Auto-Ratgeber

22. August 2018 05:00; Akt: 22.08.2018 09:23 Print

Warum fahren wir nicht mit Brennstoffzelle?

von Markus Aegerter, AGVS - Uwe wundert sich, dass der Wasserstoffantrieb hierzulande ein Nischendasein fristet. Denn die Technologie ist vorhanden und funktioniert.

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Es gibt in der Schweiz erst zwei Wasserstofftankstellen: bei Coop in Hunzenschwil (Bild) und bei der Empa in Dübendorf. (Bild: Hyundai)

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Frage von Uwe ans AGVS-Expertenteam: Es ist offensichtlich, dass sich der reine Elektroantrieb nicht durchsetzen wird. Er ist nur eine Brückentechnologie. Warum wird der Wasserstoffantrieb mit Brennstoffzelle, der in deutschen U-Booten schon seit mehreren Jahren einwandfrei funktioniert, nicht endlich entsprechend gefördert? BMW zum Beispiel hat schon vor einigen Jahren einen serienmässig tauglichen Motor mit dieser Technik entwickelt.

Antwort:

Lieber Uwe

Über die Fragen, was nun eine Brückentechnologie ist und welche Antriebstechnologie sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren durchsetzen wird, darüber streiten die Gelehrten. Wir alle wissen, dass sich die individuelle Mobilität verändert, aber wir kennen nicht das Ziel dieser Veränderung.

Klar ist, dass das Pariser Klimaabkommen mit seinen CO2-Grenzwerten eine Abkehr von fossilen Brennstoffen mit sich bringt. Elektro? (Plug-in-)Hybrid? Brennstoffzelle? Synthetisch hergestelltes CNG/LNG? Oder doch weiter mit Benzin und Diesel, die ebenfalls synthetisch hergestellt werden können? Das weiss heute niemand. Christian Bach, als Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme an der Empa einer der Experten auf dem Gebiet, rechnet damit, dass auch 2030 noch 80 bis 90 Prozent der Neuwagen einen Verbrennungsmotor aufweisen werden – allerdings als Hybrid.

Die Frage nach dem Antriebskonzept ist dabei sekundär: Viel wichtiger als die Technologie ist die genutzte Energie. Ein CNG-Fahrzeug, das mit 100 Prozent Biogas betrieben wird, ist unter dem Strich deutlich ökologischer unterwegs als ein Elektrofahrzeug, das mit Strom aus Kohlekraftwerken betankt wird. Das gilt auch für den Wasserstoffantrieb: Hier wird aus dem Energieträger Wasserstoff in der Brennstoffzelle elektrische Energie erzeugt. Ökologisch sinnvoll ist Wasserstoff als Energieträger dann, wenn er mittels Ökostrom durch Elektrolyse von Wasser hergestellt wird. Wasserstoff eignet sich perfekt als Speichermedium für überschüssigen Solar- und/oder Windstrom. Deshalb wird in diesem Zusammenhang auch von «grünem» Wasserstoff gesprochen.

Aktuell sind in der Schweiz zwei PW-Modelle mit Wasserstoffantrieb erhältlich: der Hyundai Nexo Fuel Cell und der Toyota Mirai. Es gibt in der Schweiz erst zwei Wasserstofftankstellen: bei Coop in Hunzenschwil und bei der Empa in Dübendorf. Solange die Infrastruktur derart bescheiden ist, wird der Wasserstoffantrieb eine Nischentechnologie sein. Es ist die klassische Huhn-Ei-Problematik: Ohne Wasserstofftankstellen keine Wasserstoffautos und umgekehrt. Immerhin: Am Genfer Auto-Salon hat die Schweizerische Erdölvereinigung eine Wasserstofftankstelle ausgestellt, um diese zu fördern. Einfluss auf die Verbreitung werden auch die zukünftigen Nutzfahrzeuge haben. Coop setzt auf Wasserstoff als LKW-Treibstoff und plant seine bestehenden Tankstellen auszubauen.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Politik. Momentan steht hier die Variante «batterie-elektrisch» ganz klar im Fokus – die durchaus sinnvollen Alternativen Erdgas und Wasserstoff haben es da sehr schwer.

Bei der Wahl eines Neuwagens sollte ohnehin nicht allein die Antriebstechnologie im Vordergrund stehen. Daneben stellt sich eine Vielzahl von Fragen: Wie und wozu brauche ich das Auto – für längere Reisen oder für kurze Fahrten ins Einkaufszentrum? Bin ich mit der Familie unterwegs oder fahre ich meistens alleine? Welche Distanz lege ich im Jahr zurück? Der AGVS-Garagist analysiert deine Mobilitätsbedürfnisse und findet mit dir die ideale Lösung.

