Elektro-Bonsai von Renault

28. April 2019 12:00; Akt: 28.04.2019 11:47 Print

Preisbrecher an der Ladesäule

von Thomas Geiger - Viel Fahrspass für wenig Geld: Mit dem City K-ZE führt Renault die elektrische Elite vor. Eine Probefahrt in Shanghai.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wenn die Konkurrenten bei ihren Elektro-Ankündigungen über Massenmodelle sprechen, können die Strategen von Renault nur lachen. Nicht nur, dass sie in Europa schon Zehntausende Zoe und Twizy auf der Strasse haben – jetzt treten sie auch auf dem weltgrössten Markt für Elektroautos im härtesten Segment an und wollen mit dem Kleinwagen K-ZE vom Batterieboom in China profitieren. Dabei setzen sie nicht nur auf alltagstaugliche Fahrleistungen, eine Normreichweite von guten 250 Kilometern und ein trendiges Design, sondern vor allem auf einen Kampfpreis: Viel mehr als umgerechnet 10'000 Euro soll der Winzling nach Abzug der Subventionen nicht kosten. «Ohne Subventionen sind selbst 15'000 Euro noch zu viel», gibt Marketing-Chef Guillaume Sicard den Rahmen vor.

Dafür gibt es ein Auto, das keineswegs nach einer rollenden Verzichtserklärung aussieht. So klein der K-ZE mit seinen 3,73 Metern auch sein mag – er macht ordentlich was her. Schliesslich hat ihn Designchef Laurens van den Acker zu einem Mini-SUV aufgebockt und ihm ein charmantes Gesicht gezeichnet. Dazu bietet der ferne Twingo-Verwandte bei seinen 2,43 Meter Radstand überraschend viel Platz: Vorne sitzt man bequem, der Rücksitz taugt zur Not auch mal für zwei Erwachsene, und der Kofferraum fasst 300 Liter.

Am meisten allerdings überrascht das Fahrverhalten. Nein, nicht weil der K-ZE flüsterleise ist und einen Antritt wie ein GTI hat. Daran haben wir uns bei Elektroautos schliesslich langsam gewöhnt. Und auch nicht, weil die Luft nach oben ziemlich schnell ziemlich dünn wird. Denn auch wenn der K-ZE trotz der immerhin 27 kWh grossen Akkus im Wagenboden nur etwas mehr als 900 Kilo wiegt, darf man von einem Motörchen mit 45 PS und 125 Nm keine Wunder erwarten – dass bei 105 km/h schon wieder Schluss ist, muss man deshalb akzeptieren. Was aber wirklich beeindruckt, ist die Souveränität, mit der dieser winzige Stromer über die Teststrecke surrt.

Auf die Vorlieben der Chinesen abgestimmt

Auf der Marterstrecke klappert nichts, auf der langen Geraden wechselt er auch bei höherem Tempo sauber die Spur, in den Kehren und beim Rangieren ist er wunderbar handlich und selbst die Steilkurven treiben einem nicht den Schweiss auf die Handflächen. Der elektrische VW Up oder der Smart EQ fahren vielleicht schneller, aber nicht besser. Nur beim Rekuperieren fällt der K-ZE ab: Weil diese Funktion zu teuer war, rollt der Renault einfach aus, wenn man den Fuss vom Gas nimmt.

Dass die Franzosen günstige Autos bauen können, das haben sie vor 20 Jahren mit Dacia und vor rund fünf Jahren mit dem Kwid bewiesen, der für Renault Indien erobert hat. Doch der K-ZE hat das Zeug zum Meisterstück: Erstens, weil er als Elektroauto mehr Zukunft und weniger Konkurrenten hat. Und zweitens, weil man ihm nicht anmerkt, dass an jeder Ecke gespart wurde: Er sieht cool aus, die Fahrleistungen sind für einen Stadtflitzer vergnüglich, das Innenleben ist farbenfroh, die Materialqualität überraschend hochwertig. Statt unangenehmer Plastikausdünstungen gibt es sogar eine automatische Umluftkontrolle gegen den Smog der Millionenmetropolen, und die Ausstattung ist top. Zwar spart sich Renault eine Fahrdynamikregelung (ESP), doch dafür sind nicht nur elektrische Fensterheber und die Klimaanlage in allen Autos Standard, sondern auch ein grosser Touchscreen mit Navigation, Online-Infotainment, Smartphone-Integration und W-LAN-Hotspot.

