Bach erklärt

21. März 2020 11:05; Akt: 21.03.2020 11:22 Print

Mal richtig Gas geben – der Umwelt zuliebe

von Christian Bach - Noch fristen Gasfahrzeuge ein Nischendasein. Doch ihre Berechtigung ist unbestritten.

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Zukunftsorientiert: Es kann sein, dass der Gasfahrzeuganteil in Zukunft steigt. (Bild: ZVG)

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Es gibt rund 14'000 Fahrzeuge in der Schweiz, die über ein wortwörtliches Gaspedal und einen Gasmotor verfügen. Gas wird zwar weltweit hauptsächlich zur Strom- oder Wärmeerzeugung und für Hochtemperaturprozesse in der Industrie eingesetzt, aber es gibt auch in vielen Ländern Gasfahrzeuge. Insgesamt gegen 30 Millionen, bei weltweit über einer Milliarde Benzin- und Dieselfahrzeugen.

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Bei den Personenwagen werden sie als Klein- und Kompaktfahrzeuge sowie als Mittelklasse und Mehrzweckfahrzeuge angeboten. Gasfahrzeuge sind kein Marktknüller, eher eine Spezialität, beispielsweise für Fahrzeugflotten. Deshalb werden sie von den Automobilherstellern auch immer wieder mal hinterfragt.

Gute Werte

Die guten ökologischen und ökonomische Werte haben bisher immer dazu geführt, dass sie weitergebaut wurden. Starken Zuwachs haben sie in letzter Zeit vor allem im Lastwagenbereich erfahren. Den Personenwagen-Gasfahrzeugen gemeinsam ist, dass sie heute zwar auf modernen Motorentechnologien beruhen, aber nur im untersten Drittel des Leistungsspektrums erhältlich sind.

Verbrauchsseitig ist diese Leistungsbeschränkung durchaus positiv - denn auch das unterste Drittel der Personenwagen ist immer noch gut motorisiert; aber eben verbrauchsärmer als leistungsstarke Auslegungen. Wie erwähnt, werden Gasfahrzeuge vor allem in Fahrzeugflotten eingesetzt. Nicht zuletzt, weil sich dies aufgrund ähnlicher Anschaffungskosten aber geringer Treibstoffpreise an der Tankstelle im Vergleich zu Benzin und Diesel relativ schnell rechnet. Aufgrund der hohen Klopffestigkeit von Gas von bis 130 Oktan, im Vergleich zu Benzin mit 95 bis 98 Oktan, sind Gasfahrzeuge insbesondere im Autobahneinsatz spürbar effizienter unterwegs als vergleichbar motorisierte Benziner. Innerorts ist dies nicht der Fall. Wegen des um ca. 100 kg höheren Gewichts sind die Verbrauchswerte dort etwas höher.

Die hohe Klopffestigkeit kommt auch bei Anwendungen mit hoher Last, wie dem Anhänger- oder Wohnwagenbetrieb in Form eines reduzierten Verbrauchsanstiegs zugute. Die Reichweite von Personenwagen reicht im Gasbetrieb von 300 bis 600 Kilometer.
Werden Gasfahrzeuge mit fossilem Erdgas betrieben, ist die Klima- und Umweltbelastung über den ganzen Lebenszyklus betrachtet zwar etwas besser als bei Diesel- und Benzinfahrzeugen, aber nicht viel.

Durch die Beimischung von Biogas reduziert sich die Klimabelastung aber entsprechend weiter. Im schweizerischen Tankstellenerdgas mit der Handelsbezeichnung CNG (für Compressed Natural Gas) ist heute ein Biogasanteil von gut 20 Prozent enthalten. Damit ist die CO2-Belastung schon deutlich geringer, als bei Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Mit 100 Prozent Biogas aus modernen Anlagen ist die Klimabelastung um rund 80 Prozent geringer. Biogasfahrzeuge im Ausserorts- und Autobahnverkehr gehören deshalb in dieser Anwendung zu den Fahrzeugen mit der geringsten Klimabelastung. Nebenbei profitiert auch die Luftqualität: anders als Diesel und Benziner, stossen Gasfahrzeuge kaum ozonreaktive oder gesundheitsgefährdende Substanzen aus.

Limitiertes Potential

Das Biogaspotential in der Schweiz ist zwar noch nicht ausgeschöpft, aber doch auch limitiert. Praktisch ohne Limitierung ist aber die Herstellung von Gas aus erneuerbarem Strom (Stichwort: Power-to-Gas). Dieses lässt sich an Orten mit hoher Sonneneinstrahlung oder viel Wind produzieren und wie fossiles Gas vergleichsweise einfach über grosse Strecken transportieren.

