Mercedes-Benz 280 SL

16. Mai 2015 20:50; Akt: 16.05.2015 20:50 Print

Sportlicher Luxus mit Kurvenspielereien

von Bruno von Rotz - Der 280 SL und seine Vorgänger 230 SL und 250 SL gehören zu den beliebtesten Autoklassikern überhaupt – aus gutem Grund.

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Der Mercedes-Benz 280 SL, bekannt als «Pagode». Auch die Pagode wurde gerne etwas veredelt, hier mit einem farblich abgesetzten Hardtop und Speichenrädern aus dem Zubehörhandel. Die spezielle Dachform gab der Pagode ihren Namen, die konkave Linie erzeugte zusammen mit der konvexen Motorhaube viel Spannung. Der Mercedes-Benz 280 SL der Baureihe W 113 wirkt zierlicher, als er in Wirklichkeit ist. Das Pagoden-Dach ermöglichte extrem grosse Fensterflächen, mehr Rundumsicht bot kaum ein Auto mit geschlossenem Dach. Typisch Mercedes - innen verleugnet der 280 SL seine Herkunft nicht, fortschrittlich war das Sicherheitslenkrad mit Pralltopf. Die Instrumente sind schön gezeichnet. Die Motoren galten jedoch als nicht wirklich drehzahlfest, die vermeintlich sicheren 6500 Umdrehungen sollte man jedenfalls nicht allzu lange abfordern. Verkehrte Welt bei der Automatik, die Park-Stellung ist hinten und nicht vorne, wie heute meist angewandt. Der Reihensechszylinder mit obenliegender Nockenwelle leistete 170 PS im 280 SL. Der breite und flache Kühlergrill setzte den 230-280 SL von seinen Markenbrüdern ab. Das Heck wird durch einen gut sichtbaren Mercedes-Stern geschmückt. Diese Wölbung im Dach wurde zum Markenzeichen von fast drei Jahrzehnten Cabriolet-Design bei Mercedes-Benz. Mit dem Doppelauspuff wurde das Potential des 280 SL untermauert. Der Tankdeckel sitzt ob der Stossstange. Der für diesen Artikel portraitierte Mercedes-Benz 280 SL Automatic aus dem Jahr 1969 wird an der Versteigerung der am 13. Juni 2015 anlässlich der Dolder Classics in Zürich versteigert. Vorstellung des Mercedes-Benz 230 SL in Frankfurt im September 1963. Bereits im März desselben Jahres bewunderten die Schweizer den neuen Stern. Eine hierzulande seltene Variante hiess «California». Sie besass kein Faltdach, dafür aber mehr Raum für Passagiere und Gepäck. Re-Importe leiden heute unter dem fehlenden Wetterschutz. Nur einmal wurde diese Coupé-Variante von Pininfarina gebaut. Das Design von Tom Tjaarda verzichtete auf die Pagoden-Dachlinie.

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Sie gehört seit Jahren zu den beliebtesten Klassikern überhaupt in unseren Breitengraden, die liebevoll Pagode genannte Baureihe W113 mit den Modellvarianten 230 SL, 250 SL und 280 SL.

Im März 1963 wurde am Genfer Automobilsalon der neue Sportwagen von Mercedes Benz enthüllt, 230 SL hiess er. Mit einem Reihensechszylindermotor und Einspritzung gehörte der rasante Wagen zur Avantgarde.

Pagoden-Kurzgeschichte in drei Akten

Technisch orientierte man sich an der Bodengruppe und den Aufhängungselementen der damals aktuellen Limousinen, auch der Motor stammte von dort. Optisch ging man neue Wege und insbesondere das Hardtop mit dem «durchhängenden» Dach sorgte für Diskussionsstoff. Die Anhänger des Sportwagens waren ob der Komfortauslegung des Neuankömmlings etwas enttäuscht, aber der Erfolg im Markt gab den Ingenieuren aus Stuttgart Recht.

Als 230 SL mit 150 PS wurde der Wagen bis 1967 19’832 Mal gebaut, abgelöst wurde er vom leistungsgleichen, aber hubraumstärkeren 250 SL, von dem 5196 Stück entstanden.
Den Schlusspunkt setzte der 280 SL mit neuem Motor, mehr Hubraum und nun 170 PS, der zwischen 1967 und 1971 23’885-mal das Werk in Sindelfingen verliess.

Abgelöst wurde die W113 von der Baureihe R107, die mit einem V8-Motor, aber auch mehr Gewicht und grösseren Abmessungen noch stärker in Richtung Luxus tendierte.

Drei Versionen?

