Mercedes

14. Juli 2014 07:00; Akt: 11.07.2014 16:03 Print

Kleiner Hochstapler

von Nina Vetterli - Der Mercedes GLA fällt nur wenig grösser und höher aus als die normale A-Klasse, bietet aber einiges mehr Spielraum für Fantasien.

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Ein ausgetrocknetes Flussbett. Weit und breit keine Menschenseele, dafür mannshohe, unnachgiebige Felsen und ein hungriger Bär, der nur darauf wartet, den Wagen wie eine Konservendose zu knacken. Die Schräglage ist beängstigend, die Achsverschränkung absurd, und immer wieder knirscht es am Unterboden, rumpelt es an der Stossstange, kratzt es an den Felgen. Man kämpft sich Zentimeter für Zentimeter voran, gibt Gas, bremst, schwitzt – und dann schaltet die Ampel auf Grün.

Schnittiges Blechkleid

Wo die Ampel plötzlich herkommt? Aus der Realität, natürlich, der Rest war nur ein Tagtraum. Ist es doch eigentlich immer, wenn SUV-Fahrer das grosse Outdoor-Abenteuer erleben. Das haben sie wohl auch bei Mercedes gedacht und sich darum gar nicht erst die Mühe gemacht, den GLA auf Offroad-Haudegen zu trimmen. Klar verspricht der Wagen echte Geländequalitäten, doch den Allradantrieb mit Geländeprogramm gibt’s bloss optional, und wirklich grob wirkt das Blechkleid ja nicht. Eher schnittig, und das liegt nicht nur an der coupéhaften Silhouette sondern auch daran, dass der GLA die normale A-Klasse bloss um vier Zentimeter überragt. Ob es denn unbedingt nötig war, die A-Klasse aufzubocken? Ja. Lange genug haben sie in Stuttgart dabei zugesehen, wie der BMW X1 und Audi Q3 abgeräumt haben, und die Nachfrage nach kleinen, stadtfreundlichen SUVs wird schliesslich nicht kleiner.

80 Ladeliter mehr

Aufgebockte A-Klasse ist übrigens nicht ganz korrekt: Der GLA fällt mit seinen 4,43 Metern 14 Zentimeter länger aus und bietet 80 Ladeliter mehr, wobei der 421 bis 1235 Liter fassende Gepäckraum durch eine erfreulich breite Öffnung zugänglich ist. Handlich und kompakt ist das Auto allemal, und mit dem 170 PS starken 2,0-Liter-Diesel in Kombination mit der 7-Gang-Automatik fährt es sich recht entspannt – auch mit Blick auf die Verbrauchsanzeige.

Obwohl der GLA über 3000 Franken mehr kostet als das normale A-Modell, dürfte er dessen Erfolg toppen. Nicht, dass man damit schneller durch den urbanen Dickicht käme. Aber es träumt sich darin halt ein bisschen besser.

Mercedes-Benz GLA 220 CDI 4MATIC
Modell: 5-türiger Kompakt-SUV mit 5 Plätzen.
Motor: 2,1-Liter-4-Zylinder-Turbodiesel mit 170 PS (125 kW)
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 8,3 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 215 km/h.
Verbrauch: 4,9 L/100 km, 129 g CO2/km (offizielle Werksangabe).
Preis: Ab Fr. 49'500 (Basismodell ab Fr. 34'900).
Marktstart: Ab sofort.
Infos: www.mercedes-benz.ch

Alltag
Der GLA lässt sich trotz mässiger Sicht nach hinten gut in kleine Parklücken bugsieren. Der Platz im Fond und Gepäckraum ist für einen Kompakt-SUV angemessen.
✭✭✭✭✭

Geld
Dass Mercedes auch bei kurzen Autos lange Optionenlisten hat, ist bekannt. Der gut ausgestattete Testwagen kommt auf stolze 76'699 Franken.
✭✭✭

Sexappeal
Die Reaktionen auf den GLA fallen recht unterschiedlich aus: Den einen gefällt der sportliche Auftritt, die anderen finden insbesondere das Heckdesign fragwürdig.
✭✭✭✩

Spass
350 Nm Drehmoment – damit kommt man gut vom Fleck und an Agilität mangelt es dem Wagen auch nicht. Aber der Diesel klingt recht rustikal.
✭✭✭✩

Umwelt
Rund sechs Liter verbraucht der Vierzylinder-Diesel im Alltag, das geht für einen 1,6 Tonnen schweren Allradler durchaus in Ordnung.
✭✭✭✭

Gesamt
Vernünftig, aber nicht langweilig: Der Mercedes GLA ist ein erfrischender, wenn auch nicht gerade günstiger Neuzugang im Kompakt-SUV-Segment.
✭✭✭✩