Auto-Ratgeber

24. Juli 2019 07:00; Akt: 22.07.2019 22:10 Print

Verfahren am Hals und jetzt auch noch geblitzt – was nun?

von Olivia Solari, AGVS - Sabrina wurde vor einigen Jahren unter Drogeneinfluss am Steuer erwischt. Nun fuhr sie mit ihrem Töff 32 km/h zu schnell und tappte in eine Radarfalle.

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Wer im Wiederholungsfall eine mittelschwere oder schwere Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz begeht, muss nicht nur mit einem Strafverfahren, sondern auch mit einer happigen Busse rechnen, sogar eine Freiheitsstrafe ist möglich. (Bild: Webstock)

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Frage von Sabrina ans AGVS-Expertenteam:

Ich wurde vor einigen Jahren mit Drogen am Steuer erwischt. In einem Jahr wäre ich fertig mit den Haar- und Urinproben, die ich jeweils abliefern muss. Diesen April habe ich mir ein Motorrad gekauft und bin nun mit 32 km/h netto geblitzt worden – für das Motorrad habe ich erst den Lernfahrausweis. Können Sie mir sagen, was für eine Strafe auf mich zukommt?

Antwort:

Liebe Sabrina

Welche Folgen dein Fehlverhalten im konkreten Fall hat, kann ich dir nur bedingt sagen, da für eine umfassende Abklärung weitere Informationen nötig wären. Da die Geschwindigkeitsübertretung gemäss deinen Angaben nach erfolgten Abzügen immer noch 32 km/h beträgt, kann es sich dabei um eine mittelschwere oder eine schwere Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG) handeln (Art. 16b bzw. 16c SVG). Die exakte Einordnung erfolgt nach den Umständen des Einzelfalls, wobei insbesondere ins Gewicht fällt, auf welcher Strasse du zu schnell gefahren bist.

Sicher ist, dass du kein Raserdelikt begangen hast. Dafür müsstest du die Geschwindigkeit in der 30er-Zone um 40 km/h überschritten haben. Ebenso sicher ist, dass dir der Führerschein für mindestens einen Monat entzogen wird, eventuell auch länger – das hängt davon ab, ob du auf der Autobahn, ausserorts oder innerorts unterwegs warst.

Da du dich noch in der Probezeit befindest, führt ein Entzug deines Führerausweises dazu, dass die Probezeit automatisch um ein Jahr verlängert wird. Endet der Führerscheinentzug erst nach dem Ablauf der Probezeit, so wird der neue Führerschein auf Probe erst nach dem Ablauf des Entzugs ausgestellt. Er gilt dann wieder für ein Jahr.

Ausserdem riskierst du aufgrund deiner Vorgeschichte einen Sicherungsentzug (Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG). Dieser Artikel im Strassenverkehrsgesetz besagt, dass einer Person der Lernfahr- oder Führerausweis für unbestimmte Zeit entzogen werden kann, wenn sie aufgrund ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, künftig beim Führen eines Motorfahrzeuges die Vorschriften zu beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen.

Weiter wird gegen dich auch ein Strafverfahren eingeleitet. Gemäss Artikel 90 SVG musst du sicher mit einer happigen Busse rechnen, sogar eine Freiheitsstrafe wäre möglich. Gemäss den Empfehlungen der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz (KSBS) wird bei einer Geschwindigkeitsübertretung wie deiner eine Busse von 600 Franken empfohlen – sofern die Übertretung auf der Autobahn stattfand. Wird dein Verhalten jedoch als grobe Verkehrsregelverletzung gewertet, fällt die Strafe höher aus. Im Bereich von Geschwindigkeitsübertretungen orientiert sich das Bundesgericht an gewissen Schwellenwerten. Wenn diese überschritten werden, so wird in der Regel ungeachtet der konkreten Umstände eine grobe Verkehrsregelverletzung angenommen. Auch hier hat die KSBS Empfehlungen ausgesprochen. Hast du deine Geschwindigkeitsübertretung nicht auf einer Autobahn, sondern ausser- oder gar innerorts begangen, sind Geldstrafen zwischen 20'000 und 90'000 Franken möglich. Zudem erfolgt ein Eintrag ins Strafregister.

Letztlich geht es hier aber nicht um die Höhe der Strafe, sondern um etwas Grundsätzlicheres: Mit deinem Verhalten gefährdest du nicht nur dich, sondern alle Verkehrsteilnehmer. Kannst du nicht darauf verzichten, mit deinem Töff oder Auto schnell zu fahren, so gibt es sicherlich genügend Möglichkeiten, dich auf einer gesicherten Rennstrecke auszutoben.

