L.A. Auto Show

03. Dezember 2019 12:00; Akt: 03.12.2019 11:38 Print

«Nachhaltigkeit» an die Wand genagelt

von Dave Schneider - Die Los Angeles Auto Show ist ein Spiegelbild des US-Marktes. Doch trotz grünem Anstrich dominieren nach wie vor gigantische Pickup-Trucks & Co.

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Während die europäischen Hersteller die ratlose Übergangsphase, die den derzeit stattfindenden Umbruch im Autobau mit sich brachte, offensichtlich überwunden haben, treten die Amerikaner noch auf der Stelle. Wer sich in den vergangenen Wochen in den Hallen des LA Convention Centers auf Entdeckungstour begab, der sah zwar auch viel Grünes, doch das beschränkte sich fast ausnahmslos auf Slogans und auf die Dekoration der Standflächen. «Nachhaltigkeit» an die Wand genagelt. Statt grüne Autos gabs in Los Angeles grün dekorierte Messestände. Bei Ford stand sogar ein ganzer Wald – allerdings nur als Fototapete. Hyundai rahmte seine Neuheiten mit tropischen Pflanzen ein, während bei Subaru sogar ein kleiner Hundepark aufgebaut wurde, Tiere inklusive – «Adopt a German Shepherd!». Der Widerspruch scheint die Amerikaner nicht zu stören. Denn so grün die Messestände in Los Angeles auch waren, die Exponate darauf waren es grösstenteils ganz und gar nicht Der US-Hersteller Dodge lanciert mit «Power Dollars» eine Rabattaktion, die pro gekauftem PS zehn Dollar Nachlass auf den Kaufpreis gewährt. Je mehr Leistung ein Auto also hat, desto günstiger wird es im Verhältnis. Ford F-150 oder Expedition, Chevrolet Silverado oder Suburban, GMC Sierra oder Yukon, aber auch Nissan Titan, Toyota Tundra oder Kia Telluride: Wer in den Vereinigten Staaten ... ...ein gutes Geschäft machen will, muss solche Giganten im Angebot haben. Entsprechend motorisiert, versteht sich. Auch der F-250 Super Duty von Ford stiess an der Auto Show auf reges Interesse. Der Tesla Cybertruck und der Bollinger B2 sind zwar beides batterieelektrische Fahrzeuge, allerdings sind sie auch riesige Pickup-Trucks, die hierzulande in keine Parklücke passen würden. VW gab sich mit der Studie ID. Space Vizzion umweltbewusst, doch die direkt daneben ausgestellte Rallye-Studie mit riesigen Rädern und martialischem Design sprach das amerikanischen Publikum mehr an.

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Die am Sonntag zu Ende gegangene Los Angeles Auto Show hat sich in den vergangenen Jahren trotz ihrer kompakten Grösse zu einer der wichtigsten Automessen weltweit entwickelt. Denn einerseits hat sich die Show in der grössten Stadt der USA mit einem hochkarätig besetzten Forum rund um das Thema Automobil und Mobilität im Rahmenprogramm clever in der Branche positioniert. Andererseits ist sie Ende Jahr ein perfekter Pulsmesser für den amerikanischen Markt – hinter China der zweitgrösste Automarkt der Welt –, und somit auch von grosser Bedeutung für die europäischen Hersteller.

Nach der Verschiebung der Noth American International Auto Show in Detroit in den Sommer ist die LA Auto Show aber auch die letzte Möglichkeit der US-Hersteller, der Welt ihre grossen Neuheiten zu präsentieren, ehe im April 2020 in New York die nächste grosse Sause steigt.

Die Amerikaner treten (noch) auf der Stelle

Doch während die europäischen Hersteller die ratlose Übergangsphase, die den derzeit stattfindenden Umbruch im Autobau mit sich brachte, offensichtlich überwunden haben und nun mit aller Kraft in Richtung Zukunft marschieren, treten die Amerikaner noch auf der Stelle. Zwar war der elektrische Ford Mustang Mach-E der ungekrönte König der Show und sorgte weltweit für positive Schlagzeilen, doch davon abgesehen davon war von Einsicht, Wandel und Innovationsgeist nur wenig zu sehen.

Wer sich in den vergangenen Wochen in den Hallen des LA Convention Centers auf Entdeckungstour begab, der sah zwar auch viel Grünes, doch das beschränkte sich fast ausnahmslos auf Slogans und auf die Dekoration der Standflächen. Prächtige Bäume hier, grosse Farne dort, eine aufwendige Tropenlandschaft da – die Autohersteller geben sich auch im Land der zehnspurigen Freeways und der billigen Spritpreisen gerne einen umweltbewussten Touch. «Blue Skies for our Children», prangte etwa am Stand von Honda, vor einer mit Moos und Efeu bepflanzten Wand.

Bei Ford stand sogar ein ganzer Wald – allerdings nur als Fototapete. Hyundai rahmte seine Neuheiten mit tropischen Pflanzen ein, während bei Subaru sogar ein kleiner Hundepark aufgebaut wurde, Tiere inklusive – «Adopt a German Shepherd!».

