Alfa Romeo

04. Februar 2020 12:02; Akt: 04.02.2020 09:59 Print

Überlebenskampf auf Italienisch

von G. Kacher - Die Kooperationsstrategie zwischen Fiat Chrysler und der PSA kennt auch Verlierer – vor allem bei Alfa Romeo und Maserati.

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Die Drehbücher, die Sergio Marchionne für die Zukunft von Fiat Chrysler (FCA) verfasst hatte, enthalten genug Stoff für mehrere Netflix-Serien. Der Visionär und Jongleur war beseelt von unerschütterlichem Optimismus – wer Chrysler retten kann, für den ist der Wiederaufbau der Fiat-Autosparte doch nur eine Fingerübung. Das dafür nötige Geld wollte der Italo-Kanadier mit den Edelmarken verdienen, von denen nach der Ausgliederung von Ferrari nur Alfa Romeo und Maserati übrigblieben.

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Die ultimative Offensive startete der oberste Alfista schon 2011, als er das Ziel ausgab, mit neun neuen Modellen den Alfa-Absatz bis 2015 auf 400 000 Einheiten hochzutreiben. Obwohl die Verkäufe stattdessen auf einen absoluten Tiefstand von 65 000 Einheiten fielen, hielt Marchionne am Wachstumsziel fest, legte ein Fünf-Milliarden-Investitionsprogramm auf und verschob die Zielmarke zunächst auf 2018 und dann auf 2022. Genützt hat das nicht viel: 2019 wurden weltweit etwa 95’000 Alfas neu zugelassen, Tendenz fallend.

Radikale Kur

Nach Marchionnes Tod, aber noch vor dem Zusammenschluss zwischen Fiat Chrysler und der französischen Peugeot-Gruppe (PSA), entschloss sich der neue FCA-Chef Mike Manley zu einer Radikalkur. Vor allem Alfa muss kräftig Federn lassen. Das geplante GTV Coupé ist ebenso vom Tisch wie der weit gediehene Nachfolger des 8 C, die für China geplanten Langversionen von Giulia und Stelvio wurden ersatzlos gestrichen, der grössere SUV fiel ebenso dem Rotstift zum Opfer wie die Kombiversion der Giulia, die nächste Giulietta-Generation und das Comeback des Spiders.

Dieser Kurswechsel gefährdet die Marke, die sich in Zukunft nur noch bedingt mit Audi, BMW und Mercedes messen kann. Der Grund: Alfa muss Stückzahlen machen, darf sich nicht mehr verzetteln, hat im FCA-PSA-Verbund zusätzliche Synergien zu heben, steckt in der Kostenklemme und wird frühestens 2021 wieder Land sehen, wenn der Tonale auf den Markt kommt. Von dem schmucken Crossover auf Fiat-Basis will man jährlich etwa 65’000 Stück absetzen. Der Tonale soll zwischen BMW X1 und X3 oder Audi Q2 und Q3 einparken, ist optional mit Allradantrieb zu haben. Statt die SUV-Familie wie ursprünglich angedacht nach oben zu erweitern, wo Maserati mit der schwindenden Nachfrage kämpft, weicht Alfa folgerichtig nach unten aus, wo das Volumen lockt, die Rendite aber schmaler ausfällt.

Stunde der Wahrheit

Die Stunde der Wahrheit schlägt spätestens 2022 mit dem Debüt des sogenannten B-SUV (Kleinwagen), der genau dort reüssieren soll, wo der Alfa Romeo MiTo kein Rad auf den Boden bekam. Klar, ein pfiffiger kleiner SUV macht mehr Stückzahlen, aber weil kein einziger Premium-Hersteller in dieser Preisklasse aktiv ist, schadet der Neuzugang der Marke möglicherweise mehr als er ihr nützt. Wobei noch unklar ist, ob der Neuling überhaupt eine italienische Bodengruppe bekommt, oder man sich bei Peugeot bedienen wird. Die von Fiat favorisierte Jeep-Connection bliebe in diesem Fall aussen vor.

Alfa leidet auch heute noch unter der nicht immer optimalen Fertigungsqualität, dem holprigen Infotainment und der mässigen Zuverlässigkeit, aber dafür punktet die Marke auch heute noch mit tollem Design, unterhaltsamen Fahreigenschaften und durchzugsstarken Motoren. Während sich das Design am ehesten in eine bessere Zukunft transferieren lässt, bringt die Fusion mit PSA ein Bündel von rigiden Vorgaben und banalen, markenübergreifenden Komponenten mit sich, die nicht zum Selbstverständnis der Italiener passen wollen. So gesehen hinterlässt die neue, primär kostengetriebene Kooperationsstrategie einen zwiespältigen Eindruck. Noch ist nichts entschieden, doch dass die Marke ums nackte Überleben kämpft, signalisieren neben dem zusammengestrichenen Entwicklungsbudget auch das nur noch punktuelle Sponsoring und der drastisch reduzierte Vertriebsaufwand.

Strikte Trennung

Dafür bekräftigt die neue FCA-Führung die strikte Trennung von Alfa und Maserati. Die einzige Doublette ist der noch namenlose Maserati SUV, der ab 2021 als Schwestermodell des Stelvio Furore machen soll. Für die Marke mit dem Dreizack im Kühlergrill war 2019 ein schlimmes Jahr. Die Verkäufe fielen unter das Niveau von 2014 auf etwa 24 000 Autos – verteilt auf fünf Modelle und zwei Architekturen. Ob und wann das wiederholt revidierte Absatzziel von 70’000 Einheiten erreicht wird, steht in den Sternen über Modena. Ende Mai will die Maserati-Führung ihre künftige Strategie bekanntgeben und ein neues Topmodell mit dem Decknamen Supersportiva vorstellen. Der ursprünglich für 2021 avisierte vollelektrische Alfieri muss demzufolge einem Mittelmotor-Zweisitzer Platz machen, der als Coupé noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Ein davon abgeleiteter Spyder und die dritte Auflage des GranTurismo folgen 2021.

