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Harte Währung

22. Juli 2018 18:46; Akt: 22.07.2018 18:46 Print

Hier gibt es das schwerste Zahlungsmittel der Welt

von Daniela Gschweng - Die Rai-Steine auf der Insel Yap haben nicht ganz das Format für das Portemonnaie. Nicht weiter schlimm, wenn das Geld auf der Strasse liegt.

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Die mikronesische Insel Yap ist so klein, dass man selbst auf Online-Karten nach ihr suchen muss. Yap ist nur 18 Kilometer lang und liegt etwa 1300 Kilometer östlich der Philippinen im westindischen Ozean. Ein Flughafen, eine Hauptstadt, dichte Wälder, seichte Lagunen und Mangrovensümpfe – sehr viel mehr gibt es dort nicht zu sehen. Ausser einigen Tauchern wüsste kein Mensch von Yap, wäre da nicht das Geld.

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Alles andere als Kleingeld

Auf Yap wird traditionell mit Steinscheiben bezahlt. Rai oder Fai sind ein jahrhundertealtes Zahlungsmittel, das manchmal buchstäblich auf der Strasse steht. Manche der flachen, runden Scheiben mit einem Loch in der Mitte sind mehr als mannsgross. Gelagert werden die Steinscheiben traditionell auf dem Rand stehend, gelehnt an ein Haus, einen Zaun oder einen Baum. Sich daraufzustellen oder zu -setzen ist bei Strafe verboten.

Der Wert eines Rai wird bestimmt durch seine Grösse und Schönheit, die soziale Stellung des Besitzers und dadurch, wie gefährlich und aufwendig es war, ihn nach Yap zu bringen. Der Stein, aus dem die Scheiben gefertigt sind, kommt auf Yap nicht vor und stammt von der rund 400 Kilometer entfernten Insel Palau, wo er von den Vorfahren der heutigen Yapesen gebrochen und bearbeitet wurde. Die fertigen Rai wurden mit Kanus und Flössen nach Yap gebracht. Eine weite und gefährliche Reise, die mindestens fünf Tage dauerte.

Offizielle Währung: der US-Dollar

Mit dem Aufkommen von Metallwerkzeugen und schnelleren Transportmitteln verlor der Rai an Wert, 1931 wurde die Produktion eingestellt. Die offizielle Währung auf Yap ist heute der US-Dollar. Für Geschäfte mit gesellschaftlichem Gewicht wird jedoch noch immer mit Steingeld gehandelt.

Bewegt werden die Geldstücke nur selten. Wechselt ein Stein den Besitzer, bleibt er wegen seines Gewichts meist dort, wo er ist. Nur die Einheimischen wissen, wem die Steinscheiben gehören, wann sie den Besitzer gewechselt haben und warum. Die Geschichten mancher Steine umfassen mehrere hundert Jahre mündlicher Überlieferung. Auch das bestimmt ihren Wert. So kann ein zerbrochener Stein mehr wert sein als ein ganzer. Selbst Steine, die auf der Überfahrt von Palau verloren gingen, gelten als Währung, falls genügend Leute bezeugen konnten, dass es sie gibt.

Vorläufer des Bitcoins?

Wer das primitiv findet, erinnere sich daran, dass die Währungen vieler Länder einmal durch Goldreserven gedeckt waren. Gelagert wurde das unter grossen Gefahren gewonnene Edelmetall in Tresoren, zum Beispiel im berühmten Fort Knox. Für das Bezahlen mit Geldscheinen reichte es, zu wissen, dass es da war.

Eine Bankenzeitschrift hat die Rai-Steine sogar als Vorläufer von Bitcoin bezeichnet, da das Wissen über die Eigentümer dezentral abgespeichert ist. Auch Tresore sind überflüssig, denn wer klaut schon einen mehrere Tonnen schweren Stein?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Lüthi am 22.07.2018 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    Yap Steine. Die gewichtige Alternative zum Bitcoin

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  • Sandro am 22.07.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Stabiler als Bitcoin

    Es ist geradezu eine Beleidigung für Rai Steine, wenn man sie mit dem Spekulantenspielzeug namens Bitcoin (dessen Zwischen-Hype von letzter Woche auch schon wieder vorbei ist) in den selben Topf wirft. Die Steine haben nämlich ihren Wert immer noch und sind im wahrsten Sinne des Wortes eine harte Währung.

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  • Äde 1930 am 22.07.2018 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Präzidenten und Bolitiker

    Das ist wie heutzutage, hat man was verloren oder gibt es das nicht was man sagt, muss man nur genug finden die behaupten es gesehen zu haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • :) am 23.07.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naah..

    Das Schwerste war Gold. Nur so am Rande bemerkt ;).

  • M.G. am 23.07.2018 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fiktive Werte generieren

    Das taten die Tulpenzüchter in NL ab 1630. Statt zu warten bis die Zwiebeln austreiben um sind dann anzubieten verkauften sie Optionsscheine auf zukünftige Ernten. Bald wurden diese Optionen nicht mehr in der Absicht gekauft dafür in der Zukunft Tulpen zu bekommen sondern nur um die Scheine schnell mit Gewinn weiter zu verkaufen. Viele wollten dabei mitmachen und finanzierten ihre Optionskäufe mit Krediten. Als der Preis astronomische Höhen erreichte (3 Zwiebeln Semper Augustus waren ein ganzes Haus wert) schwand das Vertrauen in schnellen Gewinn, es kam zum Crash.

  • Alternative für die Schweiz am 23.07.2018 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld auf der Strasse

    Interessant zu wissen, daß mancherorts das Geld buchstäblich auf deren Straße liegt!! :)

  • Swissman am 23.07.2018 04:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Yapsen

    Nicht mit den Japanern zu verwechseln. Interessante Story.

  • M. E. Petter am 23.07.2018 02:18 Report Diesen Beitrag melden

    Yap liegt

    1'300 km östlich der Philippinen im westindischen Ozean; ja, ja, alles klar!

    • Expat am 23.07.2018 06:04 Report Diesen Beitrag melden

      Grüsse aus Cebu

      Es sind rund 1500 Km, in östlicher Richtung, von PH zu den Yap Insel. Nur das mit dem Westindische Ozean stimmt nicht. Die Yap Insel liegen im philippinische Meer.

    • Heidi am 23.07.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. E. Petter

      :-) Sie haben recht, liegt im WestPAZIFIK! Geographie sollte eigentlich im Zeitalter von Google Maps keine Glückssache mehr sein!

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