Auto-Ratgeber

03. Juli 2019 05:00; Akt: 02.07.2019 22:21 Print

Gilt WLTP nun oder noch nicht?

von Markus Peter, AGVS - Jean wundert sich über die unterschiedlichen Angaben zu den Verbrauchswerten auf den Websites und Preislisten der Hersteller. Noch nicht alle verwenden WLTP-Daten.

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(Bild: AGVS)

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Frage von Jean ans AGVS-Expertenteam:
WLTP, NEFZ, Abgasnorm Euro 6d-Temp – welche Verbrauchswerte und -normen gelten denn jetzt und müssen ausgewiesen werden? Stimmt es, dass selbst Fahrzeuge, die schon nach neuem WLTP-Zyklus gemessen werden, trotzdem noch nach NEFZ-Werten ausgewiesen werden?


Antwort:

Lieber Jean

Ja, momentan ist das Ganze durch die Übergangsphase und die gestaffelte Einführung neuer Verbrauchs- und Abgasnormen tatsächlich etwas verwirrlich. Insbesondere, weil gewisse Modelle mit Verbrauchswerten nach WLTP- und gewisse noch nach altem NEFZ-Messzyklus ausgewiesen werden.

Grundsätzlich gilt: Verbrauchswerte und Emissionen von Personenwagen werden nicht mehr nach dem seit 1992 geltenden NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) gemessen, sondern nach dem WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Mit dem neuen WLTP-Verfahren werden übrigens alle Antriebsarten vom Elektro- über Wasserstoff-, CNG- und Hybrid- bis hin zum Benzin- und Dieselantrieb gemessen.

So sollen sie vergleichbarer werden und die teils massiven Abweichungen der Verbrauchsangaben zu den realen Werten von über 40 Prozent auf unter 20 Prozent gesenkt werden. Dass es nach wie vor Abweichungen zwischen Prüfstand und Praxis gibt, liegt beispielsweise daran, dass der Einfluss der Klimaanlage auf den Verbrauch weiterhin aussen vor bleibt, da auch beim WLTP-Verfahren die Klimaanlage ausgeschaltet werden darf. Der neue Zyklus ist jedoch klar dynamischer: Höchstgeschwindigkeit und Durchschnittstempo erhöhen sich, auch die gefahrene Strecke wird länger.

Bezüglich Abgasnormen gilt seit September 2018 für alle in die Schweiz importierten Neuwagen (Kategorie M1) sowie Lieferwagen und leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen (Kategorie N1) die Übergangsnorm 6c. Ab September 2019 tritt dann die Euro 6d-Temp-Norm in Kraft. Dabei kommen auch Praxismessungen auf der Strasse, sogenannte «Real Drive Emissions» (RDE) zum Tragen, für die jeweils eine individuelle Verlängerung vom Auspuffrohr zum mitgeführten Messgerät hergestellt werden muss – ein riesiger Aufwand für Fahrzeughersteller und Prüfbehörden! Unter anderem darum kam es zu den Verzögerungen bei den ganzen WLTP-Messungen. Ab 2021 und der Einführung der definitiven Euro 6d-Norm werden die RDE-Werte bei der Ermittlung der Abgaswerte stärker gewichtet.

Für die Kunden nun besonders verwirrlich: Erst per 1. Januar 2020 müssen die Verbrauchsangaben in den Verkaufsunterlagen (Preislisten, Internet, etc.) nach WLTP ausgewiesen sein. Bis dahin sind auch NEFZ-Werte Das führt dazu, dass in der Praxis bereits per WLTP gemessene Werte mit einer Umrechnungsformel auf theoretische NEFZ-Werte (sogenannte NEFZ 2.0-Werte) zurückberechnet werden, damit man die Modelle besser untereinander vergleichen kann. Die Art der Werte ist jedoch klar zu kennzeichnen. Auch die Berechnung der Energieeffizienzkategorie erfolgt noch auf Basis von NEFZ-Werten, da für viele Fahrzeuge/Typengenehmigungen nur diese verfügbar sind. Die grosse Umstellung erfolgt – wie bei den Verkaufsunterlagen – auch bei der Energieetikette erst per 2020.

