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Monte Carlo des Nordens

23. Juli 2018 17:13; Akt: 24.07.2018 10:14 Print

Was heute Hotel ist, war früher ein Zocker-Paradies

von F.Riebeling - Kursaal, Casino und Hotel: Das Atlantic Grand Hotel Travemünde hat wilde Zeiten hinter sich. Heute kann man hier die Seele baumeln lassen.

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Diese Ansichtskarte vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt: Imposant war der Kursaal von Travemünde – auch Kurhaus genannt – schon immer. Doch seine Nutzung variierte über die Jahrzehnte. Zunächst handelte es sich beim ihm – wie in der Seebäder-Architektur typisch – um ein repräsentatives Gebäude, das das städtebauliche und gesellschaftliche Zentrum des Kurortes markierte. Wenn man seine Freizeit nicht am oder im Meer verbrachte, ... ... kam man beim Kurhaus zusammen, wahlweise bei der Konzertmuschel (hinten rechts), im Restaurant, ... ... auf der Terrasse, in den Gärten, in den Lese- oder Spielräumen oder im Grossen Festsaal. Einer, der dieses Angebot gern und immer wieder annahm, war der Schriftsteller Thomas Mann. Ihm gefiel es hier so gut, dass er das Kurhaus in seinem Buch «Buddenbrooks» zum gesellschaftlichen Zentrum ihrer Sommerfrische machte. Mann war nicht die einzige Berühmtheit, die sich jeweils im Sommer an der Ostseeküste einfand. Neben ihm sah man an der Lübecker Bucht auch Grössen wie Franz Kafka. Der notierte im Juli 1914 in sein Tagebuch: «Nachmittags kurz mit nackten Füssen im Sand. Unangenehm aufgefallen» – damals war es noch verpönt, in der Öffentlichkeit nackte Haut zu zeigen. Ebenfalls oft in Travemünde anzutreffen war der norwegische Maler Edvard Munch («Der Schrei»). Mit dem Jahr 1949 änderte sich das Publikum im Kurhaus. Zwar kam man noch immer in ihm zusammen, doch im Fokus stand fortan nicht mehr die Begegnung selbst, sondern das Glücksspiel. Aus dem Kursaal war ein Casino geworden. Man traf sich im ehemaligen Herzstück, dem einstigen Festsaal, um miteinander Roulette, Rouge et Noire und Pharao zu spielen. Der Ruf des Casinos war so mondän, dass Travemünde den Spitznamen «Monte Carlo des Nordens» oder kurz «Travemonte» bekam. Dem mondänen Ruf von der Lübecker Bucht folgten unter anderem Sophia Loren, Kirk Douglas (im Bild), ... ... Lyss Assia und ... Marlene Dietrich. Letzterer verweigerte man der Legende nach den Zutritt zum Casino weil sie Männerkleider trug – einen Hosenanzug, ihr Markenzeichen. Wie erfolgreich – oder eben nicht – die Herren und Damen waren, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass sie im angeschlossenen Nachtclub La belle Epoque bis in die frühen Morgenstunden das Leben genossen. Genauso wie die Frau mit dem Bananenröckchen, Tänzerin Josephine Baker. An all das erinnert heute nur noch das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude selber. Nachdem 2004 die Casino-Lichter gelöscht waren, wurde es innen zu einem edlen 5-Stern-Hotel ausgebaut. Das Hotel im Jugendstilgebäude umfasst 72 geräumige Zimmer und Suiten. In den Räumlichkeiten des La belle Epoque befindet sich heute das Restaurant Holstein's, das neben norddeutsch angehauchtem Essen ... ... auch mit einer grossen Terrasse inklusive ... ... Panoramablick über Strand und Ostsee aufwartet. Hinzugekommen ist auch ein rund 600 Quadratmeter grosser Wellness- und Spa-Bereich. Der befindet sich zwar gut eingebettet in der Gartenetage des Hotels, trotzdem vergisst man dank der maritimen Gestaltung nie, wo man sich befindet ... ... nämlich am Strand der Ostsee, tierische Begegnungen inklusive. Und lässt das Wetter – anders als auf diesem Bild – einmal zu wünschen übrig, ... ... kann man unbesorgt sein. Denn der 20 Meter lange Indoor-Pool sorgt – dank der das offene Meer zeigenden LED-Wand – für stilechtes Ostseefeeling. Einzig der prachtvolle Kursaal ist weitgehend unverändert erhalten geblieben. Seitdem die Spieltische verräumt sind, kann er für Anlässe gemietet werden. All das zeigt: So sehr sich die Zeiten an der Kaiserallee 2 geändert haben, eines ist dennoch gleich geblieben: Man kann hier nach wie vor die Seele baumeln lassen.

