Car of the week

29. März 2019 05:00; Akt: 28.03.2019 22:31 Print

Porsche macht E-rnst

von Michael Köckritz - Der Taycan verspricht ein Hit zu werden. 20'000 Vorbestellungen liegen für den erste Vollelektriker aus Zuffenhausen schon vor, dabei beginnt die Auslieferung erst in einem Jahr.

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Der Porsche Taycan lehnt sich eng an die Studie des Mission E an, die 2015 vorgestellt wurde. Die Türen werden im Gegensatz zur Studie konventionell angeschlagen, die Kameras, die beim Mission die Aussenspiegel ersetzten, entfallen ebenfalls. Die gedrungen-dynamische Linie bleibt jedoch erhalten. Der Taycan wird von zwei E-Motoren angetrieben, die die Kraft über Torque Vectoring an die vier Räder abgeben. Porsche verspricht eine Auflade-Dauer von 15 Minuten, um die Batterie zu 80 Prozent zu laden. Der Fantasie-Name des Taycan ist aus dem Türkischen entlehnt, die Medien-Leute aus Zuffenhausen sagen, er leite sich aus Tay = Fohlen und Can = Leben, Seele ab. Porsche übersetzt Taycan dann frei in «lebhaftes, junges Pferd». Versprochen ist auch schon eine Carrera-Version. Die Plattform des Taycans unterscheidet sich von der des Volkswagen-Konzerns. Das Batterie-Paket im Fahrzeugboden besteht aus 400 individuellen Zellen und basiert auf der neuen 800-Volt-Technologie. Der Taycan wird von zwei E-Motoren angetrieben, die die Kraft über Torque Vectoring an die vier Räder abgeben. Porsche verspricht eine Auflade-Dauer von 15 Minuten, um die Batterie zu 80 Prozent zu laden. Die Plattform des Taycans unterscheidet sich von der des Volkswagen-Konzerns. Das Batterie-Paket im Fahrzeugboden besteht aus 400 individuellen Zellen und basiert auf der neuen 800-Volt-Technologie. Der Innenraum überzeugt durch gekonnt eleganten Minimalismus, exzellentes Sitz-Design und modernste Anzeigen. Die Premiere findet Ende 2019 statt, der Verkaufsbeginn ist für 2020 geplant.

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Mit dem Porsche Taycan beginnt ein neues Zeitalter in der Geschichte der Zuffenhausener Sportwagenbauer. Er ist der erste vollelektrische Sportwagen aus dem Haus, lange wurde er angekündigt. Bereits 2015 wurde die erste Studie des Porsche Mission E vorgestellt, auf der das Auto basiert – und seitdem hat sich einiges getan, was Technik und Käuferzustimmung angeht. Und: Inzwischen ist auch aufgrund der zunehmenden Regularien klar, dass jeder global agierende Autohersteller auf kurz oder lang die Verbrenner ins Altenteil schieben muss.

Trotzdem stellt sich nach wie vor die Frage, wie man den Umstieg auf umweltfreundlichere Automobile den Käufern emotional schmackhaft machen kann. Zumal es für eingefleischte Sportwagenfans nur einen Antrieb gibt – und der heisst Verbrennungsmotor. Um aus einem Elektrofahrzeug einen echten Porsche zu machen, mussten sich die Ingenieure und Designer also einiges einfallen lassen.

Für die Strassenlage das Antriebsaggregat wurscht

Performance war sicherlich nicht das Problem – in Sachen Drehmoment und Höchstgeschwindigkeit fahren die Stromer den Verbrennern eh davon. Das Fahrverhalten eine E-Sportwagens wiederum bietet Vorteile wie den des tieferen Schwerpunkts und konstantem, von Tankinhalten unabhängigem Fahrzeuggewicht. Ausserdem ist für die Strassenlage das Antriebsaggregat vergleichsweise wurscht, entweder der Wagen liegt gut oder nicht.

Womit wir wieder beim Taycan wären. Da Porsche mit den besten Ruf unter den Sportwagenherstellern hat, arbeitete man bei dem Fahrzeug besonders daran, jenes spezielle Gefühl zu erhalten, für das die Marke bekannt ist. Angetrieben wird das Auto von zwei permanent erregten Elektromotoren – einer pro Achse –, die zusammen über 600 PS leisten und ihre Kraft per Torque Vectoring an die einzelnen Räder abgeben. 3,5 Sekunden auf 100, 200 km/h in knappen 12 Sekunden, Rundenzeit auf der Nordschleife in unter acht Minuten. Allradlenkung – und ein Schwerpunkt, der acht Zentimeter unter dem des Porsche 992 liegt. Soviel zu den Leistungsdaten.

Soviel zum Aussehen

Im Aussehen muss sich der Taycan weder vor den Markenkollegen noch vor Mittbewerbern verstecken. Einen Meter und dreissig Zentimeter hoch ist das Auto und hält sich damit ziemlich genau an die Vorgaben des Mission E. Die Hüften sind extrem breit, die Front enorm flach, die Scheinwerfer sind eingerahmt von vertikalen Lufteinlässen, welche die Batterien kühlen. Mit seinem radikaleren Design könnte der Taycan sicherlich den einen oder anderen Panamera-Kunden zum Batterie-Befürworter bekehren.

