Car of the week

15. März 2019 08:00; Akt: 15.03.2019 08:01 Print

Mini-Veränderungen

von Michael Köckritz - Von einem Neuen im alten Gewand, von moderner Technologie und saftiger Beschleunigung. Mini macht ernst mit der elektrischen Version.

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Wenn man präzise sein will, muss man erwähnen, dass der Mini schon vor dem BMW elektrisch war. Bereits 2008 startete man einen Feldversuch mit Leasing-Fahrzeugen, 450 E-Minis, welche die Technik des i3 erprobten. Der Mini ging nicht in Serie, der BMW i3 schon. Elf Jahre später ist es nun soweit: BMW stellte im Westen von München einer ausgewählten Journalistenschar den Mini Cooper SE vor. Man konnte leisen Beifall vernehmen. Und einige Seufzer.

Nein, es ist nichts Weltbewegendes, was die BMW Group zeigte, sondern eine logische – und notwendige – Weiterentwicklung eines bestehenden Konzepts. Die Realität, dass mit Verbrennungsmotoren jeglicher Art die vorgeschriebenen Emissionen und Flottenverbrauchswerte in Zukunft nicht mehr eingehalten werden können, sickert mehr und mehr durch, das Resultat sind leicht umgestaltete Serienfahrzeuge mit E-Motor.

Dabei gibt es durchaus Ausnahmen: Toyotas Prius Erfolgsmodell erregte vor nun schon 22 Jahren Aufsehen mit einem – damals – aussergewöhnlichen Design. Dem Mirai von Nissan sieht man den Wasserstoffantrieb schon von aussen an, die Verkaufszahlen allerdings als gering zu bezeichnen, wäre noch ein Euphemismus. Das einzige moderne Grossserienfahrzeug, das sich auf dem Markt durchsetzte und auch vom Styling hält, was es technologisch verspricht, wäre der BMW i3.

Offizielle Reichweite von knapp 200 Kilometern

Dabei wurde seine Technik wie gesagt im Mini getestet – und der Mini wiederum nutzt erneut die i3-Technik. Um der Architektur des Minis gerecht zu werden, wurde der i3-Antriebsstrang aus Elektromotor und Steuer-Elektronik von der Hinterachse nach vorne verlegt. Ansonsten hat sich am 33-kWh-Aggregat nichts geändert – die Leistung wird mit 135 kW angegeben, die maximale Geschwindigkeit beträgt 150 km/h und die Reichweite offiziell knappe 200 Kilometer.

Obwohl der Mini Cooper SE mit fast 1,4 Tonnen deutlich mehr wiegt als der normale Mini Cooper (129 Kilo, schuld sind wie immer die Batterien), was wiederum eine neue Federung und Dämpfung (zum Teil übernommen vom Countryman und Clubman) notwendig machte. Weil die Zellen nicht nur liegen, sondern auch stehen, und um die Bodenfreiheit zu erhalten, wurde der Mini um anderthalb Zentimeter erhöht – was man sieht. Das schnelle Laden bis zu 80 Prozent wird runde 40 Minuten in Anspruch nehmen.

Flinker als der Verbrenner

Die Batterien sitzen wie eigentlich schon üblich im Mitteltunnel, also in etwa dort, wo bei den Verbrennern die Abgasanlage verläuft. Sie sorgen für eine bessere Gewichtsverteilung von 54 Prozent vorn und 46 Prozent hinten, im Gegensatz zu den Standard-Minis, die sich mit Werten zwischen 70:30 und 60:40 begnügen. Das – und der niedrigere Schwerpunkt – machen sich beim Fahrverhalten bemerkbar. Der Cooper lässt sich trotz des höheren Gewichts noch flinker bewegen als der Verbrenner, wobei das überarbeite Traktionssystem, dabei hilft, die enormen Drehmomente noch schneller unter Kontrolle zu bekommen.

Bei der Rekuperation kann man zwischen zwei Stufen wählen – der Standard-Modus erlaubt rollendes Fahren bei ruhendem Gaspedal – mit einer Verzögerung von 0,11 g. In der zweiten Stufe verzögert der Mini mit 0,19 g, wenn man den Fuss vom Pedal nimmt. Hört sich nach einem minimalen Unterschied an, macht aber in der Realität das Bremspedal überflüssig.

Was das Aussehen angeht, ist der elektrische Mini nicht von der normalen Version zu unterscheiden. Zögerlichkeit mag sich manches Mal auszahlen, weshalb BMW sich auch beim Design nicht am 2017 vorgestellten Mini Electric Concept orientierte, sondern auf Bewährtes setzte.

