Car of the Week

21. September 2018 12:11; Akt: 21.09.2018 12:13 Print

Futurismus wagen

von Michael Köckritz - Die Zeiten sind nicht einfach für Automobilhersteller: Schnell soll es mit der E-Mobilität gehen. Mit dem EQC hat Mercedes nun sein erstes Elektroauto für die Grossserie präsentiert.

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Auf den ersten Blick sieht die Revolution nicht besonders ungewöhnlich aus. Steht man vor dem Mercedes EQC, könnte er so auch als der GLC aus der Garage des Nachbarn durchgehen. Und man ist ein ganz klein wenig enttäuscht, dass die modernste Mercedes-Generation vollelektrischer Autos nicht mehr Futurismus riskiert. Zumal der weltweite Erfolg des Toyota Prius zum Teil auch daran lag, dass er sich auch optisch von den anderen Modellen abhob. Und Teslas globaler Image-Vorsprung liegt sicherlich nicht im überlegenen Produktionsprozess von EVs begründet, sondern darin, dass man das Fahrzeug als Schritt in ein modernes Zeitalter erkennt.

Mercedes betritt das neue Zeitalter nun mit dem EQC, dem ersten Modell der Stuttgarter Untermarke EQ, die in Zukunft für die E-Fahrzeuge des Konzerns verantwortlich ist. EQ steht laut Daimler-Chef Dieter Zetsche für «Electric Intelligence» und soll die Markenwerte Emotion und Intelligenz zusammenführen.

Der EQC basiert auf dem EQ Concept, der schon vor zwei Jahren vorgestellt wurde. Batterietechnologie und Antriebssysteme des Serienmodells sind auf dem neuesten Stand der Technik, Reichweite und Alltagstauglichkeit dramatisch verbessert. In dieser Hinsicht könnte man den EQC als Avantgarde bezeichnen.

Baut auf der bewährten Plattform des GLC auf

Das Mercedes-Designteam um Gorden Wagener hingegen ging mit der Umsetzung von GLC auf EQC recht vorsichtig um. Die Seitenlinie ist gestreckter, der Wagen länger und das Profil fällt nach hinten stärker ab. Die Front hat einen stark mit Chromelementen akzentuierten Grill mit schwarz grundierten LED-Scheinwerfern. Eine Lichtleiste grenzt den oberen Rand des (eigentlich vollkommen unnötigen) Grills ab.

Dass der Stuttgarter Pionier trotz der hehren Ziele so alltäglich daherkommt, hat jedoch gute Gründe. Die Plattform des Mercedes GLC hat sich ausreichend bewährt, die Produktionsabläufe sind erprobt und frei von den lästigen Problemen, die bei einem neuen Modell auftreten. All das hat den Vorteil einer effektiv schnelleren Realisierung und einer reibungslosen Integration.

Und der baldige Start der Serienproduktion ist notwendig. So wird erwartet, dass China, einer der Hauptmärkte von Mercedes-Benz, in zehn Jahren ein Verbot von Verbrennungsmotoren einführen wird. Norwegen will schon 2025 soweit sein, die restlichen europäischen Länder folgen. Und Kalifornien, immer noch der ökologische und ökonomische Vorreiterstaat in den USA, hat diese Woche verlauten lassen, dass Emissionsgesetze und Flottenverbrauch demnächst verschärft werden.

Hilft Schwellenängste potenzieller Käufer zu überwinden

Um diese Märkte nicht zu verlieren, beeilen sich Automobilhersteller weltweit, so schnell wie möglich rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Während die Designer und Konstrukteure von Mercedes intensiv an einem zukünftigen EQ-Modell arbeiten, das die Vorteile des elektrischen Antriebs konsequenter umsetzt, wird der EQC schon mal technologische Türen öffnen und – wichtiger! – Schwellenängste potenzieller Käuferschichten überwinden helfen.

