Porsche Macan Turbo

04. November 2019 05:00; Akt: 03.11.2019 19:46 Print

Powerplay, aber ganz ohne Provokation

von Thomas Geiger - Ein knappes Jahr nach dem grossen Facelift krönt Porsche seine Macan-Familie mit einem Turbo. Ein Muskelprotz, aber mit guten Manieren.

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SUV haben derzeit einen schweren Stand, erst recht wenn sie stark und teuer sind. Denn so sehr die Kunden vor allem nach kompakten Geländewagen gieren, so laut ist die Kritik an den vermeintlich übermotorisierten und übergewichtigen Vorstadtpanzern. Nicht die beste Zeit also für Porsche, um die Macan-Familie ein knappes Jahr nach dem grossen Facelift mit den serienmässigen LED-Scheinwerfern, dem roten Leuchtenband am Heckdeckel und dem grossen Touchscreen im Cockpit wieder mit einem Turbo zu krönen – zumindest auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick dagegen passt das Auto perfekt in die Zeit. Denn gemessen am gewaltigen Cayenne ist der Macan fast schon ein dezentes Auto und selbst als Turbo verkneift er sich einen allzu potenten Auftritt: Ja, unter der Heckschürze lugen jetzt vier Endrohre hervor und über der Heckklappe thront ein dezenter Spoiler. Aber wer auf Aufmerksamkeit aus ist, der wartet besser, bis im nächsten Jahr auch wieder ein Macan GTS angeboten wird. Der hat dann zwar nicht ganz so viel PS, dafür aber ein bisschen mehr Präsenz und Prestige.

440 PS und ein maximale Drehmoment von 550 Nm

Aber keine Sorge. Spätestens nach dem Anlassen ist der Turbo über jeden Zweifel erhaben: Wo im aktuellen Macan bislang bei 354 PS Schluss war und der letzte Turbo auf 400 PS kam, stehen jetzt 440 PS im Datenblatt und das maximale Drehmoment des 2,9 Liter grossen V6-Motors gipfelt nun bei 550 Nm – genug, um das SUV im besten Fall binnen 4,3 Sekunden auf Tempo 100 zu wuchten und danach weiter bis 270 km/h zu beschleunigen.

Bei aller Kraft ist der Turbo dabei nicht auf Krawall gebürstet. Klar, mit offenen Schallklappen im Auspuff macht er aus seiner Power kein Geheimnis, und wer seinen Strich etwas flotter durch die Kurven zieht, ist dankbar für die strammere Abstimmung des adaptiven Fahrwerks und für das GT-Lenkrad aus dem Elfer, weil man den Zweitonner so besser im Griff hat und auf Kurs halten kann.

Doch wo viele andere SUV mit so viel Power im Bemühen um den Beweis ihrer Sportlichkeit zu polterigen Knochenschüttlern werden, gibt sich der Macan fast schon komfortabel und ist so abgestimmt, dass die Passagiere keinen allzu hohen Preis für die Freude des Fahrers zahlen müssen. Selbst der Nachwuchs im Fond dürfte das Essen intus behalten, wenn sich der Fahrer auch nur halbwegs im Zaum hält.

Wer nur auf seinen Verstand hört, ist bei Porsche falsch

So vergnüglich und sozialverträglich die Fahrt mit dem Macan Turbo auch ist, kann man das Top-Modell der Einstiegsbaureihe kaum als vernünftig bezeichnen. Aber das ist eine der wenigen Tugenden, auf die Porsche bereitwillig verzichtet. Und wer lieber auf seinen Verstand hört als auf sein Herz, der soll gefälligst den eng verwandten Audi Q5 kaufen oder am besten gleich einen VW Tiguan, der nüchtern betrachtet zwar weniger Performance bietet aber dafür praktischer ist. Bei Porsche jedenfalls ist er dann falsch.

Und ja, der Motor kommt schon auf dem Prüfstand auf einen Verbrauch von 9,8 und wer sich von der Leistung locken lässt, kann leicht mit drei, vier Litern Express-Zuschlag rechnen. Doch erstens hat natürlich auch das Top-Modell nun einen Otto-Partikelfilter und erfüllt so alle gängigen Schadstoffnormen, und zweitens geht Porsche dafür bei einer anderen Umweltbelastung mit grossen Schritten voran. Während die EU gerade erst auf dem Weg zu neuen Grenzwerten und Gesetzen ist, haben die Schwaben im vorauseilenden Gehorsam schon einmal den Kampf gegen den Bremsstaub aufgenommen und im Macan neue Beläge mit 90 Prozent weniger Abrieb eingeführt.