Lieber Jean, wir hoffen, wir haben für dich Ordnung in den Begriffswirrwarr der Normen und Messzyklen gebracht. Wichtig: Bis 2020 besonders auch das Kleingedruckte und mögliche «Sternchen» in den Verkaufsunterlagen beachten, um sicherzugehen, ob es sich nun um NEFZ- oder schon WLTP-Verbrauchwerte handelt.

Gute Fahrt!


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Schild am 03.07.2019 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    Wenn ein Autofahrer in der Praxis auf der Strasse die angegebenen Werte erreicht so ist er einsame Spitze!! Egal ob Diesel, Benzin oder Hybrid. Laborwerte dienen für die Praxis nichts.

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  • Grossstadtgeflüster am 03.07.2019 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer sagt denn das?

    30 Zonen sind Umwelt verschmutzender als 50 da man wesentlich mehr Benzin verbraucht ist letztens wissenschaftlich belegt worden, die 30 Zone Überflutung in de Städten schadet mehr als en nützt

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  • Peter am 03.07.2019 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Der Betrug geht weiter. Die Abschaltvorrichtungen wurden nicht entfernt. Abgasreinigungsanlagen wurden nicht ersetzt oder aufgerüstet. Es wurden nur Softwareupdates gemacht. Die Abgaswerte wurden nicht besser. Alles nur Betrug!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Bruhin am 04.07.2019 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    einfach verlangen

    ES ist ganz einfach. Wer die Daten will, verlangt sie vom Händler oder kauft ein anderes Produkt. Jeder hat diese sonst würde das Auto ja gar keine Zulassung erhalten.

  • Peter Odermatt am 03.07.2019 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Überforderte Gesetze machen

    Der von Herstellern geforderte Abgaswertmix führt zu völlig wahnsinnigen Resultaten, die der Umwelt schaden. Ein topp sauberer Audi Benziner darf nicht mehr verkauft werden, dafür das gleiche Modell in Diesel schon. Ein super Lungenkiller.

    • Peter M. am 04.07.2019 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Odermatt

      Das passt genau zum ganzen Klimawahn. Die super strengen CO2 Vorschriften der EU dienen vor Allem den deutschen Diesel-Konzernen! Und was machen sie? Sie bauen immer noch grössere und stärkere SUVs. Bei grossen Motoren hat man sich mit Dieselmotoren ein quasi Monopol geschaffen, mit Motoren die wegen Manipulationen immer wieder neu in den Schlagzeilen stehen. Ist das das was die Deutsche und EU Politik klimafreundlich nennt?

    • Realist am 04.07.2019 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M.

      Gebe grundsätzlich recht, nur sind es wir die Konsumenten die immer mehr SUV fordern!! Wir bestimmen den Markt.

    • Peter M. am 04.07.2019 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Nicht ganz, man hat sie schlicht zu attraktiv gemacht. Die EU Diesel-Förderung hat nicht zu mehr kleineren Sparautos wie der 3L Lupo geführt, sondern grosse, schwere Autos attraktiv gemacht. Deshalb Dieselkraftstoff nach CO2 Gehalt besteuern ca. plus 25 Rp./l wegen des höheren Energiegehalt. Als Benziner sind SUV eh weniger attraktiv, da zu wenig Leistung oder zu hoher Verbrauch.

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  • Autoexperte am 03.07.2019 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hybride ganz falsch

    am meisten weichen die Hybride an. Fahrzeuge die mit 3 Liter angegeben werden brauchen 8. diese Messungen auf 30 km sagen gar nichts aus

    • Einhornjäger am 03.07.2019 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Autoexperte

      Das stimmt so nicht, bei einem plug in hybrid kommt es stark darauf an welche Distanzen man damit zurück legt, bei kurzstrecken erreicht man sehr gute Werte, bei Langstrecken bringt es nichts. Nur wer hauptsächlich Langstrecke fährt kauft sich auch keinen plug in hybrid, den die sind für die Kurzstrecke ausgelegt.