Das macht er ganz prima. Zwei Elektromotoren, jeweils einer an der Vorder- und an der Hinterachse, wirken als elektrischer Vierradantrieb und produzieren 300 kW (408 PS), sowie 765 Newton, was für eine Beschleunigung von 5,1 Sekunden bis Hundert reicht. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h abgeriegelt. Die Reichweite der 80-kWh-Lithium-Ionen Batterien der Daimler-Tochter Deutsche Accumotive liegt bei 450 Kilometern im neuen WLTP-Zyklus, nicht schlecht für ein SUV mit einem Leergewicht von zweieinhalb Tonnen, von denen 650 Kilogramm auf Kosten der Batterien gehen, die im Boden des Fahrzeugs untergebracht sind.

Rund 400 Schnellladestationen von Ionity, dem Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Daimler, Ford und Volkswagen, werden bis 2020 dafür sorgen, dass sich auch der letzte Rest von Reichweitenangst legt. Die Ladezeit des EQC bei einem CCS (Combined Charging System) mit einer maximalen Ladeleistung von 110 kW beträgt laut Mercedes nur 40 Minuten, um den Akku von 10 auf 80 Prozent zu laden. Das Bezahlen der Kilowattstunden läuft dabei über die «Mercedes me Charge»-App, mit der sich auch Ladestationen finden lassen.

«Behutsame» Weiterentwicklung

Okay, das Innere des EQC raubt nicht unbedingt den Atem, aber dafür wird die behutsame Weiterentwicklung des GLC-Cockpits die konservative Mercedes-Kundschaft auch nicht verschrecken. Neu beim Elektro-SUV ist die deutlich verbesserte MBUX-Version, das lernfähige AI-Multimediasystem von Mercedes, mit einem Display, das über Reichweite, Ladezustand der Batterien und Energiefluss informiert. Ein Vorteil des Elektro-Antriebs spiegelt sich jedoch auch im Interieur wider: Die sich verjüngende Mittelkonsole lässt den Innenraum deutlich luftiger erscheinen als beim GLC.

Sitzt man erst einmal hinter dem Steuer, empfiehlt es sich laut einem Mercedes-Testpiloten, die Fahrweise an das Antriebssystem anzupassen. Der EQC fährt sich nämlich am besten mit nur einem Pedal. Zum Abbremsen reicht es, den Fuss zu lupfen, gleichzeitig wird so die Bremsenergie rekuperiert. Rigorose und wiederholte Kampfbeschleunigung sei zwar möglich (bis zu zehnmal laut Mercedes), ebenso wie lange VMax-Fahrten, aber das schlage sich negativ auf die Reichweite nieder, also möge man es lieber lassen.

Zweieinhalb Tonnen bleiben zweieinhalb Tonnen

Im Fahrverhalten macht das enorme Gewicht der Batterien deutlich, dass der EQC weder Sportwagen sein will, noch kann. Der E-SUV ist nicht schwach auf der Brust, im Gegenteil, sein beeindruckendes Drehmoment und die ununterbrochene Leistungskurve sind durchaus als formidabel zu bezeichnen. Aber zweieinhalb Tonnen sind nun einmal zweieinhalb Tonnen. Über physikalische Gesetze lässt sich nicht wirklich streiten.

Der erste ernsthafte Ausflug von Mercedes in die neue automobile Realität ist zumindest vielversprechend. Null Emission, gute Fahrleistungen, grandioser Luxus und ein Stromverbrauch von nur 22,2 kWh/100 km machen Dieter Zetsche Laune. «Es ist das beste Gesamtpaket im Segment,» sagte der Mercedes-Chef. Und ja, es ist auch nicht sonderlich gewöhnungsbedürftig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 21.09.2018 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    408ps

    408ps aber bei 180km/h abriegeln. Beim RAV4 Hybrid Test hiess es noch dass die abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit von 180km/h ein Negativpunkt sei...

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  • Helmut am 21.09.2018 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Designsünde

    Zum Glück haben die Mercedesdesigner keine Fantasien gehabt wie Toyota mit ihrem Prius, ich finde der Prius sieht potthässlich aus. Warum muss ein E - Auto aussehen wie ein Autoscooter, oder Starwarsfighter???? Man kann doch ganz normale Designs verwenden.

