Auto-Ratgeber

17. April 2019 05:00; Akt: 16.04.2019 22:49 Print

Funktioniert ein Diesel auch mit Heizöl?

von Markus Schwab und Olivia Solari, AGVS - Marcel möchte wissen, ob ein Dieselfahrzeug auch mit Heizöl betrieben werden kann.

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Technisch waren Heizöl «extra leicht» und Dieselkraftstoff bis Mitte der 1990er-Jahre in der Tat nahezu identisch. Mittlerweile sind sie aber nicht mehr zu vergleichen. (Bild: Webstock)

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Frage von Marcel ans AGVS-Expertenteam:

Ich weiss, dass es verboten ist. Aber mich interessiert es trotzdem: Wäre es technisch möglich, ein Dieselfahrzeug mit Heizöl zu betreiben?

Antwort:

Lieber Marcel

Technisch waren Heizöl «extra leicht» und Dieselkraftstoff bis Mitte der 1990er-Jahre in der Tat nahezu identisch. Mittlerweile sind sie aber nicht mehr zu vergleichen. Zu unterschiedlich sind ihre Einsatzzwecke. Beim Dieseltreibstoff ging die Entwicklung der letzten 25 Jahre in Richtung bessere Zündwilligkeit, höhere Kälteresistenz und geringere Russbildung. Beim Heizöl wurden die Lagerfähigkeit, die Temperaturstabilität und die Verträglichkeit gegenüber Metallen verbessert.

Die Hauptunterschiede bestehen heute unter anderem in einem höheren zulässigen Schwefelgehalt des Heizöls und in den verwendeten Additiven in beiden Energieträgern. Beim Heizöl ist ein Schwefelgehalt von bis zu 50 Milligramm pro Liter zulässig, Dieseltreibstoff gilt heute bis zu einem Schwefelanteil von 10 mg/l als schwefelfrei. Bei der Verbrennung von Heizöl in einem modernen Dieselmotor würde durch den hohen Druck mehr Schwefeldioxid entstehen. Dieses Schwefeldioxid ist einerseits schlecht für die Umwelt und würde auf der anderen Seite auch dem Motorenöl schwer zusetzen. Auch ist Heizöl weniger selbstschmierend und weniger fein filtriert als aktuelle Dieselkraftstoffe. Längerfristig würde der Betrieb eines Diesels mit Heizöl zu einem erhöhten Verschleiss an den mechanischen Komponenten führen – bis hin zum Totalausfall.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Ja, der Motor würde wohl anspringen, dies aber nur für kurze Zeit und zum letzten Mal vor der Gesamtrevision.

Eine kurze Ergänzung zum rechtlichen Aspekt: Ob Heizöl als Dieselersatz und somit als Treibstoff für ein Fahrzeug verwendet werden kann, regelt das Mineralölsteuergesetz (MinöStG). Diesel unterliegt einem höheren Steuersatz als Heizöl. Gemäss Art. 4 Abs. 2 lit. a MinöStG entsteht für die Steuerdifferenz bei versteuerten Waren, die nachträglich zu Zwecken verwendet werden, die einem höheren Steuersatz unterliegen, eine Steuerforderung. Diese Forderung entsteht im Zeitpunkt der (zweckfremden) Verwendung. Auf deine Frage umgemünzt bedeutet dies, dass ab dem Zeitpunkt, in dem du Heizöl als Dieseltreibstoff verwendest, eine neue Steuerforderung entsteht.

Wird jemand mit Heizöl im Dieseltank erwischt, muss er die Steuerdifferenz berappen. Art. 38 Abs. 1 MinöStG sieht zudem vor, dass jemand, der die Steuer vorsätzlich oder fahrlässig hinterzieht, mit einer Busse bis zum Fünffachen der hinterzogenen Steuer bestraft wird. Und genau dieser Tatbestand liegt vor, wenn du Heizöl tankst. Damit dies bei einer Kontrolle einfach erkannt werden kann, ist Heizöl im Gegensatz zum Diesel leicht eingefärbt.

Heizöl tanken lohnt sich also in keinem Fall: Es ist nicht gut für deinen Motor und auch nicht für deinen Kontostand.


Gute Fahrt!


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Captain Hindsight am 17.04.2019 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer günstig Diesel will ...

    ... muss Bauer werden oder im Ausland tanken.

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  • Peter M am 17.04.2019 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ausländische LKW

    Einfach mal einen LKW aus dem Osten Nachfahren, da riecht man oft die "Ölheizung". Und was macht der Freund und Hobbyfotograph? Genau Bilder knipsen ist einfacher und gibt keinen Stress. Das ist übrigens nicjt Einzelfall, sondern die Regel, wenn man z.B. auf einschlägigen Routen unterwegs ist. Genauso moderne Lastwagen ohne Adblue im Tank, Da nützt die Sauberkeit aufm Papier viel.

