Car of the Week

11. Januar 2019 05:00; Akt: 10.01.2019 22:36 Print

Die Zukunft automobilen Zens

von Michael Köckritz - Nicht der Weg ist das neue Ziel, sondern das Unterwegs-Sein. Infiniti orientiert sich mit seinem Concept Car QX Inspiration mehr am Wohlergehen des Passagiers als am Top-Speed.

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In der automotiven Halbwelt der Concept Cars gilt vor allem eins: mehr Bling, weniger Reality. Infiniti, die Luxusmarke von Nissan, machte da bislang keine Ausnahme – der im vergangenen Jahr vorgestellte Sportwagen Prototype 10 war sicherlich atemberaubend, aber hatte ungefähr den Realitätswert eines bunt eingefärbten Einhorns. Mit dem Crossover-Modell QX Inspiration beschreitet Infiniti diesmal einen anderen, mehr an der möglichen Serienproduktion angelehnten Weg, wobei man den Begriff Serienproduktion nicht allzu eng auslegen sollte.

«Der QX Inspiration ist der Beginn einer neuen Ära für Infiniti und zeigt, wo wir mit der Marke hin wollen», sagt Karim Habib, der Design Chef von Infiniti. «Die neuen Technologien haben uns die Möglichkeiten gegeben, unsere Design-Philosophie weiter zu entwickeln – und dieses Automobil kommuniziert die in sich ruhende Kraft in unserem Kern.»

Nachdem sich Infiniti Mitte 2017 Karim Habib als Chef-Designer der Marke sicherte, entwickelte sich das Gesicht der Marke weg vom grandios-wuchtigen Stil in eine mehr feingliedrige Grandezza. Habib, der als Chef-Designer bei BMW die 7er Serie, den X6, den X3 und das 6er Gran Coupé entwarf, kennt sich aus mit der Optimierung optischer Balance und konzeptioneller Harmonie bei grossen, luxuriösen Fahrzeugen. Und mit der Ausrichtung auf die Elektromobilität vergrössern sich die Spielräume.

Bis 2025 mehr als die Hälfte elektrisch

Ein Jahr ist es her, da hatte Nissan-CEO Hiroto Saikawa in Detroit angekündigt, ab 2021 elektrisch angetriebene Fahrzeuge vorzustellen und damit bis 2025 mehr als die Hälfte seines weltweiten Absatzes zu generieren. Wie diese elektromobile Infiniti-Zukunft aussehen kann, zeigten sie praktischerweise auch gleich mit ihrem Q Inspiration Concept – einem futuristischen, Tesla-orientierten Sedan. Jetzt, ein Jahr später, wird es mit dem Crossover-Concept QX Inspiration nicht nur eine Nummer grösser sondern auch konkreter.

Der erste Eindruck: Das QX Inspiration entwickelt die optische Linie der bisherigen SUV von Infiniti dramatisch weiter in die Zukunft. Die typisch wuchtige Masse der traditionellen Infiniti-Modelle bleibt erhalten, die wuchtigen Kanten dagegen treten zugunsten fein modellierter Flächen in den Hintergrund, wodurch das Fahrzeug zur Skulptur auf Rädern wird.

Ein Gefühl militärischen Personen-Transporters

Man mag sich zwar fragen, warum ein E-Mobil einen solch gigantischen Motorraum benötigt, aber in der Gesamtform macht sich das gut. Die extrem minimierten Glasflächen vermitteln das Gefühl militärischer Personen-Transporter, ein Eindruck, der von dem mächtigen Bug mit den schmalen Leuchteinheiten noch unterstrichen wird. Auf eine Kühlergrill-Anmutung wie beim Q Inspiration verzichten die Design nun komplett.

In der Seitenansicht stört lediglich ein surrealer Dreifach-Knick den skulpturalen Eindruck, aber der mag (hoffentlich) den Konzessionen der Serienproduktion zum Opfer fallen. Das Heck überrascht mit einem Styling, das auch einem Supersportwagen gut zu Gesicht stünde: extrem hochgezogene Linie, durchgehendes LED-Lichtband und ein Heckfenster, das mehr der Form huldigt als der Funktion.