Touchscreen ist in China Pflicht

«Für die Höchstgeschwindigkeit interessiert sich in China niemand. Aber ohne Touchscreen muss man hier gar nicht antreten», sagt Sicard. Zwar ist der K-ZE zunächst einmal ein rein chinesisches Phänomen, gemeinsam mit Partner Dongfeng in China entwickelt und ausschliesslich dort gebaut. Doch so klein der Batterie-Bonsai auch sein mag, ihm steht die grosse Welt weit offen, sagt Renault-Chef Thierry Bolloré: «Das ist ein globales Projekt. Wir werden den K-ZE auch in anderen Regionen verkaufen.» Auch der Verkauf in Europa ist nur eine Frage der Zeit. Denn ausser einer neuen Steckdose und einem ESP braucht der K-ZE nicht mehr viel für eine EU- Zulassung. Denn dass der Winzling bei uns das Zeug zum grossen Star hat, ist für Sicard klar: «Hier in China müssen wir uns gegen ein Dutzend ähnliche Autos behaupten, aber in Europa wäre der K-ZE konkurrenzlos.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Illumination am 28.04.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre auch in Europa idealer City-Stromer

    "Hier in China müssen wir uns gegen ein Dutzend ähnlicher Autos behaupten, hier in Europa wäre er konkurrenzlos" (Zitat) Und warum kommt er dann nicht in Europa, um 15-16`000 Euro mit ESP und neuer Steckdose? Angeblich erst später, 2021/2022.. Dann ist er auch nicht mehr konkurrenzlos..Wäre doch auch hier der ideale, günstige Stadt-, Zweit- und Kurzstecken E-Wagen.. Kritikpunkt meinerseits bereits jetzt: E-Fahrzeuge müssen nicht 180 km/h Höchstgeschwindigkeit und mehr erreichen, aber 130 km/h sollten es schon sein, damit man auf (evtl. nur kurzen) Autobahnstrecken nirgends "zum Bremser" wird.

    einklappen einklappen
  • Sunpower am 28.04.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teil 1

    Teil 1. Gründe ein Elektroauto zu fahren. Zunächst sind Elektroautos sehr komfortabel und leise. Es entsteht kein Lärm und es ist auch kein Schalten erforderlich. Dadurch wird das Fahrzeug geschont. Weiterhin hat man in einem Elektroauto einen höheren Fahrspass. Aufgrund des gleichmässig hohen Drehmoments, lässt sich ein Elektroauto auch viel entspannter und agiler fahren.

    einklappen einklappen
  • Alfred A. am 28.04.2019 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gut positioniert

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Autos der Kategorie wie der Renault K-ZE sehr viele Freunde bei Jung und Alt finden wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • P/L-Gucker am 05.05.2019 01:23 Report Diesen Beitrag melden

    Echt attraktiv

    Für diesen Schnäppchen-Preis würde auch ich dieses E-Mobil kaufen.

  • V1Boxer am 04.05.2019 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Info

    Im einem der weltweit wichtigsten Info-Portalen, BBC, dürfen Falschmeldungen, dass es den Klimawandel nicht gäbe, nicht mehr verbreitet werden.

  • Info am 04.05.2019 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Portal

    Auf dem Auto Portal ECOMENTO findet man im Internet immer die neusten Informationen zu Elektroautos und zur E-Mobilität. Besucht es einmal, lohnt sich sehr.

  • Info am 04.05.2019 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Portal

    Auf dem E-Auto Portal ECOMENTO findet man im Internet immer die neusten Informationen zu Elektroautos und zur E-Mobilität. Besucht es einmal, es lohnt sich.

  • Bonjour am 03.05.2019 00:34 Report Diesen Beitrag melden

    Allez les bleus!

    Die Franzosen tun etwas, bravo! Andere sind noch immer am Ankünden ...