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Villa Patumbah

20. Mai 2018 22:42; Akt: 20.05.2018 22:42 Print

Das Haus des reichen Plantagenbesitzers

Die Villa Patumbah im Kreis 8 ist eines der bekanntesten Zürcher Bauwerke. Gehört hat sie einst einem reichen Tabakproduzenten.

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Die Villa Patumbah ist eines der aufwendigsten und prunkvollsten Gebäude in Zürich. Gebaut wurde sie zwischen 1883 und 1885 unter der Leitung der Zürcher Architekten Chiodera und Tschudy. Bauherr war dieser Mann: Karl Fürchtegott Grob, der sein Vermögen mit einer Tabakplantage in Sumatra machte. 1879 kehrte Karl Fürchtegott Grob aus Sumatra zurück und lebte erst im Haus seines Bruders, bis die Villa fertiggestellt war. Dort zog er schliesslich mit seiner Frau, der Schwester seiner Schwägerin, ein. Im Inneren befinden sich aufwendige Deckengemälde und Verzierungen aus verschiedenen Kulturen. Als die Stadt Zürich kurz nach Bauende eine neue Zugstrecke am Haus vorbeifahren lassen wollte, sah Grob die Idylle gestört. Als einflussreicher Mann in Zürich liess er kurzerhand einen Tunnel bis weit über das Grundstück hinaus verlängern. So wollte er verhindern, dass er in seinem Haus vom Lärm und Rauch der Züge gestört wurde. Die Verlängerung des Tunnels kostete Karl Fürchtegott Grob 100'000 Franken – ein Schnäppchen für den steinreichen Plantagenbesitzer. Lange konnte Grob seine Villa aber nicht geniessen: Er starb bereits 1893 an den Folgen einer Tropenkrankheit. Das Gebäude gehört aber noch heute zu den schönsten in Zürich. Das ist hauptsächlich der «Stiftung Patumbah» zu verdanken. Die 1995 gegründete Stiftung setzte sich jahrelang für die Renovation des Gebäudes ein. Und sie wollten nicht nur die Villa erhalten, sondern auch den einst zweigeteilten Park zusammenführen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Der englische Park wurde von Gartenarchitekt Evariste Mertens entworfen. Es gab einen Springbrunnen, eine grosse Wiese, diverse Blumenbeete und Bäume sowie eine Voliere. Ein Nutzgarten belegte rund ein Viertel des 13'000 Quadratmeter grossen Grundstücks. 2010 kommen dank der Stadt, der Stiftung und privaten Investoren die nötigen 15,5 Millionen Franken für die Renovierung zusammen. Während der drei Jahre andauernden Renovationsarbeiten wird die Villa sorgfältig restauriert. Ab 2013 befindet sich in der Villa Patumbah der Hauptsitz des Heimatschutzzentrums. Heute sind das Erdgeschoss und der gesamte Park der Villa Patumbah für die Öffentlichkeit zugänglich und können auch gemietet werden. Übrigens: Patumbah kommt von Patumbak – das ist der Name des Dorfes, in dem Grobs erste Plantage lag.

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Sein Vermögen machte der Zürcher Karl Fürchtegott Grob mit einer Tabakplantage in Sumatra. Dieser Reichtum ermöglichte ihm den Bau einer der prachtvollsten Villen ihrer Zeit: der Villa Patumbah in Zürich Riesbach.

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Ein Vermögen aus Tabak

Karl wurde 1830 in Zürich geboren, sein Vater war Obmann bei der Zunft zum Weggen und Mitglied des grossen Stadtrats. Nach einer kaufmännischen Ausbildung zog der inzwischen 28-jährige Karl nach Messina, wo er Hermann Näher kennen lernte – seinen späteren Geschäftspartner.

1869 reisten die beiden nach Sumatra und unterhielten erst als Teilhaber Muskatnussgärten, später unter dem Namen «Näher & Grob» eine Tabakplantage. Sie pachteten ab 1871 mehrere tausend Hektar Land, nach einigen Jahren bauten die beiden Tabak auf 25'000 Hektaren an – rund 4300 Menschen arbeiteten auf der Plantage. Die Arbeitskräfte, meist Einheimische und Chinesen, waren günstig, Grob kam so innert weniger Jahre zu aussergewöhnlichem Reichtum.

Der Traum von der eigenen Villa

1879 zog Karl Fürchtegott Grob zurück nach Zürich, zuerst in das Haus seines Bruders Heinrich, mitten in den damals zahlreichen Rebbergen am Riesbach. Er heiratete die Schwester seiner Schwägerin, Anna Dorothea Zundel. 1883 wollte Karl sich endlich den Traum von der eigenen Villa erfüllen.

Er kaufte seinem Bruder ein 13'000 Quadratmeter grosses Grundstück neben seinem Haus ab und beauftragte die bekannten Zürcher Architekten Chiodera und Tschudy mit dem Bau der Villa Patumbah, die die Häuser der Nachbarn in Sachen Prunk und Eleganz unbedingt übertreffen sollte. Der grosszügige Park wurde von Evariste Mertens entworfen. Übrigens: Patumbah kommt von Patumbak – das ist der Name des Dorfes, in dem Grobs erste Plantage lag.