    • Reto am 04.07.2019 07:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Autoexperte

      Mol, doch, mega Experte. Du meinst vielleicht die ersten Hybride. Die aktuellen, welche z.B. mit einem Benzinmotor direkt den E-Motor antreiben ohne Getriebe dazwischen, haben kaum Lastwechsel und somit einen konstanten Verbrauch der im Labor wie in der Realität gleich ist.

    • Real Expert am 04.07.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Autoexperte

      Das liegt daran, das Plug in Hybride (Aufladbar an Steckdose) keinen Brennstoffverbrauch und somit auch keinen Giftausstoss haben solange sie in der Elektrischen Reichweite bleiben. Typischerweise etwa 50km. Dies entspricht je nachdem einem typischen Tagesfahrwert. Wenn täglich nur soweit gefahren wird, ist der verbrauch viel geringer als die norm angabe. Also stimmt deine Aussage soweit das die abweichung sehr hoch sein kann. Auch in die andere Richtung (Fahrzeug wird nie aufgeladen) kann die abweichung sehr gross sein da es dann ein "normaler" verbrenner ist. Plug in Hybride sind unbestimbar

    • Autoexperte am 04.07.2019 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Real Expert

      darum sollten die Tests nicht 30km gehen sondern eben 100km. weil der Verbrauch wir dann auf 100km hochgerechnet.

    • Autoexperte am 04.07.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Einhornjäger

      schon klar. aber verbrauch wird auf 100 km angegeben . der Test geht aber 30km und wird hoch gerechnet

    • Autoexperte am 04.07.2019 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      ich meine zum beispiel ein BMW i8. der hat bei mir im Schnitt 7.5 Liter gebraucht

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  • Grossstadtgeflüster am 03.07.2019 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer sagt denn das?

    30 Zonen sind Umwelt verschmutzender als 50 da man wesentlich mehr Benzin verbraucht ist letztens wissenschaftlich belegt worden, die 30 Zone Überflutung in de Städten schadet mehr als en nützt

    • Autoexperte am 03.07.2019 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grossstadtgeflüster

      und macht mehr Lärm weil man oft einen gang tiefer fährt

    • jahn am 03.07.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      schikanen

      Machen auch mehr lärm da viele schikanen aufgebaut werden wo man an und abremsen muss in den 30 zonen.

    • Reto am 04.07.2019 07:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Autoexperte

      Lachhaft. Also ich fahre in de 30er Zone mit ungefähr der selben Drehzahl (ausschlaggebend für Dezibel) wie im 50er. Vielleicht gehst du nochmals in die Fahrschule?

    • Autoexperte am 04.07.2019 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      keine Ahnung. der Automat oder Doppelkuplungsgetriebe schaltet aber selber ausser man greift manuell ein und was machen die wenigsten

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  • Pain_in_the_Ass am 03.07.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Normen bereits jetzt veraltet

    Eine Klimaanlage gehört heute zur Standardausstattung vieler Fahrzeuge. Beim Fahren sollte die Klimaanlage stets eingeschaltet bleiben. Wenn sie ausgeschaltet ist, kann sie sich entleeren und mit der Zeit Schaden nehmen. Von daher ist es keine Option mit ausgeschalteter Klimaanlage zu fahren und so sollte auch nicht getestet werden.

    • Martin am 03.07.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Ausgeschaltet = undicht?

      Sie haben aber nicht wirklich verstanden, wie so eine Klimaanlage funktioniert oder? Die wird nicht undichter, nur weil sie nicht läuft....

    • Driver am 03.07.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Klimaluft

      Ich mag die Luft der Klimaanlage nicht und kriege immer Kopfschmerzen dadurch - also soll ich immer mit Kopfschmerzen fahren, anstatt einfach die Klima auszuschalten, sobald ich sie nicht brauche? P.S: Die Art wie man seine Klima ein- und ausschaltet macht den Klimakompressor kaputt, nicht das Ein- und Ausschalten an sich. ;-)

    • Pain_in_the_Ass am 03.07.2019 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Driver

      Deine persönliche Geschichte ist irrelevant. Solche Tests sollten praxistauglich sein und dazu gehört nun mal auch eine Klimaanlage.

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