Polestar

29. September 2019 12:00; Akt: 29.09.2019 07:05 Print

Vom Tuning-Brand zum neuen Volvo-«Leitstern»

von Joachim Becker - Die Elektro-Luxusmarke Polestar orientiert sich an der digitalen Welt und will damit zum Vorreiter werden.

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Kombiniert «Nachhaltigkeit mit einer subtilen Art von Luxus»: Polestar 1 Während der 600 PS starke Polestar 1 als Kleinserie in einer Schaufabrik im chinesischen Chengdu gebaut wird – rund 20 von Schweizer Kunden bestellte Exemplare werden in den nächsten Monaten ausgeliefert – rollt der Polestar 2 zusammen mit dem Volvo XC 40 und dem Lynk & Co 01 im Mehrmarkenwerk Luqiao der Volvo Car Group vom Band. «Bumm, auf einmal geht es», beschreibt Markenchef Thomas Ingenlath den unternehmerischen Urknall von Polestar – «kalifornische und chinesische Start-ups seien sich nicht unähnlich, bei beiden würden die Dinge unkompliziert angegangen», so Ingenlath weiter. Erste Kundenfahrzeuge des Polestar 2 können ab 2020 auch in der Schweiz bestellt werden. Die elektrische Fliesshecklimousine Polestar 2 zielt unverkennbar auf das Tesla Model 3 – einerseits mit einem Einstiegspreis von rund 39'000 Euro (Frankenpreise sind noch nicht bekannt) für die kleinere Batterievariante. Andererseits prangt ... ... am Cockpit ein riesiger, vertikal angebrachter Touchscreen – ähnlich wie bei Tesla. In welche Richtung das Design des Polestar 3 gehen könnte, zeigen erste Ideenskizzen. Denn während der Polestar 1 und 2 auf bekannten Volvo Konzepten realisiert wurden, wird der Polestar 3 das erste komplett eigenständige Modell der Marke sein – und damit vom bisherigen Design immer mehr in eine Polestar Eigenständigkeit transformiert werden. Anders als die bisherigen Modelle soll der Polestar 3 auf der grösseren, weiterentwickelten SPA-Plattform des Volvo XC90 stehen, die auch für reine Elektrofahrzeuge geeignet ist. Geplante Vorstellung: 2021.

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Wie ein Stern geboren wird, kann man bei Polestar live verfolgen: «Bumm, auf einmal geht es», beschreibt Markenchef Thomas Ingenlath den unternehmerischen Urknall. Kalifornische und chinesische Start-ups seien sich da nicht unähnlich, bei beiden würden die Dinge unkompliziert angegangen. «Diese ungehemmte Energie, etwas Neues zu beginnen, und das Vertrauen, dass man so etwas machen kann – das haben wir alle, inklusive mir, lernen müssen.» Polestar ist nur eine der Neugründungen des Geely-Konzerns: «Lynk & Co ist die junge, hippe Marke, bei der das Auto nur ein Element der Mobilität ist. Polestar will dagegen Nachhaltigkeit mit einer subtilen Art von Luxus verknüpfen», so Ingenlath.

Gründergeist gegen Petrolheads

Komplikationen gab es bei der Geburt der Elektro-Luxusmarke trotzdem. Zu widerstrebend waren die Einflüsse: ausser dem tatkräftigen schwedisch-chinesischen Gründergeist etwa ein spritversessenes Tuningteam. Doch der Reihe nach. Am Anfang stand eine filigrane Sportwagenstudie: ästhetischer Sternenstaub, den man sich nicht so schnell aus den Augen reibt. Nach Stationen bei Audi, Volkswagen und Škoda hatte Thomas Ingenlath damit sein Meisterstück abgeliefert. Das war 2013 eine Sensation, denn der neu berufene Volvo-Designchef hatte nicht nur einen coolen Look mit natürlichen Formen für die Schwedenmarke entworfen, sondern auch einen Zweitürer mit italienischem Schwung, der nicht so ganz zum Ziegeldesign der Volvo-Historie passte.

Die Studie berief sich zwar auf das legendäre P1800 Coupé aus den 60er-Jahren. In der (geplanten) Volvo-Palette war für die Luxusflunder trotzdem kein Platz. «Wir haben über das Concept Coupé nachgedacht, unser Entwicklungschef Peter Mertens hatte die Idee, einen leistungsstarken Hybrid zu bauen. Und dann weiss ich noch ganz genau, wie (Volvo-Chef ) Håkan Samuelsson zu mir kam und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, dass nur dieses Fahrzeug den Polestar-Stern trägt und überhaupt nicht Volvo ist», erinnert sich Ingenlath.

Polestar mussten wir radikal «umbauen»

Das war 2015, und die Schweden hatten gerade ihren Haus-Tuner Polestar übernommen. «Es war klar, dass die Elektrifizierung der Modellpalette eine wesentliche Rolle spielen wird», berichtet Ingenlath. «Aber es war nicht so, dass die Marke Polestar, von dem, was sie bis dahin gemacht hatte, also Tuning und Racing, einen dazu getriggert hätte. Wir haben da einen radikalen Bruch gemacht.» Im Unterschied zu Tesla soll Polestar rasch Profit abwerfen. Geplant war im ersten Schritt eher eine Aston-Martin-ähnliche Ausrichtung der jungen Marke. «Das war hinsichtlich der Positionierung simpel gedacht: on top of Volvo. Ab dem Polestar 1, also ab 150'000 Franken aufwärts.»

