Car of the week

10. August 2018 05:00; Akt: 10.08.2018 10:27 Print

Der nächste 911er wird schneller und elektrischer

von Michael Köckritz - Die Baureihe 911-991 von Porsche ist seit 2011 auf dem Markt. Jetzt kommt der 911-992. Und der wird nicht nur schneller und schöner, er wird auch elektrischer.

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August Achleitner, der Leiter der 911-Baureihe : «Im Herbst stellt Porsche offiziell die neue und achte Generation des 911 vor, offiziell 992 genannt, und darunter wird es mindestens eine, eventuell aber auch zwei Hybrid-Versionen geben.» (Bild: Porsche)

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Vor über 30 Jahren gab es Pläne, den Elfer aufs Altenteil zu schicken, als der damalige Porsche Chef Ernst Fuhrmann plante, den 911 aus dem Programm zu nehmen, um ihn mit der 928er Reihe, Achtzylindern und Frontmotoren zu ersetzen. Aber – dem Himmel sei Dank – ist daraus nix geworden. Ganz im Gegenteil, der Zuffenhausener Oldie hat sich in der 55-jährigen Laufzeit mehr als bezahlt gemacht, wurde ganz nebenbei zur Legende und ist heute besser als je zuvor. Der 928 hingegen taucht ab und an in Oldtimer-Rennen auf.

Im Laufe der langen Zeit durchlief das Zugpferd im Stuttgarter Stall unzählige Variationen – vom Ur-911 über S und T und L zu RS, MFI und CSI. Es gab E’s und Carreras und Turbos und SCs, es gab Witwenmacher und Warzenschweine. Der Elfer kam in Grössen von 2 bis 4 Litern, mit allerlei variablen Grössen dazwischen, gekühlt mit Luft oder Wasser, in seltenen Fällen auch mit beidem, und ich bin mir sicher, dass es darunter und darüber noch ein paar Dutzend weitere Versionen gab.

Zum Beispiel eine Vierzylinder-Version, die sich jedoch nicht lange hielt. Vor kurzem war dann noch ein neuer Elfer mit der 4-Banger-Motorisierung des 718 im Gespräch. Das sei vom Tisch, wird uns heute versichert. Aber einen Stromer gab’s im Elfer-Portfolio noch nie.

«Das wird sich ändern!»

Im Herbst stellt Porsche offiziell die neue – und achte – Generation des 911 vor, offiziell 992 genannt, und darunter wird es mindestens eine, eventuell aber auch zwei Hybrid-Versionen geben, eine mit dem Antrieb des Panamera E, und eine Art S-Hybrid als deutlich kräftigere Sport-Version, die den konventionellen Turbo-Modellen in Nichts nachstehen soll. August Achleitner, der Leiter der 911-Baureihe liess schon mal durchblicken, dass der «Ruhepol der Marke ein echter Elfer bleiben wird,» egal ob er mit Fossilem angetrieben wird oder aus der Steckdose.

Natürlich wird sich einiges ändern. Die Assistenzsysteme – wie immer man dazu auch stehen mag – werden weiterhin zunehmen, der Neue jedenfalls ist schon mal bis zum Anschlag voll davon. Mit dem denkbaren Endergebnis, dass der 992 der letzte Elfer sein wird, der nicht von alleine fährt. Schwer vorzustellen, ein autonomer 911, aber die Zeiten – und die Zukunft – sind nun mal so.

Der Neue fährt auf einer 1850 Millimeter breiten hinteren Spur, wirkt also deutlich wuchtiger und ist zwei Zentimeter länger als sein Vorgänger. Äusserlich unterscheidet er sich durch steiler angestellte Scheinwerfer, einem dem Panamera angeglichen Heck mit dem nun Porsche-typischen durchgehenden Lichtband, einer grösseren Heckscheibe, einer schick integrierten dritten Bremsleuchte und vier Auspuffendrohren. Die Frontpartie weist überarbeitete Lufteinlässe in Tiefschwarz und eine strukturierte Haube auf. Die Türgriffe sind bündig integriert, die Seitenteile der Karosserie aus Gewichtsgründen aus Aluminium. Der Heckspoiler ist zwar dezidierter, sorgt aber trotzdem für effektiveren Abtrieb.

