Autotest

13. März 2017 00:01; Akt: 15.03.2017 14:08 Print

Der Gelbe Hai

Lamborghini hat sein V12-Modell geschärft. Der Aventador in der neuen Evolutionsstufe S ist stärker, schneller und vor allem deutlich kurvengieriger geworden.

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Der Name ist eine Hommage an einen Kampfstier, das Design mit der aggressiven Schnauze, der glatten Haut und den im geöffneten Zustand fast schon flossenartigen Scherentüren wiederum von einem Hai inspiriert. Was grad ziemlich ironisch ist. Weil die Rennstrecke komplett unter Wasser steht, der Lamborghini Aventador S dort aber nicht wirklich in seinem Element ist.

Der erste Impuls: nach Luft japsen. Allradantrieb hin oder her – mit nunmehr 740 statt 700 PS, einer von 8'300 auf 8'500 U/min angehobenen Maximaldrehzahl und einem Beschleunigungsdrang, der erst bei 350 km/h endet, hat man alle Hände voll zu tun, sich über Wasser zu halten. Denkt man zunächst. Doch der grösste Feind eines Hais ist eher der Mensch als die Natur. Also ruhig bleiben. Nicht rudern, nur lenken. Die Keramikbremsen sanft zubeissen lassen. Dann klappt es auch mit dem Atmen.

Zumal man sich im Cockpit wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser fühlt. Die optimierte Aerodynamik, variabel übersetzte Lenkung und überarbeitete Pushrod-Radaufhängung sind mit allen Wassern gewaschen. Vor allem hat der Aventador S scheinbar eine Evolution durchgemacht: vom Wal- zum Zwerghai. Die neue Vierradlenkung sorgt bei niedrigen Tempi für eine virtuelle Verkürzung des Radstands, verbessert das Einlenkverhalten, reduziert Untersteuern. Verhielt sich das Vorgängermodell zuweilen ungelenk, werden enge Kehren jetzt zu leichter Beute.

Da beginnt man schon mal Blut zu lecken. Nicht obwohl sondern gerade weil der Mittelmotorsportler so herrlich gegen den Strom schwimmt. Der Auftritt: Anti-Unterstatement. Der 6,5-Liter-V12-Sauger: Anti-Downsizing. Der Sound: Anti-Nachbarschaftsruhe. Und mit schlechter Rundumsicht und nur 140 Ladelitern ist auch für Anti-Alltagstauglichkeit gesorgt – wenngleich die Dämpfer Bodenwellen respektabel schlucken. Aber jetzt bitte weiteratmen, auch diejenigen, die sich angegriffen fühlen. Erst bei 399'000 Franken geht’s los, ohne Steuern, ohne Extras. Die Chance, vom Blitz getroffen zu werden ist deutlich grösser als diesem Hai zu begegnen.

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt: «Der Lamborghini Aventador S: Ein neuer Massstab für Supersportwagen.»

Wir sagen:
Sagen? Der V12 ist unter Volllast so laut, dass wir schreien müssen. Also schreien wir: Massstab? Schwer zu beurteilen – die Konkurrenz aus Maranello und Woking ist ja auch nicht gerade zu verachten. Aber in Sachen Drama und Emotionalität macht sie dem neuen Supersportler aus Sant’Agata Bolognese tatsächlich nichts vor.

Das gefällt:
Das direkte Ansprechverhalten des Motors. Die Souveränität des Fahrwerks. Und vor allem die Leichtigkeit, mit der sich der 1,6 Tonnen schwere 4,8-Meter-Wagen dank der neuen Vierradlenkung durch enge Kurven schlängelt – kein Vergleich zum Vorgängermodell!

Das eher weniger:
Vernünftige Menschen kritisieren natürlich den Verbrauch, der trotz Zylinderabschaltung und Start-Stopp-System 16,9 Liter beträgt. Aber als unvernünftiger Mensch bedauert man bloss den hohen Preis.

Spannendes Detail:
Der Aventador S verfügt über einen Eco-Mode. Haben wir soeben Eco-Mode geschrieben? Pardon, die richtige Bezeichnung lautet Ego-Mode. So heisst das neue Fahrprogramm, mit dem sich Lenkung, Dämpfung und Antrieb individuell anpassen lassen.

Wer fährt so was?
Jemand, der sich das leisten kann – nicht nur finanziell sondern auch hinsichtlich des extrovertierten Auftritts.

Alternativen dazu:
In unter drei Sekunden von 0 auf 100 geht es auch mit dem kürzlich in Genf enthüllten Ferrari 812 Superfast. Ebenfalls neu: der McLaren 720S. Weniger Prestige, dafür ähnlich spektakuläre Fahrleistungen zu einem Bruchteil des Preises bietet der Nissan GT-R.

Am Steuer:
Nina Vetterli-Treml, Mitarbeiterin der Textlab GmbH und Testexpertin in der SRF2-Autosendung «Tacho».

