LA Auto Show

04. Dezember 2018 05:00; Akt: 03.12.2018 22:30 Print

In LA hat die Zukunft die Gegenwart überholt

von Dave Schneider und Thomas Geiger - Die LA Auto Show gehört zu den wichtigsten Messen. Doch 2018 werden nur wenige Neuheiten gezeigt, dafür spannende Ausblicke in die Zukunft.

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Nachdem die grossen Hersteller noch vor acht Wochen auf dem Pariser Salon die Tristesse gepflegt und Trübsal geblasen haben, geben sie sich in Hollywood wieder optimistisch und vor allem zukunftsfest. Denn die Stars der Messe sind vorwiegend Studien, die bei Design und Technik einen riesigen Sprung machen und trotzdem bald in Serie gehen. Die grossen Premieren bei den Serienmodellen sind allerdings rar.

Schönheitskönig Audi E-Tron GT

Der ungekrönte Schönheitskönig ist dabei der Audi E-Tron GT Concept. Nachdem das erste Elektroauto der Ingolstädter ein ebenso beliebiges SUV geworden ist, lockt das neue Modell mit den verführerischen Proportionen eines Gran Turismo – es soll Ende 2020 auf die Strasse kommen. Auch die Fahrleistungen begeistern: Angetrieben von zwei E-Motoren mit zusammen 590 PS und mit über 90 Kilowattstunden Akkupower schafft er den Spurt von 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden, eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h und eine maximale Reichweite von über 400 Kilometern. Die allerdings kaum zu erreichen ist, wenn man diese Werte ausreizt.

BMW zeigt mit der Studie iNext, wie ein elektrischer und autonomer Geländewagen für die Luxusklasse in Zukunft daherkommen könnte und lässt so den brandneuen X7 schon zur Premiere alt aussehen. «Das jüngste Visionsfahrzeug steht sinnbildlich für den Aufbruch in ein neues Zeitalter der Freude am Fahren», erklären die Münchner. Denn zum ersten Mal hat die BMW Group alle strategischen Innovationsfelder in einem Fahrzeug gebündelt: Autonomes Fahren, Connectivity, Elektrifizierung und Services (ACES).

Pick-up unter Strom

Ganz andere, aber nicht weniger ehrgeizige Ziele verfolgt das US-Start-Up-Unternehmen Rivian aus Michigan und macht sich mit dem R1T daran, das grösste und traditionellste Segment des US-Marktes umzukrempeln – mit einem rein elektrisch angetriebenen Pick-Up- Truck im Format des meistverkauften Autos der USA, dem Ford F-150, mit über 600 Kilometern Reichweite und dem Versprechen, bis 2020 tatsächlich in Serie zu gehen.

Etwas abseits steht da ein Auto, das sonst für gewöhnlich der Star jeder Show ist: Der neue Porsche 911. Er geht in Los Angeles in die achte Generation und kommt bei uns im Frühjahr in den Handel. Doch anders als die serienreifen Studien zeugt er (noch) nicht vom Aufbruch in eine neue Zeit, sondern versucht es noch einmal mit Evolution statt Revolution. Das gilt fürs Design genau wie für die Technik: Denn sehr zur Freude der Porsche-Puristen bleibt es vorerst bei den bekannten und nur im Detail optimierten Boxer-Motoren mit zunächst 450 PS im Carrera S.

Gladiator oder souliger Stromer?

Der monströse Jeep Gladiator, eine um 80 Zentimeter verlängerte Pick-Up-Variante des Wranglers, ist eher ein Eingeständnis verschlafener Produktplanung als eine Innovation. Da macht der neue Kia Soul als coole Kiste aus Korea deutlich mehr her – erst recht mit der Zusage, dass er nach Europa nur noch als Elektroauto kommt.

Die beiden mit Abstand ungewöhnlichsten Antworten auf die aktuellen Fragen der PS- Branche sieht man allerdings bei Mazda und bei Volvo: die Schweden zeigen einen Stand, auf dem kein einziges Auto zu sehen ist. Auch die Japaner schwimmen mit der vierten Generation des Mazda3 gegen den Strom. Entgegen des derzeitigen Trends hin zur umfänglichen Digitalisierung und Automatisierung setzt der Hersteller aus Hiroshima weiterhin voll auf die Kernwerte der Marke: Auf das Fahrerlebnis, die Präzision, auf japanische Handwerkskunst.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 04.12.2018 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Kein Wort zum neuen selbstzündenden Benzinmotor von Mazda? Auch wenn ich ein grosser Freund des Elektroantriebs bin sehe ich ein, dass Elektroautos die Verbrenner noch nicht in allen Fälle ablösen können. Daher wäre doch etwas zu dieser Technik wissenswert. Aber da es nicht von den üblichen Verdächtigen kommt ist das wohl nicht so interessant wie das nächste Konzeptfahrzeug für den Autofriedhof.

