Autoausstellung Frankfurt

12. September 2019 05:00; Akt: 14.09.2019 11:22 Print

Spannungshoch im Stimmungstief

von Thomas Geiger - An der IAA wehrt sich die Auto-Industrie gegen den Bedeutungsverlust. Doch mehrere Serienmodelle mit Elektroantrieb zeugen vom Wandel in der Branche.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nur die Hälfte der Hallen geöffnet, viele grosse Hersteller gar nicht präsent, auf dem Messegelände nur wenige Fachbesucher statt der üblichen Menschenmassen und vor den Toren Demonstranten – die IAA in Frankfurt hat schon bessere Jahre gesehen. Doch die Autobranche stellt sich neu auf: SUV-Kritik hin, CO2-Richtlinien her und allen Umsatzsorgen und Gewinnwarnungen zum Trotz erzeugt sie mitten im Stimmungstief ein Spannungshoch. Denn nach Jahren der Ankündigungen wird jetzt endlich geliefert – die Hersteller starten im grossen Stil auf die Electric Avenue.

Allen voran fährt in diesem Jahr der VW-Konzern, der nun endlich auch Serienprodukte präsentiert statt nur abgehobene Ausblicke. Nicht nur, dass die Muttermarke mit dem ID.3 endlich selbst ein kompaktes Elektroauto mit einem Basispreis von etwa 32'000 Franken an den Start bringt – auch viele Tochtermarken sind inzwischen in der Startblöcken beim Thema E-Mobilität.

Porsche lanciert den vor vier Jahren als Mission E angekündigten Taycan und bietet den Gutbetuchten endlich eine Alternative zu dem inzwischen etwas in die Jahre gekommenen Tesla Model S. Seat zeigt den elektrischen Winzling Mii und Skoda den baugleichen Citigo, die sportlichen Spanier von Cupra rücken die seriennahe Studie Tavascan als elektrisches SUV-Coupé ins Rampenlicht. Audi überrascht mit dem AI-Trail: Was aussieht wie ein Mondauto soll nicht weniger als der Quattro der Zukunft sein, den sich umweltbewusste und naturverbundene Kunden immer dann ausleihen sollen, wenn sie mal ein Wochenende im Grünen verbringen wollen.

EQS – die erste elektrische Alternative zur S-Klasse

Auch Mercedes-Benz blickt ein Stück weiter den Electric Boulevard hinunter, bewahrt dabei aber deutlich mehr Bodenhaftung: Wenn auch die Vision EQS mit ihrer mehr als fünf Meter langen, weit überspannten Karosserie und den holografischen LED-Elementen auch futuristisch aussehen mag, so soll daraus doch in weniger als zwei Jahren die elektrische Alternative zur S-Klasse werden. Und wer so lange nicht warten will, der kann sich schon jetzt mit einem Update des fortan ausschliesslich elektrisch angetriebenen Smart oder mit dem EQV als erster Grossraumlimousine mit Batterieantrieb anfreunden.

Neu an der Ladesäule sind zudem der Opel Corsa, der in der jüngsten Auflage erstmals auch mit Stecker angeboten wird, der Mini E, der nach all der vielen Vorarbeit für BMW endlich selbst einen Akku bekommt, sowie der coole Kleinwagen Honda e, mit dem der erste japanische Hersteller ernsthaft mitmischt im Segment der reinen Stromer – und das zu Preisen ab 43'100 Franken für das Topmodell Advance.

Auch China stromert (umwelt-)freundlich nach Frankfurt

Unter den Japanern mag der Honda der erste sein, doch aus Asien sind noch mehr Stromer nach Frankfurt gekommen – allen voran aus China. So hat Byton den lange erwarteten M-Byte enthüllt und damit die letzte Scheibe von einer schier endlosen PR-Salami geschnitten. Wey nähert sich mit zwei weiteren SUV der Serienreife, Aiways gewährt einen Blick auf den U5, der ähnlich viel können soll wie ein Mercedes EQC und dabei nur die Hälfte kosten, und die Luxusmarke Honqi zeigt mit einem elektrischen Supersportwagen sowie einem riesigen SUV die ersten Entwürfe aus ihrem neuen Designstudio in München.

So ganz frei machen können sich die Hersteller von der alten Antriebs-Welt allerdings noch nicht. Das gilt im Kleinen für Autos wie den neuen Hyundai i10 oder die konventionelle Ausgabe des Opel Corsa, das gilt für SUV wie den neuen BMW X6 und für die überfällige Neuauflage des Land Rover Defender, der optisch ein wenig an ein Playmobil erinnert, digital up-to-date ist und künftig sogar als Plug-In-Hybrid kommt.

Zum Auftakt allerdings gibt’s Diesel und Benzinmotoren mit 200 bis 400 PS, alle mit 8-Gang-Automatik. Aber auch für die nach wie vor sehr beliebten Power-Varianten herkömmlicher Modelle wie dem Audi RS6 mit 600 PS oder dem BMW M8 Gran Coupé mit 625 PS fällt der Abschied von der Verbrenner-Welt noch schwer.