(nv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Illumination am 14.03.2017 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Design vor Funktion..(?)

    Unabhängig der Technik und Fahreigenschaften - betreffend Design baut Lamborghini für mich die "schärfsten" Sportwagen - schon immer bis heute - dagegen sind Ferraris richtig "weichgespült"... ;-))

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  • Sandro am 14.03.2017 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    lambos

    Ich binn sehr angethan von diesn Autos, ich konnte vor drei Jahren ein Lamborghini Countach LP500SQV kaufen.

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  • Leser am 14.03.2017 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Heiss

    Tolles Auto! Leider findet der Normalbürger heute kaum mehr ein bezahlbares Auto mit wenigstens 6 Zylindern... Lieber 200 PS aus einem 3.0 Liter V6, als 220 PS aus einem 1.8 Liter Turbo Vierzylinder... Mit dem V6 kann man im Parkhaus einfach im 2. Gang mit Standgas aus dem Parkplatz rollen ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicolas Manzi am 19.03.2017 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Aus der Sicht von Frank Sinatra

    Der große Frank Sinatra sagte einmal: Wenn du jemand sein willst, dann kaufe dir einen Ferrari. Wenn du jemand bist, kaufe dir einen Lamborghini.

  • RT am 19.03.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der schönste Sportwagen seit eh und je !

    Der schönste Sportwagen seit eh und je !

  • Fire am 18.03.2017 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön aber zu teuer

    Ich finde Lambos super schöne Autos. Nur hat für mich bis jetzt immer die Vernunft über das Herz gesiegt als ich mit den Gedanken spielte mir so einen zu kaufen. Auch wenn das Geld vorhanden wäre ist das Preis/Leistungsverhältniss einfach jenseits von gut und böse. Alle Autos die um die 500'000er Grenze sind egal wie schnell, gut oder toll sie sind kommen mir nicht in die Garage. Ausserdem: Wenn ich mit meiner Viper den Soundcheck neben einem Avantador mache muss ich mich nie verstecken. Aber ich liebe nun mal den Sound der Ami's...

    • Autofan am 19.03.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fire

      Der Kaufpreis ist ja nur das eine, denn kann man noch aufbringen wenn man es wirklich will. Was bei diesen Autos wirklich teuer ist ist der Unterhalt des Fahrzeugs. Einmal im Jahr muss er sicher in die Garage, da muss die Kupplung ersetzt werden und einige andere Verschleißteile. Nur das macht schon 5000 CHF, das jedes Jahr. Dazu kommen Steuer und Versicherungen, ab und an müssen auch neue Reifen drauf, die sind auch günstig. Dann noch der zweit Wagen, da man ja nicht jeden Tag mit dem Lambo zur Arbeit fahren kann, er ist halt kein Altagsauto.

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  • lspd am 18.03.2017 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schöner Wagen

    Der Wagen kommt mir bekannt vor, habe ihn letzte Woche in Los Santos gesehen.

  • Simon S. am 18.03.2017 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbei...

    Beschleunigt lahmer als ein Tesla - die Zeit der Verbrenner ist tatsächlich vorbei...

    • Lömu am 18.03.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

      Muss das sein?

      Ja ich mag Tesla auch. Bin auch schon einen Tag ein Model S gefahren. Die Beschleunigung ist tatsächlich atemberaubend. Aber hey, wir vergleichen hier keine Elektroautos mit Supersportwagen. Das sind einfach zwei KOMPLETT andere Welten. Der Tesla mag von 0-100 ein paar Zehntel schneller sein, aber ein Lambo (welchen ich übrigens hässlich und zu prollig finde) legt ab 100 erst los. Auf dem Rundkurs und bei höhren Tempi (wofür solche Autos gebaut sind) hat ein Tesla keine Chance. Man kann beides toll finden, aber sicher NICHT vergleichen. Die ewigen "der Tesla ist schneller" Posts nerven echt!!

    • David.d am 18.03.2017 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simon S.

      Wetten der Tesla läuft keine 350km/h? Vergleich die beiden mal auf der Rennstrecke, nach der ersten kurve ist der Lambo weg.

    • Der Schweizer am 18.03.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simon S.

      Ein lautloses Auto entfacht bei mir gar nichts. Beim Aventador bekommt man nur schon bei Standgas Hühnerhaut.

    • Kai am 19.03.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simon S.

      Ein Tesla ist KEIN Auto er ist ein Elektro Rolator für Senioren

    • Bepo am 19.03.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simon S.

      Dein Tesla beschleunigt - wenn überhaupt - genau 1 Mal bei vollem Akku derart schnell. Danach ist die Power raus. Bei Lambo etc. geht das bei jedem Durchdrücken. Vernünftiger ist dein Tesla jedoch allemal ;-) Aber vergleichen wir nicht Äpfel mit Birnen. Dein Lithium-Panzer ist sowas von nicht Renn-tauglich. Muss er ja aber zum Glück auch nicht.

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