Plug-in-Hybrid

17. November 2019 12:00; Akt: 17.11.2019 12:01 Print

Nur wer Teilzeitstromer lädt, schont die Umwelt

von Peter Fahrenholz - Trotz Elektro-Boom wird die Verkehrswende derzeit von Plug-in-Hybriden angeführt. Das macht Sinn – vorausgesetzt, man lädt die Batterien auch tatsächlich auf.

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Die Vorteile eines Plug-in-Hybriden nutzt nur, wer die Batterie auch regelmässig auflädt. Wie viele Besitzer aus Faulheit oder aus anderen Gründen dies nicht tun, kann bislang nur geschätzt werden. (Bild: BMW)

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Nicht nur, aber vor allem die deutschen Marken liegen weit über dem europäischen CO2-Limit, welches ab 2020 gilt. Kaum vorstellbar, wie sie ihr derzeitiges Niveau zwischen 120 und 130 Gramm pro Kilometer (g/km) schlagartig auf die geforderten 95 g/km reduzieren wollen. Denn statt zu sinken, stagnieren die Flottenemissionen seit Jahren oder steigen aufgrund des SUV-Booms sogar.

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Hintergrund könnten aber auch Marktmanipulationen sein, um Milliardenstrafen zu vermeiden: Viele Elektrofahrzeuge sind derzeit – wenn überhaupt – nur mit langen Lieferfristen zu bekommen. Kritiker warnen, dass die Hersteller einen Nachfragestau erzeugen, um 2020 umso mehr emissionsarme Autos verkaufen zu können um dadurch die Bussen zu senken.

Fakt ist, dass die Verkehrswende bisher von Plug-in-Hybriden angeführt wird. Sie profitieren vom offiziellen Testzyklus, der ihre Verbrauchswerte künstlich kleinrechnet: Mit rund zwei Litern Durchschnittsverbrauch und weniger als 50 g/km CO2 sind sie auf den ersten Blick Saubermänner. Doch Händler wissen von Fahrern zu berichten, die sehr wenig Interesse am regelmässigen Laden zeigen.

Das erstaunt, denn selbst ein Kompaktmodell wie der neue Mercedes A 250 e Plug-in-Hybrid kommt ohne Abgase 74 Kilometer weit (nach NEFZ). Aus dem elektrischen Hilfsantrieb sind spurtstarke Superstromer mit einer Batteriekapazität von zehn bis über 30 kWh geworden. Auf dem Papier brauchen nur Langstreckenfahrer den Verbrenner überhaupt noch.

Leichte Elektroautos ohne Reichweitenangst

Moderne Plug-in-Hybride sind als Allrounder kaum zu schlagen – behaupten die Hersteller. Auch die Ökobilanz sehe rosig aus: «Auf Basis der Daten über das Ladeverhalten kann abgeleitet werden, dass es ein starkes Interesse gibt, die elektrische Komponente zu nutzen», heisst es im Abschlussbericht des Forschungsprojekts «Premium», das die Nutzung von 360 elektrischen Fahrzeugen untersuchte. Nur an zwölf Prozent der Fahrtage habe bei den Plug-in-Hybriden kein Ladevorgang stattgefunden, so die Studie, die mit Unterstützung von BMW entstand.

Auch eine Befragung des Fraunhofer-Instituts ISI ergab, dass 80 Prozent der E-Autobesitzer ihre Stromer fast täglich zu Hause laden. Was meist einen festen Parkplatz auf einem eigenen Grundstück voraussetzt. Doch wie repräsentativ ist diese Gruppe der ökologisch stark motivierten Elektropioniere mit eigenem Ladeanschluss?

Kritiker bezweifeln, dass Plug-in-Hybride oft genug geladen werden, um in der Praxis einen CO2-Wert von 50 g/km zu unterschreiten. Mercedes hält dagegen, dass 90 Prozent aller Fahrten kürzer als 50 Kilometer seien. «Das heisst: Viele Fahrten können mit den aktuellen Plug-in-Modellen von Mercedes ausschliesslich elektrisch zurückgelegt werden», so die Stuttgarter. Es müsste wohl eher «könnte» heissen.

Sicher ist hingegen, dass Plug-in-Hybride ohne tägliches Laden keinen Vorteil beim Klimaschutz bieten. Mit leerer Batterie verbrauchen sie im Durchschnitt 7,6 Liter auf 100 Kilometer, haben Testreihen der englischen Prüforganisation Emissions Analytics ergeben. Statt weniger als 50 g/km CO2 stossen die «Ökoautos» dann fast das Vierfache aus.

EU-Vorgaben verlangen Nachweis über «E-Anteil»

Doch wie kommt man der Wahrheit näher? Die EU-Kommission zeigt zumindest auf den ersten Blick guten Willen: Ab Januar 2020 müssen die Hersteller bei allen Autotypen, die neu auf den Markt kommen, den Kraftstoffverbrauch im Fahrzeug messen und an die EU melden.

Ab 2021 gilt die Vorschrift für alle Neuwagen. Mit den neuen EU-Vorgaben wird auch erhoben, wie viele Strecken die Hybrid-Fahrer tatsächlich rein elektrisch – also emissionsfrei – zurücklegen. Den WLTP-Werten, die für die Teilzeitstromer aktuell in den Papieren stehen, liegt eine Berechnungsmethode mit einem hohen elektrischen Anteil zugrunde. Um Anreize für die Autohersteller zu schaffen, wurde zudem unterstellt, dass die Autos jeden Tag geladen werden.

