Bonsai-Benz

21. Februar 2020 13:31; Akt: 21.02.2020 10:37 Print

Neuer Anlauf für Smart

von T. Geiger - Bevor sich die Marke Smart definitiv nach China verabschiedet, wurde die aktuelle E-Generation noch einmal überarbeitet.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Reduce to the max: Mit der freiwilligen Selbstbeschränkung auf das wirklich Wesentliche ist der kleine Smart vor mehr als 20 Jahren gross rausgekommen und hat die Autowelt auf den Kopf gestellt. Zwar war kein anderes Auto so radikal reduziert wie der bunte Bonsai-Benz, doch so wirklich erfolgreich war er nie – und verwässert haben die Schwaben das Konzept mit starken Motoren und immer neuen Modellen bis hin zum Viertürer auch.

Umfrage
Willst du ein E-Auto?

Doch nachdem Mercedes-Benz die alleinige Hoheit über den Stadtflitzer gerade abgegeben hat und den Nachfolger für das Jahr 2022 gemeinsam mit Geely in China auf den Weg bringt, kehren sie auf der Zielgeraden noch einmal zur alten Konsequenz zurück. Denn wenn in diesen Tagen zu Preisen ab 26’400 Franken für den Fortwo, 27’400 Franken für den Forfour und 30'100 Franken für das Cabrio die überarbeitete Generation an den Start geht, dann geht es weniger um das, was es künftig neu gibt. Sondern interessant ist das, was es in Zukunft nicht mehr geben wird: Den Benzin-Motor.

Von Hayek gegründet

Während die grossen Marken und auch die Mutter Mercedes den Abschied vom Verbrenner zwar herbeireden, sich dabei aber noch das eine oder andere Jahrzehnt Zeit lassen wollen, machen sie bei Smart Nägel mit Köpfen und schwenken als erste und bislang einzige traditionelle Marke voll auf den Elektroantrieb um. Und natürlich passt E-Antrieb der zum Smart besser als zu vielen anderen Autos. Das wusste 1994 schon Nicolas Hayek, als er gemeinsam mit dem Stuttgarter Autobauer die Micro Compact Car AG in Biel gründete. Denn angesichts des winzigen Wendekreises fühlt man sich im Fortwo ohnehin wie im Autoscooter – und der fährt schliesslich auch elektrisch.

Mindestens ebenso erfreulich: Beim frisch überarbeiteten Smart ist mit dem E-Antrieb endlich das nervige Schnattern des Dreizylinders passé. Und weil der Smart ohnehin fast ausschliesslich in der Stadt gefahren wird, stört sich auch niemand an den bescheidenen Fahrleistungen. Maximal Tempo 130? Reicht heute locker. Von 0 auf 100 km/h in knapp zwölf Sekunden? «Who cares», würde Roger Schawinski sagen, doch der fährt längst einen Tesla. Wichtig sind nicht die maximal 60 kW, sondern die bestenfalls 160 Nm, die mit den knapp 1100 Kilogramm leichtes Spiel haben und für einen spontanen Antritt sorgen. Die 4,8 Sekunden von 0 auf 60 km/h hören und vor allem fühlen sich deshalb viel besser an als die knapp zwölf Sekunden, die bis Tempo 100 vergehen.

Selbst mit der bescheidenen Reichweite lässt sich unter diesen Voraussetzungen leben. Denn wer sich tatsächlich nur in der Stadt bewegt, der kommt mit dem Normwert von 159 Kilometern locker über die halbe Arbeitswoche. Nur das Laden selbst ist nervig, weil es unverhältnismässig lange dauert: Selbst mit dem immerhin knapp 1000 Euro teuren 22 kW-Lader dauert es 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Da sind modernere Konkurrenten wie der elektrische Mini oder der Opel Corsa-E deutlich flotter unterwegs.

Kaum Neuerungen

Während Smart mit dem Verzicht auf den Verbrenner für Schlagzeilen sorgt, halten sich die Neuerungen sonst in engen Grenzen: Von aussen sind es vor allem eine retuschierte Frontschürze mit ernstem Blick und unterschiedlichem Design für Zwei- und Viertürer, sowie die nachgezeichneten Leuchten, die den Unterschied machen. Und innen gibt es zwar ein Update fürs Infotainment, aber auch die versprochene Smartphone-Integration ändert nichts daran, dass die analogen Instrumente und langsame Navigation heute wie von gestern wirken. Vom Rest des Infotainments ganz zu schweigen.

Dabei ist den Entwicklern die Digitalisierung keineswegs fremd. Doch weil für Software-Änderungen im Auto Geld und Möglichkeiten fehlen, toben sie sich bei den Apps zum Fahrzeug aus. So kann man das Laden nicht nur von der Apple-Watch aus steuern, sondern kann sogar sein privates Carsharing starten. Weil man den Wagen auch mit einem Code auf dem Smartphone öffnen und starten kann, lässt er sich problemlos im Freundes- und Familienkreis teilen. Nur den Parkplatzfinder mit Echtzeit-Informationen aus Tiefgaragen und Wahrscheinlichkeiten für ganze Strassenzüge hätten sie sich sparen können: Denn wenn es ein Auto gibt, für das man immer einen Platz findet, dann ist es der Smart.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andi am 21.02.2020 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tip Top

    Das ist eine sehr gute Entwicklung. Der Smart wurde für die Stadt gebaut, genau dort macht reine E-Mobilität wirklich Sinn.

    einklappen einklappen
  • Post am 21.02.2020 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stille in den Städten

    Bis 2023 sollen in der Paketzustellung bis zu 400 Lieferwagen mit Elektromotor verwendet werden. Priorität haben bei den Elektro-Plänen der Schweizer Post die grossen Städte, später sollen auch in den anderen, weitläufigeren Zustellgebieten Stromer eingesetzt werden.

    einklappen einklappen
  • Ueli mit Swatch am 22.02.2020 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    War schon immer so geplant

    Hayek wollte den Smart (Swatch-Auto) schon in den 90igern mit Elektroantrieb bauen. Mercedes hats verhindert.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunpower am 01.03.2020 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängigkeit

    In nur einer Stunde liefert die Sonne genug Energie, um die gesamte Weltbevölkerung für ein Jahr mit Strom versorgen zu können. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Elektro­mobilität und Solar­technologie ebnen den Weg in eine klima­freundliche Mobilität.

  • jodok am 23.02.2020 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht Sinn

    den Smart, das Stadtauto schlechthin, nur noch elektrisch zu bauen.

  • Chris am 23.02.2020 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Smart schwimmt beim bremsen

    Fahre seit Jahren Smart. Würde sofort auf E-Smart umsteigen, wenn ich das Auto 'normal' bremsen würde. Ab 70 km/h schwimmt er und schert aus. Das Auto ist zu kurz um stabil zu bleiben beim bremsen.

    • R. Deu am 24.02.2020 06:49 Report Diesen Beitrag melden

      Kenn ich nicht

      Hä? Ich fahre seit ca. 3 Jshren einen E- Smart (Jg 2013) und kenne das Problem nicht. Bin sehr zufrieddn und gebe ihn nicht mehr her. Fahre Stadt und Autobahn.

    • Pablo am 24.02.2020 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Hab eine der ersteren Versionen Gefahren und da schwimmt nichts. Pneus ok? Fahrwerk nicht defekt oder falsch eingestellt wenn das überhaupt möglich ist? Bremsen ok? Kannst Du den so durch die MFK bringen?

    • Valentino am 26.02.2020 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Probier's mal mit Luft ... ;-(

      Fake-Kommentar, oder Luftdruckmangel? Das liegt wohl eher am Fahrer, als am Wagen. Das Hirn schwimmt auch. Der Smart ist eine rein vernünftige Mobilitätslösung, kein Sportwagen.

    einklappen einklappen
  • Info am 23.02.2020 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Portal

    Auf dem E-Auto Portal ECOMENTO findet man im Internet immer die neusten Informationen zu Elektroautos und zur E-Mobilität.

  • kukident am 22.02.2020 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    never China Smart

    Mag keine China Smart. Never