Bach erklärt

30. November 2019 05:00; Akt: 30.11.2019 10:53 Print

Wie umweltfreundlich sind die Steckerfahrzeuge?

von Christian Bach, Empa - «Steckerfahrzeuge» sagt man heute oftmals, und meint damit umweltfreundliche Fahrzeuge. Aber ist das auch zutreffend?

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«Einem grossen, schweren und leistungsstarken Fahrzeug einfach einen Stecker zu verpassen, ist keine wirklich überzeugende Massnahme, wenn es um die Reduktion von CO2-Emissionen in der Realität geht», so Christian Bach von der Empa. (Bild: Webstock)

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Nun, die Bezeichnung «Steckerfahrzeug» bedeutet zuerst einmal nichts anderes, als dass solche Fahrzeuge über eine Batterie verfügen, die via Ladekabel ausgerüstet mit besagtem Stecker geladen werden kann. Umweltfreundlich wird dies, wenn erneuerbarer Strom durch den Stecker fliesst. Wenn nicht, unterscheiden sich Steckerfahrzeuge nicht wesentlich von konventionellen Fahrzeugen. Das ist aber nur die halbe Geschichte.

Es gibt zwei unterschiedliche Steckerfahrzeuge: Die reinen Elektroautos und die Plugin-Hybridfahrzeuge, die in der Werbung oft auch als «das Beste aus zwei Welten» bezeichnet werden. Das erlaube ich mir doch zu hinterfragen, weisen solche Fahrzeuge in Tests an der Empa, aber auch an anderen Instituten nicht «nur» die bekannten 30-40 Prozent höheren Verbrauchswerte auf, als im Normverbrauchstest angegeben, sondern um den Faktor 2-3 höhere Werte!

Plugin-Hybridfahrzeuge können sowohl elektrisch wie auch hybridisch fahren, allerdings beides weniger effizient als reine Elektro- oder Hybridfahrzeuge. Zudem weisen sie nicht selten nahezu alle Attribute auf, die den Verbrauch erhöhen: sie sind gross, schwer, allrad-angetrieben und übermotorisiert. Macht so etwas aus CO2-Sicht wirklich Sinn?

«Kaufen Sie kein grosses, leistungsstarkes Fahrzeug»

Der Reiz der Plugin-Hybride für die Automobilhersteller ist eine spezielle Formel zur Berechnung der CO2-Normemissionen in den Zulassungsbestimmungen. Ein Kollege erklärte diese kürzlich so: Der Hersteller darf die CO2-Emissionen von Plugin-Hybridfahrzeugen frei wählen! Nun, wortwörtlich steht es so nicht in den Zulassungsbestimmungen, aber ganz daneben ist die Aussage nicht. Wie anders kann es sonst sein, dass schwere, grosse und leistungsstarke Plugin-Hybridfahrzeuge nur halb so hohe CO2-Normemissionen aufweisen, wie bieder motorisierte Kompakt-Fahrzeuge?

Ich könnte ihnen die Formel hier zwar erklären, vermute aber, dass Sie diesen Abschnitt dann nicht zu Ende lesen würden. Deshalb eine Kurzfassung: Wollen Sie umweltfreundlich unterwegs sein, kaufen Sie KEIN grosses, schweres und leistungsstarkes Fahrzeug, egal ob mit oder ohne Stecker. Punkt. Einem grossen, schweren und leistungsstarken Fahrzeug einfach einen Stecker zu verpassen, ist keine wirklich überzeugende Massnahme, wenn es um die Reduktion von CO2-Emissionen in der Realität geht. Dann lieber ein vernünftig motorisiertes, kompaktes Fahrzeug ohne Stecker; das ist wenigstens ehrlich!

Relevant sind 30% der Fahrten mit Distanzen

Trotz aller Schelte: In Zukunft könnten sich Plugin-Hybridfahrzeuge durchaus zu einem ernstzunehmenden Antriebskonzept weiterentwickeln, da sie schon auf einer guten Idee basieren: 70% der Tagesfahrstrecken mit Personenwagen sind kürzer als 50 Kilometer! Diese sollten künftig elektrisch gefahren werden. Bezüglich CO2-Emissionen viel relevanter sind aber die restlichen 30% der Fahrten mit Distanzen bis mehrere 100 Kilometer pro Tag. Solche Langstreckenfahrten finden vorwiegend auf Autobahnen statt.

