E-Premiere aus China

27. August 2019 12:00; Akt: 26.08.2019 21:01 Print

Dieser Elektro-Chinese drängt bald nach Europa

von Thomas Geiger - Der M-Byte von Byton feiert im September in Frankfurt Weltpremiere. Der «Tages-Anzeiger» ist den elektrischen Prototypen in den USA gefahren.

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Bislang stand der Byton M-Byte vor allem für seine riesigen Displays und seine umfängliche Connectivity: Mit einem Bildschirm über die gesamte Breite des Armaturenbretts und einem Touchscreen im Lenkrad sowie mit Finessen wie einer Gesichtserkennung anstelle des Autoschlüssels hat sich der elektrische Neuling aus China vor knapp zwei Jahren in die Schlagzeilen gebracht. Und weil die Macher der Marke allesamt ehemalige Spitzenkräfte von BMW sind, wurde aus dem Start-Up nicht nur ein Tesla-Jäger, sondern gleich auch ein Herausforderer, vor dem selbst Mercedes-Benz und Audi mit ihren Elektroautos zittern müssen.

Zwar ist nach schwierigen Finanzierungsrunden und Personalrochaden auch Byton auf dem Boden der Tatsachen angekommen, doch die Entwicklung des elektrischen Erstlings läuft auf Hochtouren: Während die Theoretiker die Premiere des Serienmodells auf der IAA in Frankfurt im September vorbereiten, geben die Praktiker den Prototypen gerade den letzten Schliff. Wann immer der neue Entwicklungschef David Twohig mal nicht im Flugzeug zwischen dem Werk in Nanjing, dem Forschungszentrum im Silicon Valley und der heimlichen Zentrale in München ist, sitzt er deshalb am Steuer eines Prototypen und kontrolliert, wie das Puzzle der Premium-Zulieferer so langsam ein fertiges Bild ergibt.

Der M-Byte soll 2020 auf europäischen Strassen fahren

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Dabei folgt er einer Philosophie, die ganz anders ist als bei Tesla & Co. Denn nur weil Elektroautos beschleunigen könnten wie ein Porsche, dürfe man sich nicht dazu verleiten lassen, sie auch so abzustimmen. «Sonst machen sie am Ende nur dem Fahrer Spass», mahnt Twohig. Und weil der trotz des für 2020 avisierten Europastart des M-Byte – zumindest anfangs – vor allem in China und dort in Stauhochburgen wie Shanghai oder Peking unterwegs sein wird, verliert Fahrdynamik noch stärker an Bedeutung.

Nicht, dass der M-Byte behäbig wäre. Mit 200 kW und Heck- oder 350 kW und Allradantrieb hat auch er einen Punch wie ein Preisboxer und beschleunigt trotz der gut und gerne 2,5 Tonnen mit einem gehörigen Nachdruck. Doch hat Twohig weniger den Fahrer als die Passagiere im Sinn und will sie mit ungeahntem Komfort umgarnen. Wenn der Chefentwickler von einer neuen Federkonstruktion schwärmt, mit der sich die Strasse wie ein Fluss anfühle und wenn der Prototyp dabei auch ohne Luftfeder oder aktive Dämpfer so sanft über diese «Liquid Road» gleitet, als wären die Insassen in Watte gepackt, dann wähnt man sich eher in einer traditionellen Luxuslimousine als ein einem elektrischen Erstling.

Digital-Displays beherrschen das Cockpit

Doch keine Sorge, allzu lange verharrt man nicht im Hier und Heute: Dafür sorgt die riesige Bildschirmlandschaft, hinter der sich der Fahrer fühlt wie Captain Future. Ein Touchscreen zwischen den Sitzen, einer im Lenkrad und dazu das digitale Armaturenbrett, das sich über die komplette Fahrzeugbreite. Allerdings ist das Geflimmer gewöhnungsbedürftig: Während man mit dem Tablet in der feststehenden Nabe des Lenkrads überraschend gut zurecht kommt, bindet der riesige Screen unter der Scheibe gefährlich viel Aufmerksamkeit und hindert zudem den Blick auf die Strasse, speziell direkt vor die Haube – gut, dass der M-Byte nicht nur hoch assistiert fahren, sondern auch autonom einparken können wird.

Während man sich damit in der ersten Reihe wähnt wie in einem Spaceshuttle und zudem vor allem im völlig ebenen und ausgeräumten Fussraum mehr Platz hat als in jedem anderen Auto, verharren die Hinterbänkler in der Gegenwart. Nicht nur, dass der M-Byte trotz seines stattlichen Formats von knapp fünf Metern in der zweiten Reihe weniger Knieraum bietet als erwartet und das Dach ungemütlich früh abfällt. Nein, wer nicht sein Smartphone mitbringt und sich ins lokale Wifi-Netzwerk klinkt oder dem Vordermann über die Schulter schaut, bekommt auch von der Digitalisierung nicht viel mit. Aber dafür sitzt man – Twohigs Angst vor der Sportwagenfalle sein Dank – immerhin wie auf Wolken gebettet.

Eine Akkuladung soll bis zu 520 Kilometer weit reichen

Dass Twohig überhaupt so viel Mühe auf die Abstimmung verwendet, ist dabei durchaus eine Überraschung. Denn bislang hat Byton so sehr die Connectivity betont und die riesigen Bildschirme des M-Byte hervorgehoben, dass der Eindruck entstand, die Fortbewegung sei für die Chinesen eine lästige Nebensache. Doch Twohig will den M-Byte nicht auf seine digitalen Funktionen reduziert wissen und legt Wert auf die Qualitäten der alten Welt. Nicht umsonst stecken im Bauch Batterien mit 71 oder 95 kWh für bis zu 520 Kilometer Normreichweite, die man schliesslich gebührend geniessen soll: «Auch ein Smartphone muss fahren können, wenn wir Räder dran bauen», meint Twohig trocken.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elektra am 27.08.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt gehts los!