«Das Vorgehen ist nachvollziehbar, weil es zum Zeitpunkt der Gesetzesentwicklung keine Daten gab, wie diese Fahrzeuge in der Realität betrieben werden», sagt Jan Dornoff vom Forschungsinstitut International Council on Clean Transportation (ICCT). Die umweltfreundliche Organisation fordert daher, dass die WLTP-Werte der Plug-in-Autos den realen Messdaten angepasst werden.

Sprich: Sollte sich bei der Auswertung der anonymisierten Hersteller-Daten herausstellen, dass die meisten Hybrid-Fahrer das Ladekabel aus Bequemlichkeit kaum nutzen, müssten die CO2-Werte entsprechend angehoben werden. «Und zwar so schnell wie möglich», so Dornoff. Das ICCT empfiehlt spätestens ab 2023. Ob die EU tatsächlich so schnell auf die realen Verbrauchswerte reagiert, ist fraglich. Sie will zwar mit den Messungen sicherstellen, dass die Schere zwischen Realverbrauch und dem WLTP-Wert nicht weiter auseinandergeht und will die Hersteller auch sanktionieren. Wirksam sollen diese Sanktionen jedoch nicht vor 2030 werden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • die Hybriede am 17.11.2019 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu glauben...

    Hallo? Gibt es denn wirklich "Dummies", die einen Hybrid fahren und ihn nicht aufladen? Im Ernst jetzt?

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  • steph am 17.11.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    real rechnung

    ohne abgase, gibts nicht. wenn man ehrlich mit sich selber wäre, würde man die abgase die schon bei der förderung der benötigten ressourcen und bei der produktion anfallen, mitrechnen. macht aber niemand, weil das auto aus der markenvertretung kommt. so wie die milch aus dem supermarkt.

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  • Erkan am 17.11.2019 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für bessere Technologie fällig

    Solange Elektroautos nicht innerhalb 2Min. aufgeladen werden, wird man immer Angst haben müssen irgendwo stecken zu bleiben. Oder wer will 30Min an einer Tankstelle Zeit verbringen, bis einigermassen Saft da ist.Bis dahin Plugins vielleicht sinnvoller. Wir brauchen sinnvollere mehr umweltschonendere Technologien für Antriebe. Wo sind die richtigen Erfinder und Tüftler geblieben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul am 02.12.2019 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    so so

    Der einzig echte Hybrid ist der Toyota, hat keine Steckdose. Die anderen sind eben Plug-In.

  • Ralf am 22.11.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5 Prozent

    Diese sogenannten Steckerfahrzeuge, also E-Autos und Plug-in-Hybride, werden zunehmend beliebter, also ein Trend der auch in diesem Herbst ungebrochen ist. Mittlerweile liegt der Marktanteil bei knapp 5 Prozent, was etwa 12'000 Fahrzeugen entspricht. Allein 4400 davon entfallen auf Tesla. Auto-Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Steckerfahrzeuge 2020 auf 10 Prozent zu erhöhen. Angesichts der jüngsten Entwicklung bleibt der Verband zuversichtlich, die Vorgabe erfüllen zu können. -

  • Frank am 22.11.2019 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    höchst befremdend

    Wie kann man nur im Ansatz für Umweltfreundlich reden, schreiben bei solchen 2-3 Tonnen Fahrzeugen die kein Mensch braucht - 4-600Kg Batterien rumkarren mit umweltbelastender Herstellung - echt jetzt ?

  • Bürger am 19.11.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll da umweltfreundlich sein ?

    Was ist an einem Hybriden Umweltschonend ? man braucht für so ein Fzg herzustellen 3 x mehr Rohstoffe als wenn man ein einfachen Diesel herstellen würde und was ist mit den Batterie Zutaten sowie die Seltenen Erden für den Elektromotor ? und auch ein Hybrid ist eigentlich ein E-auto der braucht auch eine Batterie, Inverter, E-Motor und dazu noch ein Verbrenner 2 Verschiedene Antriebsarten in einem Auto und dazu noch das Mehrgewicht ist das wirklich nachhaltig ? Zeigt die wahren Fakten mal und labert nicht von umweltfreundlich von einer Technik die ihr nie versteht !

    • Alfred A. am 20.11.2019 07:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Bürger

      Man könnte sich vorstellen, dass kleinere und damit effizientere Dieselmotoren eingesetzt werden, die durch einen Elektromotor zur Bereitstellung von meist nur kurz auftretenden Spitzenleistungen unterstützt werden. Zudem wird so Rekuperation möglich - zurückgewonnene Energie auf Bremsvorgängen und Schiebebetrieb beim bergab fahren für nachfolgende Beschleunigungsphasen. Zudem benötigen E-Motoren, die dafür geeignet sind keinerlei selten Rohstoffe oder seltene Erden.

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  • Housi am 19.11.2019 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal Schummeln

    Hybridfahrzeuge zu produzieren sollte verboten werden, weil sie nur dazu dienen die co2 Werte theoretisch zu senken. Geholfen ist niemandem ausser der Autoindustrie und den Käufern die meinen etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

    • Alfred A. am 20.11.2019 07:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Housi

      HEV oder PHEV generell zu verbieten erachte ich nicht als der Weisheit letzter Schluss. Ob der Einsatz von einem HEV oder PHEV Sinn macht oder nicht entscheiden neben anderen Aspenkten auch Einsatzart und Einsatzort der Fahrzeuge.

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