Erster Porsche-Stromer

04. Oktober 2019 05:00; Akt: 03.10.2019 22:22 Print

Die DNA in die Zukunft gebeamt

von Thomas Borowski - Über keinen Porsche wurde so viel geschrieben, bevor er auf der Strasse war, wie über den Taycan. Bei den Probefahrten überzeugte der erste Elektro-Porsche mit markentypischen Qualitäten.

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Dreht sich die Diskussion um die Marke Porsche, sind die Meinungen schnell gemacht: Porsche steht für Design, Sound, Antrieb und Funktionalität – sie bilden die DNA der deutschen Sportwagenmarke. Da liegt es auf der Hand, dass der neue Porsche Taycan, das erste reine Elektrofahrzeug der Zuffenhausener, unter Einbezug eben dieser Prämissen beurteilt wird.

Umfrage
Ob Porsche-Fan oder nicht (und Geldbeutel hin oder her): Was hältst du von Porsches erstem Stromer?

Trägt der Taycan genug Sportlergene in sich, die seit dem Ur-Porsche sorgfältig von Modell zu Modell weitergegeben wurden? Hält ein Elektro-Porsche in Sachen Sportlichkeit mit seinen Verbrenner-Brüdern mit? Der Fragenkatalog ist beliebig lang, der bei der ersten Ausfahrt die klärenden Antworten liefern soll. Und die Erwartungen sind hoch, schliesslich investiert Porsche bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Stromer-Fertigung.

Ein reinrassiger Sportwagen – trotz Elektroantrieb

Werden Elektrofahrzeuge in der Regel in flachen Gegenden vorgestellt, um mit Reichweite zu beeindrucken, präsentiert Porsche seinen Stromer gleich in der Meisterdisziplin, der kurvigen Bergfahrt zwischen Dornbirn und Innsbruck. Zuerst aber beantwortet ein Augenschein die Frage nach dem Design.

Ja, die viertürige E-Limousine mit ihrer abfallenden Dachlinie, dem markentypischen Heck mit markanten Radläufen ist auch in Natura auf Anhieb als Porsche erkennbar. Die auffälligen Luftschächte vor und hinter den Frontkotflügeln sind ebenso Geschmackssache, wie das futuristisch anmutende Cockpit mit bis zu fünf Digitaldisplays. Und dass die Fondsitze nur kleinen Personen genügend Kopffreiheit bieten, überrascht bei der flachen Fahrzeugsilhouette kaum. Dafür stellen die Gepäckfächer vorne und hinten alltagstaugliche 447 Liter Stauraum zur Verfügung.

Der Sound kann nicht überzeugen, der Antrieb schon

Beim Sound macht sich nach den ersten Kilometern dann eine wortwörtlich leise Enttäuschung breit. Hier muss man sich von traditionellen Gewohnheiten verabschieden. Die surrende Geräuschkulisse im Taycan hört sich auch mit Aktivierung des Porsche Electric Sport Sounds beim besten Willen nicht sportlich an. Zudem wird das Geräusch bei hohen Tempi von den Radabrollgeräuschen übertönt, und das ist auch gut so, schliesslich ist die Ruhe einer der Pluspunkt von Elektrofahrzeugen.

Dagegen macht sich im Taycan beim Antrieb und der Funktionalität absolute Begeisterung breit. Hier haben die Porsche-Ingenieure ihr Versprechen eingelöst und einen unglaublich präzisen und dynamischen Sportwagen auf die Räder gestellt, dessen Schwerpunkt dank den Batteriepaketen im Unterboden gar tiefer liegt als beim Porsche 911.

Im Taycan Turbo S mit 761 PS stehen im Overboost-Modus bei der Betätigung des Fahrpedals unglaubliche 1050 Newtonmeter Drehmoment bereit. Das bedarf der Angewöhnung, denn beim Antritt presst der Porsche Fahrer und Passagiere mit unglaublicher Wucht in die Sitze. Weitaus vernünftiger und immer noch sportlich fühlen sich die 680 PS und 850 Newtonmeter im Taycan Turbo an, der mit weniger Leistung protzt, dafür mit mehr Reichweite gesegnet ist.

