Car of the Week

14. September 2018 19:30; Akt: 15.09.2018 11:22 Print

Der elektrische Mustang – Vision oder Wahnsinn?

von Michael Köckritz - 2019 startet Ford mit dem Mustang Mach 1 EV «fully electric». Der muss allerdings den Namen ändern und wird nicht Sportler, sondern SUV .

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Der erste rein elektrische Ford soll ein SUV sein, vier Türen haben, 2020 auf den Markt kommen und über eine Reichweite von rund 480 Kilometern verfügen. Übrigens: Der allererste Mustang wurde 1964, bereits zwei Tage vor seinem offiziellen Debüt am 17. April, verkauft. Line up mit coolen Hipstern: Der (Ur-)Mustang I wurde von 1964 bis 1973 produziert. Lineup der Biedermänner: Zwischen 1979 und 2003 fiel der Mustang durch charakterloses Design in all seinen Variationen auf. Das Mustang-Emblem im Kühlergrill war das Einzige, das an den temperamentvollen Vorgänger erinnerte (Mustang III, Produktionszeitraum 1979 – 1993, Mustang IV 1994 – 2004). Im Januar 2004 wendete sich zum Glück das Blatt: Auf der North American International Auto Show NAIAS wurde ein durch die Modelle Ende der 1960er-Jahre inspiriertes neu gestyltes Modell im Retro-Design vorgestellt. Eine offizielle Version für Europa war nicht vorgesehen, allerdings wurde der Mustang von mehreren Importeuren in Europa angeboten (Mustang V: 2004 – 2014). Der Mustang der aktuellen Generation lässt auch optisch wieder seine Muskeln spielen. Zwar kann er als 2,3-Liter EcoBoost 4-Zylinder mit 317 PS geordert werden, richtig Freude kommt aber wohl nur im GT mit 5,0-Liter-V8-Triebwerk auf. Wahlweise mit 6-Gang-Schaltgetriebe oder 10-Stufen-Automat – aber immer mit 451 PS unter der Haube (Mustang VI: 2014 – heute). 2018 brachte Ford wiederum ein Sondermodell des Mustang heraus. Der neue Bullitt ist bereits das dritte seine Art seit 50 Jahren. Zur Ausstattung des Bullitt zählen ein manuelles Sechsganggetriebe, dessen Schaltknauf eine weiße Billiardkugel trägt, eine Auspuffanlage mit Klappensteuerung, speziell geformte Recaro-Sportsitze, eine 1.000 Watt starke B&O-Soundanlage sowie eine Sonderlackierung wahlweise in Shadow-Black oder jenes Dark Highland Green, in der auch das berühmte Filmauto lackiert war. Der erfolgreichste amerikanische Sportwagen im «Zeitraffer» von 1964 bis heute siehst du auf den folgenden 9 Dias.

Der erste rein elektrische Ford soll ein SUV sein, vier Türen haben, 2020 auf den Markt kommen und über eine Reichweite von rund 480 Kilometern verfügen.

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Ford wird elektrisch und plötzlich sind alle gespannt – was zwei Gründe hat: Erstens gibt der amerikanische Autohersteller via Social Media nur tröpfchenweise Informationen zum neuen E-Modell Mustang Mach 1 EV heraus, nur um sie ein paar Tage später zu revidieren – und zweitens handelt es sich um einen Sportwagen, der – kurz gesagt – seit Generationen geliebt wird.

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Was die Informationspolitik angeht, so werden an einem Tag dunkle Zeichnungen mit roten Akzenten gezeigt, die darauf hindeuten, dass die kommenden Elektromodelle aus Dearborn aufregend werden könnten, am nächsten Tag erfährt man, dass der Neue kein Sportwagen wird, sondern ein SUV. Dass er vier anstatt nur zwei Türen haben wird. Dass er 2020 auf den Markt kommen wird. Und eine Reichweite von rund 480 Kilometern haben soll. Mach 1 darf er allerdings nicht mehr heissen und Nase und Po sind jetzt nur noch «Mustang-inspired». Das ist kein jähes Erwachen, sondern eine Art langsame Erweckung.

Was den Wagen selbst angeht: Unter all den Ikonen, die zum Imageträger ihrer Hersteller wurden, wandelte sich der Ford Mustang seit seinem ersten Auftritt im Jahr 1962 vom Nischenprodukt zum herausragenden Symbol motorisierter Generationen. Er war in zwei James-Bond-Filmen und unzähligen Fernsehserien zu sehen – und redet heute jemand über Verfolgungsjagden im Kino, dauert es höchstens einen Herzschlag oder zwei, bis die Sprache auf Steve McQueens sensationellen Ritt durch San Francisco in «Bullitt» kommt.

