LA Auto Show

24. November 2019 12:00; Akt: 24.11.2019 11:05 Print

Alte Welt trifft neue Zeit

von Dave Schneider und Thomas Geiger - Seit Freitag feiern an der Los Angeles Auto Show Petrolheads und Weltverbesserer gemeinsam eine Party.

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Es ist Showtime in Los Angeles: Die Autobranche fährt gross auf. Nach den enttäuschenden Messen in Frankfurt und Tokio feiert sie in Kalifornien noch einmal eine PS-Party und lässt sich die Stimmung weder von Ideologien noch von Absatzsorgen vermiesen.

Denn so zerrissen die Branche gerade auch sein mag und so mühsam sie ihren Weg zwischen der alten Welt und einer neuen Zeit sucht, teilen Petrolheads und Weltverbesserer in Kalifornien die Begeisterung für schöne und starke Autos – ganz egal, ob sie mit Sprit befeuert werden oder mit Strom fahren. Deshalb werden in LA neue Stromer genauso gefeiert wie riesige SUV, die statt eines Akkus noch einen Achtzylinder unter der Haube spazieren fahren.

Der legendäre Mustang wird elektrisch

Der unumstrittene Star der Show steht wie kein anderer für diesen Spagat: Ford macht den legendären Mustang zum elektrischen Mach-E. Ab Ende 2020 zu Preisen ab 49'500 Franken auch bei uns lieferbar und mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern (für die teureren Modelle) auf Tesla-Niveau, bekommt der Muscle Car jetzt zwar eine SUV-Silhouette, will aber wie jeder Mustang seit 55 Jahren trotzdem «fast and fun» sein.

Bis zu 465 PS sollen dafür garantieren. «Der Klimawandel ist ein grosses Problem», sagt Ted Cannis, der bei Ford die Elektromobilität verantwortet. «Wir müssen da unbedingt unseren Teil beitragen.» Dass der US-Hersteller insbesondere im Heimmarkt vorwiegend riesige Pick-up-Trucks und SUV absetzt, scheint für Ford kein Widerspruch zu sein.

BMW und Mercedes zeigen Power-Modelle

Wo Ford die Fans elektrisieren will, bedienen vor allem BMW und Mercedes das andere Extrem und zeigen im Land der Tempobeschränkungen und Staus in erster Linie neue Sport-Modelle: Aus dem US-Werk Spartanburg bringt BMW mit X5 M und X6 M zwei Sport-SUV mit einem 625-PS-V8 nach Kalifornien und aus dem Mercedes-Werk in Tuscaloosa kommen die 63er-Varianten von GLE und GLS mit bis zu 612 PS plus 22 PS elektrischer Boost-Leistung des Mild-Hybridsystems.

Zu wenig mondän? Dann müssen sich vermögende Autofans in LA nach China orientieren, wo am Donnerstag an der Auto Guangzhou der erste SUV von Mercedes-Maybach enthüllt worden ist: «Das Auto verbindet die technische Basis des GLS mit dem Luxus einer Limousine der Spitzenklasse», versprechen die Stuttgarter.

«Er repräsentiert eine neue Art von Luxus». Nur die US-Markteinführung des batterieelektrischen EQC, der bei uns bereits erhältlich ist, deutet am Messestand in Los Angeles darauf hin, dass die Zukunft der Automobilität auch bei Mercedes elektrisch sein wird.

Das gilt auch für BMW: Neue E-Varianten? Fehlanzeige. Dafür nutzen die Bayern die LA Auto Show für die Publikumspremiere des bis zu 625 PS starken M8 Grand Coupé und legen für den M2 zum Ende der Laufzeit einen CS mit 450 PS auf. Und als wäre das noch nicht genug, haben sie auch noch den auf 3000 Exemplare limitierten Mini John Cooper Works GP mit 306 PS im Gepäck – der vollelektrische Mini Cooper SE droht da hinter dem grossen Flügelwerk des muskelbepackten Bruders fast zu verschwinden.

Spagat zwischen Emotion und Effizienz

Und obwohl Audis «Vorsprung durch Technik» nur noch auf dem Papier besteht, zeigt die VW-Tochter in Kalifornien, wie man den schwierigen Spagat zwischen Emotion und Effizienz stehen kann: Für die Öko-Fraktion bringen die Herren der Ringe den E-Tron jetzt auch als Sportback und machen ihren Stromer mit einem schrägen Rücken zum schönen Blickfang. Und für die gusseisernen Petrolheads bringen sie den Q8 auch als RS-Modell mit 600 PS.

Also bleiben am Ende nur zwei Premieren aus Europa, die halbwegs Bodenhaftung haben – und eine davon ist erst noch eine Studie. Denn VW zeigt in Los Angeles nur einen Ausblick auf ein angekündigtes Elektromodell: Der knapp fünf Meter lange und 340 PS starke ID. Space Vizzion zeigt, wie ein elektrischer Passat Variant mit bis zu 600 Kilometer Reichweite in zwei Jahren aussehen könnte. Die andere Neuheit ist das 2er Grand Coupé von BMW, das als handliche Limousine ab dem Frühjahr gegen Autos wie den Mercedes CLA oder den viertürigen Audi A3 antreten will.

«Blasse Asiaten und zurückhaltende Amerikaner»

Ungewöhnlich blass wirkt der Auftritt der Asiaten in Los Angeles. Einzig Toyota trifft den California Spirit und stellt den RAV4 als Plug-In-Hybrid auf die Bühne, während Geniesser mit der Serienversion des Lexus LC 500 Cabrio umgarnt werden. Mazda dagegen zeigt lediglich den bei uns schon bekannten CX-30, Nissan gönnt der lustlosen Limousine Sentra ein Facelift.