Die Motoren starten beim 3 Liter TwinTurbo Boxer mit nun 390 PS, das Doppelkupplungsgetriebe bekommt einen achten Gang und bringt die Kraft wahlweise an die Hinterräder oder gleich an alle vier. Auf Wunsch wird’s die Allradlenkung geben, und Gerüchten zufolge soll der Motor leicht zur Wagenmitte positioniert werden, um die Balance zu verbessern. Und ja, zur Erleichterung aller Traditionalisten unter den Porsche Fans – als Sonderoption wird weiterhin ein Handschalter angeboten. Ansonsten wird die zukünftige Angebotspalette die üblichen Targas, Turbos und GTs umfassen.

«Wir haben noch viele Probleme, die es zu lösen gibt.»

Die grösste Neuerung werden zwei Plug-in-Hybrids sein: die Topvariante, ein 3-Liter 6-Zylinder, gekoppelt mit einem 70 kW Elektromotor und einer 10,8 KW-Batterie, beschleunigt den elektrifizierten 911 in dreieinhalb Sekunden auf Hundert, mit einer Spitze von 317 km/h. So macht selbst die Elektrizität Spass.

Ein Vollstromer wird ebenfalls kommen, der Zeitplan dafür sei allerdings noch ungewiss, heisst es. In einem Interview mit Car & Driver gibt Erhard Mössle, 911-Projektleiter bei Porsche, zu: «Wir haben noch viele Probleme, die es zu lösen gibt.» Darunter vor allem Batteriegewicht und Platzprobleme für die Akkus.

Insgesamt ist der 992 im Vergleich zum 991 eine eher dezente Verbesserung, ganz wie man das von Porsches Evolutionstheorie kennt. Aber die Zukunft ist ihm sicher – auf absehbare Zeit zumindest.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karsten Seiferlin am 10.08.2018 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas Schulphysik

    Die korrekte Einheit für die Batteriekapazität ist kWh, nicht kW. Watt ist ein Mass für die Leistung, Leistung ist Energie pro Zeit. Die Batterie speichert Energie, also Leistung mal Zeit.

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  • Tom Minder am 10.08.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Immer 911er

    Daher behalte ich meinen 911er Benziner solange, bis die Oeko Fundis in der Schweiz den Benzinmotor verbieten.

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  • linkent am 10.08.2018 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    porsche

    Schade mir gefallen die älteren 911er. Die haben noch Charm, und das Fahrgefühl ist noch real. Sobald es elektrifiziert wird, ist es nicht mehr das selbe. Man kommt heute nicht mehr dran vorbei, aber es macht das Fahrzeug ein bisschen langweilig. Für mich käme ein alter 911er Targa in Frage.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich Fahr Nur Noch Tesla Elektrisch am 15.08.2018 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Morgen Technik von Vorgestern?

    Mein 2 Jahre alte Tesla P90D schafft schon 3.1 sek von 0 auf 100. könnte noch nen Softwareupdate kaufen, dann schafft er 2.9. warum sollte ich mir die alte, langsamere Technik von Morgen bei Porsche kaufen? Zudem ist mein Model S alltagstauglicher und die Ladeinfrastruktur steht! Porsche ist Schnee von gestern und was für Nostalgiker. Die fehlende Schnelladeinfrastruktur bringt auch dem nur elektrischen Porsche nichts. So schnell wie Porsche laden will, gehen die Akkus im nu kaputt. Das haben sie schon kleinlaut zugegeben und gesagt sie werden wohl laden wie Tesla.

    • vcxy am 27.08.2018 18:40 Report Diesen Beitrag melden

      Tesla ohne Sound und kaum Emotion

      Warum Porsche kaufen? Sound und Emotionen, dass kann der Tesla nicht bzw. beschränkt bieten.

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  • Peter F. am 14.08.2018 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panamera Coupé

    Scherzhaft bezeichnete ich schon den 991 als das Panamera Coupe, der 992 wird es dann definitiv sein...der heutige 911 ist eigentlich der Cayman/Boxer , leider nur mit 4 Zyl.

  • Basler1337 am 14.08.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum..

    haben alle ein Problem damit das ich mit einer Dieselfüllung durch halb Europa fahren kann? Was ist so verkehrt daran?

  • KM am 13.08.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    11-gen

    Alle die noch einen alten 11 haben (993 und älter); behalten. Der Wertzuwachs ist praktisch garantiert. Da ist das ultimative 11-Gen noch vorhanden.

  • Praktiker am 13.08.2018 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwechslungsgefahr

    Wenn ich jeweils so einen neuen 911er bekomme, dann mache ich mir immer sofort einen Erinnerungskleber auf die Frontscheibe, damit ich auch weiss, welcher wirklich der Neue ist.