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  • PROLLTRASH am 04.12.2018 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso?

    autonomer offroader...das dümmste was ich je gehört habe. wer gerne offroad fährt mag doch die herausforderung und nicht das sinnentlerte herumchauffiert werden...

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  • Markus am 04.12.2018 05:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus nix wird nix

    Den deutschen Autohersteller gehen für ihre aktuellen Oldtimer so langsam die Kunden aus. International sowieso, gerade auch in China. Außer Konzeptstudien und großer Klappe ist nix. Das wird auch so bleiben, Sie haben nämlich auch keine Batterien.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 05.12.2018 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Europa am Ende

    US-Cars sind so gut wie nie, ich konnte den Lincoln Navigator und den Continental fahren. Cadillac CT6 und den kleineren ATS hatte ich bereits als Leihwagen. Aber warum wird der EU-Automarkt von GM fast komplett ignoriert ? Man kann zwar Cadillacs kaufen, aber aktiv beworben werden diese nicht, obwohl sie nie besser waren als heute und längst auf dem Niveau von BWM und dergleichen angekommen sind. Audi-MagneRide-Fahrwerke sind ja auch von GM (Delphi). Ist Europa wirtschaflich so erschlafft, dass der Markt nicht mehr bedient wird ?

    • Illumination am 06.12.2018 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny C.

      Lincoln Navigator ist wie Cadillac Escalade zu gross für Europa.. Continental ist "S-Klasse der Amerikaner" - mit tollem Aussen-/Innendesign ("ein Hauch von Jaguar") - mit 5.12 m Aussenlänge im vergleichbaren Rahmen.. Hightech/Komfort-Limousine mit Top-Ausstattung, auf Augenhöhe mit S-, 7er und A8-Klasse (zwar auch kein V8 mehr, aber mit 3,0 l/V6-BiTurbo-400 PS/550 Nm gut gerüstet), und wichtig für die Schweiz mit Option Allrad-Antrieb.. In USA vollständig ausgerüstet umgerechnet unter 60`000 Euro - aber Ford/USA ist über den Mustang hinaus nicht (mehr) interessiert an Europa - schade..

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  • Ronny C. am 05.12.2018 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ladenetz fehlt

    Der étron GT sieht, entgegen seinem französischen Namen, richtig gut aus. Audi hat gutes Design wieder entdeckt. Aber wo ist der "Vorsprung durch Technik" geblieben ? Solche Akkukapazitäten gibts bei Tesla seit 2013. Ich hätte nicht 95 kWh erwartet, sondern 150-180 kWh, das wäre ein technischer Vorsprung gewesen. Leider fehlt auch das Ladennetz. 400+ Standorte in Europa gegen unter 30 wo man den étron oder den Taycan laden kann. Hier müsste mal ein EU-weiter Effort gestartet werden, sonst sind Langstrecken einfach zu mühsam. Mit dem Telsa nach Dänemark ist kein Problem, aber mit dem Audi ?

    • Illumination am 06.12.2018 12:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny C.

      Warum nicht 150-180 kWh? Das wissen Sie doch selbst - Gewicht, Volumen, Platz und v.a. Preis - noch immer kostet 1 kWh Auto-Akku mind. 180$... ;-)

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  • SBRUN am 05.12.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft Elektrisch

    Sobald ein E-Auto um 30'000 CHF mit ehrlichen 250 km Reichweite auf den Markt kommt, und neben der üblichen 8 Jahre /150'000 km Garantie auf der Batterie auch noch ein Software Wartungsvertrag mit Gratisupdate zur Fehlerbehebung ebenfalls für die Dauer von 8 Jahren angeboten wird, kaufe ich das Auto. Ausserdem fände ich es angebracht, wenn E-Autos entsorgungsmässig gleichgestellt würden wie Waschmaschinen etc. Abgeben gratis.

  • Alfred A. am 05.12.2018 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenwart überrollt? Ehm, nicht ganz!

    Mitnichten hat die Zukunft die Gegenwart bereits überrollt. Vielmehr ist sie bestenfalls am Horizont sichtbar denn der Fahrzeug Markt wird noch immer von der klassischen Bauart dominiert. Luxus-Automodelle mit innovativen, schadstoffarmen Antrieben gibt es zwar schon einige. Die Vielfalt an wirklich alltagstauglichen Autos im unteren Mittelklasse- und Kleinwagen-Segment, die sich Durchschittsverdiener auch leisten können/wollen, ist jedoch noch sehr überschaubar. Auch bei der Lade-Infrastruktur muss noch Einiges gehen...

  • Der Clown am 04.12.2018 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Vergangenheit

    Da feiern sich die dem Untergang geweihten Recken einer überalterten Industrie. Diese Zukunft kommt aus der Vergangenheit und hat nicht viel neues dazugelernt.

    • Chris am 05.12.2018 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Armselige Clownerie

      Jahaaaaaaa, dafür trumpfen die ewig Vernachlässigten, die unter Aufmerksamkeitsmangel leiden, nun auf und erheben sich über die bösen "Anderen" in der Hoffnung, auch mal wer zu sein.

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