Fake?

20. Dezember 2019 15:40; Akt: 07.01.2020 16:26 Print

Instagram vs. Reality im Home-Office

von Daniela Gschweng - Gemütliches arbeiten zu Hause? Na ja: So falsch werden Home-Office-Arbeitsplätze auf Instagram dargestellt

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Die Füsse hochgelagert, die Kaffeetasse neben dem Laptop und auf dem Balkon noch ein bisschen arbeiten: So oder so ähnlich sehen Home-Office-Arbeitsplätze in den sozialen Medien aus. Die Realität ist eine andere. Auch diese findet sich in den sozialen Medien, allerdings weit weniger häufig.

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Zwischen viel Grün und zwitschernden Vögeln das nächste Meeting vorbereiten, das ist gefühlt fast so wie Ferien – eher Me-Time als Arbeit. Das Home-Office ist ein Wohlfühlort, stellen viele Bilder dar. Blumen auf dem Tisch heben die Laune, in der dunklen Jahreszeit leuchten neben Laptop und Tastatur stimmungsvoll ein paar Kerzen. An der Wand hängt auf vielen Bildern ein inspirierendes Theme-Board.

Mehr Inspiration als Realität

Solche Bilder sind durchaus im Interesse derer, die sie posten. Wer gelegentlich oder öfter zu Hause arbeitet, weiss: die Realität sieht meist ganz anders aus. Der Küchentisch, auf dem noch die Reste des Abendessens stehen, ist eben nicht so fototauglich. Arbeiten auf dem Balkon beschränkt sich, realistisch gesehen, auch auf wenige Stunden im Sommerhalbjahr.

Aber wer lässt sich nicht gern inspirieren – und wer gibt schon gern zu, dass die Arbeitsecke sich in einer dunklen Nische befindet? Für Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter, die nur gelegentlich eine Stunde zu Hause arbeiten, etwa nach Feierabend, ist das völlig in Ordnung. Ein paar Mails checken, noch einen Termin eintragen, dafür braucht es keine Büroinfrastruktur.

Privates und berufliches Trennen ist zu Hause schwieriger

Wer ganze oder halbe Tage zu Hause arbeitet, weiss: Wer arbeitet, braucht Platz, den es oft nicht gibt, genauso wie eine inspirierende Arbeitsatmosphäre. Auf den Schreibtisch stapelt sich Privates wie Berufliches durcheinander und «bitte nicht stören» ist ein frommer Wunsch.

Der Pöstler klingelt während der Telefonkonferenz, die Katze zerfetzt währenddessen sehr unfotogen wichtige Unterlagen und der Kaffee ist schon seit Stunden kalt. Falls es Platz für ein Theme-Board gibt, setzt es schon lange Staub an.

Echter Arbeitsplatz vs. Fotospot

Realistische Bilder gibt es, auch auf Instagram. Wer solche Bilder finden will, muss unter Umständen ein wenig scrollen. Erkennbar sind sie meist sofort. Die Ausleuchtung ist eher mässig, auf der mehr oder weniger grossen Arbeitsplatte stapeln sich Papiere und diverser Kleinkram.

Falls es ein Fenster gibt, ist selten heller Sommer. Meisten ist nicht einmal überhaupt Tag und der Drucker ist auch nicht hübsch. Stattdessen muss der Schreibtisch im Schlafzimmer Platz finden und überall sind sichtbare Kabel.

Instagram und Co. vermitteln ein falsches Bild

Das Bild, das Instagram und Co. zur Heimarbeit vermitteln, ist nicht nur aufgehübscht, es kann sogar gesundheitsschädlich sein. Den meist weniger fotogenen Bürostuhl vermeiden beispielsweise sowohl Influencer wie professionelle Fotografen bei ihren Motiven gern.

Wer mehr als gelegentlich ein paar Stunden im Home-Office arbeitet, sollte sich einen anschaffen, empfiehlt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in einer aktuellen Broschüre. Arbeit vor dem Bildschirm ist zu Hause nicht anders als im Büro. Arbeitsplatte und Sitzfläche sollten gegeneinander verstellbar sein, sonst drohen auf Dauer orthopädische Probleme.

Das gilt auch für den auf Fotos beliebten Blick aus dem Fenster, das direkt hinter dem Bildschirm ist. Noch fotogener ist ein verglaster Erker. Das ist ansprechend für den Betrachter, für die Augen aber Gift. Hat der Hintergrund eine grössere Helligkeit als den Bildschirm, und das ist am Fenster quasi immer der Fall, ist das im besten Fall ermüdend. Auf Dauer droht ein Sehschaden. Gegen Blumen und Theme-Board spricht aber nichts.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HLK Monteur am 20.12.2019 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Heizungsmonteur

    Ja das stimmt. Wie oft wurde ich doch schon unerwartet vom Heizungsmonteur gestört. Fast täglich.

  • Mike am 21.12.2019 01:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mike

    ALso ich mach HomeOffice gerade dann, wenn ich schierige Kopfarbeit habe und nicht ständig unterbrochen werden möchte. Komme im HomeOffice definitiv schneller voran, mag allerdings auch den sozialen Kontakt mit meinen Arbeitskollegen

  • Mutti am 20.12.2019 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten Männer kommen früher als erwartet

    Früher als sie selber erwartet haben, ich kenne mich da aus. Auch der Heizungsmonteur, wenn er mal wieder ein Rohr verlegen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nick am 21.12.2019 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Super praktisch

    Ich arbeite als Projektleiter und mache gern Telcos mit USA abends von zu Hause aus. Sonst müsste ich spät abends noch im Büro sein und dann noch nach Hause fahren, was mühsam wäre. Mit der heutigen Technik (Skype und so) kein Problem.

  • Ganjaflash am 21.12.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Farid Bang Hörer am 21.12.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt genau

    Stimmt genau. Wer glaubt Home Office bedeutet zu Hause die Füße hochzulegen und ein bisschen am Keyboard rumtippen und sich dabei wie der Boss zu fühlen irrt gewaltig. Mal wieder Instagram und co die ein falsches Bild vermitteln und alle glauben's. Super Artikel- danke

    • Christina am 21.12.2019 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Farid Bang Hörer

      Da stimm ich vollkommen zu!!! Auf Instagram ist ja bekannt, das bei solchen Bildern mehr schein als sein ist! Und sieht auch mehr nach Museum aus anstatt nach Arbeit. Es kann mir niemand sagen, dass er alle Unterlagen elektronisch hat ansatt auf Papier!!! Das gleiche wie das "perfekte" Zuhause dass mehr nach Ausstellung aussieht.

    • Lena am 21.12.2019 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christina

      wir haben ein 100% papierloses Unternehmen, ist schon möglich :)

    einklappen einklappen
  • EsLebeDasGeldUndDieMacht am 21.12.2019 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sponsoringbeitrag

    Was soll man von einem Bericht halten, der aus der Wirtschaft gesponsert wird? Richtig.... NICHTS

  • Melania Müller am 21.12.2019 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie Homeoffice

    Wenn ich Firmenchef wäre, würde ich nie Homeoffice erlauben. Das ist bei den Meisten nur Plöischle oder irgendwelche Arbeiten finden zu Hause statt oder der Mann hat gleichzeitig seinen Papatag. Das geht gar nicht!! In meinem Umfeld kenne ich sbsolut keinen seriösen Homeoffice-Mitarbeiter, alle zweckentfremden diesen Tag... traurig und tragisch zu gleich...