Auto-Ratgeber

27. März 2019 05:00; Akt: 27.03.2019 00:22 Print

Was heisst «auf Bewährung»?

von Olivia Solari, AGVS - Thomas kassierte neben einem Ausweisentzug eine Geldstrafe auf Bewährung. Wie wird diese Bewährung gehandhabt?

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In der Schweiz erfolgt die Sanktionierung von Verkehrsregelverletzungen nach einem dualistischen System. Zum einen wird im Strafverfahren die eigentliche Strafe gefällt und zum anderen wird der Verkehrssünder mit einem Administrativverfahren in Form eines Verweises oder Entzugs des Führerausweises gemassregelt.

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Frage von Thomas ans AGVS-Expertenteam:
Ich wurde von der Polizei angehalten, weil ich den Abstand im Bereich mit Tempo 100 nicht eingehalten hatte. Der Fall wurde als schweres Verkehrsdelikt bewertet, wodurch ich meinen Führerschein für drei Monate abgeben musste. Beim Urteil wurde zudem festgehalten, eine Geldbusse (in Form von Tagessätzen) auf zwei Jahre in Bewährung zu erlassen. Nun meine Frage: Wie wird das gehandhabt, falls ich nach zwei Jahren wieder in so eine Kontrolle käme?

Antwort:

Lieber Thomas

Vielen Dank für deine interessante Frage!

Das Strassenverkehrsgesetz (SVG) unterscheidet bei Verkehrsregelverletzungen zwischen leichten, mittelschweren und schweren Widerhandlungen. Deine Widerhandlung wurde gemäss deinen Angaben als schwere Widerhandlung gegen das SVG gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG eingestuft. Wie du sicherlich während des Verfahrens mitbekommen hast, erfolgt die Sanktionierung von Verkehrsregelverletzungen in der Schweiz nach einem dualistischen System.

Zum einen wird im Strafverfahren die eigentliche Strafe gefällt und zum anderen wird der Verkehrssünder mit einem Administrativverfahren in Form eines Verweises oder Entzugs des Führerausweises gemassregelt.

In deinem Fall bestand die strafrechtliche Sanktion darin, dass du zur bedingten Bezahlung von Tagessätzen (Geldstrafe) verurteilt worden bist – mit einer Probezeit von zwei Jahren. Hast du dich in diesem Zeitraum bewährt, so wird die Strafe nicht vollzogen. Andernfalls kann die bedingte Strafe widerrufen und die Geldstrafe (Tagessätze) vollzogen werden.

Zusätzlich zu dieser strafrechtlichen Sanktion wurde gemäss deinen Angaben im Administrativverfahren ein Führerausweisentzug von drei Monaten angeordnet. Gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG ist dies die Mindestentzugsdauer bei einer schweren Widerhandlung gegen das SVG. Um deine Frage zu beantworten und aufzuzeigen, was geschieht, wenn du noch einmal eine solche Widerhandlung begehst, muss im Folgenden unterschieden werden, ob der Verstoss innerhalb der Probezeit geschieht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Gelangst du während der zweijährigen Probezeit wieder in eine solche Kontrolle und begehst dasselbe Delikt, so wird ein neues Verfahren (sowohl Straf- als auch Administrativverfahren) eingeleitet. Die vorher bedingt ausgesprochene Strafe wird – wie oben erläutert – widerrufen und die Strafe wird unbedingt vollzogen. Du müsstest also die Tagessätze bezahlen. Zusätzlich erfolgt aufgrund der neuen Verkehrsregelverletzung erneut eine Verurteilung. Im parallel verlaufenden Administrativverfahren wird dir der Führerausweis erneut entzogen. Weil du innerhalb der letzten fünf Jahre schon einen Führerausweisentzug aufgrund einer schweren Widerhandlung hattest, beträgt der Entzug dieses Mal mindestens zwölf Monate (vgl. Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).

