8. Generation Golf

24. Oktober 2019 22:20; Akt: 24.10.2019 22:22 Print

Der VW Golf wills noch einmal allen zeigen

von Thomas Geiger - Kein Auto aus Deutschland ist so wichtig wie der VW Golf. Nun startet der deutsche (Alt-)Meister erneut zur Titelverteidigung durch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

35 Millionen in 45 Jahren und sieben Generationen – kein Auto ist bei VW und wahrscheinlich kein anderes aus Deutschland ist so wichtig wie der VW Golf. Entsprechend gross ist die Aufmerksamkeit, wenn die Niedersachsen das Tuch von der Nummer Acht ziehen. Nachdem er auf der IAA seinem elektrischen Enkel ID.3 den Vortritt lassen musste, ist es endlich soweit und der deutsche Meister startet zur Titelverteidigung durch. Gerade eben wurde in Golfsburg Wolfsburg die grosse Weltpremiere gefeiert und schon im Dezember soll der Dauerbrenner zu Preisen knapp unter 20'000 Euro in den Handel kommen.

Der ID.3 könnte den Golf beerben

Allerdings startet der Golf diesmal in einer schweren Zeit. Nicht nur, dass VW ihm mit dem ID.3 schon mal die Zukunft an die Fersen geheftet hat und so zum internen Wettstreit zwischen alter und neuer Welt aufruft, schlimmer noch: Bis die elektrische Revolution so richtig an Fahrt gewinnt, graben ihm auch noch die immer zahlreicheren SUV das Wasser ab. So wird der «Millionseller» zu einem Altmeister auf Abruf, für den alle schon – so hart das jetzt auch klingen mag – bereits bei der Neuvorstellung einen Nachruf schreiben.

Aber Halt, Stopp, Moment – ruft es da aus Wolfsburg und die VW-Manager rücken das Weltbild wieder ein bisschen zurecht. Denn auch wenn man es ihm – wie eigentlich nie bei einem derart klassenlosen und deshalb eher konservativen Auto, das den breiten Massengeschmack treffen muss und sich deshalb kein Risiko leisten kann – von aussen kaum ansieht und die Form genau wie das Format nur mässig modifiziert wurden, macht der neue Golf einen riesigen Sprung: Maximale Vernetzung und die weitgehende Digitalisierung des Innenraums machen ihn auch im historischen Kontext zum modernsten Vertreter in der langen Ahnenreihe.

Überall nur noch sensitive Oberflächen

Das erschliesst sich auf Anhieb bei der ersten Sitzprobe. Denn die analogen Anzeigen hinter dem Lenkrad sind einem grossen Display gewichen, das ähnlich wie beim Touareg am anderen Ende der Modellpalette mit einem noch grösseren Touchscreen daneben verschmilzt. Dazu gibt es eine pfiffige Sensorleiste unter dem Bildschirm und statt der üblichen Taster und Schalter fast überall nur noch sensitive Oberflächen. Selbst das Licht aktiviert man nun mit einem Fingerzeig und zumindest bei den DSG-Varianten verkommt der Gangwahlhebel zu einem winzigen Schaltstummel.

Wie es sich für den Geist der neuen Zeit gehört, ist der Golf dabei permanent online und vernetzt sich nicht nur mit dem World Wide Web und dem Smartphone, das auf Wunsch auch als Schlüssel fungiert, sondern zum ersten Mal haben die Niedersachsen den Sprachassistenten Alexa integriert, sie bieten Updates «over the air» an und vor allem setzen sie ebenfalls erstmals im grossen Stil auf Car-To-X-Kommunikation. Dabei verbindet sich der Golf automatisch mit seiner unmittelbaren Umgebung und macht sich so zum Beispiel die Sensoren der vorausfahrenden Autos für einen Art Frühwarnsystem zu eigen.

Für Elektro gibt kaum einer so viel Geld aus

Die Idee gibt es schon lange, aber umgesetzt hat das mangels Masse noch keiner, weil es bislang weder einen Industriestandard noch ausreichend grosse Flotten gibt. Doch bei dem noch immer rekordverdächtig hohen Golf-Absatz ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich im Umfeld eines neuen Golfs bald ein weiterer Golf Acht finden wird, der dann zum Späher taugt.

Zwar predigt VW lauter als die Konkurrenz die Segnungen der Elektromobilität und als Konzern gibt dafür wohl keiner so viel Geld aus wie die Niedersachsen. Doch beweist die Premiere des Golf zugleich, dass sie in Wolfsburg die Verbrenner noch nicht zum Alteisen degradiert haben. Schliesslich sind stolze acht Motoren neu oder massgeblich weiterentwickelt worden und stossen deshalb nicht nur weniger Schadstoffe und Partikel aus, sondern haben zudem bis zu 17 Prozent Verbrauchsvorteil.

Natürlich wird es ein bisschen dauern, bis das ganze PS-Portfolio ausgerollt ist. Doch mittelfristig reicht die Palette von 90 bis 300 PS und es wird neben klassischen Benzinern vom Dreizylinder mit 1,0 Litern Hubraum bis zum 2,0-Liter-Vierzylinder und zwei 2,0-Liter-Dieseln mit 115 und 150 PS und dem neuen Twindosing-Verfahren im Kampf gegen die Stickoxide – natürlich alle mit Turbo und Direkteinspritzung – auch wieder eine Erdgas-Version, gleich drei Mild- und zwei Plugin-Hybriden geben. Die haben mit 13 kWh beide anderthalbmal so viel Akkuleistung, unterscheiden sich aber in der Performance und kommen deshalb mit 204 oder 245 PS. Nur die Elektro-Version ist mit Rücksicht auf den ID.3 aus dem Programm genommen worden.