    Jetzt müssen sie nur noch einen vernünftigen, möglichst einfachen kleinen Kombi (z. B. in der Grösse eines Clio Grandtours) bauen und die Autos würden sich verkaufen wie warme Gipfeli! ;)

  • NEX am 27.08.2019 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go Byton Go!

    Was die Reichweite angeht ist der Chinese den deutschen Bastelbuden wie der E-tron oder der EQC schon weit voraus wobei der letztere sogar noch Uralt Technik wie ein nur einphasig ausgelegtes Wechselstrom-Ladegerät mit an Bord hat!

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  • E-go! am 27.08.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wettbewerb tut gut

    Mir gefällt, dass es immer mehr Wettbewerb gibt bei der E-Mobilität! Das beschleunigt den Fortschritt! Aber muss es unbedingt ein plumpes, schweres, grosses SUV sein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stromkopf am 30.08.2019 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Petrolköpfe

    Die Oellobbyisten und Petrolköpfe haben in einigen wenigen Jahren nichts mehr zu lachen.

  • Technologie-Susi am 29.08.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    good technology

    Wird ein Elektroauto ausschliesslich mit Strom aus nachhaltigen Quellen betrieben, lässt sich die CO2-Belastung über den gesamten Lebenszyklus um mehr als zwei Drittel reduzieren. Für ABB Grund genug, die Integration von Strom aus Wasserkraft, Wind- oder Sonnenenergie voranzutreiben. Ein Beispiel: Die von ABB produzierten Windrad-Generatoren sind in den vergangenen 30 Jahren um das 200-fache leistungsfähiger geworden. Sie sorgen dafür, dass ungleichmässig erzeugte Windenergie mit stabiler Spannung ins Stromnetz gespeist wird.

    • Wind-Susi am 29.08.2019 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Technologie-Susi

      Bringt ja nix das Zeugs herzustellen wenn die Windpärke (mind. in der Schweiz) durch die Umweltorgis immer verhindert werden.

    • ProGreenenergyAntiLeft am 29.08.2019 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Wind-Susi

      War eben im Jura biken. Ich sah dort geschätzte 30 Windgeneratoren. Es sah für mein Empfinden sogar ziemlich elegant aus. Aber stimmt schon, die Windgeneratoren-Verhinderer sind echt mühsam. Das ist eben auch ein Widerspruch "unserer" Grünen...

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  • socom V8 am 29.08.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Teure Servicekosten entfallen...

    Muss ich mir jetzt Sorgen machen wegen meinen Auto-Ersatzteilen? Lassen sich die überhaupt noch verkaufen? Motorenöl, Ölfilter, Luftfilter, Zündkerzen, Kühlflüssigkeit, Diesel-Filter, Benzin-Additive. Auch Bremsscheiben und -Klötze werden, wegen der Rekuperation von E-Motoren, viel weniger gebraucht! Sieht nicht gut aus um mein bis anhin leicht verdientes Geld!

    • Ratgeb-Susi am 29.08.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

      @socom V

      Ja, musst Du! Am besten Du richtest Dein Ersatzteil-Geschäft auf nachhaltige Technologie aus... Die moderne Technik bleibt eben auch nicht vor Deiner Haustür stehen... ;)

    • Pneu-Susi am 29.08.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @socom V8

      So schön, mit dem Elektroschrott kann ich sogar darauf verzichten immer neuen Pneus zu kaufen ... Wieso? fragt die e-Susi ... Weil der Elektroschrott mehr auf dem TCS- Anhänger steht als er fährt.

    • Ratgeb-Susi am 29.08.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Pneu-Susi, aka socom V8

      Wusste nicht, dass Du neben Autoersatzteilen auch noch mit Elektroschrott handelst...

    • Pneu-Susi am 29.08.2019 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ratgeb-Susi

      Nein, ich handle sicher nicht mit e-Mobilen

    • Ratgeb-Susi am 29.08.2019 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Pneu-Susi

      Lesen (und verstehen) ist offenbar nicht Deine Stärke. Ich schrieb nichts von e-Mobilen, sondern von Elektroschrott...

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  • Diesel-Susi am 29.08.2019 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brauchen wir

    Egal wer sie herstellt. Wir brauchen diese Diesel- und Benzin Fahrzeuge. Weiter so!

    • Technologie-Susi am 29.08.2019 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Diesel-Susi

      Nein, die braucht es nicht. Oder sicher bald nicht mehr. Modernere Technologien werden diese, eher früher als später, ablösen. Es gibt bald keinen vernünftigen Grund mehr diese zu fahren. Besonders die Betrugs-Diesel gehören nicht mehr auf die Strasse!

    • Diesel-Susi am 29.08.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Technologie-Susi

      Dein "bald" wird in etwa 20 Jahren sein, wach auf!

    • socom am 29.08.2019 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Diesel-Susi

      Lieber erst in 20 Jahren als in 20 Jahren immer noch Dieselschrott!

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  • Powerflower am 29.08.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Brauchen wir!

    Egal wer sie herstellt. Wir brauchen diese emmissionsfreien Fahrzeuge. Weiter so!