Bach erklärt

09. November 2019 11:30; Akt: 11.11.2019 08:25 Print

Empa-Forscher sorgt bei 20 Minuten für Durchblick

von Christian Bach, Empa - Der Kampf um tiefere CO2-Emissionen verunsichert. Empa-Forscher Christian Bach bringt auf 20min.ch monatlich Licht ins Dunkel.

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«Es gibt Wege, unsere Strassenmobilität künftig ohne fossile Energie zu betreiben. Richtig gemacht, löst auch dies wieder viele Innovationen aus. Deshalb engagieren wir uns als Empa im Verbund mit anderen Forschungsinstituten sehr stark in diesem Umfeld.» Christian Bach, Empa (Bild: Empa)

Fehler gesehen?

Schreibt man Kohlendioxid eigentlich mit hoch- oder tiefgesetzter 2?

Mir fällt immer wieder auf, dass das falsch geschrieben wird. Zugegeben, von Bedeutung ist diese Feststellung nicht – Hauptsache, über Kohlendioxid wird geschrieben und diskutiert, denn gemäss Bundesrat müssen wir den Ausstoss bis 2050 auf Null absenken.

Kohlendioxid ist ein für das Leben auf der Erde notwendiges Gas. Es absorbiert zusammen mit anderen Treibhausgasen wie Wasserdampf, Lachgas oder Methan einen Teil der Wärmestrahlung, die ansonsten von der Erde in das Weltall abgestrahlt würde und erhöht damit die Temperatur auf der Erde. Ohne diese Treibhausgase wäre es auf der Erde sehr kalt (etwa -15°C). Das Wasser wäre gefroren und unser heutiges Leben unmöglich.

Pflanzen bauen Kohlendioxid ab

Kohlendioxid gelangt aus natürlichen Quellen wie vulkanische Ausgasung, bakterieller Zersetzung organischer Stoffe und durch Atmungsprozesse der Lebewesen in die Atmosphäre. Gleichzeitig wird es durch natürliche Prozesse wie das Wachstum der Pflanzen auch wieder abgebaut. Das Blattgrün (Chlorophyll) der Pflanzen nimmt Sonnenlicht auf, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Der Sauerstoff wird an die Atmosphäre abgegeben und der Wasserstoff wird durch die Pflanze mit Kohlendioxid aus der Atmosphäre in Kohlenhydrate umgewandelt.

Diese Zusammenhänge faszinieren mich! Die natürlichen Kohlendioxid-Quellen und die Abbauprozesse bilden ein Gleichgewicht, das die Erdtemperatur in einem lebensfreundlichen Bereich hält. Zu diesem natürlichen Kreislauf – und damit nähern wir uns dem eigentlichen Problem – haben wir seit der Erfindung der Dampfmaschine eine zusätzliche, vom Menschen verursachte (fachsprachlich: anthropogene) Kohlendioxid-Quelle geschaffen: die Verbrennung von fossiler Energie, ohne aber gleichzeitig eine entsprechende Abbaumassnahme zu realisieren.

Dies hat uns seither zwar durch günstige Energie eine enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ermöglicht, aber sie hat auch zu einer Erhöhung der Menge an Kohlendioxid in unserer Atmosphäre geführt. Als Folge steigt die Durchschnittstemperatur unseres Planeten an.

Temperaturanstieg ist nicht neu

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Svante Arrhenius, ein schwedischer Physiker, hat bereits um 1900 eine Temperaturerhöhung um 5 – 6°C berechnet, wenn die Menschheit dauerhaft auf die Nutzung fossiler Brennstoffe setzt. Das ist auch ungefähr der Bereich, der von heutigen Klimaforschern mit viel detaillierteren Modellen genannt wird. Eine solche Temperaturerhöhung kann die Lebensumstände für Milliarden von Menschen zu verschlechtern oder gar zu zerstören. Die Klimaerwärmung auf 1.5°C zu begrenzen, wie es das Pariser-Abkommen will, hat deshalb schon seine Berechtigung.

Der Strassenverkehr ist eine dieser vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Quellen. Benzin und Diesel bestehen zu 87% aus Kohlenstoff, das bei der Verbrennung in Kohlendioxid umgewandelt wird. Ein Fahrzeug mit einem Verbrauch von 7 Litern Benzin pro 100 Kilometer und einer Laufleistung von 15‘000 Kilometern verursacht knapp 2‘500 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr.

