Zukunftsstrategie

02. Juli 2019 10:20; Akt: 02.07.2019 10:20 Print

BMW elektrisiert die «Freude am Fahren»

von Dave Schneider - Der Wandel vom Autohersteller zum Tech-Konzern sei vollzogen – sagt BMW. Und setzt vorwiegend auf batterieelektrische Fahrzeuge.

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Es wird viel darüber diskutiert, wie der Strassenverkehr von übermorgen aussehen könnte. Der Konsens der Autobranche lautet: Wir werden elektrisch fahren, autonom chauffiert werden und die Fahrzeuge nicht mehr besitzen, sondern in einer Art Abo-Service bei Bedarf nutzen. Doch wie sieht der motorisierte Individualverkehr in den kommenden Jahren aus? Die Autohersteller befinden sich derzeit in einem gewaltigen Spannungsfeld: Hier die Erwartung der Investoren und Aktionäre, möglichst hohe Gewinne zu erzielen; da der politische Druck, die immer schärferen Richtlinien betreffend CO2-Ausstoss einzuhalten.

Das alles eingehüllt in die Forderungen der Gesellschaft nach Elektrofahrzeugen und dem diametral davon abweichenden Kaufverhalten der Kunden. In diesem Umfeld für die nächsten Jahre strategisch zu planen, ist keine leichte Aufgabe. Die BMW Group mit ihren Marken BMW, Mini, Rolls-Royce und BMW Motorrad, gab nun unter dem Titel «NextGen» Ein- und Ausblicke, wie sich der bayerische Konzern für die kommenden Jahre ausrichten wird.

Über 50% elektrisch bis 2023

Das vorherrschende Thema dabei ist die Elektromobilität. Noch in diesem Jahr will BMW die Marke von einer halben Million verkauften Fahrzeuge mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb überschreiten. Danach soll es munter vorangehen: «Bis 2021 werden wir den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge gegenüber 2019 verdoppeln», kündigt BMW-Chef Harald Krüger an. «2023 werden wir 25 elektrifizierte Fahrzeuge anbieten, zwei Jahre früher als geplant».

Mehr als die Hälfte davon werde rein elektrisch angetrieben sein. Und Krüger rechnet mit einer steilen Wachstumskurve: «Bis 2025 soll der Absatz unserer elektrifizierten Fahrzeuge Jahr für Jahr um durchschnittlich über 30 Prozent steigen.» Bereits in zwei Jahren wird das Portfolio der Bayern fünf rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge umfassen: Neben dem schon länger erhältlichen i3 läuft noch in diesem Jahr die Produktion des elektrischen Mini an, 2020 und 2021 folgen der iX3, der iNext und der i4.

Plug-in-Hybride als Übergang

Modellreihen mit Verbrennungsmotor werden nach und nach elektrifiziert. «Plug-in-Hybride werden dabei immer wichtiger», sagt Vertriebsvorstand Pieter Nota. Bereits im März hat BMW auf dem Genfer Salon die überarbeiteten Plug-in-Hybrid-Varianten von 3er- und 7er-Reihe sowie der SUV-Modelle X3 und X5 vorgestellt, die über eine leistungsstärkere Batterie und damit über eine grössere elektrische Reichweite verfügen.

Noch in diesem Sommer werden auch der 5er und der 2er Active Tourer mit der neuesten Plug-in-Technologie ausgestattet, nächstes Jahr folgen der X1 und der 3er Touring. Dass BMW aber zumindest mittelfristig weiterhin auch unvernünftige Modelle anbieten will, zeigen zwei Weltpremieren: Der 8er, ein hochpotentes Oberklasse-Sportcoupé, erhält mit dem Gran Coupé eine gestreckte, viertürige Variante – und mit dem bis 625 PS leistenden M8 eine testosteronstrotzende Topvariante obendrauf.

Das mutet schizophren an. Doch genau in diesem Zwiespalt befindet sich BMW, schliesslich ist die Marke bekannt für die «Freude am Fahren» – da passen die Visionen von autonom fahrenden Elektro-Shuttles nicht ins Bild. Die Bayern behelfen sich mit einem Trick, indem sie die Mobilität von übermorgen in die Begriffe «Ease & Boost» aufteilen. «Ease» umschreibt dabei das autonome Fahren, bei dem sich die Passagiere entspannt zurücklehnen und etwas anderes erledigen können. «Boost» steht für die Fahrfreude aktiv hinter dem Lenkrad. Diese beiden Bereiche illustriert der Hersteller mit den Studien Vision iNext und Vision M Next. «Die meisten unserer künftigen Fahrzeuge werden aber beide Bereiche beherrschen», verspricht Vertriebsvorstand Nota.

