Audi

11. Oktober 2019 05:00; Akt: 10.10.2019 22:35 Print

Audi muss in die Elektro-Offensive

von Thomas Borowski - Mit 20 rein elektrisch angetriebenen Modellen bis 2025 will Audi den beinahe verpassten Anschluss bei der Elektrifizierung wett machen.

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Bram Schot, Vorstandsvorsitzender bei Audi: «Die Zukunft ist elektrisch. Bis 2025 bringen wir 30 elektrifiziert Modelle auf den Markt, davon zwanzig reine E-Modelle.» (Bild: Audi)

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Vorsprung durch Technik war einmal. In Sachen E-Mobilität wurde Audi und der einst zukunftsweisende Firmenslogan längst überholt. Im Premiumsegment fahren die Ingolstädter heute den Mitbewerbern hinterher. In der Schweiz hat Audi im laufenden Jahr bis Ende September 13'018 Fahrzeuge verkauft, also 5,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Was Audi aber mehr ärgert: BMW hat in der selben Zeit 17'524 Autos auf die Strasse gebracht, Mercedes-Benz gar 18'988.

Audis einziger Stromer, der auf Basis des für Verbrennerfahrzeuge konzipierten Modularen Längsbaukastens (MBL) aus dem VW-Konzern aufgebaute Audi e-tron, verkauft sich in der Schweiz nur mässig. Besonders in Sachen Elektromobilität hinkt Audi dem einst wegweisenden Vorsprung durch Technik hinterher. Das soll sich gemäss Bram Schot ab sofort ändern: «Die Zukunft ist elektrisch. Bis 2025 bringen wir 30 elektrifiziert Modelle auf den Markt, davon zwanzig reine E-Modelle. E-Autos werden dann bereits rund 40 Prozent unseres Absatzes ausmachen. Wir werden zum Taktgeber für E-Mobilität», verspricht der Audi-Vorstandsvorsitzende.

e-tron GT – das elegante Coupé kommt 2020

Einen Ausblick auf die nahe Elektro-Zukunft gewährte Audi unlängst an einem Technik-Workshop in München. Dort wurden neben dem e-tron gleich drei seriennahe Stromer gezeigt. Auf der von Audi entwickelten und mit Porsche zur Serienreife gebrachten PPE-Plattform (steht für Premium Plattform Electric) rollt Audi noch vor Ende 2020 den e-tron GT auf die Strasse. Der coupéhafte Viertürer besticht mit gefälliger Optik und viel Power: 800 Volt Systemspannung, 590 PS, Allradantrieb und -lenkung sind einige Eckdaten, welche diese Spielart des Porsche Taycans wohl zum Prestigeobjekt mit niedrigen Stückzahlen zu hohen Preisen macht.

Weitaus massentauglicher soll dagegen der Q4 e-tron sein, welcher 2021 als Elektro-SUV in Serie geht. Auf der MEB-Plattform (steht für Modularer Elektrifizierungs-Baukasten) aus dem VW-Konzern aufbauend – die übrigens auch als Basis für Limousinen und sportliche SUV dienen soll –, verfügt er über die gleiche Technik wie der VW ID.3 und alle zukünftigen Stromer von Skoda und Seat. Dank seinem platzsparenden E-Antrieb wird der Q4 e-tron gemäss Audi auf rund 4,70 Metern Länge die Aussenmasse des kleinen Q3 und mindestens gleich viel Platz wie der grössere Q5 bieten. Ein Novum bei der Quattro-Marke: In Serie gibt es den Q4 e-tron nur mit Heckantrieb, Allrad wird nur gegen Aufpreis angeboten.

Kürzeste Ladezeiten für Reichweiten über 500 Kilometern

Besonders stolz sind die Audi-Ingenieure aber auf ihre im Sportback-Layout gezeigte Studie, die ebenfalls auf der PPE-Plattform aufbaut. Auf ihr sollen zukünftig Audi e-trons in der Ober- und Luxusklasse vom Band rollen und mit der Systemleistung von 800 Volt kürzeste Ladezeiten und Reichweiten von über 500 Kilometern bieten. Erste solche Serienfahrzeuge stellt Audi für Anfang des neuen Jahrzehnts in Aussicht. Bis die vorgestellten E-Studien tatsächlich im Verkauf sind, steht Audi mit gleich vier neuen Plug-in-Hybridmodellen in den Startlöchern. Sie sollen in den kommenden Monaten die Zeit überbrücken, bis der Rückstand in der E-Technik wieder aufgeholt ist.



Interview mit Josef Schön, Audi-Unternehmensstrategie Nachhaltigkeit

«Elektromobilität steht erst am Anfang der Entwicklung»

Josef Schön, ist Elektromobilität die zukünftig nachhaltigste Mobilität?

«Aus heutiger Sicht ja, weil es derzeit die effizienteste Methode ist, erneuerbare Energien im Bereich der Automobilität nutzbar zu machen. Wichtig ist es nun, bei den Kunden die Akzeptanz und das Vertrauen für die e-Mobilität aufzubauen. Verglichen mit den Verbrennertechnologien steht Elektromobilität erst am Anfang der Entwicklung, sodass noch viele Optimierungserfolge zu erwarten sind. Wenn in Zukunft erneuerbare Energien in viel grösserem Massstab vorhanden sein werden, können weitere Technologien und Infrastrukturen sinnvoll werden.»