800 Volt-Systemspannung sorgt für kürzeste Ladezeiten

Gemäss der WLTP-Zulassung hat der Turbo eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern, beim Turbo S sind es bis zu 412. Sind die Batterien mit maximal 93,4 kWh Gesamtkapazität leer, erlaubt die 800 Volt-Systemspannung deutlich reduzierte Ladedauern: Am Schnelllader mit Gleichstrom (270 kW) sind die Batterien in einer Kaffepause in nur 22,5 Minuten auf bis zu 80 Prozent geladen. Allerdings gibt es in der Schweiz erst sieben dieser Ladestationen von Ionity. An der häuslichen Wallbox mit Wechselstrom (11 kW) dauert die Ladung von 0 auf 100 Prozent rund neun Stunden.

Immer an Bord ist mit auf der Vorder- und Hinterachse angebrachten E-Motoren bei beiden Modellen der Allradantrieb. Ein speziell entwickeltes Zweiganggetriebe sorgt dafür, dass der Spagat zwischen der antrittsstarken Beschleunigung im ersten Gang und der zusätzlichen Beschleunigung des automatisch schaltenden, zweiten Ganges bei hohem Tempo gewährleistet ist, bis zur Spitzengeschwindigkeit von 260 km/h. Hat man bei der Optionenliste alle Häckchen gesetzt, lässt sich der knapp fünf Meter lange Taycan mit Allradlenkung und Wankstabilisierung so spielend leicht um die Kurven zirkeln, dass man das Gewicht von 2,3 Tonnen nie spürt.

Bis auf den Sound trägt der Taycan also in allen Belangen die Porsche-Marken-DNA in sich. Dass er damit in der Schweiz Anklang finden wird, ist für die Stuttgarter keine Frage. «Seit der Weltpremiere hat die Nachfrage nach dem Taycan unsere Erwartungen voll erfüllt», bestätigt Michael Glinski, Geschäftsführer der Porsche Schweiz AG, auf Anfrage: «Das Optionsprogramm für Kaufinteressenten mit einer Anzahlung von 2500 Franken lief sehr gut. Wir rechnen damit, dass er neben dem Porsche Macan unser Bestseller wird.»

Porsche Taycan Turbo

Modell: Viertürige Sportlimousine

Masse: Länge 4963 mm, Breite 1966 mm, Höhe 1378 mm, Radstand 2900 mm

Kofferraum: 366 (hinten) und 81 (vorne) Liter

Motor: Zwei permanenterregte Synchronmaschinen mit bis zu 625 PS (Turbo S bis 761 PS)

Batterie: Lithium-Ionen-Akku mit 93,4 kWh

Reichweite (WLTP): 381 bis 450 Kilometer

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 3,2 Sekunden (Turbo S: 2,6 s), Höchstgeschwindigkeit 260 km/h

Verbrauch: 26,0 bis 26,9 kWh auf 100 Kilometer (Werksangaben)

Markteinführung: Februar 2020

Preise: Turbo ab CHF 194 900.–, Turbo S ab CHF 237 500.–

CO2-neutrale Produktion

«Der Taycan entsteht ganz bewusst in Zuffenhausen, wo Herz und Seele der Marke ihre Heimat haben», sagt Albrecht Reimold, Produktionsvorstand von Porsche. Das umzusetzen, war nicht einfach: In das bereits dicht bebaute Werksgelände nahe Stuttgart mussten der Karosseriebau, die Lackiererei, ein Werk für die Fertigung von Elektromotoren, die Fahrzeugmontage sowie ein 900 Meter langer Fördertunnel gebaut werden. Der Taycan wird CO2-neutral gefertigt: Strom aus erneuerbaren Quellen, Biogas zur Wärmeerzeugung, elektrifizierte Logistikfahrzeuge, Abwärmenutzung, begrünte Dachflächen und autonom verkehrende Transportwagen anstelle eines herkömmlichen Produktionsbandes sind die Zutaten für diese «Zero Impact Factory». (ds)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 04.10.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So sieht die Wahrheit aus