«Wohl seine letzte grosse Reise»

Wird das reichen, um den Golf weiter auf dem Thron zu halten? Das könnte schwer werden, glaubt Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach: Denn für ihn vollführt VW mit der nahezu zeitgleichen Premiere von Golf und ID.3 einen diffizilen Spagat zwischen alter und neuer Automobilwelt. Das dürfte nicht ohne Konsequenzen bleiben, ist er überzeugt: «Während mit dem ID 3 gerade lautstark ein neues Zeitalter bei Volkswagen eingeleitet wurde, dürfte der «Dauerbrenner» Golf dagegen in dieser Form wohl auf seine letzte grosse Reise gehen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H.Elvetia am 25.10.2019 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhig Blut

    Keine Sorge, der fromme Schweizer wird auch dieses VAG-Produkt in Massen blind kaufen. Sieht bestimmt gut aus, neben Nachbars Seat und Schkoda.

    einklappen einklappen
  • Waas? VW ? Nein Danke ! am 25.10.2019 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Dann geh ich doch lieber zu Fuss,

    will doch nicht ausgelacht werden. Mit meinem letzten V-Weh den ich damals neu gekauft hatte war ich innerhalb 6 Mon. 7 mal in der Werkstatt wgen Reparaturen, neuer Turbo, DSG komplet ausgewechselt, Scheibenwischermotor ausgewechselt, Problem mit Dieseleinspr. u.s.w. Ich habe gedroht dass ich dies der Zeitung melden werde, aber dann bekam ich ein neues Auto, aber leider das gleiche, welches ich sofort verkauft habe. Nie wieder ein VW, gibt weitaus besseres für weniger Geld!!

    einklappen einklappen
  • Der Vorgänger am 25.10.2019 01:26 Report Diesen Beitrag melden

    Man nennt ihn eine Neuheit

    Und was ist eigentlich die Neuheit gegenüber dem Vorgänger? Und was genau ist die Neuheit vom Vorgänger gegenüber dem Vor-Vorgänger? Und was genau ist die Neuheit vom Vor-Vorgänger gegenüber dem Vor-Vor-Vorgänger?... Schwierig, jeweils eine auszumachen, sehen alle gleich (langweilig) aus...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • susi, die ECHTE am 26.10.2019 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    langweilig

    Geht's nur mir so, oder ist dieser Golf tatsächlich noch langweiliger als sein Vorgänger?

    • Seimen am 26.10.2019 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      @susi, die ECHTE

      Genau gleich langweilig. Weil die Golfs sehen seit geschätzten 30 Jahren immer gleich aus.

    • Wörni am 01.11.2019 03:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @susi, die ECHTE

      Ein zuverlässiges Auto seit Jahrzehnten. Sieht dich gut aus, was soll dieses ewige Kritisieren.

    • Wörni am 01.11.2019 03:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seimen

      Diese Behauptung ist falsch. Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache. Tolles und zuverlässiges Auto.

    • Anonymduhund am 06.11.2019 08:03 Report Diesen Beitrag melden

      Bobs

      Wer findet der Golf sieht seit 30 Jahren gleich aus kann nur ein Autist sein.

    einklappen einklappen
  • Fritzli am 26.10.2019 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    big brother is watching you

    Nicht nur Google (oder Apple) überwacht den Besitzer, VW auch bald!

  • Damian am 26.10.2019 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Augen auf!

    Als ich heute von Lugano nach Locarno fuhr zählte ich spaßeshalber die Auto Marken und kam zum Resultat das jedes 4 Auto zum VW Konzern gehörte. Ich frage mich also wen ich das hier so lese Werte Kommentatoren auf welchen Planeten Lebt Ihr?

    • Roger am 26.10.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Damian

      Das sind immer die gleichen Verbrenner-Basher, denen geht es nicht um VW sondern sie möchten allen Lesern die Verbrenner madig machen, es sind immer die gleichen sinnlosen Kommentare, egal ob bei VW- oder sonstigen Berichten in denen es nicht um e-Mobile geht.

    • Desillusion am 26.10.2019 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Roger

      Ich vermute, bei VW kommen viele Negativ-Kommentare vor Allem wegen des Betrug-Skandals, welcher wohl einmalig dreist war...

    einklappen einklappen
  • Pascual3 am 26.10.2019 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E Golf würde nich interessieren.

    E Golf wäre mein Favoriten der mindestens 500 Kilometer fährt,jetzt bekommen ich dann wieder 50 Daumen nach unten

    • BmWD am 26.10.2019 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pascual3

      ich gib dir jetzt mal den Daumen nach oben damit das gewissen nicht zu stark belastet wird ;) aber würde ich nicht mal Geschenkt nutzen

    • Peter Enis am 31.10.2019 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pascual3

      Ist dies nicht der E-Golf? Aus den billigen Auspuffblenden kommt jedenfalls kein mL Abgas.

    einklappen einklappen
  • Achim K. am 26.10.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    deutsche Autos waren schon schöner

    puh, nochmal Glück gehabt, bei dem 8er bleibt zum Glück optisch noch Luft nach oben für den 9er