Dann kam das Tesla Model 3, die Elektromobilität wurde auch in der Mittelklasse topaktuell, und der hergebrachte Luxusbegriff mit viel Pomp und Chrom wirkte ziemlich gestrig. «Gleichzeitig zu diesen Überlegungen haben wir bei Volvo das Konzept 40.2 gezeigt», so Ingenlath. Noch in der Rolle des Volvo-Chefdesigners präsentierte er Mitte 2016 zwei Nachfolgemodelle der kleinen V40-Baureihe. Das Konzept 40.1 wurde zum Volvo-Kompakt-SUV XC40. Aber der breite Viertürer mit dem Fliessheck auf derselben CMA-Plattform passte nicht ins Volvo-Portfolio. «In dieses Konzept waren wir ähnlich wie beim Concept Coupé auch alle verliebt», so Ingenlath. «In dem Moment, in dem wir es (in die Volvo-Palette) reingezwängt hätten, hätte es seinen Charme verloren.»

Kampfansage an das Model 3 von Tesla

So kam die junge Marke zum Polestar 2. Erste Kundenfahrzeuge können ab 2020 auch in der Schweiz bestellt werden. Die elektrische Fliesshecklimousine zielt unverkennbar auf das Tesla Model 3 – auch mit einem Einstiegspreis von rund 39'000 Euro (Frankenpreise sind noch nicht bekannt) für die kleinere Batterievariante. Der Start mit einem Sportwagen ähnelt ebenfalls der Tesla-Story. Während der 600 PS starke Polestar 1 als Kleinserie in einer Schaufabrik im chinesischen Chengdu gebaut wird – rund 20 von Schweizer Kunden bestellte Exemplare werden in den nächsten Monaten ausgeliefert –, rollt der Polestar 2 zusammen mit dem Volvo XC 40 und dem Lynk & Co 01 im Mehrmarkenwerk Luqiao der Volvo Car Group vom Band.

Anders als Tesla soll Polestar also nicht über lange Zeit ein Manufakturbetrieb bleiben, sondern über geteilte Entwicklungsplattformen und Produktionsstätten des Geely- Konzerns schnell profitabel werden. Da seien die Racing-Gene durchaus hilfreich, sagt Ingenlath schmunzelnd. Mit Spannung wird die Vorstellung des dritten, deutlich grösseren Polestar-Modells erwartet. Die «Süddeutsche Zeitung» veröffentlichte erstmals Zeichnungen aus dem Entwurfsprozess für dieses SUV im lukrativen Segment eines BMW X4.

Ein Hauch von Kalifornien im Polestar 3

Anders als die bisherigen Modelle soll der Polestar 3 auf der grösseren, weiterentwickelten SPA-Plattform des Volvo XC90 stehen, die auch für reine Elektrofahrzeuge geeignet ist. Geplante Vorstellung: 2021. Aus der Zusammenarbeit mit Google-Leuten gelernt: Kalifornische Einflüsse sind auch im Innenraum des Polestar 2 zu spüren. «Vom Spirit her ist sehr viel Apple drin», betont Ingenlath. Der iPhone-Konzern habe es geschafft, Ästhetik und Technologie so zu vermitteln, dass es Begehrlichkeit wecke. Also nicht Technik um der Technik willen. «Das ist etwas, das ich vermisst habe in der Automobilindustrie und was ich absolut bei der Marke Polestar anders machen möchte.»

Mit dem Namen Polestar sei das Bild eines Leitsterns verbunden, der den anderen Konzernmarken den Weg weise. Nicht nur bei der Elektromobilität, sondern etwa auch bei der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai präsentierte Ingenlath den Polestar 2 zusammen mit seinem Infotainmentsystem der nächsten Generation. Von den Elektronik-Insellösungen der Autohersteller hält er nichts. «Die Idee, dass ich meinen eigenen Sprachassistenten baue, ist nicht zielführend.»

«Da waren wir noch am Überlegen, was wir da machen»

Stattdessen berichtet Ingenlath staunend von der Zusammenarbeit mit den Android-Auto-Entwicklern: «Der Speed, mit dem die arbeiten, ist einfach unglaublich. Nach zwei Monaten hatten die Google-Leute alle Plätze für Elektroladestationen topaktuell in die Navigation integriert. Da waren wir noch am Überlegen, was wir da machen.» Tempo ist definitiv ein Thema bei der neuen Automarke. Der Leitstern für Polestar (und viele neue Hersteller aus China) sind daher nicht die etablierten Automarken, sondern die Vorreiter der digitalen Welt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 29.09.2019 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freue mich

    Auf den Polstar 2 bin ich gespannt. Das könnte ein wirklich gutes E-Auto werden.

