicht aussergewöhnlich: Es gibt diverse militärische Sperrgebiete oder Orte, die schlicht zu gefährlich sind. In unserer Bildstrecke siehst du zehn Orte, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht betreten werden dürfen – oder sollten.

(mst)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. Grübel am 24.01.2020 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Danke, für diesen wirklich lesenswerte Beitrag !

  • Lady72 am 24.01.2020 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Ein sehr interessanter Beitrag. Gerne mehr davon

  • huki am 24.01.2020 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Toller Beitrag, danke!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jack Pereda am 25.01.2020 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kritische Nachfrage

    Nur mal gefragt: Wer protestiert gegen den unnötigen und fortlaufenden CO2 Ausstoss gemäss Bild 4? Aha .... !

  • Tom Minder am 25.01.2020 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    unheimlicher Wald

    Der japanische Selbstmordwald Aokiaghara fehlt noch.

    • David Stoop am 29.01.2020 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Tom Minder

      Der Zutritt ist dort aber nicht verboten.

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  • Martin am 25.01.2020 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Queimada Grande

    Dieser Mythos von der Schlangeninsel wird immer und immer wieder verbreitet, aber es gibt dort viel weniger Schlangen als behauptet wird, es ist sogar so das die Schlangen akut vom Aussterben bedroht sind. Die Insel steht aber unter Naturschutz und darf darum nicht betreten werden.

    • MasterMind am 25.01.2020 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Ja genau und ich frage mich was diese Tausenden von Schlangen essen. Blätter, oder vielleicht Steine? Man weiss es nicht ;-)

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  • Cipiripi am 25.01.2020 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hierapolis...

    Das ganze gelesen,sehr spannend und interessant vor allem Hierapolis die ich letztes Jahr besucht habe und nichts davon gehört!

  • Antonin am 25.01.2020 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Eine sehr interessante und faszinierende Beitrag!