Überwachung total

26. März 2019 10:40; Akt: 26.03.2019 10:41 Print

Big Brother greift bei Volvo im Notfall ein

von Thomas Borowski - Kameraüberwachung des Lenkers bis hin zum automatischen Notstopp und Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h: So will Volvo Autofahren sicherer machen.

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Mehrere Kameras sollen den «Zustand» der Volvo-Fahrer in Zukunft laufend überwachen. (Bild: Volvo)

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Stellen Sie sich vor: Zukünftig sorgt sich Ihr Auto um Ihre Sicherheit. Es fährt deshalb nur 100 Stundenkilometer schnell und bremst in 30er-Zonen automatisch ab. Zudem überwacht es Ihre Aufmerksamkeit mit Kameras und meldet Ihren Zustand an den Automobilhersteller. Stellt dieser fest, dass Sie sich zu wenig auf die Strasse und zu viel aufs Handy konzentrieren oder am Steuer gar unter Drogeneinfluss sitzen, warnt er Sie davor, so weiterzufahren. Resultiert aus der Warnung keine Besserung, leitet das Fahrzeug automatisch einen Notstopp ein und parkiert sich selbstständig am Strassenrand – natürlich mit aktiviertem Warnblinker.

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Geht Volvo mit seinen neuen Sicherheitsvorkehrungen zu weit?

Keine Fiktion sondern Wirklichkeit

Erinnern Sie solche Szenarien an Big Brother, der in George Orwells Roman «1984» als fiktiver Führer einer autoritären Partei über die Menschheit wacht? Dann sollten Sie schleunigst umdenken. Denn bei Volvo versteht man den neu ins Leben gerufenen «Grossen Bruder» als positiven und hilfsbereiten Charakter, der zukünftig mit allen genannten Mitteln versucht, möglichst viele Autounfälle zu verhindern, die mit Verletzungen oder gar dem Tod enden könnten.

«Wir wollen eine Diskussion darüber starten, ob Automobilhersteller das Recht oder vielleicht sogar die Pflicht haben, Technik in ihren Autos zu installieren, die das Verhalten der Fahrer verändert und Fehlverhalten wie zu schnelles Fahren, Drogenkonsum oder Ablenkungen verhindert. Wir haben noch keine endgültige Antwort auf diese Fragen», erklärte Volvo-CEO Håkan Samuelsson vergangene Woch am Hauptsitz in Göteborg.

Die Schwachstelle ist der Mensch

Einen ersten Beitrag zum Diskussionsanstoss liefern die Schweden mit dem Projekt E. V. A. (Equal Vehicles for All), der sofortigen Veröffentlichung von bisher unter Verschluss gehaltenen Unfalldaten. «Rund 40 Jahre haben wir über 75'000 reale Unfälle analysiert und deren Gründe und Auswirkungen erforscht. Dieses Wissen teilen wir nun mit der gesamten Autoindustrie, um die Unfallverhütung weltweit voranzubringen», sagt Volvo-Sicherheitsexpertin Lotta Jakobssen. Zukünftig will der Grosse Bruder aus Schweden also geschwisterlich teilen und so einen gewichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten. Denn wie die neusten Volvo-Unfallforschungen ergeben haben, liegt trotz umfangreichen aktiven und passiven Sicherheitssystemen immer noch viel im Argen. Überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol- und Drogeneinfluss sowie Ablenkung haben die Sicherheitsforscher von Volvo als gewichtige Unfallfaktoren eruiert. Ihr Fazit: Der Mensch am Steuer ist die Schwachstelle - und die soll nun mit entsprechenden Massnahmen kontrolliert werden.

Bei 180 km/h ist Schluss

Die unlängst angekündigte Limitierung aller neuen Volvo-Modelle auf 180 km/h wird ab 2020 ein erster Schritt in diese Richtung. Zeitgleich lancieren die Schweden als Weltpremiere den Care Key: Auf einem leuchtend-orangen Zündschlüssel kann der Fahrzeugbesitzer ein Tempolimit programmieren. Geht das Sicherheitsdenken des Autoherstellers zu weit?