Tunnel verlängert

Kurz nach Bauende, 1885, plante die Stadt eine neue Zuglinie, die direkt an der Villa Patumbah vorbeiführen sollte – ein Umstand, der Grob so gar nicht passte. Um sich von Lärm- und Rauchemissionen durch den Zug zu schützen, liess der vermögende Zürcher einen Tunnel bis an seinem Grundstück vorbei verlängern – die 100'000 Franken Mehrkosten bezahlte er selbst.

Die Villa, im Stil der Renaissance-Architektur gebaut, ist eine prächtige Erscheinung: Der Balkon wird von Säulen gestützt, die Fassade soll aussehen wie Marmor. Statuen stehen in diversen Nischen, darunter Bildnisse von Merkur und Flora. Merkur symbolisiert dabei die Tätigkeit Grobs, Flora den Reichtum, den er damit erreichte.

Stallungen und ein englischer Garten

Neben der Villa befindet sich noch ein sogenanntes Ökonomiegebäude, dort befanden sich Pferde und Fahrzeuge der Familie. Auch dieses Gebäude ist dekoriert, aber kein Vergleich zum Haupthaus. Dort gibt es neben einem Kachelofen diverse fernöstliche Malereien und Zimmer in den Stilen verschiedener Epochen.

Der riesige englische Garten bekam einen Springbrunnen, eine grosse Wiese, diverse Blumenbeete und Bäume, sowie eine Vogel-Voliere. Ein Nutzgarten belegte rund ein Viertel des 13'000 Quadratmeter grossen Grundstücks.

Villa Patumbah heute

Der Bauherr konnte seine Villa nicht lange geniessen: Karl Fürchtegott Grob starb 1893 an den Folgen einer Tropenkrankheit. Seine Frau und seine beiden Töchter lebten noch rund 20 Jahre im Haus, bis sie es 1911 an das Diakoniewerk Neumünster verschenkten. Anschliessend entstand dort ein Altersheim.

Seit 1977 gehören die Villa und der südliche Teil des Parks der Stadt Zürich, der nördliche Teil befand sich in Privatbesitz. Die 1995 als «Stiftung zur Erhaltung des Patumbah-Parks» gegründete Stiftung ist heute Eigentümerin des gesamten Grundstücks und hat sich in «Stiftung Patumbah» umbenannt. 2010 kommen dank der Stadt, der Stiftung und privaten Investoren die nötigen 15,5 Millionen Franken für die Renovierung zusammen. Ab 2013 befindet sich in der Villa Patumbah der Hauptsitz des Heimatschutzzentrums.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Kleinod in der Nähe des am 20.05.2018 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Botanischen Gartens

    Wenn man dieses Anwesen nicht gesehen, verpasst man etwas wirklich Schönes! Durch eine liebe Bekannte wurde ich darauf aufmerksam, sie wohnt in der Nähe. Diese Villa hat einen Liebreiz welchen man sonst nur eleganten Damen zugesteht. Der ansehnliche dazugehörige Park unterstreicht es noch.

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  • Neumann am 21.05.2018 01:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Red.

    Danke Red. für guten Artikel. Mehr solche bitte.

  • Grufti am 21.05.2018 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kannte diese nur von der Strasse

    Schön dass die Parkanlage öffentlich wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto H. am 21.05.2018 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man mit heutiger Architektur vergl.

    Ihr dürft 3x raten wieviel von diesem grauen Prunkbau neben der Villa in 200 Jahren noch zu sehen ist.

  • alfmir am 21.05.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    beschämend...

    Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass solche Villen auf Kosten tausender von Skalven entstanden, die dafür eventuell mit ihrem Leben bezahlten..! Speziell und auch im Tabakgeschäft..Der Besitz der damaligen Sklaventreiber sollte nicht noch verherrlicht, sondern konfisziert und der Ertrag den Nachkommen dieser Fronarbeiter zu gute kommen..!

  • Karl Tubak am 21.05.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist relativ

    Die Wwe. Dorothea Grob-Zundel und ihre beiden Töchter Anna und Margaretha versteuerten 1906 zusammen ein Vermögen von 1,75 Mio Franken. Betrachtet man die damalige Zürcher Rangliste 1-25, bewegten sich die steuerbaren Vermögen zwischen 11 und 2 Millionen: Prof. Dr. Gustav A. Tobler-Blumer auf Platz 1 (11 Mio), Emil Stehli-Hirt, Bertha E.M. von May und Johannes Wunderly-von Muralt ex aequo mit je 2 Mio auf den Plätzen 23a-c. Die Grobs abgeschlagen dahinter.

  • VN am 21.05.2018 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wenn ich Plantage lese oder höre kommt mir sofort der Gedanke an die Sklaverei. Gab es in dieser Plantage ebenfalls Sklaven?

  • Jürg Hug am 21.05.2018 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo??

    Die genaue Adresse wäre für Nicht-Zürcher dienlich !

    • Hübedi am 21.05.2018 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jürg Hug

      in der nähe vom botanischen garten.

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