Welche Ziele verfolgt Audi in Sachen Nachhaltigkeit?

«Klimaneutralität für die individuelle Mobilität und natürlich weitere Nachhaltigkeitsaspekte wie Lärmemissionen oder Feinstaubreduzierung stehen derzeit an erster Stelle. Das klare Ziel unserer Produktion lautet: Bis 2025 sind alle Werke CO2-neutral. Audi rollt diese Strategie jetzt auf breiter Front aus. Was die CO2-neutrale Fertigung angeht, hat das Werk Brüssel die Vorreiterrolle inne – es arbeitet bereits seit dem Produktionsstart des Audi e-tron CO2-neutral. Als Instrumente dienen dort unter anderem die bereits 2012 erfolgte Umstellung auf grünen Strom oder die grösste Photovoltaik-Anlage der Region. Insgesamt spart das Werk durch erneuerbare Energien bis zu 40 000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr.»

Wie will Audi seine Nachhaltigkeits-Ziele und bis wann erreichen?

«Zu den Massnahmen gehören eine umfassende Elektrifizierung der Modellpallette. Bis 2025 wollen wir unsere CO2-Emissionen im Vergleich zu 2015 um 30 Prozente verringern. Das heisst, wir müssen den CO2-Ausstoss über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge reduzieren. Bis 2050 streben wir dann die vollständige bilanzielle CO2-Neutralität an. Wichtig ist uns eine Massnahmenhierarchie: zuerst und soweit wie möglich steht die Reduzierung und Vermeidung von CO2 an erster Stelle, danach folgt die Konvertierung weg von fossilen und hin zu erneuerbaren Energien. Und als Ultima Ratio erfolgen falls notwendig CO2-Kompensationsmassnahmen.»

In welchen Bereichen sehen Sie die grössten Chancen zur Zielerreichung?

«Wichtigster Hebel ist der Einsatz von erneuerbarem, elektrischem Strom aus Solar- und Windkraftanlagen in der Herstellung und vor allem im Betrieb der Fahrzeuge. Daher ist die Elektrifizierung unserer Flotte der Kern der Strategie und absolut erfolgsrelevant.» (tbo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jerôme am 11.10.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überteuert?

    es ist ja nicht so, dass BMW und Mercedes mehr Elektrofahrzeuge verkaufen. Der Rückgang muss also mit etwas anderem zu tun haben. Ich behaupte, dass dies mit den überteuerten Dienstleistungen der AMAG zu tun hat. Kommt hinzu, dass sich Audi jedes noch so kleine Extra vergolden lässt. Kartenupdate z.B. Weiter führt die Elektronik zu vielen Werkstattbesuchen.

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  • Typhoeus am 11.10.2019 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Audi ist nur eine Firma.

    Was machen alle Anderen? Den Markt mit Elektroautos fluten. Wo sind die Ladestationen und die benötigte Stromzufuhr überhaupt.

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  • Conny S am 11.10.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    VW = miese Qualität

    Der Rückgang wundert mich nicht, da der VW Konzern fast nur noch mangelhafte Qualität ausliefert. Defekte Getriebe, oelsaufende Motoren, gerissene Steuerketten etc. Auch ich werde mein nächstes Auto nicht mehr beim VW Konzern kaufen sondern einen BMW nehmen oder bei der asiatischen Konkurrenz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Island am 17.10.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Einordnung

    Immer mehr Länder weltweit bekennen sich dazu in Zukunft Autos mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Dänemark zog im Oktober 2018 nach und will ab 2030 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten. Somit geht man Hand in Hand mit London und den Niederlande. In Schottland soll das Verbrenner-Verbot ab 2032 greifen. Später wird es in Island, dort rechnet man ab 2040 mit einem solchen Verbot, gleiches gilt für Grossbritannien, wo das Verbot dann auch ausserhalb der Hauptstadt zum Tragen kommen soll. Japan beschliesst ab 2050 das Aus für den Verbrennungsmotor. ::::+++++++:::::

  • Martin Widmer am 17.10.2019 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Null Ahnung

    Systemleistung von 800V... da hat jemand Null Ahnung von der Materie.

  • Denk mal am 14.10.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    e-tron mit 2,6 t umweltfreundlich? nicht wirklich

    Wer meint, ein Auto mit 2,6 Tonnen Leergewicht sei umweltfreundlich, nur weil es elektrisch fährt, hat es irgendwie nicht ganz verstanden.

    • C. Dreamer am 16.10.2019 17:58 Report Diesen Beitrag melden

      Träumer wer dachte leichtgewichte

      E Mobilität bringt Tonnepanzer auf die Strassen und zwar bei allen Marken

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  • Bianchi am 14.10.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Formel 1

    Alle reden von e Antrieb, aber keiner macht richtig Dampf, kann überhaupt nicht, weil die Technologie noch hinterherhinkt. Die Autobauer sollten besser kleine und leichte Autos bauen, die kaum 1 Liter pro 100KM verbrauchen. Diese Technologie steht, siehe Formel 1.

  • A.Tommen am 14.10.2019 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die 180 AKWs in Europa

    Sind NIE genug für so viele Elektroautos !