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  • Dingo am 17.04.2019 06:43 Report Diesen Beitrag melden

    Aus der Industrie

    Je nachdem welcher Lieferant, kann der Grund-Kraftstoff sogar der gleiche sein. Die Additive unterscheiden sich schon, aber das ist nicht die Welt. Viel wichtiger ist aber ein anderer Zusatzstoff: Farbe :). Heizöl wird oft (in einigen Ländern immer) ein Farbstoff zugesetzt, dieser verbleibt fast ewig im Tank eines Fahrzeugs. Also selbst wenn man sich denkt, ach ich tanke nur mal kurz ein wenig pro Jahr, kann dann noch später erwischt werden. Interessant ist nun aber noch, wie es mit anderen Ölen steht. Rapsöl zum Beispiel. Mit Umbauten am Motor wäre dies möglich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bese am 30.04.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage an die Kommentatoren

    Wer kann mir erklären! Im Mai fahre ich aufm Ferien mit meinem Wohnwagen. Gewicht 2.2 Tonnen. Wenn ich eine E- Auto hätte, wie weit komme ich damit? Jetzt habe eine Toyota landcruiser. Danke für die Antwort.

  • Water am 23.04.2019 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Water

    Alles ist einiges besser als Deepwater Horizon!!!

  • Tell am 21.04.2019 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Darf man fragen weshalb ihr alle eigentlich euer sauer verdientes Geld für Benzin und Diesel nach Saudi-Arabien schickt? Das sollte doch besser in der Schweiz bleiben für die Wasserkraft.

    • Schlaumeier am 24.04.2019 08:43 Report Diesen Beitrag melden

      Genau...!

      Wir senden 13 Milliarden CHF pro Jahr zu den Ölheinis, damit liessen sich viele schlauen Sachen anstellen, z.B. nachhaltige Investitionen in Energiegewinnung, welche auch einen Return of Investment haben, statt nur heisse Abgase und sonst alles weg...

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  • Motorexperte ehrlich am 21.04.2019 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch anders...

    Reiner Blödsinn, man kann aber auch alles Altöl, egal welches, sammeln und gut Filtern. Dieses Ölmix fügt man dem Diesel mit maximal 10 % bei. Fahre seit Jahren so und habe immer die neuste Dieseltechnik (ganz neu Euro 6dt ist in ZH 80 % Steuerbefreit Kat. A). Letztes Fahrzeug Euro 6 mit 200'000 km ohne Probleme. Alles falscher Umweltschutz um den kleinen Bürger noch mehr auszunehmen. Die wirklich grossen Umwelt-Verschmutzter lässt man laufen. C02 Anteil in der Luft <0.004% davon von Menschen gemacht 2%. Wir vergessen die Geschichte, es hat immer Eis- und Dürrezeiten gegeben, gemacht vor allem Sonnenaktivitäten und zum Teil Natur-Katastrophen. Man könnte hier noch viele, von Wissenschaft festgestellte und bewiesene Berichte, aufführen, jedoch werden diese Berichte und Sonnenaktivitäten von der gierigen Politik verschwiegen.

  • Sunpower am 20.04.2019 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfindung

    All das hier braucht es ab heute nicht mehr: Turbos, Russfilter, Kats, AdBlue, Motoren-Öl. und warum eigentlich nicht? Es gibt eine Erfindung des Jahrtausends, nämlich den genialen wartungsfreien Elektro-Motor.

    • Illumination am 21.04.2019 00:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Bedeutet alles nicht, dass die Verkäufe reiner E-Autos grossartig anziehen, auch nicht mit dichtem Netz von Stromtankstellen.. In Japan besteht praktisch Flächendeckung mit Schnellladern, es fehlt sozusagen an nichts - aber der Absatz an Stromern stagniert.. Ist alles nicht so einfach, wie Sie und andere uns dauernd mit missionarischem Eifer verkünden wollen - Zusammenhänge sind komplex.. Emotionen spielen beim Autokauf und Autofahren eine Rolle, ebenso Marke und Design (hier konnten viele Stromer bisher nicht überzeugen) - starker Antrieb/Anzug beim Ampelstart reicht da nicht aus..

    • pz am 11.05.2019 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      wartungsfrei? E-autos brauchen auch wartung, einfach andere (Bremsen z.b. sidn selten aubgenutz, dafür klemmen sie häufiger mal weil sie fest rosten) fenau so können z.b. die gelenke der Lenkung oder antribswellen kapputgehen, z.b. durch verbissene schmutzmanchetten. auch kühlwasserschlaüche sind weiterhin ein belimtes ziel von mardern (auch ein E auto braucht eine kühlung)

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