Es ist deshalb durchaus vorstellbar, dass in Zukunft bei uns Fahrzeuge mit erneuerbarem Gas herumfahren, das in Offshore-Windparks oder Wüstenregionen erzeugt wurde. Die Wirtschaftlichkeit und CO2-Bilanz dieses Ansatzes ist insgesamt relativ gut. Es kann deshalb sein, dass der Gasfahrzeuganteil in Zukunft steigt - allerdings vermutlich weiterhin primär in Flottenanwendungen sowie im LKW- und Busbereich.

Christian Bach

leitet die Abteilung «Fahrzeugantriebssysteme» an der Empa. Sein Team entwickelt Antriebskonzepte der nächsten Generation und erforscht, wie diese mit erneuerbarer Energie betrieben werden können. Im Mobilitätdemonstrator «move» (move.empa.ch) auf dem Empa-Gelände in Dübendorf werden solche Konzepte umgesetzt.

Die Empa ist das Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologie. Eines ihrer wichtigsten Forschungsthemen ist der Umstieg von fossilen Energiequellen hin zu nachhaltig erzeugter Energie.

move.empa.ch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • @Ernst Uhler am 21.03.2020 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ergänzung

    Diverse Lösungen sollten uns offen stehen, sofern sie unserer Gesundheit und Umwelt nicht schaden!

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  • Info am 21.03.2020 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Info

    Mir ist vor allem die Tatsache wichtig, das mit den neuen Technologien die Umwelt weniger in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch, aber nicht nur der finanzielle Aspekt. ;-)

  • Guschtie am 21.03.2020 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    You Dreamer!

    Gibt es tatsächlich immer noch Spezialisten hier die meinen, es werde mit Verbrennern (egal ob Benzin, Diesel oder Gas) kein CO2 freigesetzt? Es gilt, CO2 tiefer zu legen. Das geschieht am sinnvollsten und wirksamsten mit BEV!

Die neusten Leser-Kommentare

  • GK_HooD am 23.03.2020 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosteninternalisierung

    Es gibt einen ganz einfachen Weg die meisen Umweldschädlichen Dinge aus der Welt zu schaffen, nämlich durch Kosteninternalisierung. Das heisst man bezahlt genau so viel wie es jostet den Umweltschaden wieder wett zu machen. Im Fall von CO2: Man bezahlt für jedes kilo CO2 das man ausstösst so viel wie es kostet ein kilo CO2 aus der Luft zu holen. Dann kan jeder von mir aus so viel Umweltschäden verursachen wie er will und es hat mich nicht zu interessieren, da der Verursacher die kosten trägt.

    • Tieferleger am 23.03.2020 22:18 Report Diesen Beitrag melden

      @GK_HooD

      Halt so eine Art CO2 -Abgabe. Aktuell scheint diese allerdings viel zu tief zu sein!

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  • Wahrheit am 23.03.2020 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit

    Nur ein ausgeschalteter Gaser ist ein umweltfreundlicher Gaser.

  • Ruedi am 22.03.2020 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gas sollte man sinnvoller nutzen

    Eine gute Lösung, wenn man selbst beim Energieversorger arbeitet. Leistungsmässig aber kein Fortschritt.

  • blume am 22.03.2020 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    egal was

    anz egal welche energieform biogas, el, wasserstoff oder diesel/benzin .... jeder unötige energieverbrauch schadet der umwelt ... ob luftverschmutzung oder raubbau an der natur....biogas aus landwirtschaftlicher nutzfläche ... lithiumgewinnung mit viel wasser .... kobaltabau durch kinderarbeit ...... ist auf einen nützlichen gebrauch zu reduzieren .... keine autos die schneller als 150 km/h fahren können überholverbot für den schwerverkehr ,,,, den wen die überholen, heizen die richtig ein

    • Argumenzler am 22.03.2020 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      NICHT egal!

      Schon nur wegen des im Vergleich zum Elektromotor miserablen Wirkungsgrades, sollte wohl Jedem/Jeder klar sein, dass der Verbrennermotor nicht die Zukunft sein kann! (Wirkungsgrad Verbrennermotor: 26-33%, Wirkungsgrad Elektromotor ca. 90! %)!!! Dass er keine Abgase emittiert, ist ein weiterer riesiger Vorteil!

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  • Facter am 22.03.2020 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht oft genug wiederholt werden:

    Wichtig für eine Energie-effiziente Fortbewegung sind unter Anderem: Geringes Gewicht, kleiner Luftwiderstand, kleiner, verbrauchsarmer Motor. Eigentlich alles, was in den letzten Jahren sträflich ignoriert wurde... (SUV...)

    • Luftkanaltester am 22.03.2020 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Facter

      Na dann passt ja alles zu den Stromern: kleiner Pi..el, keine Eier ergibt wenig Luftwiederstand.

    • Facter am 22.03.2020 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      @Luftkanaltester

      Die Primitiven sind auch wieder am trollen...

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