Daneben gab es allerdings noch eine ganze Reihe Sonderlinge, wie den 220 SL (nur als Prototyp), die Rallye-Pagode, die 1963 die Fernfahrt Spa-Sofia-Lüttich gewann, die Coupé-Version von Pininfarina-Designer Tom Tjaarda, der «Shooting Brake» (Kombi) von Pietro Frua, die Variante «California», die gänzlich auf ein Faltdach verzichtete und dafür mehr Platz bot, eine 203 PS starke Wankelmotor-Pagode und sogar eine mit 250 PS besonders schnelle V8-Version mit 6,3 Litern Hubraum. Auch in der Schweiz entstand eine Variation, die ein Fliessheck mit grosser Heckklappe zeigte.

Von Anfang an positionierte Mercedes den 230 SL als komfortablen Reise-Sportwagen. Da passten zwei Ausstattungsoptionen besonders gut dazu. 1600 Franken Aufpreis kostete diese Getriebevariante, dazu passte auch noch die Servolenkung für 600 Franken. Mit Hardtop und diesen beiden Extras waren rund 33’000 Franken für eine Pagode zu berappen.

Das klassische Cabriolet schlechthin

Würde man eine Umfrage machen, welchen Klassiker sich Oldtimer-Sympathisanten gerne kaufen würden, dann käme der Mercedes-Benz 230 SL/280 SL ganz oben auf der Liste. Dies ist gut zu verstehen, wenn man in einer gepflegten Pagode mit Getriebeautomatik und Servolenkung unterwegs ist. Viel gelassener lassen sich nur wenige Autos aus den 1960er-Jahren bewegen, man spürt die 50 Jahre verflossene Zeit kaum. Auch der Nachfolger, intern R117 genannt, konnte kaum etwas besser.

Dank den kompakten Abmessungen – 4,29 x 1,76 Meter Grundfläche – lässt sich der rund 1,4 Tonnen schwere Wagen überaus geschmeidig auch durch engere Strassen navigieren. Und mit einem Wendekreis von rund 10,5 Metern gehört die Pagode auch in der Stadt zu den handlichen Autos.

Der Auspuff intoniert bei höheren Drehzahlen ein Röhren, das eine gewisse Sportlichkeit nicht unterdrücken kann. Federung und Dämpfung lassen gemütliches Reisen ohne Rückenbeschwerden zu, der Kofferraum ist nicht üppig, aber zusammen mit dem Stauraum hinter den Sitzen umfassend genug für längere Reisen. Auch heute noch!

Weitere Informationen sowie historische und aktuelle Bilder zu allen Varianten finden sich auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schorsch Loedmann am 16.05.2015 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lieblos dahergetippt...

    Ein bisschen Begeisterung sollte bei so einem Artikel schon durchscheinen. Ist Ihnen die Schreibe von Fritz B. Busch ein Begriff ? Ich will die Latte jetzt nicht ganz so hoch ansetzen, aber zumindest solche Aussetzer wie der von der Getriebevariante für 1600 Franken - aber was für einer ? - wären uns erspart geblieben.

  • Thomas am 16.05.2015 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön, danke.

    Das waren noch Fahrzeuge mit einem eigenen Gesicht. Klassisch gezeichnet mit den berühmten Ecken und Kanten.

  • kurt am 17.05.2015 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besser im orginal zustand

    mag es nicht wenn oldis verbastelt werden. hier stimmen ja nicht mal die felgen? auch die farbe sieht nicht orginal aus, das ist ein blender

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Sepp Moser am 18.05.2015 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SL

    Schönes Auto und wusste gar nicht das Zürich schon bei der Autonummer 999'999 angekommen ist.

  • fridolin am 17.05.2015 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leider zu viele

    Der golf unter den oldtimern. Steh am sonntag auf die grimsel oder klausenpasshöhe, da fährt alle 15min einer durch. Ganz hübsch, ganz nett, aber wirklich zu sehr oldtimer mainstream.

  • sammler am 17.05.2015 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stereo anlage

    das ist aber ein schlechtes modell auf den bildern, sehr verbastelt. keine orginal räder, eine stereo anlage mit equilizer und auch keine orginal farbe. solche oldis sind nicht viel wert für sammler

  • kurt am 17.05.2015 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besser im orginal zustand

    mag es nicht wenn oldis verbastelt werden. hier stimmen ja nicht mal die felgen? auch die farbe sieht nicht orginal aus, das ist ein blender

  • Thomas am 16.05.2015 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön, danke.

    Das waren noch Fahrzeuge mit einem eigenen Gesicht. Klassisch gezeichnet mit den berühmten Ecken und Kanten.