Preisgestaltung sorgt für Aggressionspotential

Stärker und sportlicher als der bürgerliche Vetter aus Ingolstadt oder Konkurrenten wie ein BMW X3 und ein Mercedes GLC und lange nicht so krawallig wie die Kraftmeier der Werkstuner – so wird der Macan als Turbo zum Muskelprotz mit guten Manieren, der sich jede Provokation verkneift. Fast jede zumindest. Denn so dezent der Turbo auch auftritt, ist er nicht ganz frei von einem gewissen Aggressionspotential. Und das richtet sich ausnahmsweise mal nicht gegen die anderen, sondern ausgerechnet gegen die Kunden selbst.

Denn die müssen beim ersten Blick in die Preisliste wahrscheinlich kräftig schlucken. Schliesslich erhebt Porsche für den Turbo – mehr Leistung hin und üppigere Ausstattung her – gegenüber dem Macan S einen ziemlich sportlichen Aufschlag von exakt 35'000 Schweizer Franken, so dass der Macan Turbo erst bei 121'300 Franken startet. Dafür gibt es beinahe den Cayenne in der Version S, und auch der Porsche 911 ist da nicht mehr weit.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jim Knopf am 04.11.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele Knöpfe

    Bevorzuge zwar Knöpfe vor Touch Screens, aber der hat viel zu viele davon im Mitteltunnel.

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  • luca am 04.11.2019 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wow

    perfekt, damit frau zürich ihre kleine pascale-chloe und den kleinen maximilian-gregory zur schule fahren kann, nur um danach in überfüllten parkhäusern mit zu kleinen parkplätzen einkaufen zu gehen.

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  • Proll Peino am 04.11.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Klappenauspuff?

    ... Mit offenen Schallklappen im Auspuff macht er aus seiner Power kein Geheimnis... Jetzt mal im Ernst: Geht's NOCH peinlicher?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mörfi am 12.11.2019 01:07 Report Diesen Beitrag melden

    CO2-Zielvorgaben

    Und dann gibt es noch Welche die sich wundern, wieso wir die CO2-Zielvorgaben nicht schaffen...

  • Cavi33 am 05.11.2019 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CO2 Quo vadis

    Genau der SUV um die Kinder zur Schule zu bringen. Da jammern die Deutschen Autobauer aber ausser PS-Protzautos kommt nichts auf den Markt.

  • Patrick am 05.11.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Verstand

    "Und wer lieber auf seinen Verstand hört als auf sein Herz, der soll gefälligst den eng verwandten Audi Q5 kaufen oder am besten gleich einen VW Tiguan." Ich höre auf meinen Verstand und gerade deshalb habe ich mir einen Toyota RAV4 Hybrid gekauft. Zwar nur 200ps dafür aber auch nur 5-5.5l Verbrauch. Mir reichts.....

    • Kathrin am 05.11.2019 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Wo Verstand?

      Wenn Du Verstand hättest, dann hättest Du gar kein Auto.

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  • Basler Bär am 05.11.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Klimaziele?

    Hr. Thomas Geiger findet, auf den zweiten Blick passt das Auto perfekt in die Zeit. Es kostet ja bloss "sportliche" 160'000 Franken. Anscheinend OK für diesen Panzer. Herr Geiger muss demnach gut verdienen. Und er möchte gerne andere Leute mit seinem Reichtum beeindrucken. Ich mag solche Fan-Boy-artigen Berichte nicht. Wichtige Infos und Daten wie Unterhaltskosten, Serviceintervalle, Gewicht, Energieeffizienzklasse und Dergleichen fehlen gänzlich, wären mir aber weit lieber als das Fan-Gesülze. Aber eben, es ist ja ein Gratis-Blatt. Man sollte nicht zu hohe Ansprüche stellen und nicht meckern.

  • Roger Campos am 05.11.2019 03:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy