Opel-Zukunft

20. August 2019 07:00; Akt: 20.08.2019 09:37 Print

Retten oder beerdigen die Franzosen die Marke Opel?

von Dieter Liechti - Opel gibt PR-Vollgas. Doch der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer warnt vor falschen Hoffnungen.

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«Unser Comeback ist gut gelungen», freute sich Opel-Chef Michael Lohscheller Ende Juli. «Wir wachsen profitabel und nachhaltig.» Grund der Freude: Nach jahrelangen negativen Schlagzeilen sorgte Opel Ende Juli mit den Halbjahreszahlen endlich wieder für ein positives Ausrufezeichen. Denn zwei Jahre nach der Übernahme durch die Groupe PSA (Citroën, DS, Opel, Peugeot und Vauxhall) trugen die Rüsselsheimer im ersten Halbjahr 2019 rund 700 Millionen Euro zum Betriebsergebnis des französischen Konzerns bei – das entspricht einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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Was auf den ersten Blick so positiv klingt, hat aber auch Schattenseiten. «Opel hat seine Verluste durch ein rigoroses Jobabbau-Programm abgebaut», warnt der deutsche Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Bei der Übernahme durch PSA im August 2017 hatte Opel in seinen deutschen Werken 19’300 Mitarbeiter und plante bis zum Jahr 2023 in Deutschland 6380 Jobs abzubauen.

30 Prozent höherer Aufwand bei Opel

Nach neusten Analysen des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen könnten das aber deutlich mehr werden. «Denn der Aufwand pro Mitarbeiter ist nach unseren Daten bei Opel-Vauxhall etwa 30 Prozent höher als bei Peugeot-Citroën-DS in Frankreich», so Dudenhöffer. Darum macht es für PSA-Chef Carlos Tavares natürlich am meisten Sinn, in erster Linie Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. «Für die Arbeitnehmer in Deutschland könnte Tavares damit zur Schreckensfigur werden», warnen die Auto-Analysten des CAR.

Dabei gehen Tavares und Lohscheller sehr behutsam vor und verkleinern Teileinheiten, um öffentliches Aufsehen zu vermeiden. «Das scheint der Kern, der Opel-Schrumpfstrategie zu sein», so die Analysten.

Davon ist im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt allerdings nichts zu merken. Die Marke mit dem Blitz will Mitte September gross auffahren und vor allem einschlagen. «Auf der IAA zeigen wir bei Opel, wie die automobile Zukunft Realität wird. Wir geben nicht einen bestimmten Weg vor, sondern bieten das gesamte Antriebsportfolio – von Elektro- und Hybridantrieben bis zum effizienten Verbrenner», gibt sich Opel-Chef Lohscheller optimistisch. «Alle unsere neuen Modelle sind mit modernsten Technologien ausgestattet – und bereits bestellbar!»

Weltpremieren Corsa und Grandland

Highlights sind die Weltpremieren des Corsa und des Grandland X Hybrid4. Denn der neue Opel Corsa fährt nicht nur als verbrauchsarmer klassischer Verbrenner vor, sondern erstmals auch als batterie-elektrische Variante Corsa-e – und das mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 330 Kilometern gemäss dem neuen Messzyklus WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure). Der Corsa-e basiert, genau wie die anderen E-Modelle aus dem PSA-Konzern auf einer gemeinsamen Architektur namens CMP (Common Modular Platform). Die ist, anders als zum Beispiel die Milliarden Euro teure Plattform MEB (Modularer Elektrobaukasten) von VW, nicht rein elektrisch ausgelegt, sondern kann auch konventionelle Antriebe aufnehmen. Das spart Kosten.

Als zweite Weltpremiere ist der neue Grandland X Hybrid4 mit Allradantrieb auf dem Opel-Stand zu sehen. Der Plug-In-Hybrid verbindet die Kraft aus einem 1,6-Liter-Turbobenziner und zwei Elektromotoren, die eine Systemleistung von bis zu 300 PS bieten. Der Treibstoffverbrauch beträgt gemäss WLTP 1,6 l/100 km, die CO2-Emission 37 g/km (vorläufige Werte). Zwei Autos, die laut Ferdinand Dudenhöffer für ein besseres Image sorgen könnten. «Allerdings dürften die genannten Preise für wenig Begeisterung und Verkäufe bei der klassischen Opel-Käufergruppe sorgen. Ein elektrischer Corsa für knapp 30’000 Euro ist mehr als doppelt so teurer wie der Standard-Corsa von heute.»

Sorgen um die Marke Opel

Längerfristig machen sich Dudenhöffer und sein Team grosse Sorgen um die Marke Opel. «Was Opel genau ist und ausmacht, wird in der Zukunft immer weniger erkennbar werden», warnt er. «Während Seat, Skoda oder andere VW-Konzernmarken noch immer Eigenständigkeit als Unternehmen besitzen, geht Opel völlig in PSA auf. Oder – wenn man es patriotisch aus deutscher Sicht betrachtet –, eher unter. Die Fahrzeuge werden überwiegend in Paris entwickelt, in Rüsselsheim verfeinert man mit ein paar Designern die Hülle der PSA-Opel. Opel wird so zum Label – für PSA ein profitables Geschäft, für Opel als eigenständige Marke wohl eher das Ende.»

In der Schweiz hat die einstige Nummer 2 hinter Volkswagen in den ersten sieben Monaten des Jahres 6425 Fahrzeuge verkauft. Das sind zum einen 15,2 Prozent weniger als im Vorjahr – in einem stabilen Gesamtmarkt –, zum andern entsprechen diese Zahlen nicht mal mehr einem Drittel der Marke VW, die im selben Zeitrahmen 20'825 Fahrzeuge in der Schweiz an den Mann oder die Frau gebracht hat.



Opel seit 1862

Opel wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und begann 1899 mit der Automobilproduktion. Seit August 2017 gehört Opel zur Groupe PSA. Weltweit sind Opel und die Schwestermarke Vauxhall in mehr als 60 Ländern vertreten und verkauften 2018 über eine Million Fahrzeuge. Gegenwärtig setzt Opel seine Strategie zur Elektrifizierung des Portfolios um. Bis 2024 wird es bei allen europäischen Pw-Baureihen auch eine elektrifizierte Variante geben. Diese Strategie ist Teil des Unternehmensplans Pace! mit dem Opel «nachhaltig profitabel, global und elektrisch» werden will.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Kunde am 20.08.2019 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ein echter Volkswagen

    Zufriedener Opel Fahrer, keine Probleme mit dem zweiten Astra. Kein Rost keine Motorenprobleme der letzte hatte 200000 km drauf. Also da höre ich von Bekannten mit den Golf und Skoda Fabia Schauermärchen mit ihren "Tsi" Steuerkettenmotoren.

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  • Herr Benz am 20.08.2019 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem seine Marke

    Wenn ich so die Modelle Corsa und Grandland anschaue sage ich nur "schön" ! Und Verwandte die Opel fahren sind viele Durchaus zufrieden. Peugeot und Opel beides Firmen die auf dem Boden geblieben sind. Was ich von der anderen grossen Firma nicht gerade sagen kann und da hört man viel schlechtes... Wahnsinn und die verkaufen immer noch so viele Autos... Da sieht man halt wie manipulierbar der Kunde ist, da wird man für dumm verkauft. Hatte gerade ein Kunde da bei der Versicherung: Steuerkette gerissen bei Alhambra null Kulanz nur Arroganz...

  • Erich am 20.08.2019 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Dudenhöfer verdient Geld mit

    seiner Grossschwätzerei! Also muss er immer wieder, egal ob brauchbar oder nicht, irgendwelche "Ergüsse" in den Medien bringen. Wenn man zurückschaut, hat er in den letzten Jahren meistens an der Realität vorbeigelabert...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Info am 25.08.2019 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Portal

    ++++++ ++ Auf dem aktuellen E-Auto Portal ECOMENTO findet man im Internet immer die neusten Informationen zu Elektroautos und zur E-Mobilität. ++

  • Karl Opu am 22.08.2019 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Namen aufgeben!

    Das beste für Opel wäre den Namen Opel aufzugeben. Peugeot tönt eh besser...

  • Fakten-Susi am 21.08.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fast ausnahmslos hilflose Kommentare

    Viele Öl-Lobbyisten, einige Garagisten, Servicestationen, Autoverkäufer, und Ersatzteilverkäufer werden immer hilfloser, unanständiger und aggressiver in ihrer Argumentation. fakten-basierte Argumente gegen die E-Mobilität können sie kaum noch liefern. Die sehen womöglich ihre fetten Gewinne schwinden durch den Siegeszug von E-Autos!

    • E-Guru am 21.08.2019 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fakten-Susi

      Gratulation super Text !

    • pater007 am 12.09.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E-Guru

      Mein Beileid. Schönreden hilft dieser Technik auch nicht weiter

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  • Der Nachbar am 21.08.2019 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns im Haus hat einer so ein

    Umweltschädliches Batterie E-Mobil gekauft, alle lachen jetzt über ihn und sagen: Nur wer dumm genug ist lässt sich mit Elektroschrott über den Tisch ziehn!

    • Bin nicht blöd am 21.08.2019 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      Mich erwischt keiner mit E-Auto

      denn ich weiss, dass es in 3-4 Jahren den sauberen Kraftstoff an den Zapfsäulen zum tanken gibt, wer lesen kann weiss darüber Bescheid. Ich kann warten und spare somit einen haufen Geld.

    • Jo Blocher am 23.08.2019 06:58 Report Diesen Beitrag melden

      @blöd

      Ach, vergiss doch Wasserstoff; ein Hirngespinst, von dem sich die Autoindustrie schon lange abgewendet hat!

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  • Po_Litiker am 21.08.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wir warten jetzt ab bis alle ein E-Auto

    gekauft haben, dann schalten wir nach und nach die AKW's ab. Dann könnt ihr wieder fürs neue Auto sparen, wir lassen uns immer wieder was neues, für uns lukratives einfallen denn wir wissen ja jetzt, dass ihr nicht gerade die hellsten Kerzen seid.

    • Alfred A. am 21.08.2019 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Po_Litteriker

      Der Fortschritt ist heute weiter. Neben den LED Leuchtmitteln liefern selbst die hellsten Kerzen nur ein funzeliges Licht. Vielleicht merkst Du was ich meine.

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