In diesem Einsatz verlieren Elektrofahrzeuge ihre ökologischen Vorteile, weil der Wirkungsgrad abnimmt, sie auf grosse Batterien mit entsprechender Umweltbelastung und zunehmend auf Schnell-Ladestationen angewiesen sind, die das Abschalten fossiler Kraftwerke verzögern könnten. Auf Autobahnen sind deshalb Hybridfahrzeuge aus CO2-Sicht besser als Elektrofahrzeuge, weil sie diese indirekten CO2-Nachteile nicht haben.

Werden Plugin-Hybridfahrzeuge künftig auf elektrisch gefahrene Kurz- und hybridische Langstrecken hin optimiert, anstelle sie auf möglichst hohe Leistungen und fraglich berechnete CO2-Normemissionen hin zu optimieren, könnten sie in Verbindung mit erneuerbarer Energie ein wesentliches Teilproblem lösen; nämlich den gemischten Einsatz von Kurz- und Langstrecken. Das wäre dann fast so etwas, wie «das Beste für zwei Welten».

Bisher erschienene Beiträge in dieser Reihe:



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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe am 30.11.2019 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-Mobile ... umweltschädlich

    Zitat: " ... verlieren Elektrofahrzeuge ihre ökologischen Vorteile, weil der Wirkungsgrad abnimmt, sie auf grosse Batterien mit entsprechender Umweltbelastung und zunehmend auf Schnell-Ladestationen angewiesen sind, die das Abschalten fossiler Kraftwerke verzögern könnten" Falsch ... die e-Mobile verzögern nicht das Abschalten fossiler Kraftwerke sondern die e-Mobile VERHINDERN das Abschalten fossiler Kraftwerke.

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  • Tinu am 30.11.2019 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herstellung

    Alle reden von ökologischem fahren mit e-autos, warum redet man nicht mal von der herstellung? Solarpanels, elektromotoren und batterien sind extrem umweltschädlich in der herstellung wenn das CO2 berücksichtigt wird, dann fahr ich lieber mit meinem diesel mit partikelfilter

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  • Carol am 30.11.2019 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Denkt mal

    Immer mehr elekrisch angetriebene Fahrzeuge verhindern das ausschalten der Atomkraftwerke!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • V8 aus den Bergen am 05.12.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ichhabe die Lösung

    Ich bin für rigoroses Stop des privaten Verkehrs in allen Städten und deren Umland. Alle könnten voll auf öV umsteigen oder dann Elekto Taxis. Es werden auch gefühlte 80% der Fahrzeuge und Kilometer in und um die Städte rumgefahren. Somit könnte der Rest der ländlichen Schweiz mit zum weinen ausgebauten ÖV weiterhin V8 fahren. Das CH Klima wird in den Städten und Ballungszentren entschieden nicht bei uns im Niemandsland ohne gute ÖV.

  • Pertrand am 05.12.2019 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    And the winner is ...

    Schon aufschlussreich, wie viele der Kommentierenden noch nie davon gehört haben, dass Elektroautos dreimal energieeffizienter sind als Autos mit Verbrennungsmotoren, einen Bruchteil der Wartungskosten verursachen und mit Solarstrom aus Photovoltaikanlagen betrieben werden können. Erwiesen ist auch, dass die für Photovoltaik geeigneten Dachflächen in der Schweiz locker ausreichen würden, um die Stromproduktion der AWK's zu ersetzen und dass Solarstrom in Pumpspeicherkraftwerken und Akkus gespeichert werden kann. Offensichtlich besteht da immer noch ein gewaltiger Informationsrückstand. ______

  • Lisa am 04.12.2019 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umstieg Hurra !

    Luftverschmutzung, Lärmbelastung, Klimaerwärmung, finanzielle Anreize und diverse staatliche Zwangsmassnahmen, alles spricht fuer den Umstieg auf Elektromobilität. -

  • Bärgbur am 02.12.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe die Alternativenergie.....

    wichtig ist das alle Stinkkarossen verschwinden ab der Strasse und auch ab dem Land!

    • B.Suter am 06.12.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      Alli redend vo Elektro

      und denn chaufsch der en elektro Schilter und Traktore? Blue Crude ist die Zukunft sicher nicht Strom.

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  • Tobias_SG am 02.12.2019 01:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Teslas

    Gemäss der Aussage aus dem Artikel sollte man auch keinen Tesla fahren: "Wollen Sie umweltfreundlich unterwegs sein, kaufen Sie KEIN grosses, schweres und leistungsstarkes Fahrzeug, egal ob mit oder ohne Stecker." Denn alle Teslas sind gross, schwer und leistungsstark.