Erfolgt eine erneute Kontrolle erst nach den zwei Jahren Probezeit (in denen du dich bewährt hast), so werden – wenn du wieder eine schwere Widerhandlung i.S.v. Art. 16c SVG begangen hast – erneut ein Straf- und ein Administrativverfahren eingeleitet. Der Unterschied ist in diesem Fall, dass du dich während der zweijährigen Probezeit der bedingt ausgesprochenen Strafe bewährt hast und auf die Geldstrafe (Tagessätze) definitiv verzichtet worden ist. Jedoch wird auch hier (betreffend die zweite Verkehrsregelverletzung) erneut ein Urteil im Strafverfahren gefällt; der Führerausweisentzug im Administrativverfahren beträgt (sofern seit der letzten schweren Widerhandlung nicht mehr als fünf Jahre vergangen sind) mindestens zwölf Monate (vgl. Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).

An dieser Stelle möchte ich allgemein noch einmal darauf hinweisen, dass es im Strassenverkehr wichtig ist genügend Abstand zu halten. Damit können in der Zukunft enorm viele Unfälle vermieden werden. Mit diesem Schlussappell wünsche ich dir in der Zukunft eine gute und sichere Fahrt.

Gute Fahrt!


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frei am 27.03.2019 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    nach dem Motto...

    ...lass dich nicht zwei Mal erwischen;-)

    einklappen einklappen
  • Bruno am 27.03.2019 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Für immer.....?!

    Zur Ergänzung; Dein Vergehen ist beim Strassenverkehrsamt gespeichert und wird nach Jahren nicht gelöscht.

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  • Rince am 27.03.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Leere Strasse, volle Kasse

    Wenn das so konsequent geahndet würde mit dem zu Dicht auffahren, hätten wir zumindest auf "meiner" Strecke nach 6 Monaten nur noch ca 30% der Verkehrsteilnehmer auf der Strasse....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bitte Anpassen am 08.04.2019 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheitsabstand

    Gerade das ist ein sehr heikles Thema: Auf der Autobahn gibt es immer mehr 'liebe Mitlenket' welche sich immer in den Sicherheitsabstand quetschen. Wenn jetzt in diesem Moment eine Kontrolle durchgeführt wird, bin ich der lackierte, da der reindrängler meinen Sicherheitsabstand benutzt hat. Ich finde des StVG müsste DRINGENDST überarbeitet werden!

  • Max Beammeweg am 02.04.2019 01:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt schon

    Ich finde es eigentlich viel angenehmer, wenn der Hintermann dicht auffährt. Man wird dann nicht so von den BMW- oder Audi-LED-Laser-Lichtern geblendet.

  • Baba am 28.03.2019 05:02 Report Diesen Beitrag melden

    nicht ganz einverstanden

    Für die bedingte Strafe ist doch nicht zwingend nur ein Widerruf möglich. Es kann auch eine Verwarnung geben oder die Probezeit wird verlängert.

  • revird am 28.03.2019 01:40 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen Abstand halten

    Sorry, aber auf Schweizer Strassen hat es schlicht keinen Platz (mehr), um Abstand zu halten. Halber Tachoabstand, schön wärs. Sofort setzt sich einer vorne rein. Ok, dann muss man sich zurückfallen lassen, bis der Abstand wieder hergestellt ist. Wenn ich mich jedesmal zurückfallen lasse, kann ich mein Auto auch gleich am Strassenrand parkieren. Oder dann die Schleicher auf der Überhol- oder Mittelspur. Ohne einen kleinen Stubs von hinten (das geht mit Abstand nicht), merken die gar nicht, dass immer ganz rechts gefahren werden muss und linke Spuren nur zum Überholen da sind.

  • Josi am 27.03.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autofahrer vs. .....

    Na ja, immerhin bist du als Autofahrer in der Schweiz immer gefährdet in die Falle zu tappen und schwerer als ein Schwerverbrecher bestraft zu werden. Meines Erachtens sind die Sanktionen im Verhältnis zu unseren Nachbarstaaten völlig übertrieben. Warum z.B. ist man als Schweizer Ausweisinhaber von einem vollumfänglichem Fahrverbot betroffen und Ausländer dürfen im Ausland fröhlich weiterfahren. Oder warum werde ich für ein Vergehen im Ausland in der Schweiz eventuell ein 2. mal bestraft?? Manchmal habe ich das Gefühl, dieser Schwachsinn geht nur in der Schweiz.