    Den Erlös für das Lithium schöpfen in erster Linie ausländische Konzerne ab. Am meisten leidet das Ökosystem, denn das Salz kommt dort im Grundwasser in mehreren hundert Metern Tiefe vor und muss in Verdunstungsbecken an die Oberfläche gepumpt werden. Chemikalien zur Ausfällung störender Mineralien kommen hinzu. Pro Tonne so gewonnenen Lithiums verdunsten 2.000 Tonnen Grundwasser. Später braucht es Lösungsmittel wie Kerosin und Salzsäure. Nicht alle eingesetzten Chemikalien landen auf Deponien, viele belasten als Schadstoffe die Natur. Das ist die bittere Wahrheit der e-Mobilität.

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  • V8 Fan am 04.10.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Turbo?

    Gibt es Elektromotoren mit Turbo?

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  • Conny S am 04.10.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Spielzeug für die Reichen

    Dieses Auto kauft man nicht wegen dem Umweltschutz sondern weil es eine enorme Beschleunigung hat und extravagant ist. Ob der Umwelt damit gedient ist wage ich zu bezweifeln.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pit am 09.10.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Anti Grüner

    Lösung einfach, hört auf mit Elektrokisten und setzt voll auf Synthetische Verbrennungsstoffe das ist das einfachste und sinnvollste Mittel gegen einen zu hohen CO2 Ausstoss !

    • Kassensturz am 14.10.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pit

      Nicht sinnvoll, da 1 Liter 4.50.- Euro kostet.

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  • Max Empört am 07.10.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anachronismus

    600 ökologische PS? Man sieht ja für was 600 PS gut sind, wenn man in Dietikon wohnt, wenn wie am Sa wieder einmal Unschuldige unter die Räder kommen. Solche übermotorisierten Teile sollten für die öffentlichen Strassen nun wirklich endlich verboten werden.

  • Elektroturbo am 06.10.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Lasst das Spielzeug den Reichen um ihr gewissen zu beruhigen...

    • Erwachsene Kindsköpfe am 07.10.2019 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elektroturbo

      Nein, nehmt es ihnen endlich weg, damit es auf den Strassen sicher wird.

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  • Benny am 06.10.2019 04:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totale Masslosigkeit

    Es sollte im Interesse der Natur nicht mehr zulässig sein, ein Fahrzeug mit mehr als 50 PS auf die Strasse zu bringen. Der Gesetzgeber sollte da rigorose Vorschriften erlassen.

  • Max Unvernunft am 06.10.2019 03:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völliger Blödsinn

    Öko und Energiesparen geht definitiv anders. Dieser Porsche bekommt zwar ein Pseudoökodeckmänteli aber ist und bleibt wie jeder leistungsstarke Tesla doch nur eine Energieverschwendung erster Güte. Wer braucht wirklich ein Auto, das mit so viel Leistung so viel Energie sinnlos verschleudert, nur um maximal 2 Personen zu transportieren? Wann verbietet der Staat endlich solche Exzesse und führt eine rigorose Leistungsbeschränkung ein? Man kann doch nicht dauernd von Sicherheit im Strassenverkehr faseln und dann Solches zulassen.

    • Pete am 07.10.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Unvernunft

      In Dietikon hat man ja am Sa wieder einmal deutlich gesehen, was die Typen mit solchen Autos anrichten. Aber gewisse Leute sind einfach unbelehrbar. Da gehört endlich ein Verbot hin! Deshalb wähle ich auch grün.

    • ingenieur am 12.10.2019 03:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Unvernunft

      der porsche verbraucht ca 25 kwh pro 100 km. und euer benzinfahrzeug? das 4fache, richtig! dein beitrag ist also ein eigentor.

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