Auto-Papst

10. Januar 2020 05:02; Akt: 09.01.2020 14:43 Print

«Tesla hat derzeit den besten Elektroantrieb»

von Dieter Liechti - «Auto-Papst» Ferdinand Dudenhöffer spricht über den Schweizer Automobilmarkt des vergangenen Jahres und die Aussichten für die Zukunft.

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Herr Dudenhöffer, der Schweizer Markt ist 2019 um 3,9 Prozent gewachsen. Ist das europäisch gesehen ein gutes Resultat?

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Das ist besser als Europa, aber schlechter als Deutschland. Wobei dort ein Nachholeffekt den Markt künstlich aufgeblasen hat.

Welcher Nachholeffekt?

Zum einen die Nachwirkungen durch die Umstellungen auf den neuen Prüfzyklus WLTP. Zum andern der Druck, die grossen Spritfresser auf 2019 vorzuziehen, da jetzt strengere CO 2 -Vorgaben gel 2-Vorgaben gelten. Daher knickt Deutschland 2020 ein. In der Schweiz war dies nicht so stark zu spüren, also ist der Schweiz Markt stabiler.

Seit Jahren wird behauptet, die Schweiz sei für die Automobilindustrie ein wichtiger und spezieller Markt. An den Verkaufszahlen – 311 466 Fahrzeuge im Jahr 2019 – kann es nicht liegen. Woran sonst?

Die Schweiz ist ein Nischenmarkt. Nur 0,4 Prozent aller weltweit verkauften PW finden in der Schweiz ihren Käufer. Aber es gibt einige Schweizer, die sich die schönen, teuren Autos leisten. In der Schweiz lässt sich für Premiumhersteller Geld verdienen.

Trotzdem stieg der Anteil der alternativen Antriebe 2019 auf 40 714 Fahrzeuge. Das ergibt einen Marktanteil von 13,1 Prozent. Ist das ein Erfolg oder eine Enttäuschung?

Das ist ein sehr gutes Resultat. Gegenüber Deutschland spielt die Schweiz in einer anderen Liga. In Deutschland hatten wir nur 6,6 Prozent Anteil bei den Alternativen. Das gilt auch für dievollelektrischen Autos. Allein der Marktanteil von Tesla ist in der Schweiz grösser als der gesamte Anteil der Elektroautos in Deutschland.

Hält der Elektroboom 2020 an?

Natürlich, aber wie hoch die Steigerung sein wird, hängt in erster Linie vom Marktstart und der Produktion des VW ID.3, den Auslieferungen beim Porsche Taycan und vom Tesla Model Y ab. Das dürfte aber alles erst in der zweiten Jahreshälfte hochlaufen, darum sind Prognosen schwierig.

Nummer 1 der Stromer ist Tesla mit 6061 Exemplaren. Mit diesem Resultat haben die Amerikaner Marken wie Alfa Romeo, Honda, Mini, Mitsubishi, Nissan oder Subaru überflügelt. Geht das so weiter?

Mit grosser Sicherheit ja. Tesla wird in fünf Jahren statt der 367 500 weltweiten Auslieferungen des vergangenen Jahres auf 800 000 oder mehr kommen. Da werden in der Schweiz noch andere traditionelle Marken überholt werden.

Warum ist Tesla so erfolgreich?

Einerseits ist es der zeitliche Vorsprung, andererseits die Tatsache, dass Tesla derzeit den besten Elektroantrieb hat. Energieeffizienz vom Feinsten und andere Innovationen etwa beim Autopiloten und Softwareupdates. Das schätzen die Schweizer: Innovationen, die Freude machen und verträglich mit unserem Klima sind.

Trotzdem stammten 2019 über 40 Prozent der Neuwagen von den deutschen Marken. Wie lautet das Erfolgsrezept der deutschen Automobilindustrie?

Hochwertigkeit, perfekte Verarbeitung und eine Fahrdynamik, die auch in den Schweizer Bergen Freude macht.

Das schlechteste Resultat der deutschen Marken erzielte 2019 Opel mit einem Minus von 17,4 Prozent. Überrascht Sie das?

Nein, denn seit knapp drei Jahren gilt die Gleichung Opel = Peugeot. Der eine hat einen Löwen am Grill, der andere einen Blitz. Das ist zwar kosteneffizient, aber nicht innovativ. Nur mit besten Kosten und einem Fussballtrainer in der Werbung ist es schwer, langfristig erfolgreich zu sein. General Motors hat durch die Skalierung über Jahrzehnte die beste Kostenstruktur gehabt und ist insolvent geworden. Zudem hat die PSA-Group nicht nur in der Schweiz Mühe, sondern auch im grössten und wichtigsten Markt China.

Sowohl Citroën, DS Automobiles, Peugeot als auch Renault haben 2019 weniger verkauft, der Marktanteil der Franzosen liegt bei 8,65 Prozent. Weshalb?

DS ist weltweit erfolglos. Einfach zu glauben, man verkauft jetzt einen Citroën als DS und nennt das Premium, funktioniert nicht. Es fehlt die Innovation, die der Kunde erleben möchte. Ansonsten kann er ja gleich zu Dacia gehen.

Noch schlechter sieht es bei Alfa Romeo, Fiat und Maserati aus – das Minus gegenüber 2018 liegt bei 13 Prozent. Haben sie die Zeitenwende verschlafen?