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  • Rocky Stone am 21.09.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Leistung/Gewicht

    Viel Leistung ist immer gut. Beim Gewicht sieht's anders aus. 2.5t. Das ist nicht die Zukunft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunpower am 23.09.2018 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rückzug

    Der Sportwagenbauer Porsche steigt als erster deutscher Autokonzern aus der Produktion von Diesel-Fahrzeugen aus. "Von Porsche wird es künftig keinen Diesel mehr geben", sagte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume.

    • Illumination am 23.09.2018 10:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Porsche hat nie selbst Dieselmotoren entwickelt oder produziert, soll dem Verdacht zufolge aber manipulierte Motoren der VW-Tochter Audi wissentlich übernommen haben. "Das Image von Porsche hat gelitten, die Dieselkrise hat uns viel Ärger bereitet.. Ausserdem geht es um die "Schärfung des sportlichen Markenkerns, der Diesel ziele auf andere Fahreigenschaften ab - die Konzentration auf emotionale Benziner, Hybride und ab 2019 auch reine Elektrofahrzeuge" (Zitate O. Blume) ;-)

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  • Mr. Augenwischerei am 22.09.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-Autos, der Mythos vom Schadstofffreien fahren.

    Nach einer schwedischen Studie verursacht die Herstellung von Akkus sehr viel Energie, also sind Stromautos nur in der Stadt und für kurze Strecken Sinnvoll, solange es nix anderes gibt für die Energieversorgung, als die heutige Akkutechnik. Studie Auszug. Daraus folgt, dass eine sehr grosse Batterie von 100 kWh wie sie in einem Tesla S stecken kann, zwischen 15 und 20 Tonnen an CO2-Emissionen verursacht hat, bevor das Auto überhaupt erst auf die Strasse gekommen ist. Eine kleinere Batterie von 30 kWh wie im Fall des Nissan Leaf belastet das Klima demnach mit 4,5 bis 6 Tonnen CO2.

    • C.Di Caro am 22.09.2018 17:09 Report Diesen Beitrag melden

      Fairerweise müssten für den Vergleich..

      ..ein Elektro- und ein Verbrenner der gleichen Grössenklasse herangezogen werden. In der Studie wird jedoch die sehr grosse Batterie eines Luxus-E-Fahrzeugs (Tesla) den Betriebsemissionen eines durchschnittlichen Dieselfahrzeugs gegenüber gestellt. Es ist anzunehmen, dass ein Dieselauto der Komfortklasse weniger gut abschneiden würde. Man kann davon ausgehen, dass ein Verbrennungsfahrzeug der Oberklasse rund 10 bis 12 Liter Treibstoff pro 100 Km verbraucht. Das ergibt etwa 300 gr. CO2 pro Kilometer. Das würde bedeuten, dass das Luxus EAuto bereits nach knapp 70'000 statt 100'000 sauberer ist.

    • Illumination am 22.09.2018 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      @C.Di Caro

      Das ist falsch - gerade ein Dieselfahrzeug der Ober-/Komfortklasse kann z.B. beim CO2-Ausstoss bis 180`000 km Laufleistung im Vorteil liegen gegenüber einem E-Fahrzeug mit 100 kWh-Akku - unter Berücksichtigung aller Faktoren... ;-)

    • Illumination am 22.09.2018 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag..

      Beispiel gefällig? Mercedes S 350 d 4Matic (lang, 3,0 l/R6 286 PS/600 Nm ab 1200-3600 U/min) - mit Abgasreinigung der modernsten Art "sauberer" als manche Benziner - mit Testverbräuchen "praxiskonform" um 9,0 l/100 km ;-)

    • @Tom Minder am 23.09.2018 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Das mag so sein, aber der Feinstaub und die Manipulationen von VW sind für Lebewesen schädlich hoch zwei. Wir können es schön reden wie man will, aber die Deutschen sind nicht in der Lage ein Diesel herzustellen. Die Japaner haben es verstand das es nicht möglich ist.

