Autojahr 2019

29. Dezember 2019 12:00; Akt: 29.12.2019 11:33 Print

Elektro süss-sauer und Ärger im Digital-Cockpit

von Georg Kacher - Der Tod des früheren Volkswagen-Chefs Ferdinand Piëch und ein anhaltender Elektroboom prägten das Autojahr 2019 – doch da war noch einiges mehr.

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Siegeszug von Hyundai/Kia

Die Koreaner sind nicht ganz so schnell wie die Chinesen und nicht ganz so gründlich wie die Japaner, doch die nach europäischem Muster entwickelten Produkte kommen an. Hyundai und Kia arbeiten flexibel und günstig, setzen Trends rasch um und forcieren gemeinsam mit Toyota & Co. und staatlicher Schützenhilfe die Wasserstoff-Infrastruktur. Die Modelle dazu stehen nicht mehr im Designstudio, sondern beim Händler. Hübsch eingekleidet, ordentlich verarbeitet, absolut bezahlbar und mit langer Garantie.

Elektro süss-sauer

China soll elektrisch fahren. Doch der Elektroauto-Absatz stockt, denn die staatliche Förderung läuft aus, und wer es sich leisten kann, kauft Image aus Europa. Nur bei den Billigautos, die mit E-Antrieb schon ab 6000 Euro zu haben sind, brauchen die Asiaten keine Konkurrenz zu fürchten. Kein Wunder, dass Dacia demnächst auch in Europa einen Stromer «Made in China» für knapp 10'000 Euro anbieten will. Mini und Smart werden folgen. No-Name-Marken wie Zotye nehmen lieber die USA ins Visier, wo chinesische Start-ups wie Byton, Faraday Future und Karma bislang aber nur mühsam in die Gänge kommen.

Ära der Allianzen

Bei Mercedes steht nach Geely jetzt mit der BAIC schon
der zweite chinesische Aktionär vor der Tür. BMW kooperiert mit
Great Wall und Brillance, aber auch mit Toyota und Jaguar Land Rover. Nur der Deal mit Daimler will einfach nicht zustande kommen. VW hat sich mit Ford und Argo (autonomes Fahren) zusammengetan, sucht aber noch einen Partner im Kleinwagensegment. Auch wenn jetzt PSA und Fiat Chrysler gemeinsame Sache machen, ist die Alfa-Maserati-Hängepartie keineswegs beendet. Nur General Motors, Hyundai/Kia und Toyota wollen unabhängig bleiben, komme, was wolle.

Premium am Scheideweg

Der untrügliche Frühindikator heisst Wertverlust. BMW-Hybride sind nur mit hohem Nachlass zu verkaufen, grosse Audi-Diesel stehen wie Blei beim Händler, Mercedes kämpft selbst bei Nischenmodellen mit der Nachfrage-Flaute. Stimmt: Die Stromer Audi e-tron, Jaguar i-Pace und Mercedes-Benz EQC haben ihre Fans, aber die XE- und XF-Typen der Briten, der Audi A8 und der Mercedes CLS sind Ladenhüter. Warum? Weil Premium nicht mehr nur Bling und Prestige sein darf, sondern auch soziale Akzeptanz. Ganz abgesehen davon, dass die immer komplexere Bedienung den Nutzer auf die Digital-Palme treibt.

Herr der Wolfsburg

Herbert Diess will unseren Planeten retten und gleichzeitig VW zu einem der profitabelsten Unternehmen der Welt machen, mit einer Marktkapitalisierung von zunächst 200 Milliarden Euro. Deshalb setzt der Chef alles auf die Elektrokarte. Premiummarken pflegen? Nur wenn die Zahlen stimmen. Wasserstoff? Im Auge behalten, aber nicht forcieren. Eigenes Betriebssystem? Ehrensache. Eigene Zellfertigung, Systemführerschaft auch bei Feststoffbatterien? Da leuchten des Meisters Augen.

Fridays for Miteinander

Auf Europas Strassen herrscht Krieg, doch die Aggressoren sitzen nicht immer am Steuer PS-starker SUVs. Kaum besser sind Kampfradler, die sich rücksichtslos ihren Weg bahnen. Oder Schulmeister, die in der 80er-Zone mit Tempo 79 die linke Spur versiegeln. Ebenso Zweite-Reihe-Kurzparker, die mitten im Berufsverkehr mal eben Zigaretten holen, ganz zu schweigen von den Hilfssheriffs mit ihren Dashcams, mit Gott und der Welt verfeindeten Rechthabern sowie Dränglern, Ausbremsern und Wegblinkern. Muss das sein? Sicher nicht. Ab sofort gilt: gleiten statt hetzen!