Schreibweise ist das kleinste Problem

Dazu kommen nochmals 500 Kilogramm für die Herstellung von Benzin aus Rohöl und den Transport von der Ölquelle bis zur Zapfsäule. In der Schweiz gibt es über 4 Millionen Personenwagen, und weltweit rund 1 Milliarde; Tendenz steigend. Es gibt Wege, unsere Strassenmobilität künftig ohne fossile Energie zu betreiben - richtig gemacht, löst auch dies wieder viele Innovationen aus. Deshalb engagieren wir uns als Empa im Verbund mit anderen Forschungsinstituten sehr stark in diesem Umfeld.

Ach ja, die Formel für Kohlendioxid schreibt man übrigens mit tiefgesetzter 2 (CO2) - aber wie gesagt, die Schreibweise ist nicht das Hauptproblem dieses Gases.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Livers am 09.11.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Natur beginnt sich zu wehren.....

    Es ist doch ganz klar, die Klimaerwärmung ist die Folge der immensen Vermehrung der Menschheit und die geht munter weiter. Die Natur beginnt sich zu wehren, die Erde erträgt keine 8 Milliarden Menschen.

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  • Stef V am 09.11.2019 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Artikel

    Danke für den guten Beitrag, verständlich erläutert und fundiert.

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  • huschmie am 10.11.2019 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Klima muss in Menschenhand sein

    Es gibt viele Physiker, die einen Zusammenhang von CO2 und Klima bestreiten und die Erwärmung auf andere Faktoren, wie die Sonne, zurückführen. Deren Erkenntnisse werden aber von den Medien boykottiert. Man will die Klimaerwärmung in Menschenhand wissen. Nur allzu gerne wollen wir Klima und Wetter selber bestimmen können. Mit Ohnmacht lässt sich keine Politik machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Aaron A. am 11.11.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist so!

    Herr Bach sagt wie es ist! Und zudem: Einer der grössten Vorteile von E-Mobilität ist, nebst NULL CO2-Ausstoss während des Fahrens, weniger Lärmbelästigung, besserer Luft und dadurch weniger Krankheitskosten, dass ein viel höherer Grad der Wertschöpfung in der Schweiz bleibt. Der Strom kann etwa zu 70% in der Schweiz durch umweltfreundliche Energien (Wasserkraft, Solar, Wind) gewonnen werden!

  • ROBI4133 am 10.11.2019 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    privat

    bitte nicht veröffentlichen: an die Red. danke dass ich ,kleiner Esel ,wieder Posten darf, das ist nicht ironisch gemeint, sonder ehrlich...

  • HWeg am 10.11.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Blöd nur

    Da er seinen Lohn vom Bund bezieht, muss er wohl deren Meinung vertreten. In seiner Position müsste er jedoch wissen, dass das nicht alles der Wahrheit entspricht.

    • Marssohn am 10.11.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HWeg, nö

      Der Staat ist ganz sicher nicht ein Arbeitgeber vom Schlage reaktionärer Patriarch und die ETH erst recht nicht.

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  • Samu am 10.11.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Gut so, aber

    Ehrlich, guter Beitrag wenn da nicht am Ende ein grosses Fragezeichen folgen würde. Grundsatzfrage wie genau? Woher soll der benötigte Strom kommen? Wie geht man das Problem der Rohstoffgewinnung für die Akkus an? Wie genau werden die Akkus sauber entsorgt oder recycelt? Wie sollen wir die künftige Energie Netzwerk zeitnah realisieren? Nur Grossbaustellen, Ideen aber kein Plan für die Realisierung und Finanzierung. Ich möchte da mal klare Antworten.

  • Common Sense am 10.11.2019 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Durchblick

    Albert Einsteins (1905) Relativitätstheorie ist viel complexer als die Theorie von Arrhenius. Daran wurde seither unendlich viel geforscht (e.g. CERN). Ob Arrheniuss Theorie wirklich stimmt, ist nie wirklich erforscht worden, aber die Computermodelle nehmen einfach an es stimmt! Bei einem Anstieg von 0.02-0.04% CO2 soll die T 5-6C wärmer werden. Wieviel war die T dann im Karbon oder der Trias mit Konzentrationen von 0.15-0.3%? Was sagen die Computermodelle? 8-10C? Warum hatten wir dann kontinentale Eiszeiten? Mein Professor Dr Common Sense sagt mir da stimmt was nicht.

    • Thor am 10.11.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Common Sense

      Ja zumal schon 1890 ein CO2 gemessen wurde. Da stimmt tatsächlich was nicht.

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