Viel mehr Diskussionspotenzial birgt aber eine weitere Volvo-Ankündigung: das Driver Monitoring System. Demnach sollen in einigen Jahren alle Volvo-Cockpits mit einem Kamerasystem bestückt sein, welches den Fahrzeuglenker und seine Konzentration auf den Verkehr überwachen, ihn im Notfall mit Signalen warnen und in Extremsituationen sogar einen automatischen Notstopp des Fahrzeugs forcieren kann.

Die wohl krasseste Idee der neuen Volvo-Sicherheitskampagne ruft viele Fragen auf. Zeigt sich hier der Grosse Bruder nicht allzu besorgt? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Und wird die Privatsphäre der Fahrzeuglenker zukünftig in allen modernen Autos dermassen tangiert? Antworten erhoffen sich die Volvo-Verantwortlichen aus den nun bevorstehenden Debatten. Doch vom eingeschlagenen Weg wollen sie sich nicht mehr abbringen lassen. Die Stossrichtung macht Henrik Green, Senior Vice President für Forschung und Entwicklung, klar: «Wenn es um Sicherheit geht, wollen wir zukünftig lieber Unfälle vermeiden, statt ihre Folge zu reduzieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CarDriver am 26.03.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Notstopp

    Ja klar doch. Und plötzlich legt die Karre an völlig unpassender Stelle einen Notstopp ein und parkiert sich am Strassenrand an einem absolut ungeeigneten Standort. Direkte Folge: Massiver Verkehrsunfall! So weit darf es auf keinen Fall kommen, dass das Fahrzeug entscheidet wann und wo angehalten wird!

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  • Dany B. am 26.03.2019 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big Brother and family

    Schweden geht schon seit den 70er Jahren kontinuierlich und beharrlich zu weit. Politisch sind die Deutschlanoder der Schweiz 30 Jahre voraus. Die Leute sind faktisch entmündigt und unwiderrufbar geschädigt. Die Familien und die Schulen sind nur noch technisches Instrument für einen überfürsorglichen Beamtenapparat, welcher die Eigenverantwortung seiner Bürger ausradiert hat. Dass in diesem Umfeld etwas heranwächst, wie das totale Überwachungssystem in einem Auto ist ebenso nachvollziehbar, wie Strada Sicura ein reines Abzockersystem ist, für das die Statistiken systematisch verbogen werden.

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  • Maggi am 26.03.2019 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    ja logisch

    Volvo ist in chinesischer Hand, es grüsst Huawei und Co.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • China Kontrolle am 08.04.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deckmantel Sicherheit

    Man muss ja zum Glück einen Volvo kaufen. Unter dem Deckmänteli "Sicherheit" wollen diese die totale Überwachung. China lässt grüssen.

  • Pro Volvo am 28.03.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ideales Auto

    Sowas könnten wir hier in der Schweiz sehr gut gebrauchen...dann hört das sinnlose herumrasen bestimmter "Männer" relativ schnell auf.

  • Uhu am 28.03.2019 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adieu!

    Als langjähriger Volvo-Kunde werde ich mich von dieser Marke verabschieden. Ich lasse mich als Kunde von keinem Hersteller bevormunden. Ich brauche auch keine Zwangsbeglücker. Deshalb: Bye Bye Volvo.

  • jay jay am 28.03.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    kein volvo für mich

    entweder fährt das auto komplett selber oder ich fahre. das mir irgend ein computer dazwischen funkt kommt nicht in frage. mich haben die tiguan schon aufgeregt mit "mühdigkeit erkannt" ping.

  • F. Ahrer am 28.03.2019 02:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will kein Auto das am Internet hängt

    Da bedanke ich mich, das ist mir zuviel Fremdüberwachung. Ich will kein Auto das automatisch übers Internet kommuniziert und laufend Daten austauscht oder gar fremdgesteuert werden kann.