Bach erklärt

08. Februar 2020 14:03; Akt: 07.02.2020 19:06 Print

Dieselfahrzeuge – die Luftreinigungsmaschinen

von Christian Bach - Echt jetzt - Dieselfahrzeuge sollen plötzlich Luftreinigungsmaschinen sein?

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Die Stadt Zürich hat ein Auge geworfen auf Projekte, die ältere Dieselfahrzeuge und andere Dreckschleudern an belasteten Tagen nicht mehr in die Innenstädte lassen. (Archivbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Wir alle erinnern uns noch an den Diesel-Skandal, an die hohen Stickoxid-Emissionen auf der Strasse trotz guter Laborwerte und die lebhaften Diskussionen in den Medien. Bevor ich auf die Luftreinigungssache eingehe, einige Hintergrundinformationen: In einer motorischen Verbrennung treten Spitzentemperaturen bis über 2'000 °C auf, was dazu führt, dass sich Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle zu Stickoxiden verbinden. Diese thermische Stickoxid-Bildung hängt stark von der Temperatur ab. Kann sie auch nur um einige Dutzend Grad gesenkt werden, kann es sein, dass sich die Stickoxidbildung halbiert. Kalte Verbrennung sagt man dem. Alle Schadstoffe, die man nicht in dieser Art innermotorisch vermeiden kann, müssen mittels Abgasnachbehandlung entfernt werden.

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Soll es in Innenstädten Diesel-Fahrverbote geben?

Stickoxide verursachen Atemwegserkrankungen, sind für die bodennahe Ozonbildung mitverantwortlich und können über komplexe atmosphärische Prozesse sogar Partikel bilden – sogenannter sekundärer Feinstaub, der erst hinter dem Auspuff entsteht. Genügend Gründe also, um Stickoxide aus der Atemluft zu verbannen. In den letzten 30 Jahren hat man viel erreicht; zumindest sah es bis Mitte September 2015 so aus, als der Diesel-Skandal publik wurde. Heute weiss man: Dieselmotoren könnten so sauber sein, dass sie die Luft reinigen. Das bedeutet, dass hinten im Auspuff weniger Schadstoffe ausgestossen werden, als der Motor vorne ansaugt. Weshalb haben die Automobilfirmen dieses technische Potential nicht genutzt und sich stattdessen einer Kreativität bedient, die heute in Gerichtsprozessen bestaunt wird?

Kompetitiver Markt

Ein Erklärungsversuch: die Automobilwirtschaft ist ein sehr kompetitiver Markt. Das ist grundsätzlich gut. Wettbewerb löst viele Innovationen aus. Dieser Wettbewerb führte beispielsweise dazu, dass der Verbrauch der Autos seit 1990 insgesamt um fast 40% gesenkt wurde, obwohl diese grösser, schwerer, sicherer, sauberer und leistungsfähiger wurden. Das ist die Leistung der Ingenieurinnen und Ingenieure!

Allerdings weisen technologischen Entwicklungen praktisch immer ein relativ grosses Preisschild auf, das von den zuständigen Managern sehr genau und detailliert hinterfragt wird. Nun stellen Sie sich einen Manager vor, der über die Einführung einer sauberen, teuren aber vom Gesetzgeber nicht explizit vorgeschriebenen Technologie entscheiden muss. Bis Herbst 2017 mussten Personenwagen nur eine technisch überholte Abgasprüfung im Labor bestehen und keinen Strassentest, obwohl die ganze Problematik bekannt war. Lastwagen mussten nämlich schon Jahre vorher Strassentests absolvieren. Zurück zum Manager: Er muss also beispielsweise entscheiden, ob ein neues Dieselfahrzeug ein grösseres Display oder geringere Stickoxid-Emissionen erhalten soll. Der Produktmanager will beides, aber beides geht nicht sagt der Finanzvorstand. Wie würden Sie entschieden?

Tempi passati?

In einem sehr kompetitiven Umfeld spielen die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, denn diese nehmen solche Entscheide vorweg. Wenn die Gesetzgebung im Umwelt- und Klimabereich Notwendigkeiten schafft, können diese von Finanzvorständen nicht verhindert werden.

Nun, tempi passati könnte man meinen. Dem ist aber nicht so - im Gegenteil. Der Automobilmarkt ist durch die Veränderungen in China so kompetitiv wie nie zuvor, und Umweltanliegen müssen immer noch bei Finanzvorständen durchgebracht werden. Nach wie vor besteht das Risiko, dass von der Umweltgesetzgebung nicht berücksichtigte Schweinereien aller Art in Kauf genommen werden. Das können Luftschadstoffe oder soziale Widrigkeiten bei der Rohstoffgewinnung für Batterien sein oder auch die Emissionen bei der Energiebereitstellung.

Diese Umwelt- und Klimaprobleme wären eigentlich lösbar – genau wie die Stickoxide bei Dieselmotoren – wenn dies im Rahmen der Fahrzeugzulassungsgesetzgebung auch verlangt werden würde. Genau das ist aber nicht der Fall. Dies führt schlussendlich dazu, dass Technologien wie Diesel- oder Elektrofahrzeuge von manchen Leuten als schmutzig kritisiert werden, obwohl fragwürdige Managemententscheidungen aufgrund fehlender gesetzlicher Anforderungen die Ursache dafür sind.