Der Sian – Lambo's Hypercar mit Hybridantrieb

Und das gilt erst recht am oberen Ende der Skala: Während die nicht minder exaltierte Schwestermarke Lamborghini mit dem Sian ihr erstes Hypercar mit Hybridantrieb zeigt und zumindest eine Kleinserie davon in den Handel bringt, rüstet Bugatti den Chiron weiter auf und bringt den fast 500 km/h schnellen Rekordwagen mit 1600 statt 1500 PS auf die Strasse.

Der Schaden für die Umwelt wird sich jedoch trotz eines Vollgasverbrauchs im dreistelligen Bereich in engen Grenzen halten: Denn erstens werden Bugattis traditionell pro Jahr nur wenige hundert Kilometer gefahren und zweitens wollen die Franzosen von ihrem Rekordrenner nur 30 Exemplare bauen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 12.09.2019 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Messen sind vorbei

    Wo gibt es SUV-Kritik ? Im serbelnden Europa vielleicht. Ich war gerade in den USA, die SUVs boomen noch extremer als vor ein paar Jahren, in China, Russland, im arabischen Raum usw. ist es nicht anders. Nur weil Europa wirtschaftlich langsam den Anschluss verliert und alle in einem irren Klimahype sind, gibt es keine echte Krise im weltweiten Automarkt. Aber ja, Messen an sich sind am Ende. Der Autosalon war mau, die grosse CeBIT existiert nicht mehr usw. Schade, gerade bei Autos muss man reinsitzen und die Haptik erleben können.

    einklappen einklappen
  • Ich nicht verstehen Mann am 12.09.2019 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sanfte Migration

    Schade hat VW den Markt nicht analysiert und studiert. Leider ist kein fähiges Hybridmodell für den Massenmarkt vergügbar. Elektro ist (noch) nicht Massentauglich und vor allem akzeptiert.

    einklappen einklappen
  • Manfred am 13.09.2019 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Grüner Traum

    In ca. 15 Jahren fahren nur noch E-Fahrzeuge, selbstständig natürlich. Atom und Kohlekraftwerke sind Geschichte. Die Grünen sind an der Weltmacht und alle halten Hand in Hand und spazieren durch unsere schöne Grüne Welt........

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roberto am 14.09.2019 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Utopisch

    Ok... angenommen man würde die Automobilindustrie revolutionieren und alle bestehenden Auto auf ch-Strassen durch elektro Fahrzeuge ersetzen, glauben die "Klima-Hyper" wirklich dass es möglich ist 4.5 Mio Fzg. gleichzeitig am Strom anzuschliessen ohne dass es einen Blackout gibt? Und woher soll dann der ganze Strom kommen?

    • Zulu am 15.09.2019 01:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Roberto

      Google mal selbst wie viel Strom benötigt wird, um Benzin oder Diesel herzustellen. Ich spoilere schon mal: Alleine in der Raffinerie (ohne Transport oder Bohrung!) werden pro Liter Benzin 1.5kwh Strom benötigt! Kannst selber rechnen, dass wir alleine durch den Wegfall der Raffinerien, unsere E-Autos tanken können! Die Öko-Bilanz von A - Z ist vernichtend für den Verbrenner! Nur rechnen die Verbrenner-Verfechter beim Verbrenner nur von A nach B...

    einklappen einklappen
  • Silent Whip am 14.09.2019 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was passiert den sonst noch so?

    "Bis im Jahr 2022 will Renault seine Elektropalette weltweit auf acht rein elektrische und zwölf elektrifizierte Modelle erweitern. Allesamt ausgerichtet auf den Massenmarkt. Für 2021 sei ein noch namenloses elektrisches Kompakt-SUV geplant, 2022 soll eine vollelektrische Variante des Renault Twingo folgen."

  • Silent Whip am 14.09.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leise Revolution

    Wer die Verkehrswende in der Zukunft sucht, wird sie nicht finden. Sie ist bereits da. ;-) Elektromobile sind die Zukunft für ZERO Emission

  • r.merz am 14.09.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstmord der Autoindustrie

    Es ist interessant, wie sich die Deutschen Hersteller selber das Wasser abgraben lassen. Etwas mehr Innovation und allen wäre geholfen. Notabene, mit Elektrokarren können 90% der Garagen schliessen. Da gibt es praktisch nichts mehr zu schrauben und zu tüfteln.

    • Jonny sh am 14.09.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @r.merz

      Dann kostet es auch nichts, ist doch schön?

    einklappen einklappen
  • B.D am 14.09.2019 01:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was zum...

    Was soll das bitte sein? Sind das die neuen Autos oder Weltraumfahrzeuge für den Mars oder so?