Living

Hier lesen Sie Geschichten über aussergewöhnliche Häuser, träumen mit uns von Schlössern und alternativen Lebensweisen.
Wir zeigen faszinierende Bilder aus der ganzen Welt und geben gleichzeitig praktische Tipps für Ihre Wohnung und den Umgang mit Vermietern.

Umnutzung

01. November 2018 16:02; Akt: 01.11.2018 17:00 Print

Aargauer wohnt in umgebautem Turm

von Daniela Gschweng - Ein Haus mit 44 Treppenstufen mitten im Grünen: Der Aargauer Paul Fischler wohnt in einem umgebauten Trafoturm.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer zufällig vorbeikommt, verrenkt sich unwillkürlich den Hals, um herauszufinden, wie das auffällige Bauwerk im Detail aussieht. Der ehemalige Trafoturm neben dem Dorfbach in Möhlin AG ist eine Attraktion im Dorf.

Der leuchtend gelbe Anbau, der am Turm klebt wie ein Rucksack, zieht die Blicke auf sich. Genauso wie der liebevoll gestaltete Eingang gleich an der Fussgängerbrücke. Zwischen grünen Wiesen, Hecken und Bäumen lebt dort seit 20 Jahren Paul Fischler, der das einstige Zweckbauwerk in ein aussergewöhnliches Heim verwandelt hat.

Jede Menge Grün und viele durchdachte Details

Als der Turm 1996 zum Kauf angeboten wurde, rettete ihn Fischler wahrscheinlich vor dem Abriss. Aufgewachsen ist er nur wenige hundert Meter entfernt. Der 1931 gebaute Trafoturm ist eine Landmarke seiner Jugend, ein Treffpunkt, an dem man sich mit dem Schulschatz traf, die erste Zigarette rauchte und Abenteuer erlebte.

Davon, dass er ihn Jahre später kaufen würde, hatte der Grafiker damals noch keine Ahnung. Heute freuen sich er und seine Partnerin über viel Sonne, Grün und eine unverbaubare Aussicht. «Ich habe das kleinste Haus in der Gegend und das meiste Grün drumherum», sagt der Hausherr gut gelaunt, bevor er durch das Törchen am Eingang bittet. Die parkartige Lage verdankt er dem in 20 Jahren mehrfach verschärften Baurecht. Direkt am Bach darf heute nicht mehr gebaut werden.

Der Weg ums Haus ist gleichzeitig Eingangsbereich und Veranda. «Viel mehr Grundstück brauche ich nicht», sagt Fischler. Turm und Eingang sind so nah am Bach, dass Fischler eine Leiter ins kühle Nass aufgestellt hat. Ein Rollo mit grünen Bäumen darauf trennt den privaten Bereich ab, dahinter leben Fischler und seine Partnerin auf insgesamt vier Stockwerken. Wer durch die Haustür tritt, steht in einer hellen, erstaunlich geräumigen Wohnküche mit Küchenzeile und Esstisch. Die Verandatür, die sich zum Bach öffnet, lässt den Klang des rauschenden Gewässers hinein. Ein Gefühl, als sässe man mitten im Grünen.

Wie ein gestapeltes «Tiny House»

3,5 auf 3,5 Meter misst eines der Turmzimmer. Ein Zuschnitt, wie er sich höchstens in Altstadthäusern oder in modernen Tiny Houses findet. Als «kleinstes Hochhaus der Welt» hat er es auf der am Bach angebrachten Tafel bezeichnet, auf der sich auch der Grundriss findet. Dank vieler kleiner erfinderischer Lösungen wie einem halbrunden, aufklappbaren Sideboard in der Küche wirkt es nicht im Geringsten eng.

Der gelbe Anbau, den man von aussen sieht, beherbergt auf drei Stockwerken einen Teil der Küche, das Bad und einen Wintergarten. In einem zweiten Anbau steht die Wendeltreppe. Überall finden sich kleine Details, wie ein Aussenbalkon für die Katzen. Eine Abstellfläche vor der Haustür ist gleichzeitig das Oberlicht für den Keller, in dem sich die Stube und eine kleine Waschküche befinden.

