Mercedes Maybach

22. November 2019 10:30; Akt: 22.11.2019 10:08 Print

Als Maybach wird dieser Mercedes zum Juwel

von Thomas Geiger - Automobiler Luxus fern der Strasse ist fest mit den Namen Rolls-Royce und Bentley verknüpft. Jetzt will Mercedes mit einem auf Prunk und Pomp gestylten GLS die Lücke zu den Briten schliessen.

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Jetzt schlägt der selbsternannte Gralshüter des automobilen Luxus zurück und schickt gegen Cullinan und Bentayga den ersten Maybach für den Matsch ins Rennen. Damit man das Prunkstück für Prachtstrassen und Pampa trotz der engen Verwandtschaft mit der schnöden Grossserie auf Anhieb erkennt, trägt der GLS stolz den Maybach-Grill im Nadelstreifen-Design und darunter mehr Chrom vor den Lufteinlässen als die amerikanische Rapperszene Gold um den Hals. Der Clou sind die beiden riesigen Trittbretter von mehr als zwei Metern Länge und 20 Zentimetern Breite, die sich samt LED- Beleuchtung in einem faszinierenden Spektakel unter dem Wagenboden hervorschieben, sobald sich die Türen öffnen. Geht es nach Designchef Gorden Wagener, ist der GLS nur der zweites Schritt auf einem weiten Weg: Langfristig will er Maybach zu einer starken Submarke, die sich auch wieder eigene Modelle leisten kann. Dass aus dem Einstieg auch im übertragenen Sinne ein Aufstieg wird, liegt am noblen Interieur des Maybach, der seine Passagiere in einem Kokon aus Lack und Leder lockt. Statt der bis zu fünf gewöhnlichen Sessel aus den GLS sind hier wie in der Langversion der Limousine nur zwei Loungeliegen montiert, mit über einem Meter Beinfreiheit davor und einer riesigen Konsole für Barfach, Klapptische und Kleinkram dazwischen. 558 PS und 730 Nm wuchten den Maybach für den Matsch in 4,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und danach unbeirrt weiter bis auf 250 km/h. Für eine den Maybach-Modellen vorbehaltene Zweifarblackierungen wählten die schwäbischen Designer silber und schwarz aus. So lackiert erinnert der Maybach allerdings eher an einen Leichenwagen als an einen Luxus-SUV.

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Schluss, aus, Ende und vorbei – Mercedes hat sich lange genug von Rolls Royce und Bentley die Butter vom Brot nehmen lassen und dem vornehmen Treiben unter den SUV tatenlos zugesehen. Doch jetzt schlägt der selbsternannte Gralshüter des automobilen Luxus zurück und schickt gegen Cullinan und Bentayga den ersten Maybach für den Matsch ins Rennen.

Was da in der zweiten Hälfte des neuen Jahres für Schätzpreise jenseits von 150'000 Euro anrollen wird, ist zwar anders als die Studie Vision Ultimate Luxury aus dem letzten Jahr noch hoffen liess, doch kein eigenständiges Auto und erst recht kein SUV mit Stufenheck, sondern ein GLS im Smoking. Doch haben die Schwaben ihr dickstes Ding aussen so üppig mit Lametta behängt und innen so fein ausstaffiert, dass der Geländewagen buchstäblich zum Hochkaräter wird und eben doch um zwei Klassen aufsteigt.

Mehr Chrom als die Ami-Rapper Gold um den Hals

Damit man das Prunkstück für Prachtstrassen und Pampa trotz der engen Verwandtschaft mit der schnöden Grossserie auf Anhieb erkennt, trägt der GLS stolz den Maybach-Grill im Nadelstreifen-Design und darunter mehr Chrom vor den Lufteinlässen als die amerikanische Rapperszene Gold um den Hals. Dazu gibt’s breit verchromte Rahmen um die Scheibe und – ein entsprechendes Selbstbewusstsein voraus gesetzt – auch die nur den Maybach-Modellen vorbehaltene Zweifarblackierung.

Der Clou sind allerdings die beiden riesigen Trittbretter von mehr als zwei Metern Länge und 20 Zentimetern Breite, die sich samt LED- Beleuchtung in einem faszinierenden Spektakel unter dem Wagenboden hervorschieben, sobald sich die Türen öffnen. Denn selbst wenn der Maybach einen Knicks macht und sich die Luftfederung um drei Zentimeter absenkt, mag Mercedes dem gemeinen Krösus so eine unbequeme Kletterei offenbar nicht ohne Aufstiegshilfe zumuten.

Dass aus dem Einstieg auch im übertragenen Sinne ein Aufstieg wird, liegt am noblen Interieur des Maybach, der seine Passagiere in einem Kokon aus Lack und Leder lockt. Statt der bis zu fünf gewöhnlichen Sessel aus den GLS sind hier wie in der Langversion der Limousine nur zwei Loungeliegen montiert, mit über einem Meter Beinfreiheit davor und einer riesigen Konsole für Barfach, Klapptische und Kleinkram dazwischen.