Entwicklung in viele Richtungen

Während der bereits letztes Jahr vorgestellte Vision iNext mit einem lounge-ähnlichen Innenraum, mit visionärer digitaler Ausstattung und intelligenten Materialien das entspannte Gefahrenwerden zelebriert, soll der Vision M Next die fahrdynamische Zukunft von BMW darstellen. «Er ist ein Hybrid-Sportwagen, der in seinem Auftreten ein sehr klares und selbstbewusstes Statement setzt», sagt Domagoj Dukec, Leiter Design bei BMW. Der Antrieb übernimmt eine Kombination aus einem Vierzylinder-Turbobenziner hinter den Sitzen, der den M Next über die Hinterräder antreibt, sowie zwei Elektromotoren, die den Supersportwagen auf Wunsch bis zu 100 Kilometer rein elektrisch oder dann im kombinierten Modus mit 600 PS über alle vier Räder antreiben.

BMW positioniert sich also auf mehreren Gleisen, entwickelt in unterschiedliche Richtungen, stets mit einem Ziel vor Augen: Das Autofahren soll lokal emissionsfrei werden. «Wir sehen die batterieelektrischen Fahrzeuge als Weg dahin, zumindest für die kommenden Jahre, bis ungefähr 2030», sagt Vertriebsvorstand Pieter Nota. Zu diesem Zeitpunkt könne sich auch die Brennstoffzelle durchsetzen. «Wir entwickeln auch in diese Richtung, sind dazu unlängst Kooperationen eingegangen, etwa mit Toyota». Der Wasserstoffantrieb sei besonders für grössere Fahrzeuge eine wichtige Technologie. «Dazu können wir aber noch keinen Zeitplan nennen».

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürger am 02.07.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Ich glaube das wird bei den Trainerhosen Kunden nicht gut ankommen. Wieso macht man keine schwebende Autos ? Ist doch peinlich ein Auto auf Räder mit Raumschiff Karosserie

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  • E-Guhru am 02.07.2019 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dubiose Firma

    Die Firma ist ja irgendwie total Schizophren. Einerseits E-Boliden an Reiche Verkaufen und andererseits übermotorisierte Benzin- und Diesellärmer an die Trainerhosenfraktion verklickern.

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  • _Sunpower_ am 02.07.2019 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Aussage von einem Feuerwehrmann:

    Als langjähriger Feuerwehrmann habe ich schon viele Brände gesehn, aber wer schon mal dabei war beim löschen eines E-Autos, wird nie in seinem Leben ein E-Auto fahren. Übelste Verbrennungen und Todesfälle sind bei diesen gefährlichen E-Mobilen keine Seltenheit. Warum E-Mobil fahren solange es noch anderes gibt, und umweltfreundlich sind diese Stromer schon mal gar nicht, informiert euch bitte bei Leuten die wirklich was davon verstehn!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dorian am 08.07.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig falsch!

    BMW hat die Orientierung komplett verloren - und den Anschluss sowieso. Schade eigentlich. Vor 20 Jahren waren das gute Autos. Heute muss ich mir eine Billig-Trainingshose kaufen, um damit rumfahren zu dürfen. Und wo bleibt die Innovation? Null Entwicklung über mehr als 10 Jahre, PS-Bolzerei als Potenzmittel, Manipulation und Kundenvera...ung. Diese Marke hat alles falsch gemacht in den letzten Jahren. Das aber richtig.

  • Bürger am 07.07.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Zukunft

    Wer will schon in Zukunft überhaupt noch das Steuer abgeben ich denke 95 % alle Menschen wollen weiterhin selber fahren wollen, ich denke ein Autonomes Fahrzeug wir garantiert nicht soviel kosten wie ein Dacia ich glaube das dies nur heisse Luft ist, die Mehrheit der Bürger haben in Zukunft immer mehr Mühe ihre Rechnungen zu zahlen und dann kommt so ein Visionär und predigt den Verkehr von morgen, mit immer ärmeren Menschen, nur der Volks Tesla Modell 3 ist schon unbezahlbar

  • Realist am 04.07.2019 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marketing-Witz

    Die Freude am Fahren ist aber leider schon vor Jahren verloren gegangen. Da nützt auch ein neues e oder i vor der Modellbezeichnung nichts mehr.

  • Alfred A. am 04.07.2019 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Wort zu Bild 3

    Die, die einsteigen können, können sich das Auto nicht leisten und die die sich das Auto leisten können, können nicht einsteigen.

  • P.Miller am 04.07.2019 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte kein Super-Sportwagen...

    Typisch. E-Supersportwagen. Warum in aller Welt schnelle E- oder Hybrid-Wagen?? Besser wäre mit dieser Technik eher Familien-Wagen zu bauen. iNext sieht zwar super aus, aber sicher auch Super-Unbezahlbar, da er 85'000.- oder mehr kosten wird. Solche schnelle Concept-Autos braucht niemand. Es muss nicht nur sparsam sein, sondern auch Familienfreundlich. Sowohl für Kinder, Hunde und Schwiegereltern/eigene Eltern. Da reichen in der CH 130 km/h völlig aus, allenfalls für Ausland ein wenig mehr.