Natürlich sind voll elektrifizierte Varianten für alle künftigen Autos auch bei Maserati angeblich nur eine Frage der Zeit. Mit Hilfe skalierbarer Batterien und E-Motoren soll das Topmodell mehr als 700 PS an die Hinterräder wuchten – fragt sich nur, wofür. Denn sobald in ein paar Jahren jedes zweite E-Mobil in weniger als fünf Sekunden von null auf Tempo 100 beschleunigen kann, haben Fahrleistungen als Wettbewerbsvorteil ausgedient.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny C. am 04.02.2020 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das wird schon

    Nun gut, nicht immer optimale Fertigungsqualität, holpriges Infotainment und sehr mässige Zuverlässigkeit, so wie den grössten Abgas-Betrug seit der Industrialisierung gibt es seit Jahr und Tag auch bei VAG, an dem kann es nicht liegen. Aber gegen die deutsche Propaganda in deutschen Autoheftchen war ja schon immer schwer anzukommen. Sobald alle Plattformen elektrisch sind und entsprechend simpel aufgebaut, können einfach Produkte für Alfa Romeo, Maserati usw. hergestellt werden. Tesla macht es so und hat einen Börsenwert von über 100 Mia $.Orientiert euch an den besten,nicht an Kutschenbauern

  • scorpione am 04.02.2020 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fca

    es fehlen die modelle!

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  • Wie bei Elektroautos in Zukunft am 04.02.2020 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    die bislang insgesamt rund 6 Milliarden Franken

    einbringende Treibstoffsteuer für Benzin und Diesel verursachergerecht erhoben werden soll, steht vorderhand noch in den Sternen. Eine äquivalente Stromsteuer oder dergleichen ist aber für Elektroautos zukünftig so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer demgemäss mit billigem Ladestrom von der Garage oder gar mit Gratis Strom rechnet, der macht die Rechnung ohne den Wirt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Deutscher am 09.02.2020 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wird Zeit

    dass VW den Laden aufkauft und mal richtige Autos baut. So wie Ducati auch. Seit VW die Dinger baut laufen sie wenigstens.

    • JUKE am 12.02.2020 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Deutscher

      ja genau, vor allem der DVT Motor. Hinzu kommt die Arroganz von Audi. Bei Ducati ist der Verkaufspreis und der Unterhalt PREMIUM, dann folgen nur noch Enttäuschungen.

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  • Enrico am 09.02.2020 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wenn ich in meinen Mito steige

    geht mir in der Hose das Sackmesser auf.

  • Solar am 06.02.2020 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängigkeit

    In nur einer Stunde liefert die Sonne genug Energie, um die gesamte Weltbevölkerung für ein Jahr mit Strom versorgen zu können. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Elektro­mobilität und Solar­technologie ebnen den Weg in eine klima­freundliche Mobilität.

  • Information am 06.02.2020 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte selbstständig denken!

    Einer der grössten Vorteile von E-Mobilität ist, nebst NULL CO2-Ausstoss und NULL NOx-Ausstoss am Auspuff ;-), weniger Lärmbelästigung, besserer Luft und dadurch weniger Krankheitskosten, dass ein viel höherer Grad der Wertschöpfung in der Schweiz bleibt. Der Strom kann etwa zu 70% in der Schweiz durch umweltfreundliche Energien (Wasserkraft, Solar, Wind) gewonnen werden! Kurzfristig sollte der Treibstoff verteuert werden, zugunsten einer umweltfreundlicheren Energietechnik. Längerfristig löst sich das Problem von selbst, weil E-Autos auch günstiger sind als fossil-getriebene! :-)

    • Quattro Ravioli am 06.02.2020 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Information

      Schön, endlich mal Jemand der die Sicht für das Ganze hat. Egos gibt es ja hier genug...

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  • Schweiz am 06.02.2020 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alfa Romeo Hinwil

    Fakt ist das Alfa viele Renn Patente besitzt (Rennsport) und jedesmal wen ein Deutscher oder Franz oder Cinese ein Auto baut verdient Alfa immer. Eigentlich schade für so eine Marke die Geschichte geschrieben hat. Und wenn man mal vom Alfa stelvio qv 2.9 gegen den Mercedes AMG 6.3 vergleicht ist Alfa um 10cm schneller im Ziel, mit weniger als die hälfte vom Merdcessen Motor.

    • ALFons am 07.02.2020 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      Soso!

      Eines ist sicher, der Alfa ist 10 mal schneller Schrott als der Mercedes. Wer bitte würde einen gebrauchten Alfa kaufen. Es gibt keine Alfas die 10 Jahre alt werden.

    • Alfa Romeo am 09.02.2020 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      Alfa läuft rund

      Hier fährt ein Alfa bereits mehr als 10 Jahre. Nie Probleme gehabt. Top Verarbeitung, Unterboden sieht top aus. Dagegen sah es bei einem Mercedes bei einer letzten Prüfung nicht so toll aus. Alfa ist besser als viele denken.

    • Jungtimer am 10.02.2020 02:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ALFons

      Mein 164 Q4 hat Jahrgang 94. Aber erzählen Sie nur weiter...

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