    • Illumination am 23.09.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Tom Minder

      Feinstaub ist schon länger kein Diesel-Problem, dafür umso länger ein Benzin-Direkteinspritzer-Problem (deshalb schaffen ja die meisten Euro 6d-TEMP nicht ohne Partikelfilter), ein Hauptverursacher ist auch Reifen- und Bremsenabrieb - alles betreffend Partikelanzahl/Partikelgrösse mit unterschiedlicher Schädlichkeit.. Mazda oder Honda setzen nach wie vor auf Diesel - Mazda mit der Verbindung von Diesel- und Benzintechnik als "Diesotto-Motor" etc.. Die Japaner kamen in Europa kaum über einen 30% Diesel-Anteil hinaus, im Gegensatz zu den Europäern/Deutschen mit teilweise über 70% Modell-Anteil..

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  • Albert am 21.09.2018 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Alternative

    Der EQC mit viel Gewicht, viel Leistung und wuchtigem Design ist nichts anderes als ein in E-Mobilität übersetzter SUV - zu fett und schwer. Innovativ geht anders.

  • Bürger am 21.09.2018 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkungsgrad Lüge

    Der Verbrenner ist meiner Meinung die effizientere Antriebsmaschine da der Brennstoff c.a 50 Kg wiegt und die Reichweite über 1000 km beträgt, das der E- Motor den besseren Wirkungsgrad hat als der Verbrenner bezweifle ich immer mehr, da er im Verhältnis enorm mehr Energie benötigt als einen Verbrenner somit behaupte ich das der Verbrenner um die 95 % hat und der E . Motor c.a 10 % Realen Wirkungsgrad hat. Sonst wäre ich der Meinung wenn die Batterie 50 Kg wäge und Reichweite eines E-Motors um 2000 km betrage, dann wäre der E-Motor Top. Und der Verbrenner Fährt auch mit andere Brennstoffe !

    • Pierino Müller am 22.09.2018 00:02 Report Diesen Beitrag melden

      Wirkungsgrad

      Der Energiegehalt in einem Liter Benzin oder Diesel mit fast 10kWh ist halt extrem hoch. Hat nichts mit hohem Wirkungsgrad des Verbrennungsmotor zu tun. Ein Opel Ampera-e kommt realistische 400km weit mit einer Akkukapazität von 60kWh und diese Energiemenge sind in 6 Liter Diesel enthalten, nur das man mit dem Dieselmotor 100km weit kommt und nicht 400km wie mit dem Elektromotor.

    • Bürger am 22.09.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      Zukunft heisst Schwer

      @ Pierino Müller Und wie bitte misst man Bitteschön die 10 KW/ h in einem Brennstoff ? Sie Vergessen ein wichtiges Detail: nämlich das Gewicht des Akkus eines Ampera denke der Wiegt c.a 400 kg und 6 Liter Diesel entspricht 6 Kg, wie weit komme ich mit einem 6 kg Akku ?? Ein 380 V Drehstrommotor kann man nicht mit mit einer 12 V Batterie antreiben und 6 Kg Akku entspricht etwa 12 V vielleicht auch weniger. Wäre der Akku nur 50 Kg schwer und die Reichweite würde 2000 km min. betragen dann sprechen wir von etwa 95 % Wirkungsgrad des E-Motor, ist wahrscheinlich Physikalisch noch nicht möglich.

    • Illumination am 22.09.2018 22:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Pierino Müller

      Alles wieder relativ - möchte an "Ernüchternde Resultate beim E-Auto/Wintertest" (12/2017 - Praxistest mit Autobahnfahrt) erinnern.. Erkenntnis: Winter kostet Reichweite, Heizung verbraucht 1-2 kWh/100 km, Leistungsfähigkeit der Akkus sinkt, geringe Akkukapazität lässt die Reichweite bei Autobahnfahrt extrem schnell sinken.. Bester war Opel Ampera-e (60 kWh) mit 273 km Reichweite, danach Renault Zoe (41 kWh) mit 244 km, VW e-Golf (35,8 kWh) mit 208 km, Hyundai Ioniq Electric (28 kWh) mit 192 km, Kia Soul EV (30 kWh) mit 167 km, Nissan e-NV200 Evalia (24 kWh) mit 101 km etc. .. ;-)

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  • Reichensteuer am 21.09.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu täuer

    und der m car ist für normle mal wieder unkäuflich wie alle m cars.

    • kurt am 24.09.2018 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reichensteuer

      ein Mercedes war noch nie für jeden bezahlbar. ps. aber dieser wird extrem günstig angeboten

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