Wird es ein déjà-vu im Umweltbereich bei alternativen Fahrzeugen geben? Ich hoffe nicht - offensichtlich haben aber grosse Displays in Fahrzeugen schon eine hohe Anziehungskraft…

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas am 08.02.2020 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Guter Artikel, gerne mehr davon.

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  • Astrid Fluscho am 08.02.2020 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte mehr davon!

    Sehr guter Artikel. Endlich mal etwas, wovon man richtig informiert wird. Bitte mehr von solchen Beiträgen! Bitte!

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  • Redface am 08.02.2020 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso

    Diese Tests habe ich auch bereits einige Male im TV gesehen. Aber wie bei allem was wir den ganzen Tag so hören liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Aber eines ist bei aller Klimahysterie nicht aus den Augen zu verlieren, die Schweiz, welche als Verursacher von 0.03 % des CO2 verantwortlich zu sein scheint, kann das Klima nicht verbessern wenn die größten Emittenten wie China USA Indien Russland nicht bereit sind was für bessere Luft zu tun! Dies sollte jedem einzelnen von uns klar sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieter Beyerle am 20.02.2020 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das Dieselauto trifft die meiste Schuld

    Gut gebrüllt Löwe! Dieselautos von den Strassen zu verbannen ist eine Alibiübung. Ein Dieselauto das durch die Stadt fährt hinterlässt weniger Feinstaub als ein Velo. Schafft doch erst die Feuerwerke ab und die Kreutzfahrtschiffe. Von denen kommt die schlechte Luft in Hamburg.

  • a,steiger am 12.02.2020 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schönreden

    Vom Feinstaub redet niemand der in der Lunge bleibt.

    • Farbdesign am 13.02.2020 00:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @a,steiger

      Die Feinstaubbelastung an einem Feld, dass gerade geerntet wird, ist höher als in der Stadt...Selbst ein Schuh produziert Feinstaub/Abrieb. Sie können ja gerne eine Staubmaske tragen...in Asien ganz normal.

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  • AntiBrumm am 11.02.2020 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    rächt hät wer minder Einig isch....

    "Gut" ist ein Artikel, wenn er mit der eigenen Meinung überein stimmt! e-Fans können sich unter "ee-news-Schweizer erfinden sensat. e-motor , etc. bestätigt fühlen. Das gibt wieder Munition zum Chäre mit dä Brummbrumm-Fraktion!

  • Mech. am 11.02.2020 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt herunter!

    Ich sehe, hier wird zum Teil verbissen für Pro-Verbrenner geschrieben. Klar sehen Einige ihre Zukunft durch die E-Mobilität bedroht. Da E-Autos viel wartungsgünstiger sind... Aber ich meine, es gibt auch sehr viele neue Chancen bei der E-Mobilität. Garagisten könnten z. B. Leute ausbilden für die Montage von Ladestationen, Heiminstallationen... Ich bin auch froh, z. B. nicht mehr verrusste AGR-Ventile reinigen zu müssen, oder verrostete Auspuffanlagen wechseln zu müssen. Ich meine, mehr Optimismus und Gelassenheit wäre durchaus angebracht! :-)

    • 1234 am 19.02.2020 19:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Mech.

      Wieviele male hab ich jetzt den gleichen Text (copy & paste) schon gelesen? Dix nix Mech, Du E-Fahrer.

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  • HEMI am 10.02.2020 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Witz oder?

    Ein Benziner ist schon nach 1Km auf Betriebstemperatur und ein Diesler nach 20Km. Das soll mir Einer mal erklären.

    • Benziner am 10.02.2020 21:56 Report Diesen Beitrag melden

      Ach was

      Mein Benziner braucht mind 15km bis er die Betriebstemperatur erreicht hat.

    • Roger am 11.02.2020 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HEMI

      Es kommt auf die Ausführung, Auf das Alter, auf den Typ und schlussendlich auf die Marke an wie schnell ein Auto auf Betriebstemperatur ist. 1 km ? Das ginge ja echt schnell.. unmöglich.. und die 20 km ? Kaum ... 5-7 km ob Benzin oder Diesel.

    • sugus am 11.02.2020 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      @HEMI

      Ich fahre beides Benziner und Diesel, die Motoren sind von Hubraum und Leistung fast identisch. Bei mir ist der Benziner deutlich schneller auf Betriebstemp. ca. nach 20 km, der Dieseler nach ca 30 km. Man spürt es auch deutlich bei der Heizung, welche beim Diesler viel später kommt.

    • Braten Lucas am 11.02.2020 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      Achtung!

      Allgemein zu beachten gilt: Der Verbrenner hat einen Wirkungsgrad von höchstens 30%! Das heisst 70% der Primärenergie wird ungenutzt "verbraten"!

    • Dr No am 11.02.2020 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Dr

      Nein, stimmt nich. Der Benziner hat ung 20% und der Diesel mehr als 40%. Also...

    • gerda am 11.02.2020 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr No

      Bitte benennen sie mir den Dieselmotor mit 40% Energieeffizienz.

    • prof. yes am 12.02.2020 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr No

      Hier ist die diskussion von dieselmotoren im strassenverkehr und nicht schiffs diesel motoren.

    • Pablo am 19.02.2020 19:28 Report Diesen Beitrag melden

      @HEMI

      Mein Berlingo 1.4i hat schon nach 700m eine Wassertemparatur das man im Winter warme Luft aus der Heizung hat. 2l 6Zyl dauert eingies länger. Und ein VW Bus mit Heckmotorboxer hat so einen grossen Wasserkreislauf das man vorher erfriert.

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