Car of the week

05. April 2019 05:00; Akt: 04.04.2019 22:16 Print

Legende reloaded

von Michael Köckritz - Der Aston Martin DB4 GT war einer der aussergewöhnlichsten Sportwagen seiner Generation. Von geplanten hundert Exemplaren wurden allerdings nur 75 gebaut. Bis jetzt. Als Continuation liessen die Briten ihre Legende jetzt wieder auferstehen.

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Wenn das mal kein Einstand war: Gleich bei seinem ersten Renneinsatz in Silverstone überquerte der Aston Martin DB4 GT die Ziellinie als Sieger. Am Steuer sass Stirling Moss. Später sollte auch Jim Clark die Motorsport-Variante des DB4 steuern. Es folgten zahlreiche Triumphe – bis Ferrari 1962 seinen 250 GTO an den Start brachte. Damit aber war die Geschichte des Erfolgsmodell noch lange nicht vorbei. Denn Ende 2018, wohlgemerkt 59 Jahre nachdem der Erste in Silverstone als Sieger vom Platz ging, rollte der Letzte seiner Art vom Hof – als Aston Martin DB4 GT Continuation.

Dabei handelte es sich weder um einen liebevoll restaurierten Scheunenfund noch um einen dilettantischen Nachbau aus irgendeiner Hinterhofgarage. Die 25 Continuations, die Aston Martin an eine sehr eklektische Truppe von Fans verkaufte, waren allesamt Neuwagen. Pur und simpel gesagt waren jene 25 Exemplare die Letzten, die aus der 1959 in Serie gegangenen Rennsportwagen noch offen standen.

Aston Martin hatte damals, Ende der 1950er-Jahre, seinen Luxussportler DB4 auf Motorsport getrimmt. Radstand und Chassis wurden um 13 Zentimeter gekürzt. Radio, Stossstangen, selbst der Deckel des Handschuhfachs fielen einer rigorosen Sport-Diät zum Opfer. In den Fahrzeugboden wurden Löcher gebohrt, das Dämmmaterial komplett entfernt. 141 Kilogramm Gewicht wurden so eingespart. Eine Serie von hundert Fahrzeugen sollte für den Renneinsatz produziert und verkauft werden. Trotz der Erfolge war jedoch nach 75 verkauften Rennwagen Schluss.

Eine ganze Boutique-Serie von Wiedergeburten

Als vor einigen Jahren die Jaguar SVO-Kollegen aus Coventry mit ihrem XKE als «Continuation» die letzten sechs der fünfzig Jahre früher angestossenen Serie bauten und mit dem XKSS sowie dem D-Type gleich nachzogen, legten sie den Grundstein für eine ganze Boutique-Serie von Wiedergeburten, die in direkter Linie zu Aston nach Buckinghamshire führte. In Newport Pagnell, der alten Fabrik, in der vor Jahrzehnten das letzte Serienmodell vom Band rollte, bereiteten Aston-Martin-Works-Präsident Paul Spires und sein Programm-Manager Simon Hatfield seit Mitte 2016 die Auferstehung des DB4 GT vor.

Wer nun denkt, das wäre ja vergleichsweise einfach gewesen und man müsse nur die alten Pläne aus den Schubladen holen, unterschätzt den Entwicklungsaufwand, der für die Continuation des DB4 GT erforderlich war. «Die Tatsache, dass das Originalmodell existierte, machte den Prozess eigentlich schwieriger,» sagte Simon Hatfield in einem Interview. Die acht noch bestehenden Leichtbaumodelle der DB4 GT-Reihe wurden im Original gescannt, die 450 existierenden Pläne genauestens überprüft.

Die Aufgabe bestand darin, so nahe wie irgend möglich am Original zu bleiben und gleichzeitig das «Continuation»-Modell technologisch auf Vordermann zu bringen. Auch die Fortsetzung der DB4 GT-Serie wurde von vorneherein als reine Motorsportvariante geplant, die keine Strassenzulassung benötigte. Also wurde ein moderner, FIA-zertifizierter überrollkäfig eingebaut und ein neuzeitlich gesicherter Benzintank installiert.

Leistung auf beeindruckende 345 PS gesteigert

Auch das Fahrverhalten des Wiedererstandenen wurde den zeitgemässen Erwartungen angepasst. Modernisierte Radaufhängungen und Bremsen wurden dem auf 4,2 Liter vergrösserten Sechszylinder angepasst, dessen Leistung auf beeindruckende 345 PS gesteigert. Beibehalten wurden die vier Gänge, wenngleich das Getriebe neu konstruiert wurde. Was blieb, war die Kooperation mit dem italienischen Felgenhersteller Borani, der die Originalräder neu auflegte, und dem Mailänder Karosseriebauer Touring, der bereits die Aussenhaut für den Ur-DB4 GT anfertigt hatte. «Touring erhielt damals eine Lizenzgebühr für jedes verkaufte Fahrzeug», erklärte Spires dem britischen Automagazin «Car». «Wir hatten dann auf der Basis des damaligen Deals neuverhandelt. Natürlich haben wir dabei die Preissteigerungen der vergangenen sechzig Jahre in Betracht gezogen.»

