Auto-Ratgeber

31. Juli 2019 05:00; Akt: 30.07.2019 15:40 Print

Erneuerbares Gas – wo liegt das Problem?

von Markus Peter, AGVS - Die Empa hat ausgerechnet, dass in der Schweiz 1 Million Autos mit erneuerbarem Gas betrieben werden können. Tatsächlich beträgt der Marktanteil von CNG-Autos nicht einmal 1 Prozent.

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In der Schweiz könnten 1 Million Autos mit erneuerbarem Gas betanken werden. Trotzdem beträgt der Marktanteil von CNG-Autos nicht einmal 1 Prozent. Ein Widerspruch? (Bild: Webstock)

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Frage von Antonio ans AGVS-Expertenteam:
Kürzlich konnte man in «20 Minuten» lesen, dass Coca-Cola auf CNG-Fahrzeuge setzt und dass wir in der Schweiz 1 Million dieser Autos mit erneuerbarem Gas betanken könnten. Warum tut man es dann nicht einfach?

Antwort:

Lieber Antonio

Die Frage ist berechtigt und nicht ganz einfach zu beantworten.

Zunächst zur Studie, welche die Empa und das Paul-Scherrer-Institut im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) erarbeitet haben. Es handelt sich dabei um eine Potenzialanalyse. Die Kernbotschaft lautet: Würden wir 50 Prozent des Potenzials der Photovoltaik in der Schweiz nutzen, dann hätten wir genügend überschüssigen Öko-Strom, um damit erneuerbares Gas herzustellen. Mittels Elektrolyse lässt sich zuerst Wasserstoff produzieren und dieser dann mit CO2 in Methan (CH4) umwandeln. Methan lässt sich einfacher und länger speichern als Elektrizität.

Dieses Verfahren nennt man Power-to-Gas. Und du siehst am vielen Konjunktiv und sicher auch bei einem Blick aus dem Fenster, dass wir in der Schweiz von diesen 50 Prozent noch weit entfernt sind. Das ändert nichts daran, dass wir in ganz Europa das Potenzial erneuerbarer Energien (Sonne, Wind. Wasser) nutzen müssen, wenn wir in nicht allzu ferner Zukunft die Kernkraftwerke vom Netz nehmen und auch die Kohlekraftwerke abstellen.

Aktuell fahren rund 110'000 oder 2,5 Prozent aller Personenwagen in der Schweiz mit alternativen Antrieben – darunter 20'000 Elektro- und 11'000 CNG-Fahrzeuge. CNG ist die Abkürzung von Compressed Natural Gas; diese Autos fahren mit Erdgas und Biogas, das chemisch dem Methan entspricht.

Dass ihr Marktanteil unter 1 Prozent liegt, hat verschiedene Gründe.

1.CNG-Fahrzeuge haben in den letzten Jahren technisch einen grossen Schritt nach vorne gemacht und bewegen sich punkto Leistung und Komfort nun auf Augenhöhe mit Benzin- und Dieselfahrzeugen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so.

2.Zudem ist die Modellpalette beschränkt: Im Bereich PW setzen derzeit vor allem Volkswagen und Fiat auf CNG. Der VW-Konzern mit seinen Töchtern Audi, Seat und Skoda fördert CNG und bietet in der Schweiz knapp 20 Modelle an – vom Skoda Citigo bis zum Audi A5.

3.Ängste und Vorurteile rund um CNG-Fahrzeuge bezüglich Sicherheit, zu wenigen Tankstellen oder Parkverboten in Tiefgaragen halten sich hartnäckig – obwohl diese inzwischen unbegründet sind. CNG-Fahrzeuge sind effizient, sicher, sauber und im Betrieb kostengünstig.

4.Letzter und nicht ganz unwichtiger Punkt, wieso CNG noch immer um Akzeptanz kämpft: In Politik und Medien stehen momentan die Elektro-Fahrzeuge im Fokus. Viele Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, ihr Angebot an Steckerfahrzeugen zu erweitern, denn ab nächstem Jahr beträgt der Zielwert für CO2-Emissionen für Neuwagen noch 95 Gramm pro Kilometer. Importeure, deren Flotten über diesem Wert liegen, müssen mit saftigen Bussen rechnen. E-Mobile helfen, diesen Durchschnittswert, der 2018 immer noch 137,8 g/km betrug, massiv zu senken. Da Elektrofahrzeuge unabhängig vom getankten Strommix mit 0 Gramm pro Kilometer gerechnet werden, ist ihr Potenzial rein rechnerisch um einiges grösser als jenes von CNG-Fahrzeugen.