Diese Form werde erst durch die Verwendung der neuen, elektrifizierten Antriebs-Technologie ermöglicht, heisst es von Seiten des Unternehmens. Mit exakten Details hält sich Infiniti zwar noch bedeckt. Aber soweit bekannt ist, sollen die Reichweiten Werte von Verbrennungsmotoren erreichen. Aber ohnehin wird das Interieur wichtiger und wichtiger. Das ist freilich kein Alleinstellungsmerkmal von Infiniti, den Innenraum als Verkaufsargument der Zukunft haben alle grossen Hersteller für sich entdeckt und arbeiten an High-Tech-Oberflächen, haptischen Textilien und innovativem Design.

«Omotenashi» – das japanische Prinzip der Gastfreundschaft

Infiniti schafft jedoch eine Art automobilen Zen: grosser Raum, moderne Sitze, ihre Anordnung und deren Bezüge sorgen für die von allen erwünschte E-Car-Lounge-Atmosphäre. Der gesamte Innenraum wurde handgefertigt mit traditionellen Techniken und Materialen, die eine subtile japanische Sinnlichkeit versprühen sollen. Die Philosophie, die dahintersteckt, nennt sich «Omotenashi» und bezeichnet das japanische Prinzip der Gastfreundschaft. Es soll eine einladende Umgebung geschaffen werden, die den Fahrer in jeder Hinsicht unterstützt und die Insassen mit der umgebenden Welt bestmöglich vernetzt.

Karim Habib nennt seine Design-Linie bei Infiniti «zurückhaltend, ruhig und offen.» Und er hat mit dem QX Inspiration damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Einfacher ist eben manchmal mehr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • I///MFan am 11.01.2019 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Infiniti

    Habe mir sogar vor Kurzem diverse Infiniti-Modelle angesehen. Die Marke an sich ist ziemlich interessant, nur dass sie überall den 2.2 Liter Diesel einsetzen verstehe ich nicht. In Fahrzeugen welche 2 Tonnen wiegen wird ein 2.2 Liter Motörchen nicht viel bringen. Aber sonst gibt es wenig auszusetzen, vor allem der Q50S gefällt mir sehr. Die Marke - sowie auch Lexus - sollte mehr Anerkennung in Europa erhalten meiner Meinung nach.

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  • Portal am 13.01.2019 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Infos

    Auf den beiden Portalen ecomento de und electrive net findet man extrem viele spannende Informationen zu dem Thema Elektromobilität.

  • @Sebi v. Heiden am 11.01.2019 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konservative

    BMW, Mercedes und Audi ist richtig konservativ mit ihren aufgeklebten Display, nichts schönes. Lexus ist was für Leute die nicht den Einheitsbrei wollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark am 13.01.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lithium-Fahrer

    morden genau wie Verbrenner-Fahrer. Verbrenner direkt ab Auspuff, Elektro mit den Batterien und den Kohlekraftwerken. Ball flach halten, ihr Unwissenden...

    • C.Di Caro am 18.01.2019 00:43 Report Diesen Beitrag melden

      Zu kurz gedacht!

      Denn bei der Energiebilanz von Benzinern und Diesel muss mehr eingerechnet werden als Herstellung von Auto und Öl. Etwa Folgen von Fracking, Tankerunglücken, Kriegen um Öl, graue Energie für Förderung, Transport, Raffinierung, Tankreinigung oder Entsorgung von Altöl, Filtern und giftigem Katalysatorstaub. Und unsere urbanisierte Welt leidet zunehmend unter dem Feinstaub, den Verbrenner in die Städte pumpen.

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  • Portal am 13.01.2019 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Infos

    Auf den beiden Portalen ecomento de und electrive net findet man extrem viele spannende Informationen zu dem Thema Elektromobilität.

  • Alfons am 12.01.2019 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Habe den Vorgänger gehabt.Tolles Auto. Würde so gebaut, wie die Studie war. Also kann man hoffen, dass es wieder so wird.

  • Find ich gut am 12.01.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wirklich Gute an der Sache

    Solange diese Sun-Irgendwas hier dauernd posten, verstopfen sie wenigstens die Strassen nicht.

  • Seher am 12.01.2019 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lauter Illusionen

    Die Zukunft des automobilen Zens werden Fussgänger und Schuhmacher sein. Wetten, dass?