Interview

26. September 2019 05:00; Akt: 26.09.2019 00:07 Print

«Der Mini der Zukunft muss emotional bleiben»

von Susanne Herrmann - 2020 kommt der Mini Electric. Wir wollten von Mini-Designchef Thomas Sycha wissen, wie Elektromobilität, autonomes Fahren oder Konnektivität das Design der Zukunft beeinflussen.

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Mit Thomas Sycha sprach Susanne Herrmann

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Wie findest du, muss das Elektroauto der Zukunft aussehen?

Thomas Sycha, seit drei Monaten leiten Sie das Exterieur Design bei Mini. Was ist für Sie persönlich typisch Mini?
«Mini hat für mich zwei Seiten: Einerseits der starke Bezug zur eigenen Geschichte und der britischen Herkunft. Andererseits, oder gleichzeitig, ist die Marke modern und innovativ. Genau das macht für mich die faszinierende Identität von Mini aus. Mini ist sympathisch, positiv und offen, aber zugleich auch selbstbewusst und individuell. Für mich macht diese Kombination das Fahrzeug und die Marke einzigartig.»

Mini rollt 2020 den vollelektrischen Cooper SE ab 39'900 Franken an den Start. Er unterscheidet sich optisch kaum von den Autos mit konventionellem Verbrennungsmotor.
«Elektromobilität bedeutet einen Technologiesprung, der mit vollkommen anderen technischen Gegebenheiten einhergeht. Der Antrieb ist relativ klein, aber der Energiespeicher bislang gross. Das heisst, dass wir hier deutlich andere Anforderungen an Bauräume haben, die uns gleichzeitig die Möglichkeit geben, die Proportionen neu zu denken. Der Cooper SE zeigt im ersten kleinen Schritt die Richtung, in die das gehen kann.»

Was heisst das konkret?
«Er verbindet das bekannte Mini-Gesicht mit einer aufgefrischten Ästhetik, die cleaner und ruhiger erscheint. Seine Front ist nahezu komplett geschlossen, da im Vergleich zum Verbrennermodell keine Komponenten dahinterliegen, die gekühlt werden müssen. Die klaren Flächen lassen ihn modern wirken, gleichzeitig verbessern sie die Aerodynamik und erhöhen damit die Reichweite.»

Und wie sieht ein Mini in der ferneren Zukunft aus?
«Mini besitzt bereits heute verschiedene Charaktere, die sich weiter wandeln werden. Es gibt eine ganze Familie. Wir überlegen stets, was es noch geben könnte. Ich bin aber davon überzeugt, dass ein Mini den sympathischen Ausdruck behalten wird. Selbst wenn er in Zukunft, übertrieben gesagt, eine autonom fahrende Box werden sollte. Wie das dann genau aussieht, daran arbeiten wir. Für mich muss Mini auch in Zukunft emotional bleiben, trotz und gerade wegen der allgegenwärtigen Digitalisierung. Vielleicht begrüsst ein Mini seinen Fahrer in Zukunft bereits von aussen, weil das Exterieur aktiv bespielbare Flächen hat? Aber auch das Interieur wird durch Digitalisierung vollkommen neue Möglichkeiten der Personalisierung bieten.»

Und inwiefern verändert das autonome Fahren in Zukunft die Gestaltung eines Mini?
«Die Auswirkungen werden ähnlich hoch sein wie bei der Elektromobilität, nur werden sie deutlich anders aussehen. Natürlich wird sich vor allem das Interieur verändern, allein weil man auf einmal die Möglichkeit hat, während der Fahrt etwas anderes zu tun.

Doch auch im Exterieur wird sich dieser Wandel widerspiegeln. Nehmen wir beispielsweise das typische Mini-Gesicht mit den zwei runden, freundlichen Scheinwerfer-«Augen». Auch das wird in Zukunft, wenn die Fahrzeuge autonom fahren, zur Debatte stehen. Scheinwerfer gibt es nur, damit wir als Fahrer etwas sehen können. Das autonom fahrende Fahrzeug benötigt sie nicht mehr. Auch Fensterflächen können wir neu denken. Wann will oder muss ich etwas sehen, wann nicht? Das Fahrzeug könnte sich je nach Situation daran anpassen.»