Die Produktion der neu erstandenen Karosserie erwies sich jedoch als nicht ganz so einfach, denn Aston Martin bestand – wie beim Original – auf einer Aluminiumstärke von dünnen 1,2 Millimetern. Die Italiener wollten mit dickeren Blechen arbeiten. Aston blieb hart, der Continuation schlank.

Die 25 Modelle des Aston Martin DB4 GT Continuation, die die alte Serie noch hergab, waren – nicht überraschend – in kürzester Zeit ausverkauft, selbst bei einem Preis von mehr als 1,5 Millionen Pfund (das Original ist nicht unter 3 Millionen zu bekommen). Im Preis enthalten sind jedoch grosszügige Fahrertrainings. Um die 25 Käufer auf das urtümliche – und gewöhnungsbedürftige – Fahrverhalten der Retro-Renner einzustimmen, durften sie zwei Jahre lang auf diversen Rennstrecken üben. Die Fahrzeuge seien zwar nach neuesten Standards gebaut, sagt Paul Spires, aber elektronische Fahrprogramme gäbe es keine. Folglich seien die Fahrlehrgänge durchaus angemessen. «So konnten sie während der massgeschneiderten Programme ihre Fahrzeuge kennenlernen.»

Aston Martin kostete einst 20'000 englische Pfund

Gebaut wurden die Continuations in Handarbeit in Newport Pagnell in der ursprünglichen DB4-Werkhalle aus der Zeit, in der der legendäre Aston Martin-Chef David Brown den Ruhm der Marke begründete. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte er Aston Martin über eine Zeitungsanzeige für 20'000 englische Pfund und machte die Firma zu dem, was sie heute ist. Er ist der Grund, warum es überhaupt Autos gibt, die «DB» heissen, Die Produktion ist mittlerweile nach Gaydon umgezogen, der Vanquish S war das letzte Neufahrzeug, das im Jahr 2007 die Hallen von Newport Pagnell verliess. Heute kümmert sich hier Aston Martin Works um Restaurationen und Modifikationen klassischer Fahrzeuge.

Die Kombination eines authentischen, handgearbeiteten Wagen aus der David-Brown-Ära mit modernster Technologie bedeute mehr als nur eine Fortführung klassischem Designs mit zeitgenössischer Fertigungstechnik, betont Paul Spires. Dass der Continuation auch viel mehr ist als nur eine Marketing-Massnahme, die knapp vierzig Millionen Pfund in die Kassen schwemmt, sondern eine nostalgische Verneigung vor der eigenen ruhmreichen Vergangenheit, brauchte er nicht extra zu erwähnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam67 am 05.04.2019 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traumauto

    Eines der schönsten Autos. Wäre ein Traum dieses Auto zu fahren.

  • pater007 am 05.04.2019 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    kein Einheitsbrei

    Wunderschönes Teil mit Stil und Klasse. Kein Vergleich zum heutigen Einheitsbrei

  • autosammler am 05.04.2019 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein Traum

    diese Autos aus dieser Zeit waren und sind ein Traum. schön gibt es solches Kulturgut noch

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr öppert am 07.04.2019 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DB4GT

    Eines der geilsten Autos das ich je gefahren bin. Kein Auto klingt besser im Innenraum.

  • Bürger am 06.04.2019 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Neuwagen Oldtimer

    Ich wette wenn man eine Kundenumfrage machen würde wären die meisten wieder dafür Oldtimer Neuwagen bauen zu lassen wieder mit der Technik von den 60ern, wer braucht schon Assistenz Systeme ? Denken ist wieder gefragt, die neue Autos sind einfach nur grässlich 0 Charakter und wären wieder günstiger

  • Ich am 06.04.2019 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    perfetto

    Ich finde diese Karre Nur cool Gefällt mir sogar besser als mancher Ferrari aus a. D

    • pedro am 06.04.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ich

      ist eben auch italienisches Design

    • ich am 06.04.2019 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @pedro

      Klar Design Felgen aus italia und das ganze noch mit Britischer Noblesse Ist einfach ne schöne Heirat

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  • Susi am 05.04.2019 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diesel Gate

    Den Autokonzernen BMW , Daimler und VW steht voraussichtlich bald eine Milliardenstrafe der EU-Wettbewerbshüter ins Haus. Die Unternehmen hätten jahrelang illegale Absprachen zu Technologien der Abgasreinigung getroffen.

    • kurt am 06.04.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susi

      und was hat das mit diesem Oldtimer zu tun

    • Automech am 06.04.2019 21:05 Report Diesen Beitrag melden

      Motortechnologie

      Produziert vielleicht Abgase mit ähnlichen Schadstoffgehalten wie die neuen Stinkdiesel, der alte Benziner.

    • Realist am 07.04.2019 02:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susi

      Sehr schön. Nur wäre dies ein anderes Thema und betrifft diesen Artikel nicht. Aber Hauptsache, Sie wurden Ihren Frust los...

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  • Typhoeus am 05.04.2019 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Automobile

    gibt es erst solche, die Auto....nom fahren.

    • pater007 am 08.04.2019 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Typhoeus

      Wie gut das funktioniert, zeigen ja die vielen Pannen und Unfälle mit den hässlichen Panzern aus Kalifornien von Herrn Musk....

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