Italiener sind gut, wenn sie Ferrari heissen. Die Ingenieure dort bauen Autos, um die Formel 1 zu gewinnen. Alfa war mal eine grosse Marke, aber während der Sparjahre unter Fiat Chrysler ging leider einiges verloren.

Aber alle müssen doch sparen.

Ja, man muss auf Kosten achten, aber Kosten sind die Nebenbedingungen im Geschäft. Zielvariable ist die Emotion, also Innovation.

Positiv entwickelt haben sich 2019 dafür die asiatischen Hersteller, bei denen Lexus und Toyota zweistellig zugelegt haben. Was war deren Stärke?

Toyota hat mal mit dem Hybrid gepunktet. Einewichtige Innovation, die aber jetzt verblasst. Und dann haben die Japaner vor 30 Jahren ihre Qualitäts-Offensive gespielt – ebenfalls eine sehr erfolgreiche Strategie. Das macht aber heute jeder, darum werden die nächsten zehn Jahre spannend.

Ferdinand Dudenhöffer: Der «Autopapst» leitet das CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.01.2020 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tesla

    Das weiss man seit min. 3 Jahren das Tesla das beste System hat, und mit Abstand am wenigsten Strom/Km verbraucht und erst noch am meisten Power hat. Die Deutschen Autobauer sind dummschwätzer die ihre veraltete Technik den nicht informierten zu völlig überhöhten Preisen aufschwätzen müssen, damit ihre Milliarden Gewinne aufrecht bleiben.

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  • Ronny C. am 10.01.2020 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange ist derzeit ?

    "Derzeit" ist seit 2013 und ich kann das als Tesla-Fahrer bestätigen. Privat Model X und Model S, geschäftlich haben wir drei Model 3. Ich fuhr kürzlich den EQC 400, der ist schön gemacht, der Antrieb aber lau. Noch schlimmer ist der étron (der Name ist Programm). Der verbraucht massiv mehr Energie als der viel grössere Model X. Liegt wohl an der low-tech-Leistungseletronik vom Betrugskonzern Bosch. Die konnten Diesel nicht und die können elektro nicht.Der sehr müde Antritt des Wagens ist auch nicht mein Ding.Der E-Tron GT wird ein anderes Kaliber, es gibt aber in D nur 3 Schnelllade-Stationen

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  • Weder Papst nocht Gott... am 10.01.2020 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Autos e SUVus

    Amen! Aber kann der Papst auch mit Fakten belegen, weshalb der Antrieb von Tesla so effizent ist? Noch ein kleiner Hinweis Herr Papst: Es fällt langsam auf, dass Sie VAG sooo lieben... Nur so nebenbei: Die PSA Group bringt gerade mit dieser "Verlierermarke" Opel den eCorsa im ersten (!) Halbjahr und auch Peugeot schiebt den elektrischen 206 nach. Aber es scheint, das am Himmel nur der ID3 Stern für die Erleuchtung des Auto Papst sorgt... Wann sind eigentlich Neuwahlen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chef am 19.01.2020 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal

    Ich fahre weiterhin mit meinem ZIL.

  • cookie am 17.01.2020 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt so viel besseres als VAG 2

    die Asiaten, allen voran die Japaner sind heute in sachen Hochwertigkeit, Verarbeitung und Zuverlässigkeit den VAG Karossen weit überlegen. soll einer noch verstehen, warum immer noch so viele leute ihr geld in diesne sog. deutschen "premiumfahrzeugen" verlochen. nun wird wieder der spruch der Emotionen kommen. einzelne Hersteller, allen voran Mazda bauen heute mehr als ansehnliche autos. und was bitte bringt ein vw golf, passat, Tiguan, touareg usw. für Emotionen mit? in meinen augen nur langweiliger einheitsbrei.

  • @cookie am 17.01.2020 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt so viel besseres als VAG 1

    "Hochwertigkeit, perfekte Verarbeitung..." das ich nicht lache. und dieses Prädikat gibt dieser angebliche auto experte den sog. deutschen "premium" Herstellern. sorry, aber die marktdominanz von VAG kommt nicht davon, dass sie so gut sind, sondern es ist die monströse marktbearbeitung die vag seit Jahrzehnten betreibt. es gibt keine Automarke, welche mehr werbepräsenz in den elektronischen- und Printmedien finanziert. zudem sind die deutschen autozeitschriften alle von VAG gekauft, damit ihre Produkte in den tests immer am besten abschneiden. da kommt kein anderer Hersteller dagegen an.

  • noldi am 17.01.2020 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Das ist der grund warum Mercedes als hybrid in der F1 von anfang an so dominant war und ist. Sie haben beim austritt die Tesla tech. mitgenommen und so 4 jahre vorsprunng gehabt.

  • Der Umdenker am 13.01.2020 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tesla CH-Verkaufszahlen 2019

    Alle untenstehenden Kommentare berücksichtigen nicht die Verkaufszahlen von Tesla im Dezember 2019, da diese Zahlen von Auto Schweiz erst heute bekannt gegeben wurden. Das Tesla Model 3 ist wieder das meistverkaufte Auto im Dezember in der Schweiz! 1. Tesla Model 3 1189 Stk. 2. VW Golf 1127 Stk. 3. Skoda Octavia 983 Stk. 4. VW Tiguan 732 Stk. 5. Mercedes CLG 612 Stk. Im März wurde gespottet, Tesla habe nur soviel verkauft, weil es Vorbestellungen seit 2016 gab. In Holland: über 12'000 im Dezember, knapp 29'922 für das ganze Jahr. 2. VW Polo 12'920 im ganzen Jahr.