Auslöser für das Genre der amerikanischen Pony Cars

Ursprünglich als Konkurrent zum Plymouth Barracuda und zur Corvette des Erzfeinds General Motors entwickelt, war der Mustang Auslöser für das Genre der amerikanischen Pony Cars, kleine und sportlich motorisierte Fahrzeuge, die auch Kurven konnten. Mehr als 418'000 Mustangs verkaufte Ford weltweit in den letzten drei Jahren, mehr als eine Viertelmillion allein im vergangenen Jahr.

Man kann es Ford also nicht verdenken, diesen symbolischen – und fiskalischen – Wert ausschlachten zu wollen. Denn wenn 2020 der vollelektrische Ford in Dearborn vom Band rollt, wird er auf den ersten Blick wie ein Mustang aussehen. Front und Heck sind stilistisch nicht nur an den ikonischen Sportwagen angelehnt, sondern bewusst auf dessen sportliches Styling getrimmt.

Ford Team Edison, so der offizielle Name der Abteilung, die sich um zukünftige E-Modelle bei Ford kümmern wird, solle mit einem «holistischen Ansatz beginnen,» schrieb Darren Palmer, Team Director und bekennender Mustang-Fan, in einem Online-Post. «Wir mussten bereit sein, jede Realität und jede Vorgehensweise, die wir im Laufe unserer Karrieren gelernt haben, infrage zu stellen.» Ganz so neu ist die Eröffnung allerdings nicht. Schon im Januar kündigte Ford auf der Auto Show in Detroit an, mit einem «Mustang Mach 1 EV» im Jahr 2020 aufzuschlagen.

Auf «Mach 1» gab es zu viele negative Reaktionen

Der Name blieb als Erstes auf der Strecke. Laut Jim Farley, Executive President für Global Markets, gab es auf Mach 1 zu viele negative Reaktionen von eingefleischten Mustang-Fans, speziell in Verbindung mit elektrischen Antrieben. Ob das elektrische Pony trotzdem Mustang im Namen führen wird, ist noch unklar. Und wie weit die Nähe zum Original gehen wird, lässt Ford noch offen. Denkbar wäre ein höher gelegtes Fastback-Design, ähnlich den X4- und X6-Modellen von BMW oder den GLCs von Mercedes.

So oder so: Der Weg, den Ford eingeschlagen hat, ist eine Gratwanderung zwischen Vision und Wahnsinn.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Illumination am 14.09.2018 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    SUV mit vier Türen..

    Alles schön und gut - hat aber mit einem "Mustang" gar nichts zu tun, sollte also ganz einfach auch nicht so benannt werden - was für eine "Furzidee"... ;-)

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  • Marc am 14.09.2018 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mustang Fan

    Geht gar nicht! Ein Affront! Pfui!! Ich liebe diese Autos! Ein Traum! Die toll klingenden V8 Motoren! Mega!! Und nun das? Geht gar nicht! Richtig ecklig... pfui Ford!

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  • Kowalski am 14.09.2018 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    "Mustang" - Vergewaltigung

    Irgend Yale oder Harvard x Gasoline-Futzi leitet das FORD E-Power Team. SUV und Bullitt-Spirit geht nicht. Es geht auch nicht mit dem GT40. Ohne eigenständiges eKonzept fliegt Ford mächtig auf die Schnauze. Offenbar arbeitet bei dieser Automotive die 2te Garde. NB: Citroen degradiert "ihre Königin DS" auch via Solo-Nummer DS - schreckliche Fahrzeuge im Angebot ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunpower am 17.09.2018 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow! Genial !

    Der Wirkungsgrad von Elektroautos liegt bei ca. 90%, der von Diesel bei ca. 45%. Die Verbrenner sind also schlicht und einfach die schlechteren Futterverwerter.

    • C.Di Caro am 18.09.2018 07:38 Report Diesen Beitrag melden

      Wirkungsgrad schlecht

      45% in der Spitze. Durchschnittlich sind es max. 20% beim Diesel. Solange diese Autos mit riesigen Kühler vorne fahren müssen, weil sie sonst überhitzen würden, zeigt ganz deutlich, dass diese mehr heisse Luft produzieren als etwas anderes.

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  • Robin Hood am 17.09.2018 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Never

    Die breite Masse will einfach nicht elektrisch fahren, was auch die Zulassungszahlen klar aufzeigen. Ich fahre lieber mit einem V8 dem Weltuntergang entgegen. Das retten der Welt überlasse ich gerne anderen.