Killerkriterien

Zylinderzahl, Hubraum, Leistung, Schaltgetriebe – das war gestern. Allein das Drehmoment eint die alte und die neue Autowelt, wobei es nur im E-Mobil ansatzlos zur Verfügung steht.
Was mit dem CO2-Fussabdruck verloren geht, sind der Sound und ein gutes Stück Emotion. Beschleunigung ist unter Stromern
bald kein Thema mehr, und auch der Status der Höchstgeschwindigkeit wankt, denn schnell bewegte E-Autos müssen öfter nachladen. Differenziert wird künftig verstärkt über Reichweite, Ladezeit, Wiederholbarkeit und Kosten.

Gewinner und Verlierer

Was kommt nach dem SUV? Noch mehr SUV. Und zwar in allen Spielarten vom Crossover-Cabrio bis zum drei Tonnen schweren Elektro-Pick-up, vom Verbrenner bis zur Brennstoffzelle, vom Stadtfloh bis zum Eiger-Nordwand-Stürmer. Auf der Verliererstrasse reihen sich preisgünstige Sportwagen an kompakte Coupés und Roadster. Billige Kleinwagen sind stark gefährdet, denn die teure Abgasreinigung drückt auf die Margen. Total aus der Mode gekommen ist das klassische Stufenheck.

Autonom unterwegs

Zumindest im Stossverkehr wird schon jetzt überwiegend autonom gefahren. Nicht nur per Stop-and-go-Abstandshal- ter samt Lenkeingriff, sondern auch durch die geteilte Aufmerksamkeit zwischen Handy und Strasse. Wozu es
die Sprachbedienung gibt? Für den Anruf ins Büro, aber doch nicht für private Chats mit Fotos und Emojis. Sobald das Fahrzeug steht, kann man sogar einen Film ansehen – illegale Freischaltung vorausgesetzt. Der Fahrstil der Autonomen ähnelt den Promillesündern: Schlangenlinien gepaart mit ruckartigem Tempowechsel.

Marke und Design

Bei Carsharing und Kurzzeitmiete gehts rein ums Geld. Doch sobald Leasing oder Kauf ins Spiel kommen, gelten andere Prioritäten. Zum Beispiel die Kernwerte der Marke
als wichtige Richtgrösse für Image und Prestige. Weil das Design die Marke prägt, sitzen Formgeber und Marketingprofis automatisch an den längsten Hebeln. Der goldene Schnitt zwischen Ästhetik und Funktion schafft die gewünschte Aussenwirkung und die entsprechenden Produkteigenschaften. Weil Polarisierung der erste Schritt zur Ablehnung durch die Kunden ist, sollten sich die Designer ihrer Sache freilich absolut sicher sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lachender St.Galler am 29.12.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Produktionsanlage für Wasserstoff

    SAK und Osterwalder St.Gallen produzieren Wasserstoff mit Wasserkraft. Am St.Galler Standort Kubel, wo die SAK ein Wasser- und Speicherkraftwerk betreibt, ist der Bau einer Produktionsanlage für Wasserstoff geplant. Mit diesem wollen die Firmen in der Ostschweiz Wasserstofftankstellen beliefern. Neben der angekündigten Zapfsäule in St.Gallen sind schon weitere in Frauenfeld und Chur geplant. Wer also schlau ist wartet noch paar Monate ab mit dem Autoneukauf, dann bekommt er nämlich das Beste, ohne riesigen Wertverlust beim späteren Wiederverkauf.

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  • Dato am 29.12.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserstoff

    Die Koreaner waren noch nie meine Lieblinge, aber sie scheinen tatsächlich clever genug zu sein, auf die richtige Technologie zu setzen. Wasserstoff sollte auch in Europa vermehrt Unterstützung finden, weil diese Antriebsart klar die bessere Zukunftslösung darstellt als reine Elektroautos.

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  • Derdok Dio am 29.12.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Soll doch jeder wie er will, hat für beide Platz auf der Strasse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Umdenker am 13.01.2020 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    quo vadis Wasserstoff...