Dies obwohl an den Schweizer CNG-Zapfsäulen mindestens zehn Prozent Biogas beigemischt sein muss, was die CNG-Fahrzeuge umweltschonend macht. Mittlerweile sind es im Durchschnitt gar 22,4 Prozent Biogas. Ein CNG-Fahrzeug stösst so rund 25 Prozent weniger CO2 aus als ein Benziner. An vielen Tankstellen kann der CNG-Automobilist selber entscheiden, ob er den Anteil Biogas auf bis zu 100 Prozent erhöhen und so jetzt schon nahezu klimaneutral unterwegs sein will.

Gute Fahrt!


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Darum am 31.07.2019 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Erdgas wurde vor ein paar Jahre Subventioniert, sei es von Behördlicher Seite, wie auch Versicherungstechnisch. Was heute aber noch dazu kommt, ist diese E-Auto Blindheit, die sagt dass e-Auto keine Abgase erzeugen. Aber dass auch E-Auto Ihre Schattenseite haben wie die anderen auch will man schön schweigen.

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  • Resch am 31.07.2019 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufrieden

    Wir hatten bis vor kurzem ein Fahrzeug welches mit CNG fuhr. Wir waren damit sehr zufrieden, auch nach anfänglicher Skepsis.

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  • M. Kaspar am 31.07.2019 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserstoff

    So ein Schwachsinn. Warum wird nicht der Wasserstoff direkt verwendet, also zu Wasser verbrannt? -> kein CO2 und kein weiterer Verarbeitungsprozess.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank Eilinger am 04.08.2019 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antwort ungenügend!

    Der Experte scheint kein CNG-Fahrer zu sein. Gute Fahrzeuge gibt es schon seit über 10 Jahren, schließlich ist das Erdgasauto ein normaler Benziner. Praktisch keine Werbung. Bei den Marken haben Sie Opel vergessen, die schon vor über 10 Jahren in Kooperation mit den Gaswerken den Zafira mit attraktiven Angeboten beworben haben. Und jetzt wird's handfest: Das Betanken ist nicht gerade kinderleicht und in der Schweiz gibt es nur Self-Service Tankstellen, die nichts mit dem Benzinanbieter zu tun haben, sondern vom Gaswerk betrieben werden, hilf dir selbst. Im Erdgas-Land Italien wird nur bedient.

  • Gerri am 03.08.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Interesse

    Erdöl loby hatt doch kein intresse an CNG Fahrzeuge die wollen ihr Öl verkaufen Bin 10 Jahre Erdgas gefahren Genial.. aber leider Politik und lobby hatt kein Interesse.. kommt ja zuwenig kohle in die staatskasse

    • Illumination am 03.08.2019 20:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Gerri

      Ähm - Erdgas wird durch Bohrungen in reinen Erdgasfeldern oder als Nebenprodukt bei der Erdölförderung gewonnen - weitestgehend beherrscht durch die Mineralöl-Konzerne...;-)

    • Stefan am 03.08.2019 22:58 Report Diesen Beitrag melden

      Gibt zu viel Erdgas...

      @Das stimmt schon, es wird zusammen mit Erdöl gefördert, da es ein Nebenprodukt ist, wird es vielfach einfach abgefackelt. Dies dann die grosse Flamme bei den Bohrtürmen... Ist leider so. Es gibt zu viel davon.

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  • Stefan am 03.08.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Erdgas seit über 10 Jahren

    Fahre Erdgas seit über 10 Jahren. Hatte schon eins, bevor es Tesla gab. Bin damit sehr zufrieden. Es gibt Modelle für 20'000 aber auch für 60'000. Der Skoda Octavia hat eine kombinierte Reichweite von 1400 km....

    • TSLA-Driver am 08.08.2019 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Tesla gibt es seit 2003

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  • die 2 esel am 03.08.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    ich habe mir letzte woche 1 esel gekauft

    diesen spann ich mir jetzt vor mein auto, so fahre ich umweltfreundlich, und vom gretli habe ich bereits schon ein dankschreiben erhalten, ist das etwa nichts? 1 esel vorn, der 2. hinten im auto !

  • E-Guru am 03.08.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe jetzt umgestellt auf Tretauto

    Bin mit meinem neuen Tretauto sehr zufrieden, das vorherige (Schwungradauto) war nicht so wirklich toll.

    • Alfred A. am 10.08.2019 04:22 Report Diesen Beitrag melden

      @E-Guru

      Schwungradauto? Hmm.. Sind damit Dieselfahrzeuge gemeint? Dieselmotoren benötigen bekanntlich grössere Schwungräder als Benzinmotoren aufgrund unterschiedlicher Abläufe bei Verdichtung des Treibstoff-Luft-Gemischs und der Verbrennung des jeweiligen Treibstoffs. Aber warum denn ein Schweis treibendes Tretauto? Mit einem Elektromotor braucht man nicht schwitzen und Beschleunigung hemmende Schwungräder braucht der E-Motor auch keine. Ist halt nicht ganz einfach, die Zusammenhänge zwischen Drehzahl, Übersetzung, Dreh- & Kraftmoment an Motoren und Antriebsrädern.

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