Alfa Romeo

13. April 2014 23:08; Akt: 13.04.2014 23:08 Print

Eine Frage der Ehre

von Dieter Liechti - Alfa Romeo liess einst die Herzen von Autofans höher schlagen. Dann wurde die Marke ins Koma gespart, der 4C soll sie nun wiederbeleben.

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Ganz ehrlich: Für ein knapp geschnittenes Sportcoupé bin ich nicht nur zu alt, sondern auch – sagen wir mal – «zu muskulös gebaut». Und so gestaltete sich der Einstieg in den knallroten 4C vor ein paar Tagen nicht ganz so einfach: Zuerst mit dem rechten oder linken Bein einsteigen? Startete ich mit dem rechten, so musste ich das linke von Hand über die Karbonschweller wuchten? Startete ich mit dem linken, blieb der Kopf draussen. Also Variante 1 und hoffen, dass niemand zugeschaut hat.

Das ist allerdings kaum möglich. Denn wo man mit der italienischen Flunder hinfährt, fällt man auf wie ein roter Hund. Oder eben ein roter Alfa. So viel Aufmerksamkeit «geniesst» ein Fahrer normalerweise nur in einem echter Supersportwagen. Und die kosten das Dreifache des 4C. Denn der 2-Sitzer rollt schon ab 66'000 Franken auf die Schweizer Strassen. Das ist zwar viel für einen Alfa, aber mehr als fair für den 4C.
Denn wer sich mal auf den überraschenden bequemen Sportsitzen installiert hat, staunt: Zum einen über das ergonomisch zwar gute, aber viel zu unspektakuläre Cockpit, zum andern über den Höllenlärm, den der 1,75-Liter-4-Zylinder im Heck entfacht. So tönen normalerweise Ferraris oder Lamborghinis. Oder Maserati. Und das ist kein Zufall, denn der 4C wird auch bei Maserati in Modena gebaut.

Kein Wunder also, dass der Motor des 4C nicht nur röhrt, stöhnt, schreit und poltert wie ein ganz Grosser, sondern auch dementsprechend beschleunigt: Nur 4,5 Sekunden vergehen, dann steht der TFT-Tacho auf 100 km/h. Wer den Fuss auf dem Alublech stehen lässt, erreicht auf der deutschen Autobahn 258 km/h.

Das sind zwar nicht Werte für den Alltag, aber fürs Image. Und genau darum geht es beim 4C – endlich mal wieder echte Emotionen und ein laut pochendes «Cuore Sportivo».

Alfa Romeo 4C
Modell: 2-sitziges Sportcoupé.
Motor: 1,75-Liter-4-Zylinder mit 240 PS (177 kW).
Gewicht: 895 Kilogramm.
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 4,5 s. Höchstgeschwindigkeit 258 km/h.
Verbrauch: 6,8 Liter/100 km, 157 g CO2/km.
Preis: Ab Fr. 66'000 .
Infos: www.alfaromeo.ch

Alltag
Für den Alltag ist der Alfa Romeo 4C nicht gemacht – zu hart, zu laut, zu unbequem. Der 4C ist ein Spassmobil – auf der Rennstrecke, oder der Ausfahrt über die Pässe.

Geld
Da wir den praktischen Nutzen bei einem Spassmobil nicht bewerten, gibt’s die volle Punkzahl. Denn so viel Spass für so wenig Geld gibt’s nirgends.
✭✭✭✭✭

Sexappeal
Der 4C ist ein Hingucker und Sympathieträger. Egal ob im Zürcher Seefeld oder im Berner Oberland – selbst Velofahrer zeigen mit dem Daumen nach oben.
✭✭✭✭✭

Spass
Das ist Fahrspass pur. Endlich mal wieder ein Auto, das den Fahrer arbeiten lässt. Keine überflüssige Elektronik, sondern viel Charakter. DAS Spassmobil.
✭✭✭✭✭

Umwelt
Natürlich sind die 6,8 Liter wie bei der Konkurrenz reine Theorie. Aber in Anbetracht der Fahrleistungen sind auch knapp 10 Liter noch okay.
✭✭✭✭

Gesamt
Der 4C ist sicher nicht der beste Alfa Romeo aller Zeiten. Auch nicht der Schönste. Aber in der Summe der mit Abstand faszinierendste des neuen Jahrtausends.
✭✭✭✭