    • Sunpower am 17.09.2018 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Robin Hood

      Findest du es immer noch fair und toll das du nach einem Softwareupdate des Herstellers du dann selber plötzlich 2000.- für ein neues Abgasrückführungsventil (AGR) bezahlen musst, weil es wegen Kurzstreckenfahrten verkokt?

    • Pablo am 17.09.2018 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Autos die wie Smartphones ein Softwareupdate brauchen kauft man nicht oder entsorgt sie. Ein richtiges Auto hat seit über 20 Jahren eine perfekt funktionierende Software. Das einzige Update ist ein Chiptuning damit er bei gleicher sparender fahrweise weniger braucht und bei abruf mehr leistet. AGR schrott, und wenn dann zerlegt man das selber und putzt es alle x 10tkm. Gehört zum gleichen Service wie die Motorentlüftungen zu säubern.

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  • Sunpower am 16.09.2018 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bye Bye Diesel

    Die Verbrenner werden nur noch aus sentimentalen Gründen gekauft.

    • Illumination am 17.09.2018 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Solange das E-Modell-Angebot noch "dünn" ist, mehrheitlich im oberen Preissegment, mit erheblichem Mehrpreis gegenüber vergleichbaren Verbrennern, mit "mässigen" bis unzureichenden Reichweiten unterhalb 60 kWh-Kapazität, mit nach wie vor regional unterschiedlich ausgeprägter öffentl. Ladestruktur, mit nach wie vor mehr oder weniger langen Ladezeiten - gibt es durchaus "handfeste" Gründe für Verbrenner.. Und bei den grossen Autos zeigt der Diesel nach 150`000 km die mit Abstand beste CO2-Bilanz.. Haben Sie schon mal ein E-Fahrzeug als Zugfahrzeug mit Anhänger gesehen?.. ;-)

    • Sunpower am 17.09.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Ja dieses Zugfahrzeug gibt es nächstes Jahr von Sono Motors aus München. In übrigen was soll ökologisch daran sein, Erdöl aus dem Boden zu pumpen um die halbe Welt zu befördern, energieintensiv mit dreckigem Kohlestrom zu raffinieren und per Diesel-LKW an jede einzelne Tankstelle zu schippern?

    • Illumination am 17.09.2018 20:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Daran ist gar nichts ökologisch - aber ich weigere mich, ein E-Auto effizienztechnisch und ökologisch als Ideal zu sehen.. Allein der Energiebedarf zur Herstellung einer Traktionsbatterie entspricht der Menge Treibstoff, mit der konventionell angetriebene Autos gut und gerne 50-100`000 Kilometer weit fahren können.. Es bedarf also einer hohen Laufleistung, damit die Ökobilanz eines E-Autos am Ende besser ausfällt als die eines herkömmlichen Fahrzeugs. Und damit wir uns richtig verstehen - ich bin nicht gegen E-Fahrzeuge, sondern nur für eine sorgfältige, differenzierte Argumentation.. ;-)

    • Sunpower am 17.09.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Da gibts Untersuchungen, u.a. vom ADAC (ganz sicher kein E-Auto pusher). Alle E-Autos sind umweltschonender (Herstellung+Betrieb). Bei den saubersten ist dies schon nach 2 Jahren der Fall, die "schmutzigeren" benötigen etwas länger. Hängt auch noch vom Strom ab - in der CH haben wir grösstenteils sauberen Strom dank Wasser und Atoms. Zudem: die Batterieproduktion wird zunehmend umweltfreundlicher. Kurz: dass E-Autos umweltschädlich sind, ist ein schon längst widerlegtes Märchen aus der Verbrennerecke.

    • Illumination am 17.09.2018 20:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Zumindest ich behaupte nicht, dass E-Autos umweltschädlich(er) sind - es geht darum, "wieviel" umweltfreundlicher sie sind (unter Berücksichtigung aller, teilweise variabler Faktoren) - kurz: Es gibt keinen Antrieb, der generell am besten ist.. ;-)

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  • Dany am 16.09.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nein!!

    Hört doch auf...So macht ihr den Mustang einfach nur kapput.

    • Marketing Blabla am 17.09.2018 02:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dany

      Bis jetzt dachte ich immer, die Deutschen seien die absoluten Ankündigungsweltmeister. Nun machen es ihnen die Amis wohl nach. Mal schauen, ob sie dann auch liefern können.

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  • PROLLTRASH am 15.09.2018 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    ich dachte wir hatten ein problem als es in als v6 und ecoboost gab. nun ist ford auch kollabiert. was kommt als nächstes? raptor mit pedalantrieb?