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300 Jahre alt

12. März 2018 14:37; Akt: 12.03.2018 16:20 Print

Raten Sie mal, woraus dieses Dach besteht

von M. Steiger - Einen Meter dick sind die Dächer einiger Häuser auf Læsø, einer Insel bei Dänemark. Aber woraus bestehen sie?

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Die dänische Insel Læsø liegt zwischen Schweden und Dänemark im nördlichen Kattegat. Eine Besonderheit auf der Insel sind die Häuser, deren Dächer mit Seegras bedeckt sind.

Diese Seegrasdächer sind bis zu einen Meter dick und hängen so weit herunter, dass es ein bisschen aussieht, als ob das Haus einen Mantel tragen würde. Abgesehen vom Volumen sehen die Seegrasdächer ähnlich aus wie die aus Stroh – sind aber wesentlich haltbarer.

Tatsächlich sind manche dieser Dächer auf Læsø teilweise mehr als 300 Jahre alt und auf der Welt einzigartig. Die Tradition, solche Dächer zu bauen, stammt aus einer Zeit, in der Læsø für die Salzgewinnung bekannt war. Das Grundwasser der Insel hatte einen Salzgehalt von über 15 Prozent und die Bewohner arbeiteten fast ausschliesslich in Salzsiederhütten und lieferten das Salz nach Viborg.

Zu viele Bäume abgeholzt

Die Salinen (Anlage zur Gewinnung von Speisesalz) auf Læsø hatten einen stetigen und hohen Brennholzbedarf. Das führte dazu, dass die Inselbewohner im späten Mittelalter den letzten Baum fällten. Ohne das nötige Brennholz konnten die Anlagen nicht betrieben werden. Ohne Bäume hatten die Dörfer aus Læsø zudem keinen Schutz vor Sandstürmen. 1652 wurde deshalb das Salzsieden verboten.

Die Menschen blieben aber auf Læsø und suchten nach neuen Baumaterialien. Dabei stiessen sie neben Treibholz auch auf das für die Insel typische Seegras. Die bis zu zwei Meter langen und nur etwa einen Zentimeter breiten Seegräser wurden an Land gespült und von den Bewohnern eingesammelt und getrocknet.

Traditionell Frauenarbeit

Nachdem das Seegras getrocknet war, wurde es zu dicken Seilen geflochten und durch die Treibholz-Dachträger gezogen. Diese Arbeit wurde auf der Insel traditionell von den Frauen übernommen. Dadurch, dass das Seegras in salzigem Meerwasser getränkt war, war es extrem wetterbeständig und zäh.

Wenn es auf den Häusern einmal zu einem Klumpen getrocknet ist, ist es wasser- und feuerfest und praktisch unzerstörbar. Angeblich standen die Bewohner von Læsø früher regelmässig auf ihren Seegrasdächern und suchten die Umgebung nach Schiffswracks ab – die einzige Quelle für Holz, die die Inselbewohner hatten.

Gefahr geht von Pilz aus

Die Seegrasdächer sind auch unglaublich schwer: Dachdecker Henning Johansen, der sich seit einigen Jahren mit den Seegrasdächern beschäftigt, schätzt, dass ein Quadratmeter Seegras bis zu 300 Kilogramm wiegt. 1920 zerstörte ein Pilz einen grossen Teil des Seegrases um Læsø.

Zur gleichen Zeit begann die Wiederaufforstung auf Læsø, mit der nicht alle Bewohner einverstanden waren: Die Bäume behinderten die freie Sicht aufs Meer, die die von der Strandpiraterie lebenden Inselbewohner aber dringend brauchten. Die Wiederaufforstung war trotzdem erfolgreich – zu einem Preis. Die Dächer, die nun nicht mehr der aggressiven Witterung ausgesetzt und stattdessen von anderen Pflanzen umgeben waren, begannen zu verrotten.

Heute gibt es auf Læsø nur noch etwa 20 Häuser mit Seegrasdächern.

Update, 16:10: Eine frühere Version dieses Artikels verlegte Læsø in die Nordsee. Die dänische Insel befindet sich aber im
nördlichen Kattegat. Dieses gilt, nach traditioneller skandinavischer Auffassung, weder als Teil der Ost-, noch als Teil der Nordsee./i>

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SO am 12.03.2018 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Dieser Bericht ist sehr interessant,Dankä. Weiter so :-)

  • Robert. am 12.03.2018 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am besten so wohnen

    Und 2000.- Miete sparen.

    einklappen einklappen
  • peter71 am 12.03.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    ich wollte raten..

    doch ihr gebt ja die antwort schon von anfang an:)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ratet mal, was das ist: Es hängt meist am 13.03.2018 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    an der Wand und sobald es herunterfällt,

    ist die Uhr kaputt. putt-putt-putt........................

  • Klaus am 13.03.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nix neues

    Sowas kann man im ganzen Norden der Küste entlang und auf den vielen kleinen Inseln sehen, nicht nur auf der einen in Dänemark.

  • Anna am 13.03.2018 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strohhäuser

    Ihr müsst einmal zum Ballenberg gehen dort sieht ihr auch Strohhäuser vom Emmental . Diese haben früher auch in solchen Häusern gewohnt. Diese sehen auch so aus. Ist eine Reise wert zum Ballenberg. Die das noch nie gesehen haben!

  • Scaffolder am 13.03.2018 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nordsee???

    Zwischen Dänemark und Schweden ist aber die Ostsee!!!

  • Gerry am 13.03.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts besonderes

    Das ist nur ganz typische lokale Bauweise mit dem Material das man vor der Haustüre findet. Daran ist nichts spezielles.