Mini Cooper SE

17. Juli 2019 11:15; Akt: 17.07.2019 11:21 Print

Schatz, wir müssen reden

von Nina Treml - Wo ist die Leidenschaft geblieben? Das erste serienmässige Elektroauto der sonst so emotionalen Marke Mini wirkt ein wenig lustlos – zumindest auf den ersten Blick.

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«Is it love?», fragte Mini 2001 in der Einführungskampagne der unter BMW-Regie entstandenen Retro-Neuauflage. Format und Preis widersprachen dem Namenssinn und technisch versprach der Kleinwagen keine Revolution. Aber mit einem kultigen Design Begehrlichkeiten wecken, mit fröhlichen Farbkombinationen einen neuen Trend setzen und mit unvergleichlicher Agilität für jenes Fahrgefühl sorgen, dass die Marketingabteilung bis heute als «Go-Kart-Feeling» beschreibt, das konnte das Auto.

Ja, es war Liebe. Auf den ersten Blick. Und 18 Jahre, zwei Evolutionsstufen und weitere Familienmitglieder später hält diese noch immer an, auch in der Schweiz: Von Januar bis Ende Juni 2019 setzte Mini insgesamt 2387 Fahrzeuge ab – das entspricht zwar einem Minus von 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sind aber beispielsweise immer noch 228 verkaufte Autos mehr als die Marke Subaru, die sich als Allradspezialistin betont vernünftig und betont Schweizerisch gibt.

Umso irritierender, mit welcher Verspätung und Mutlosigkeit der Hersteller die Liebe in die elektrische Zukunft hinüberretten will. Gewiss, ein Plug-in-Hybridmodell steht bereits im Angebot. Und um den neuen, als klassischen 3-Türer erhältlichen Stromer zu präsentieren, wurden keineswegs Mühen gescheut: Die halbe Welt war letzte Woche zur Vorstellung in Rotterdam geladen. Die Location im urbanen Industrie-Stil war hip. Das Catering erstklassig. Das Bühnenbild pompös. Und die Zuversicht der Redner gross (offenbar haben sich bereits 40’000 Interessenten für das Auto registriert).

Doch das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Aufregendste am Auto die asymmetrisch gestylten, mit «coolen Sneakers» verglichenen Felgen sind. Ja, dass sich der Event weniger an Journalisten, denn an die zahlreichen anwesenden Influencer richtete, die ebenso an «coolen Sneakers» zu erkennen waren. Und deren Liebe zu einem erst 2019 vorgestellten Elektro-Erstling möglicherweise nicht an die Bedingung geknüpft ist, dass er in irgendeiner Weise progressiv oder zumindest anders ist.

Bestenfalls 270 Kilometer Reichweite

Um nicht in der Manier der enttäuschten Liebenden unfair zu werden: Hier die nüchternen Fakten zum neuen Mini Cooper SE, der ab November in Oxford vom Band läuft und ab März 2020 zu Preisen ab 39’900 Franken beim Händler stehen wird. Die Optik orientiert sich am konventionellen 3-Türer – auffällig anders sind nur die gelben Zierelemente und der geschlossene Kühlergrill. Der aus dem BMW i3 bekannte E-Motor mit 135 kW (185 PS) schickt seine 270 Nm an die Vorder- statt Hinterräder; der 0-auf-100-Sprint dauert 7,3 Sekunden.

Der Lithium-Ionen-Akku mit einem Brutto-Energiegehalt von 32,6 kWh ermöglicht eine für die «urbane Mobilität» geeignete Reichweite von 235 bis 270 Kilometern und ist tief im Unterboden platziert, sodass der Laderaum wie gehabt 211 bis 731 Liter fasst. Der Stromverbrauch beträgt nach dem aktuellen WLTP-Testzyklus 13,2 bis 15,0 kWh/100 km. Die Rekuperation kennt zwei Stufen – in der höchsten soll die Verzögerung so stark sein, dass man das Bremspedal nur selten braucht. Per Schnellladung ist die Batterie innert 35 Minuten zu 80 Prozent geladen. Die Anzeige- und Bedienelemente im Interieur sind «modellspezifisch». Serienmässig dabei ist unter anderem eine Heizung mit Wärmepumpentechnik.

Das konservative Design und die Reichweite zu kommentieren, dürfte sich erübrigen. Dazu wird es wie immer Online-Leserkommentare geben, traditionell beginnend mit «Aber mein Tesla…», oder vielleicht werden diesmal auch die eigenständiger gestalteten und reichweitenstärkeren Konkurrenten vergleichbaren Formats genannt. Erwähnenswert ist vielmehr, dass ausgerechnet Mini vor 11 Jahren eine Elektroauto-Testflotte als Versuchsträger für den BMW i3 in Betrieb hatte.

Während der E-Mini wieder verschwand, kam mit dem i3 2013 ein Auto auf den Markt, das tatsächlich konsequent war – nicht nur in Sachen Design, sondern auch bezüglich Leichtbau- und Recycling-Materialien – und bis heute Emotionen schürt. «Is it love?» Das muss man freilich nicht mit Ja beantworten. Aber man kann. Kann man mit einem gewissen Hang zur Skurrilität wirklich!