Wegfallen wird beim Taycan – leider! – das Konzept der «schwebenden» Türen des Mission E, die durch vier konventionell angeschlagene Türen mit rahmenlosen Seitenscheiben und ebenso konventionelle B-Säulen ersetzt werden. Ebenfalls gestrichen: die Kameras, die die Aussenspiegel beim Mission E ersetzten.

Wissen Sie, was eine «Fussgarage» ist?

Um der meist in der zweiten Lebenshälfte angesiedelten Klientel das Ein- und Aussteigen zu erleichtern und um eine einigermassen Knie-freundliche Sitzposition zu garantieren, liess sich Porsche eine besondere Batterie-Architektur einfallen: Der Akku in der Bodengruppe hat insgesamt die Form eines flachen Quaders, spart aber vier kleine Quadrate vor den Sitzen aus, so genannte «Fussgaragen».

Ansonsten findet der potenzielle Taycan-Kunde im Innern ein an Porsche nur schwach erinnerndes Raum-Design, das sich durch extremen Minimalismus auszeichnet. Bis der Taycan Ende des Jahres offiziell präsentiert wird, könnte sich noch etwas ändern, aber die Science-Fiction-Anmutung des Neuen zeigt mit ihrem Purismus die beste Sportwagen-Erotik der letzten Jahre. Extrem durchgestylte, tief geformte Sitze, eine perfekt designte Digital-Armaturentafel (mit dem Startknopf links) und eine cleane Mittelkonsole setzen Zeichen für die Ästhetik der nächsten Porsche-Generationen.

Bleibt der Sound...

Ein Teil der emotionalen Aufladung, mit der sich ein Sportwagen von rationaleren Fahrzeugen unterscheidet, ist das Motorengeräusch. Um gar nicht erst das befürchtete Nähmaschinen-Gesause aufkommen zu lassen, schuf man für das Fahrzeug einen ganz neuen Sound. «Der Taycan bekommt einen spezifischen Klang», sagte Robert Meier, Projektleiter Gesamtfahrzeug Taycan, bei der Präsentation. «Wir wollen dabei keinen Achtzylindermotor imitieren, sondern einen eigenen Elektro-Sound schaffen. Dazu nehmen wir den Klang direkt an der E-Maschine ab und filtern jene Frequenzen, die an einen Zahnarzt-Bohrer erinnern raus. Was bleibt, ist ein faszinierend tiefer, eigenständiger Klang.«

Bei der Batterie-Technologie hat Porsche viel Boden gegenüber Konkurrenten wie Tesla gutgemacht. Offeriert werden beim Taycan eine 800-Volt-Technik mit 500 Kilometern Reichweite und Ladezeiten von 15 Minuten, bis man 80 Prozent Kapazität erreicht hat – was sich in vier Minuten Ladezeit für 100 Kilometer übersetzen lässt. Was jedoch eine umfassende Infrastruktur mit 800-Volt-150kW-Ladesäulen voraussetzen würde. Davon sind sowohl Mitteleuropäer als auch Nordamerikaner noch Jahre entfernt.

... und der Preis

Preislich wollen sich die Porsche-Vorstände noch nicht festlegen. 150'000 Euro dürften realistisch sein, eventuell wird es noch ein «Basis-Modell» geben, das deutlich weniger Leistung hat, dafür aber einige Zehntausend weniger kosten dürfte. Ein Carrera ist auf jeden Fall schon im Programm.

Die Preiserwartung schreckte wenige Käufer ab, was bei Porsche auch überrascht hätte. 20'000 Vorbestellungen lägen schon vor, freute sich ein Mitarbeiter des Hauses. Allein in Norwegen wurde der Wagen schon 3'000-mal geordert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe Pereda am 29.03.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nachgefragt.

    Wieviele dieser Vorbestellungen sind von Garagen für Vorführwagen?

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  • Info am 29.03.2019 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Portal

    Auf den beiden Portalen ECOMENTO und ELECTRIVE findet man im Internet extrem viele nützliche und spannende Informationen zu dem aktuellen Thema Elektromobilität.

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  • Nicole am 29.03.2019 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Wagen

    aber leider nicht für meinen Geldbeutel geeignet. Schade. Er sieht extrem gut aus der Porsche, extrem.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 07.04.2019 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    "Porsche macht E-rnst"

    Es ist aber auch allerhöchste Zeit dass Porsche E-rnst macht...

  • Info am 05.04.2019 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Portal

    Auf dem spannenden Portal ECOMENTO findet man im Internet viele nützliche Informationen zu den neusten Elektromobilen. Ein Besuch lohnt sich.

  • Mr. Spock am 31.03.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schizophren

    Umweltschutz und Sportwagen in einem sind doch irgendwie zwei Dinge, die sich doch sehr weh tun.

  • Greta Radflunder am 31.03.2019 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etikettenschwindel

    Wenn Porsche dann einmal ein leichtes Elektroauto mit max. 75 PS bringt, dann nehme ich denen den Klima- und Umweltschutzgedanken dann auch wirklich ab. Bis dahin ist es nur sinnlose Energieverschwendung entweder mit Benzin oder halt mit Strom.

  • Max Witzig am 31.03.2019 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrsinn

    Solche Boliden sollen die Antwort auf den Klimawandel sein? Irgendwie bin ich wohl im falschen Film.