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  • Phil Krill am 29.09.2019 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Pole-Star Wars

    ... ist das ein kleiner R2D2 auf der Mittelkonsole (Bild 2)? ...

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  • Sven O am 30.09.2019 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    china nicht gleich minderwertig

    made in china heisst nicht minderwertig und gute ware ist auch in china alles andere als günstig! bei ebikes sind bafang motoren das mass der dinge, besser als bosch, aeg etc. oft sind es auch coops mit bafang, bloss steht das nirgends! auch im autobau sind die asiaten unseren europäischen autobauern in preis/leistung weit überlegen! fragt euch mal warum toyota schon jahrzehnte lang in abgelegenen gebieten (australien, südafrika etc) so verbreitet sind! auch ich würde dort niemals einen deutschen suv wollen! neue technologien wurden auf unserem kontinent verpennt, aufholen ist sozusagen unmöglich ausser wir kooperieren mit asiaten oder amis!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Checker am 02.10.2019 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Auf den 1. Blick

    dachte ich, es geht um Audi. Wieder mal sehr gut kopiert von den Chinesen.

    • Marcel S. am 02.10.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      Kopierte Sprüche

      Audi wäre froh, wenn sie das hinkriegen würden! Sie kopieren wohl immer die gleichen Sprüche.

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  • Der Igel am 01.10.2019 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Volvo-Kunde...

    ...fahre ich seit X-Jahren diese Marke. Im Moment habe ich noch den aktuellen V40, dessen Produktion gerade eingestellt wurde. Der stockbeinige XC40 gefällt mir nicht und ein Stromer kommt mir nicht ins Haus. Und ein chinesisches Fahrzeug erst recht nicht. Deshalb heisst es nach langen Jahren: Bye Bye Volvo!

    • Michel v. L. am 02.10.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

      Volvo

      wird aber schon noch in Schweden produziert.

    • Der Igel am 02.10.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michel v. L.

      Fast nicht mehr. Der S90 zum Beispiel wird nur noch in China produziert. Leider...

    • Matthias P. am 02.10.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      VOLVO ist jetzt einfach EDEL!

      @Igel Sie haben noch einen alten VOLVO? Gerade wegen den brandneuen VOLVOS bin ich in VOLVO verliebt. Mein nächstes Auto wird klar ein VOLVO sein!

    • Der Igel am 02.10.2019 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Matthias P.

      Ich fahre kein Auto aus China und ein Stromer sowieso nicht. Ein richtiger Volvo kommt aus Schweden und hat 5-Zylinder mit Turboaufladung. Oder ein kerniger Turbodiesel mit echtem LKW-Feeling. Alles andere ist für mich Kindergeburtstag. Aber jeder wie es beliebt. Das ist mir völlig egal. Ich fahre was ich will. Es bleibt dabei.

    • Jan A. am 03.10.2019 00:04 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst beschenken. Happy!

      @Der Igel Bei Auto-Kauf ist für mich die Qualität und Schönheit maßgebend, nicht Politik. China bedeutet heute Qualität. China uns Schweden ist eine perfekte Kombination. Dieses High-End-Produkt von Polstar ist das beste Beispiel. S90 oder XC60 ist aber die Wahl meines nächste Auto! Schönes Design, edler Innenraum, Sicherheit, ... es gibt beim Volvo einfach nix zu meckern.

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  • Solution-Master am 01.10.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heureka

    Wir müssen unsere Energieversorgung dekarbonisieren und auf erneuerbare und saubere Energiequellen umsteigen. Dafur brauchen wir kostengünstige Wind- und Solarenergie. Wir brauchen Stromspeicher, die ökologische und ökonomische Loesungen bieten, um die Volatilität dieser Energiequellen zu glätten und eine zuverlaessige Stromversorgung aus nachhaltigen Quellen zu garantieren. Wir brauchen effiziente Moglichkeiten, die erneuerbaren Energien ins Stromnetz einzuspeisen und zu ubertragen sowie ein intelligentes Grid Management um eine moglichst grosse Effizienz zu erreichen. ___

    • Isidor B. am 01.10.2019 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Solution-Master

      Geschwurbelte Statements machen inhaltsleere Theorien nicht interessanter. Sorry, für mich persönlich nur Schaumschlägerei. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

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  • Roger S. am 01.10.2019 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Vom guten Geschmack

    Das ist in der Tat ein Traumauto für guten Geschmack. Edel und Design perfekt kombiniert mit feinster Technik. Würde ich gerne kaufen. Leider kann sich nicht jeder ein VOLVO und POLSTAR leisten.

  • Humboldt am 01.10.2019 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    26'000 Wissenschaftler

    Am 12. März verkündete eine Gruppe Forschender vor der Bundespressekonferenz in Berlin, dass sie die streikenden Schülerinnen unterstützt. Ihr Name: Scientists for Future. Die zugehörige Stellungnahme haben mehr als 26.000 Wissenschaftler unterzeichnet. Einer der Ersten war Christoph Schneider, Professor für Klimageografie am Geografischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. ____________