Neben dem Wintergarten im zweiten Stock hat sich Fischler ein Atelier eingerichtet, in dem er jedoch selten arbeitet. Er bevorzugt den Arbeitsplatz ausser Haus, der nur einige Minuten entfernt ist. Ganz oben unter dem Satteldach gibt es eine winzige Mansarde. Geheizt wird per Wärmepumpe, für den Notfall gibt es einen kleinen Ofen. 95 Quadratmeter Fläche hat das Häuschen insgesamt. Für zwei Personen und die Katzen Alaska und Joy ist das mehr als genügend Platz. «Wir könnten hier auch zu dritt wohnen», versichert Fischler.

Bis jemand sagte: «Das ist Kunst!»

Erdacht und entworfen hat Fischler «seinen» Trafoturm selbst. Ein befreundeter Architekt half bei der Planung und Berechnung. «Heute würde ich dieses Haus nicht mehr genehmigt bekommen», sagt er. Ganz einfach war es aber auch vor 20 Jahren nicht. Der Keller musste ausgehoben, die beiden Anbauten betoniert, Fenster und Treppenhaus eingebaut werden. Behörden wie Nachbar waren skeptisch und nach nur vier Wochen kündigte auch noch die Bank den Baukredit.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jerome am 01.11.2018 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Fotos!

    Fotos, ich will Fotos sehen und keine Videos. Besten Dank.

    einklappen einklappen
  • Nick Frey am 01.11.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Videos!

    Hört doch mit diesen blöden Videos auf, wenn es etwas Statisches zu zeigen gibt. Null Grund bei einem Wohnturm...

  • mörfi am 01.11.2018 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Treppenstufen

    Soll Niemand sagen, dieser Herr habe keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Launedernatur am 02.11.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja...

    Viel Spass, wenn eines Tages die Hüfte oder die Knie nicht mehr so Freude am Treppen steigen haben. Ich habe lieber alle Zimmer auf einem Stockwerk.

    • Martial2 am 02.11.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Launedernatur

      Absolut richtig, am besten ist immer noch einen Bungalow, null Stockwerke, keine Treppen... Das nennt sich Lebensqualität!

    • Karin am 03.11.2018 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Launedernatur

      leben und geniessen im JETZT ist besser! Spätere Situatuonen erfordern später neue Lösungen

    • Barbara am 03.11.2018 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Launedernatur

      ich wohne in einem dreistöckigen Ferienhäuschen im Grünen. Habe es mir gut überlegt, ob ... und wenn ... und wie... bin jetzt 76 und wohne seit 12 Jahren glücklich hier

    • Cecilia am 03.11.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Barbara

      genau, wenn man das ganze Lebeb überlegt, was wäre wenn - so verpasst man das ganze Leben

    einklappen einklappen
  • Anne Marie am 02.11.2018 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwindel.

    Es waere schoen den Film vom Wohnturm sehen zu koennen, aber esbewegtsichnichts! Auch die andere wohnfilme bleiben bewegungslos

  • Bürger am 02.11.2018 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst die Zeitzeugen stehen

    Es ist ein verbrechen bestehende Bauten einfach so abzureissen nur weil neues entsteht wobei sie noch meistens in Takt sind, erstens sind es Zeitzeugen der Vergangenheit und zweitens sind sie ein Kultureller Bestandteil. Beispiel die Kambly Fabrik in Lyss, daraus hätte man ein Jugendkultur Zentrum errichten können in dieser langweiligen Stadt, aber nein es muss neuen Unbezahlbaren Wohnung weichen, einfach nur dekadent das ganze in der Schweiz und dann reden wir all von Ökologie !

  • Ghost am 01.11.2018 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fotos!

    Wäre es zuviel verlangt ein Foto zu zeigen?

  • Henri Sonntag am 01.11.2018 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Stehen meist ungünstig

    Man kann dieses Haus googeln und findet dann schnell viele Bilder davon. Wie der Bewohner das Häuschen eingerichtet hat, gefällt mir nicht so. Die Idee, aus einem solchen trafoturm ein Haus zu machen, finde ich aber reizvoll. Ich schaue auch immer diese Trafotürmchen an. Leider stehen die meisten an stark befahrenen Strassen.