Zum Thema
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Rien ne va plus – nichts geht mehr. So hiess es im Jahr 2004 im Casino an der Kaiserallee 2 in Lübeck-Travemünde zum letzten Mal. Es war das Ende einer bald 60-jährigen Geschichte, in der jede Menge prominente Namen vorkommen.

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Schon als reines Ostseeheilbad zog Travemünde Gäste aus aller Welt an. Darunter Grössen wie den norwegischen Maler Edvard Munch oder die Schriftsteller Thomas Mann und Franz Kafka. Sie fanden sich in der Regel am Strand oder im Kursaal an der Kaiserallee 2 zusammen.

Doch erst als nach dem Zweiten Weltkrieg das Glücksspielverbot aufgehoben wurde, avancierte der Ort zum wahren Hotspot. Und wieder stand die Kaiserallee 2 im Zentrum.

Monte Carlo des Nordens

Denn um eine Partie Roulette, Rouge et Noire und Pharao zu spielen, liessen sich die Gutbetuchten ab 1949 regelmässig im ehemaligen Kursaal blicken. Der imposante Raum mit der hohen und reich verzierten Decke verlieh dem neu eingerichteten Casino so viel Stil und Anziehungskraft, dass Travemünde den Spitznamen «Monte Carlo des Nordens» oder kurz «Travemonte» bekam (siehe Box 1).

Dem mondänen Ruf von der Lübecker Bucht folgten unter anderem Sophia Loren, Kirk Douglas, Lyss Assia und Marlene Dietrich. Letzterer verweigerte man der Legende nach den Zutritt zum Casino – weil sie einen Hosenanzug trug, ihr Markenzeichen.

Wie erfolgreich – oder eben nicht – die Herren und Damen waren, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass sie im angeschlossenen Nachtclub La belle Epoque bis in die frühen Morgenstunden das Leben genossen. Genauso wie die Tänzerin Josephine Baker, die mit ihrem Bananenröckchen berühmt wurde.

Neue Nutzung im alten Kleid

An all das erinnert heute nur noch das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude selber. Nachdem 2004 die Casino-Lichter gelöscht waren, wurde es innen zu einem edlen 5-Stern-Hotel mit 72 Zimmern und Suiten ausgebaut (siehe Bildstrecke).

In den Räumlichkeiten des La belle Epoque befindet sich heute das Restaurant Holstein's, das neben norddeutsch angehauchtem Essen auch mit einem Panoramablick über Strand und Ostsee aufwartet.

Einzig der prachtvolle Kursaal ist weitgehend unverändert erhalten geblieben. Seitdem die Spieltische verräumt sind, kann er für Anlässe gemietet werden. Wie er erinnern sonst nur die – vor allem im Restaurant – aufgehängten Schwarz-Weiss-Aufnahmen an die vergangenen Zeiten.

Sachen zum Machen – in Travemünde

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Svea am 23.07.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War toll da

    Interessante Geschichte eines wirklich schönen Hotels. War im Frühjahr erstmalig dort und werde wieder kommen

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  • marko 33 am 24.07.2018 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

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  • Te Rasse am 29.07.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steht schon auf meiner Liste

    Danke für die Infos

Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 29.07.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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  • marko 33 am 24.07.2018 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super

  • Svea am 23.07.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War toll da

    Interessante Geschichte eines wirklich schönen Hotels. War im Frühjahr erstmalig dort und werde wieder kommen

    • marko 33 am 24.07.2018 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Svea

      Genau

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