Gute Fahrt!


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Du planst den Kauf eines neuen Autos und weisst nicht, welcher Antrieb zu dir passt? Du möchtest Dein Fahrzeug aufpeppen und fragst Dich, was erlaubt ist? Du hast Fragen zu Nm, PS, Zoll und dB? Dich interessieren rechtliche Fragen rund ums Auto? Ein kompetentes und motiviertes Team von AGVS-Experten beantwortet jeden Mittwoch deine Frage zum Thema individuelle Mobilität.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sc am 22.08.2018 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bin überzeugt

    keine sorge. nachdem Tesla in zwei Jahren pleite gehen wird und die Politik realisiert, dass Elektro (batterie) ein Irrweg sein wird, wird Wasserstoff kommen

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  • Token am 22.08.2018 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strom

    Interessant. Der Strom für Elektroautos wird immer zu 100% aus Kohlekraftwerken hergestellt, der Strom für Wasserstoff wird immer zu 100% aus Wasserkraftwerken bzw. Windräder und Solaranlagen gewonnen, und der Strom zur Herstellung von Benzin wird zu 100% vergessen.

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  • Heidi Heidnisch am 22.08.2018 05:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irreführung der Massen

    Meines Wissens war es damals George Bush, der nichts wissen wollte von einer Reduktion der CO2 Emissionen durch Verbrennungsmotoren, um sich lieb Kind zu machen, bei seinen Sponsoren von der Erdölindustrie. Dies mit Hinweis auf die baldige Einführung des Wasserstoffmotors. Warum wohl hören wir nichts davon aus Trumps Amerika?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stöff am 25.08.2018 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Experte?

    Der Experte wird auch in diesem Fall nicht Recht behalten. Überprüfbar im 2030.

  • Kritiker am 24.08.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkungsgrad!

    Ganz schlechter Beitrag hier. Eine kurze Recherche zeigt: H2 Brennstoffzellenautos sind Elektroautos mit Batterie und Wasserstoff Range Extender. Die Brennstoffzelle kann die Spitzenlasten (Stop & Go) nicht bringen, deshalb braucht sie eine Batterie. Ein Auto ist kein U-Boot. Grober Vergleich: ein Verbrenner schafft 30% Wirkungsgrad, die Brennstoffzelle 60% und ein Elektroauto 90%. Ist die Batterie einmal gut genug so braucht es gar keinen Brennstoffzellen Range Extender mehr. H2 / Brennstoffzelle hat keine Chance.

    • Point Man am 24.08.2018 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kritiker

      Nur eins Vergessen viele! Bei Elektro Autos wiegen die Batterien ein paar hundert Kilo. Zuhause an der normalen Steckdose dauert es Tage um die Batterie komplett aufzuladen. Ob jeder einzelne Parkplatz einen Supercharger bekommt ist ebenfalls fraglich. Der Wirkungsgrad sagt rein gar nichts über die Praxis Tauglichkeit aus. Warum fahren keine LKW mit Strom? Richtig weil es zurzeit nur für Regionalverkehr reicht. In einem Transport Unternehmen muss ein Fahrzeug Einsatzbereit sein.

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  • Donald Putin 68 am 24.08.2018 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brennstoffzelle

    Erst wenn es wieder einmal zu starken Erdölengpässen oder sehr hohen Einfuhrzöllen kommt, wird auch die Autoindustrie zur Erkenntnis kommen, dass sie Autos mit Brennstoffzellen anbieten sollten. Die Technik gibt es schon lange und wäre absolut umweltfreundlich! Abgas gleich null! Nur Wasserdampf!

  • Tom am 23.08.2018 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    brückenbauer

    streng genommen sind auch die fossilen brennstoffe wie benzin/diesel nur eine brückentechnologie. einfach eine länger dauernde.

  • @runx am 22.08.2018 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr H2 Tankstellen

    ich würde ein mit einer Brennstoffzelle betriebenes Fahrzeug kaufen wenn es in der Schweiz in Frankreich und in Spanien genügend Tank Infrastruktur gäbe!

    • Max am 31.08.2018 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @@runx

      Ich habe 200 bar Erdgas gefahren und kann Ihnen sagen: ich will NIE ein 700 bar tank im Auto. Der Erdgastank sollte 20 Jahre halten nach 10 Jahren musste einer von 3 für 2800.- chf gewechselt werden! Auf der Messe konnte mir kein Hersteller sagen, wie lange der 700 bar tank hält! Bei diesen Drücken sind saustrenge vorschriften. Schauen Sie mal im internet nach geborstenen cng tanks von Autos! Das wollen Sie nie mit 700 bar sehen! Glauben Sie mir.

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