Neues Level von «Go-Kart-Feeling»

Noch ist die Liebe zum neuen Mini Cooper SE aber nicht gekündigt. Das Rendez-vous auf der Strasse steht ja noch aus, und viele Faktoren sprechen dafür, dass die Leidenschaft dann wieder entflammt: Etwa das Elektroauto-typisch direkt aus dem Stand verfügbare maximale Drehmoment. Die spezielle elektronische Hilfe, die das Durchdrehen der Vorderräder verhindert. Der tiefe Fahrzeugschwerpunkt – wenngleich die Karosserie wegen der Akkus im Unterboden um rund 18 Millimeter erhöht werden musste.

Und dann die noch bessere Achslastverteilung im Vergleich zum herkömmlichen Mini Cooper. All das könnte dem von der Marketingabteilung strapazierten «Go-Kart-Feeling» neue Relevanz geben. Ja, es könnte also wieder Liebe sein. Zwar erst auf den zweiten Blick, aber wie Psychologen versichern, ist man damit keineswegs schlechter für die Zukunft gerüstet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 17.07.2019 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Macht das Sinn ?

    Bei deutschen Autos bedeuten 270km Reichweite in der Realität wohl eher 170km Reichweite. Dazu fehlende Schnelllademöglichkeiten an den nicht funktionierenden Ionity-Ladesäulen. Wer bezahlt CHF 40'000.-- für ein leeres Auto (da kommen sicher noch 8 - 10 kCHF dazu um eine vernünftige Ausstattung zu haben), wenn man einen Model 3 ab 44900.-- bekommt ? Der hat 409 km Reichweite nach WLTP, 5 Plätze und mehr Power. Man muss wohl britischen Humor mitbringen, wenn man diesen Mini ernsthalft in Betracht zieht.

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  • Brit Car am 17.07.2019 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    wer macht so was?

    der echte Mini ist schon lange tot, jetzt ist er wenigsten noch beerdigt worden.

  • Elektron am 17.07.2019 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehs nicht....

    Die Reichweite ist mickrig. Mehr Reichweite = grössere Akkus, Folge --> Mehr Gewicht. Ein 2 Tonnen Mini macht sicherlich keinen Spass. Ergo: Gewicht runter. Aber warum baut man dann nicht Technologien ein, bei denen man in 10 Minuten 100km laden kann? Warum diese antike Technik? Aber so wird es allen heutigen e-Auto Fahrern gehen: In 5 Jahren kauft ihnen die Kiste keiner mehr ab, weil die neuen Modelle 2-3 mal so schnell geladen werden können. Gerade bei geringen Reichweiten. Ergo: Keine gute Investition. Das Teil muss man Fahren bis zum Ende. Oder zum Rasenmäher umbauen. :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E-Guru am 26.07.2019 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Innovative Alternative

    ++++++++++++++++ Power is where you park it! Das deutsche Startup Unternehmen Sono Motors, hat 248 Solarzellen nahtlos in die gesamte Autokarosserie eingearbeitet. Dadurch kann das Model Sion seine Batterie ganz einfach durch die Sonne selbst laden. So können pro Tag zusätzlich zu den normalen 255 Kilometer noch bis zu 34 Kilometer Reichweite durch reine Sonnenenergie gewonnen werden. Volle Autarkie für Pendler auf kurzen Strecken. +++ +++++++++++++++

  • Meliert am 19.07.2019 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spassmobil

    ich liebe meinen Mini R56 Cooper S Jg. 2011, ein richtiges Spassmobil. Was für den E Mini spricht ist das Gaspedal mit dem man beschleunigen und verzögern kann, ein völlig neues Fahrgefühl!

  • E-Guru am 19.07.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rational

    Wir müssen uns nur bewusst machen, dass das, was wir heute als selbstverständlich und altbekannt betrachten z.B der Dieselmotor, auch einmal neu war. Wenn es nun bessere Alternativen gibt, ist es nicht rational, an Altem festzuhalten.

  • Sunpower am 19.07.2019 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luftqualität

    +++ Die andere normale Elektromobilität verbessert die Luftqualität in den Städten und trägt zum Klimaschutz bei, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. +++

  • nino bosch am 18.07.2019 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    E Fahrzeuge schaden mehr...

    Elektroautos sind nicht umweltfreundlicher als herkömmliche Fahrzeuge (..Ressourcen Abbau, Entsorgung...etc alles schadet der Umwelt..)! 270 Km Laufleistung ist ein Witz...!

    • Nino Simens am 18.07.2019 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nino bosch

      Zum Thema Reichweite: Nochmals zum mitschreiben! Grosse Reichweite = Grosse Akkus Kleine Reichweite = Kleine Akkus Grosse Akkus = Teures Auto Kleine Akkus = Günstiges Auto Warum also viel Geld ausgeben? Warum 500 Kilometer? Für diesen Wunsch muss du das bezahlen! Endlich kapiert?

    • nino bosch am 18.07.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Nino Simens

      Ich bin ja nicht blöd ! Es geht mir um den Elektrofahrzeug-Hype.....ist ja jetzt populär....aber schadet mehr! Kapiert mein Lieber?

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