Gute Fahrt!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Streckerenn am 24.07.2019 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Rennstrecke

    Der letzte Satz ist ein riesen Witz! In der Schweiz darf es keine Rennstrecken geben! Ich wäre sofort dafür eine zu bauen, aber das Gesetz eben...

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  • Mark am 24.07.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Bei so einem Verhalten hat sie was sie verdient. Führerschein weg fertig. Lern mal was im Leben...

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  • Peter Storer am 24.07.2019 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar

    Also ich für meinen Teil bin nur dankbar, dass solche Zeitgenossen aus dem Verkehr gezogen werden. Bedenklich, was sich da so tümmelt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Donald Trump am 26.07.2019 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    ein "Dankeschön" an Moritz Leuenberger

    32 zuviel, ich tippe mal, dass sie auf einer Landstrasse unterwegs war. Bei Töfffahrern 98% der Blitz-Fälle. Somit ist das Billet mind. 3 Monate weg. Busse mit Gebühren schätze ich mal um die CHF 2'500. Bedingte Geldstrafe ca. 10'000. 2 Jahre Bewährung, Eintrag ins Strafregister für 10 Jahre. In Deutschland hätte Sie für die gleiche Übertretung 120 bezahlt. Die hätte sie vermutlich gleich an Ort und Stelle bezahlen können und tschüss.

    • Nilp am 28.07.2019 04:53 Report Diesen Beitrag melden

      Naja .. das Uebliche

      Töfffahrer scheinen sehr häufig ein Problem mit Geschwindigkeitslimiten zu haben.

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  • Rolf Lehner am 25.07.2019 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist gut so

    Solche Leute gehören nicht auf die Strasse oder nur zu Fuss. Viele lernen es nie und andere erst später.

    • Fahrlehrer am 25.07.2019 22:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Aber wenn ich so den Verkehr auf CH Strassen beobachte, dann machen mit heute Schleicher mehr Angst als Schnellfahrer. Jeden Tag liest man, dass ein sogenannter Normalos auf der Gegenfahrbahn einen schweren Unfall gebaut hat. Eben gegenüber dem sind unfallfreie Schnellfahrer gerade harmlos.

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  • Gio Pereu am 25.07.2019 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Frage und Hinweis

    Zwei Punkte: Erstens. Wie lange dauert eine Verjährung bei Verkehrsdelikten? Ist diese nicht länger als bei Straftaten? Zweitens. Die Bussen und Strafen für solche Vergehen sind ja hanebüchen. Es ist ja nichts wirklich passiert. Bei echten Straftaten mit Beschädigung an Material, Leib und Leben sind die Strafen geringer. Ist dies nicht Absurd. Speziell in einer 30er Zone die aus Lärmgründen existiert. Mit der vorher normalen 50er Zone wäre es fast nichts. Gestern ein braver Bürger, heute mit gleicher Geschwindigkeit ein behördenverursachter Krimineller.

    • Pfarrer am 25.07.2019 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Gio

      Genau diese Verkriminalisierung des Normalbürger will die heutige Neidgesellschaft .

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  • Vielfahrer am 25.07.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich..

    ..kriegt sie den Ausweis nicht mehr zurück. Solche Zeitgenossen werden es nie lernen.

    • Richter am 25.07.2019 22:30 Report Diesen Beitrag melden

      Vor der eigenen Tür wischen

      Aber Vielfahrer machen natürlich keine Fehler.

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  • Karl Nickel am 24.07.2019 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Proleten gibt es überall

    Ja schnell geradeaus fahren können alle Lernfahrer, aber mal Slalom, langsam fahren, Kurven usw., dafür reicht es dann nicht! Man sollte 10 Fahrstunden nehmen müssen und nicht jeden auf das Töff lassen! Das System mit dem Lernfahrausweis sollte man abschaffen! Wir hatten Leute im Kurs die schon drei mal durch die Prüfung gefallen sind und selbst im Kurs fast noch Unfälle verursacht haben!

    • Dani B. am 25.07.2019 02:00 Report Diesen Beitrag melden

      lassen Sie das Proletariat aus dem Spiel

      ...oder sind Sie stolz darauf, nicht zu arbeiten?

    • Chris am 25.07.2019 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Prolet nicht gleich Proletariat

      LMGTFY, Let me google that for you :) Ein Prolet ist jemand, der keine Umgangsformen hat. Das Proletariat ist die Arbeiterklasse

    • Dani B. am 25.07.2019 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo Chris! Mein Google sagt:

      "Prolet ist die umgangssprachliche Verkürzung des Begriffs Proletarier und bezeichnete seit dem 19. Jahrhundert auf abwertende Weise Angehörige..."

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