Auch innen setzt der Cooper SE auf Bewährtes

Auch über den Innenraum gibt’s nicht viel zu berichten. Die präsentierten Prototypen waren sowohl aussen als auch innen abgeklebt und noch ein wenig unvollständig. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich das Interieur-Design nicht viel von dem der Benziner unterscheiden dürften. Ein oder zwei modifizierte Displays und ein paar Knöpfe mehr oder weniger dürften’s dann sein.

Im Übrigen dürften die eingangs angeführten Seufzer genau darauf zurückzuführen sein: Vieles war bekannt und einige der anwesenden Journalisten konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, vor einer Art Verlegenheitslösung zu stehen. Offenbar bestand die Hoffnung, es würde etwas Fortschrittlicheres präsentiert.

Ein bisschen Zeit bleibt ja noch, das Serienmodell wird ab November 2019 in Oxford produziert und kommt Anfang 2020 auf den Markt. Über den voraussichtlichen Preis wurde nichts Genaues verraten. Er würde in etwa dem S entsprechen, eventuell leicht darüber. Etwas über 30'000 Euro also. Das wäre doch eine gute Nachricht.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Allyn am 15.03.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faktenlose Behauptung

    " Das einzige moderne Grossserienfahrzeug, das sich auf dem Markt durchsetzte und auch vom Styling hält, was es technologisch verspricht, wäre der BMW i3" Ernsthaft?! Toyota hat insgesamt 11 Millionen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben verkauft, der I3 hat sich gerade mal um die 300'000 mal verkauft... Heisst JEDER Toyota Hybrid oder Stromer war erfolgreicher als der I3 alleine!

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  • Ronny C. am 15.03.2019 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Der Nissan Mirai mit enormem Drehmoment

    Ist der Mirai nicht eher von Toyota ? Aber zum Mini : 200km Reichweite sind dann in der Realität bei deutschen Autos wohl um die 120 km und Schnelllademöglichkeiten gibt es nicht. "Enormes Drehmoment" findet man bei Tesla, aber wohl kaum bei einem Cooper S. Hat der Verfasser des Artikels den Wagen wirklich selber gefahren ? Ich habe da meine Zweifel.

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  • M.Düringer am 15.03.2019 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alles mini

    Der einzige Mini der noch was mit Mini zu tun hat,,, ist der Cooper S.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tellsa am 17.03.2019 01:22 Report Diesen Beitrag melden

    wieso nicht?

    Die Lackierung ist originell.

  • Realist am 16.03.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann?

    Wann wird hier wieder mal über ein nicht-elektrisches Fahrzeug berichtet? Sorry, Fortschritt in Ehren, es ist jedem klar, dass der momentane Weg irgendwann mal zu Ende sein wird, aber es ist eine Tatsache, dass Benzin und Diesel existieren und weiterhin existieren werden. Vielleicht könnte man denen, welche nicht über unlimitierte finanzielle Mittel verfügen, mal wieder was möglichst sauberes und trotzdem attraktives aus der Verbrenner-Ecke vorstellen?

    • Fahrschüler am 16.03.2019 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      Wir habens bemerkt

      Die Neuwagenvorstellungen mit Benzin und Dieselmotorenautos werden schleichend weniger werden. Das hat schon Genf gezeigt.

    • MaryJ am 18.03.2019 15:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Tja, das hat man damals auch behauptet dass die Autos sich nicht halten werden und man weiter mit Pferden unterwegs sein wird....

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  • Illumination am 15.03.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, es ist nichts Weltbewegendes..

    33 kWh-Akku, schnelles Laden bis zu 80 Prozent in rund 40 Minuten, Reichweite offiziell knappe 200 km, also vermutlich nach WLTP.. Heisst in der Praxis im besten Falle um 170-180 km im Sommer und 150 oder auch nur 140 km im Winter mit "Laternengarage".. Das Ganze wohl um CHF 35`000.-- in der Schweiz - auch dieses Fahrzeug wird der E-Mobilität nicht zum Durchbruch verhelfen..

  • Major Tom am 15.03.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    übergewichtiger Zwerg

    1,4 Tonnen? Was für ein fetter Mini. Aber die Autos haben ja auch sonst schon nichts mehr zu tun mit dem Namen.

  • jay jay am 15.03.2019 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mini fan service

    fazit: mit werten die gleich sind wie beim i3 ist 0 (null) fortschritt in dem wagen. somit ein produkt direkt für die tonne.