Die Konnektivität hat aber keinen Einfluss auf das Exterieur Design, oder?
«Doch, natürlich. Auch im Exterieur gibt es Möglichkeiten: Bei einer Shared Mobility könnte die Verbindung zum Fahrzeug das Thema Personalisierung ermöglichen. So könnte sich das Erscheinungsbild des Fahrzeugs verändern, sobald ich auf dem Weg dorthin bin. Mini hat dieses Szenario beim Vision Next 100 vor drei Jahren bereits angedeutet. So reden wir beispielsweise über aktive Oberflächen: Was heute lackiertes Blech ist, könnte in Zukunft aktiv bespielbar sein und Stimmungen oder konkrete Botschaften spiegeln.»

Wie schwierig ist es eigentlich, ein Fahrzeugdesign zu gestalten, das erst in fünf Jahren den Zeitgeist treffen soll?
«Als Automobildesigner lebt man mit seiner Arbeit tatsächlich der Umgebung ein paar Jahre voraus. Die Fahrzeuge, an denen wir aktuell arbeiten, sind die Zukunft der Marke. Wir fragen uns, wie soll der Charakter sein? Wie schaffen wir einen Aha-Effekt? Und was ist ästhetisch? Wir beobachten, dass Ästhetik und Geschmack oft ein Prozess sind, die von Brüchen leben. Und wir wollen genau diese Brüche schaffen, die dann als neu, innovativ und wegweisend gelten. Das zu treffen, ist eine Mischung aus Erfahrung und Talent – und darauf setzen wir.»

Was inspiriert Sie?
«Ich finde Inspiration in verschiedenen Erlebnissen, in Momenten, in denen man das Gefühl hat, der imaginären Zukunft zu begegnen. Mich berühren auch die Schönheit der technischen Meisterwerke aus der Vergangenheit – egal, ob es Boote, Fahrzeuge oder andere Maschinen sind. Wenn ich alte, mechanische Ingenieurskunst sehe, bekomme ich sofort Lust, zum Stift zu greifen und zu zeichnen. Die Radaufhängung eines alten Bugatti – das ist für mich pure Inspiration. Inspirierend ist auch, etwas Neues schaffen zu können. Ich arbeite bei Mini in einem Team, in welchem sehr viel Kreatives entsteht. Alleine die Zeichnungen an den Wänden in unserem Studio sind eine tägliche Inspirationsquelle.»

Sie haben einen Wunsch offen. Wie lautet der?
«Ich wünsche mir, dass man in Zukunft weiterhin von Mini-Ikonen spricht. So wie der Mini bereits heute eine Ikone ist, sollen auch die zukünftigen Autos diese Qualität haben und immer noch sofort und authentisch als Mini erkennbar sein. Also allgemein gesagt: Die Herausforderung ist, die ikonenhaften Charakterzüge eines Mini behalten und in die neue technoide Welt übertragen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maximilian am 26.09.2019 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät erkannt

    Der Mini ist längst zum Maxi geworden und in der Masse verschwunden

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  • D.N.A. am 26.09.2019 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    meine Meinung

    Der Mini der Zukunft müsste wieder so gross sein wie der Ur-Mini und nicht grösser und bulliger werden.

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  • Realist am 26.09.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marketingblabla

    Ziemlich Maxi dieses Mini. Ist im Laufe der Jahre wohl viel Fett dazu gekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Morton Gilels am 30.09.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis und Leistung

    Mini hat meine volle Sympathie, fahre selbst (noch) einen. Nur eines stimmt überhaupt nicht und das ist das Preis/Leistungsverhältnis...

  • Jonny6 am 29.09.2019 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Oekoturbo

    Wo man die Pferde anbinden kann sehe ich nirgends.Wir müssen ja ökologisch unterwegs sein!

  • Ernesto Flores am 28.09.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist kein Mini mehr

    Es tut weh, wenn man sieht, dass sich diese überteuerten klotzigen deutschen Autos immer noch Mini nennen dürfen. Dies sagt ein begeisterter Mini Fan, der in seiner Jugend noch den echten Mini Cooper fahren durfte.

  • Sunpower am 28.09.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    #Stinkedieselfinger

    +++ Ich habe mir endlich den MB X 350 d geholt. Der V6 Diesel Motor hört sich einfach klasse an. +++

  • Trudi am 28.09.2019 03:04 Report Diesen Beitrag melden

    Was denn?

    "Natürlich wird sich vor allem das Interieur verändern, allein weil man auf einmal die Möglichkeit hat, während der Fahrt etwas anderes zu tun". Was denn? Rauchen telefonieren, essen......alles was heute verboten ist?