    Im DEZEMBER 2019 wurden in der Schweiz KEINE Hyundai Nexo und keine Toyota Mirai (beide Wasserstoff) verkauft. IM GANZEN JAHR = Toyota Mirai 9 Stk. und Hyundai Nexo 16 Stk.

  • Sunpower am 04.01.2020 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Einordnung

    Immer mehr Länder weltweit bekennen sich dazu in Zukunft Autos mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Dänemark zog im Oktober 2018 nach und will ab 2030 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten. Somit geht man Hand in Hand mit London und den Niederlande. In Schottland soll das Verbrenner-Verbot ab 2032 greifen. Später wird es in Island, dort rechnet man ab 2040 mit einem solchen Verbot, gleiches gilt für Grossbritannien, wo das Verbot dann auch ausserhalb der Hauptstadt zum Tragen kommen soll. Japan beschliesst ab 2050 das Aus für den Verbrennungsmotor. /-

  • succus am 03.01.2020 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Info: Interview

    Interview mit Josef Schön, Audi-Unternehmensstrategie Nachhaltigkeit: Josef Schön, ist Elektromobilität die zukünftig nachhaltigste Mobilität? «Aus heutiger Sicht ja, weil es derzeit die effizienteste Methode ist, erneuerbare Energien im Bereich der Automobilität nutzbar zu machen".. ..

  • Bis Jahr 2025 können wir noch problemlos am 01.01.2020 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Autos mit Verbrennermotoren fahren,

    also noch 5 Jahre. Bis dann wird sich einiges in der Entwicklung von E-Autos verbessern. Die Batterien werden kleiner und leichter, und die Km-Leistung auch drastisch verlängert, auch wird man innert paar wenigen Min. die leere Batterie volladen können. Der Umwelt zuliebe sollten wir die bereits produzierten Autos noch bis dahin behalten, und nicht entsorgen, oder ins Ausland verschleudern wo diese dann 20 Jahre lang weitergefahren werden. Fallt nicht auf billige PR-Aktionen hier herein, die wollen nur euer Geld, was mit der Umwelt passiert interessiert keinen von denen. Ob ihr mir glauben wollt, bleibt euch selbst überlassen.

    • Bürger am 01.01.2020 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Verbrauch der E - Motoren hinterfragen

      Hat mal jemand nachgefragt ob man die E-Motoren dessen Stromverbrauch sinken müsse ? denn aktuell Verbraucht ein E Motor 15 -25 KW / 100 km geht das nicht mit 2 KW / 100 Km ? und welche Batterietechnik wird angeboten ? wieder eine art auf Lithium Basis ? Auch E-Motoren müssen deutlich weniger verbrauchen wird sich aber Negativ auf das Drehmoment auslaufen weniger Strom, weniger starkes Magnetfeld ( Teslas ) = weniger Drehmoment. Der Verbrenner gehört die Zukunft kein E-Auto nur der Treibstoff wird sich ändern müssen

    • Der Umdenker am 10.01.2020 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Bürger

      Ich bin zwar wie die alte Fasnacht was die Antwort betrifft. Aber 15-25 kWh (das h nicht vergessen!) sind 1,5 - 2,5 Liter Treibstoff. Selbst das grösste Model von Tesla benötigt auf ebener Strecke bei 120km/h Autobahn-Geschwindigkeit um die 2 Liter. 2kW würde ja 0,2 Liter auf 100km entsprechen. Tesla gehört zu den effizientesten Fahrzeugen auf dem Markt, zumindest das Model 3 mit Heckantrieb. Es ist ja heute möglich, mit einem E-Fahrzeug auf einen Berg zu fahren und wenn man wieder unten ist, ist mehr Energie in der Batterie, als beim Start der Bergfahrt. Hat SRF mit dem Opel Ampera vorgeführt

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  • Sono am 01.01.2020 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solarcar Startup

    +++ Startups wie SonoMotors sind essentiell für den deutschen Automobilstandort und vorbildlich in vielen Aspekten: Kundenorientierung Innovationen Unternehmergeist Werteversprechen Transparenz + 255 km Reichweite (WLTP) + Solarintegration bis zu 34 km/Tag  + Integrierte Sharing App + Bidirektionales Laden + Schnellladung (50 kW) + 25.500 inkl. Batterie + Anhängerkupplung +++;::::::::::