Aus Korea kommen immerhin der neue Kia Seltos, der als kleines SUV unterhalb des Sportage auch gut nach Europa passen würde, während Schwestermarke Hyundai mit der Designstudie Vision T einen Ausblick auf einen künftigen Tucson gibt – mit Plug-in-Hybridantrieb und einem neuen Familiengesicht.

Und die Amerikaner?

Die sind bei ihrer wichtigen Heimmesse sehr zurückhaltend mit Neuheiten. Die zahllosen Full-Size-SUV, Offroad-Riesen, Pick-up-Trucks und vor Leistung strotzenden Muscle Cars, die den grössten Teil der Ausstellungsfläche in Los Angeles einnehmen, vermitteln ein klares Statement: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tut sich der Elektroantrieb noch lange schwer.

Saubere Japaner

Der neue Toyota Corolla Hybrid hat den Wettbewerb zum 2020er «Green Car of the Year» gewonnen. Der Titel «Green SUV of the Year» geht an den Honda CR-V. Beide Modelle wurden für die Hybrid-Versionen ausgezeichnet. «Der 2020er Toyota Corolla und der Honda CR-V haben die Auszeichnungen mehr als verdient», sagte Ron Cogan, Chefredakteur und Herausgeber des Green Car Journal. «Sie überzeugen mit aussergewöhnlich niedrigem Verbrauch, sinnvoller Ausstattung und angenehmem Fahrgefühl. Und sie sind für breite Käufergruppen erschwinglich.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus R. am 24.11.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Muss nicht lang überlegen

    beim Anblick des Mustangs, ist die Entscheidung ganz einfach. Der mit dem V6 oder V8.

  • Peter am 24.11.2019 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine

    Soll doch jeder das kaufen was für seinen Lebensstil am besten past.

  • Kritiker am 24.11.2019 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schizophrene Welt

    Vor allem die deutsche Autoindustrie lästert ja an allem rum, was nur so einen Hauch mit Amerika zu tun hat. Aber in Los Angeles da möchten Sie ( die deutschen) aber mit aller Macht ihre Potthässlichen Vehikel den Amerikanern dennoch verkaufen. Wenn ich in Los Angeles, die Autoshow besuche, möchte ich vieles sehen. NUR KEINE DEUTSCHEN AUTOS !!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nonsens am 01.12.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widersprüchlich unterwegs...

    und viele fallen darauf ein. Ich bin ein absoluter Fan von schönen und PS-Starken Autos. Doch gleichzeitig kommen Fragezeichen bei mir auf, wenn E-Autos tatsächlich mit über 400PS entwickelt werden und dies mit Klimaschutz in Verbindung gebracht wird. Das hat eigentlich nichts mit Klimaschutz zutun. Daher wäre es nur Fair zusagen von der Autoindustrie wir sind nun mit weniger Lärm sportlich unterwegs und sind nun statt Fossiler Energie neu elektrisch und mit 500kg mehr Gepäck unterwegs. Und sorry, dass wir nicht mehr so leichtfüssig unterwegs sind. Und umgerechnet noch 10l/100km verbrauchen..

  • 351 Mach 1 am 26.11.2019 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Was hat Ford nur verbockt ?

    Es ist ja schon das letzte, einem o815 Elektro SUV, den Namen Mustang zu geben, das allerletzte noch die Bezeichnung . GT oder Mach dranzuhängen, dann noch das absolut verblödetste ist, diesem Vehikel noch einen Soundgenerator zu verpassen, der über die Lautsprecher ein V8 Sound künstlich herstellt, fehlt nur noch dass diese Gehirnerweichten Manager noch eine E-Bullit Ausführung verbocken. Noch nie hat mich Ford so entäuscht, bis jetzt hatte Ford immer das richtige Gespür was seine Mustang Kunden wollten. Aber jetzt! Sind die Ford Manager wirklich so verblödet wie die 3 anderen Konzerne aus D

    • Kritiker am 26.11.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      @351 Mach 1

      In einem Zeitalter wo gewisse Länder, die Füssgänger, Rotlichtampeln auch im Boden installieren, für ein hirnloses Volk, die nur noch mit dem Smartphone vor der Nase herumtrödeln. Genau für diese Zielgruppe sind solche Fahrzeuge mit Geräuschgeneratoren erfunden worden. Ein Mustang hat seit 55 Jahren, einen Motor der durch Kolben, seine Kraft mechanisch produziert und vor allem eine Form, die sofort als Mustang zu erkennen war. Entfernt man diesem E-SUV das Mustang Emblem, dann bleibt nur ein x beliebiges formloses etwas übrig , dass auch einen Stern oder 4 Ringe haben könnte.

    • jay jay am 27.11.2019 07:32 Report Diesen Beitrag melden

      das richtige gespür

      vorallem in den späten 70er bis mitte 90er hat ford dem legendären mustang wirklich alle ehre gemacht. grottenhässliche kisten haben sie da verbrochen.

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  • austeiger mit 55 am 26.11.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    witz

    mach e der lacher, minimum mustang zeichen entfernen. ein richtiger mach 1 steht bei mir in garage

  • Schlecht Fürsauge am 25.11.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Design Horror

    Habe ich ein (!) schönes Auto gesehen (ausser die mit V8) ??? Na dann - gute Nacht...

  • Larry Amberg am 25.11.2019 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn schon ?

    thja... lexus cabrio , so ziemlich das einzige Neue , welches ich von all den vorgestellten kaufen würde. den deutschen ramsch schon mal gar nicht .