«Willkommen in deiner eigenen Welt»

Der Rücken wird fein massiert und klimatisiert, um die Nase weht der Duft von Osmanthusblüten, zarten Ledernoten und würzigem Tee und die Welt da draussen verschwindet hinter Isolierglas und schwarzen Vorhängen, die auf Knopfdruck vor die Scheiben surren: Willkommen in Ihrer eigenen Welt, lautet die Botschaft.

Technisch dagegen ist der Maybach dem GLS näher, als es den meisten Kunden lieb sein dürfte. Zwar haben die Ingenieure die Profile des vorausschauenden Luftfederfahrwerks mit seinem schlauen 48-Volt-Stellern um einen Maybach-Modus ergänzt, mit dem man wie auf Wolken gebettet über den Asphalt gleitet, und für den Motor gibt es ein neues Setup. Doch wer sich angesichts des Typenkürzels 600 auf einen Zwölfzylinder freut, wird beim Blick unter die Haube jäh enttäuscht.

Statt am BMW X7 gar vollends vorbei zu ziehen und tatsächlich zu den Briten aufzuschliessen, belässt es auch Mercedes beim V8. Der ist immerhin der moderneste im Programm, kommt als Mild-Hybrid mit einem 22 PS starken E-Booster und hat trotz soliden 2,8 Tonnen sicher leichtes Spiel mit dem 5,21 Meter langen Luxusliner. Nicht umsonst wuchten die 558 PS und 730 Nm den Maybach für den Matsch in 4,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und danach unbeirrt weiter bis auf 250 km/h. Und dass er dabei schon in der Norm 11,7 Liter verbraucht, wird die erlauchte Kundschaft kaum stören. Wer Maybach fährt, zahlt solche Tankrechnungen wie andere das Trinkgeld.

Langfristig soll Maybach zur starken Submarke werden

Zwar feiert Mercedes Maybach nach dem gescheiterten Comeback-Versuch mit den Modellen 57 und 62 mittlerweile als Erfolgsgeschichte und rühmt sich immerhin 45'000 verkaufter S-Klassen mit dem doppelten M seit dem Relaunch in Jahr 2016, und im letzten Jahr war schon jede siebte S-Klasse ein Maybach. Geht es nach Designchef Gorden Wagener, ist der GLS nur der zweites Schritt auf einem weiten Weg: Langfristig will er Maybach zu einer starken Submarke, die sich auch wieder eigene Modelle leisten kann.

Als Vorbild dienen ihm dabei die Kollegen von AMG, dies sich mit SLS, GT und ihrem Viertürer bereits weit von der Grossserie entfernt haben. Allerdings hat der Vergleich auch einen Haken – bis AMG so weit war, hat es Jahrzehnte gedauert. Deshalb werden sich wohl auch die Maybach-Kunden noch ein wenig in Geduld fassen und zurücklehnen müssen – Platz genug dafür haben sie im neuen GLS ja.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 22.11.2019 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brabus/Mercedes...

    Für dieses noblen Fahrzeug reichen 150'000 Euro nie im Leben. Bild 8 mehr Leichenwagen als elegantes Auto, Bordeaux Rot ist die ideale Farbe!

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  • small-block am 22.11.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenständigkeit fehlt

    Gediegener Luxus. Von aussen jedoch zu wenig Unterscheidung zum GLS. Schöner wäre ein "wirklicher" Maybach mit eigenständigem Design und V12 gewesen. Klar, Motor etc. kann ja von Mercedes bzw. AMG kommen. Aber der wird zu teuer sein für einen etwas aufgebesserten Benz.

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  • Ronny C. am 22.11.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was gibt's noch ausser SUV ?

    What a car ! Gut, die Einfassung der Monitore im Cockpit erinnert etwas an einen alten Saab 9-5, aber das Leder und die Farben, das hat schon was. Offenbar geht's Schlag auf Schlag weiter im SUV-Wahn. Was fehlt noch ? Ferrari kommt um 2021 rum, preislich tiefer kommen ggf. noch der Lotus-SUV und ein Beitrag von Alpine. Dann wüsste ich nicht, was man noch "versuffen" könnte. Camaro und Challenger ? Ein Corvette-SUV ? Den Herstellern ist nichts mehr heilig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ei der Daus, bin kein Trittbrettfahrer am 30.11.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    ich könnte, doch ich will ihn nicht...

    Wenn er nur nicht so ein ungefälliges Äusseres hätte!

  • G.Ott am 26.11.2019 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billig

    Die Lackierung erinnert mich an den Peugeot 208 Gti.

  • Nikotin am 24.11.2019 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fehlt nur noch die Kaffeemaschine

    Wer will schon eine Wohnung kaufen?

    • geri am 27.11.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nikotin

      Derjenige der es sich leisten kann.

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  • Autoexperte am 24.11.2019 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    top

    Mercedes hat in letzten Jahre einfach unglaubliche Schritte nach vorne gemacht, vor allem im Design

  • Luigi2015 am 23.11.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schön

    Alles sehr edel.So wie es sich für Maybach gehört.Alles nur vom feinsten.