Riesige SUV und noch gigantischere Pickup-Trucks

Der Widerspruch scheint die Amerikaner nicht zu stören. Denn so grün die Messestände in Los Angeles auch waren, die Exponate darauf waren es grösstenteils ganz und gar nicht. Der Hauptteil der Ausstellungsfläche wurde «business as usual» von riesigen SUV und noch gigantischeren Pickup-Trucks eingenommen – diese Fahrzeuge verkaufen sich in den USA nach wie vor am Besten.

Ford F-150 oder Expedition, Chevrolet Silverado oder Suburban, GMC Sierra oder Yukon, aber auch Nissan Titan, Toyota Tundra oder Kia Telluride: Wer in den Vereinigten Staaten ein gutes Geschäft machen will, muss solche Giganten im Angebot haben. Entsprechend motorisiert, versteht sich.

Dieser Widerspruch ist auch bei den europäischen Herstellern zu sehen. Zwar führt Mercedes-Benz den Stromer EQC nun auch im US-Markt ein, was immerhin eine kurze Erwähnung in der Rede von USA-Chef Nicholas Speeks fand. Das Highlight am Stand der Schwaben war aber der GLS AMG 63 S, ein siebensitziger Koloss mit 612 PS Leistung aus einem Achtzylindermotor. Bei Audi stand links in unauffälligem Blau mit dem neuen E-Tron Sportback ein batterieelektrisches Modell, doch direkt daneben zog mit dem in grellem Giftgrün lackierten RS Q8 ein weiteres PS-Monster mit V8-Motor die Aufmerksamkeit auf sich.

VW gab sich mit der Studie ID. Space Vizzion umweltbewusst, doch die direkt daneben ausgestellte Rallye-Studie Atlas Cross Sport mit riesigen Rädern und martialischem Design sprach das amerikanischen Publikum mehr an. Sogar bei BMW-Tochter Mini war diese Zerrissenheit zu spüren: Hier der vollelektrische Cooper SE und gleich daneben der John Cooper Works GP, der mit 306 PS stärkste Mini der Unternehmensgeschichte.

Seit 37 Jahren ungeschlagen: der Ford F-150

Und ja, Ford bringt in einem Jahr einen elektrischen SUV – doch der absolute Topseller wird auch weiterhin der Ford F-150 bleiben. Der 5,9 Meter lange und über zwei Meter breite Pickup-Truck ist in den USA seit über 37 Jahren das meistverkaufte Fahrzeug überhaupt. Dicht gefolgt vom ebenso grossen Chevrolet Silverado.

Die amerikanische Autoindustrie ist sichtlich bemüht, sich einen umweltfreundlichen Anstrich zu verpassen – doch es passiert derzeit auf eine Art und Weise, die aus europäischer Sicht nur schwer nachvollziehbar ist. Gut in dieses Bild passen die beiden Elektro-Neuheiten «Made in USA», die im Rahmen der Messe ihre Weltpremiere feierten: Der Tesla Cybertruck und der Bollinger B2 sind zwar beides batterieelektrische Fahrzeuge, allerdings sind sie auch riesige Pickup-Trucks, die hierzulande in keine Parklücke passen würden. Auch das ist ein Widerspruch in sich, doch bemerkt das an der Los Angeles Auto Show kaum jemand.

In den USA werden die Prioritäten eben noch immer ganz anders gesetzt, was Dodge mustergültig zeigte: Der US-Hersteller lanciert mit «Power Dollars» eine Rabattaktion, die pro gekauftem PS zehn Dollar Nachlass auf den Kaufpreis gewährt. Je mehr Leistung ein Auto also hat, desto günstiger wird es im Verhältnis. Eine Aktion, die in den USA gut ankommt. Hierzulande wäre sie völlig undenkbar.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Felsig am 03.12.2019 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind nur noch Marionetten

    Die Amis wissen noch zu leben und lassen sich nicht alles verbieten. Egal ob Trucks, Einfamilienhäuser, Waffen oder Fast food

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  • sc am 03.12.2019 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebt euer Leben und habt Spass!

    Die Amerikaner leben halt noch um zu leben, hierzulande hat man immer mehr das Gefühl, dass man zum Umweltschützen geboren wurde.

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  • Zack am 03.12.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Noch richtige Autos

    Die Amis verstehen es eben noch richtige Autos zubauen und nicht so Downsizing quatsch wie bei vielen Herstellern hier zu lande. 3 Zylinder und alles was unter 2.0 Litern ist ist für mich nichts!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sono am 06.12.2019 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Startup

    +++++ Das Model SION von dem Unternehmen Sono Motors ist das erste serienmässige Elektroauto, das seine Batterie zusätzlich durch die Energie der Sonne lädt. Mit dem Model SION wurde daher eine neue Fahrzeugklasse eingeführt: SEV Solar Electric Vehicle +++++++++++++

  • Chevy Pick Up Man am 06.12.2019 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es Nachhaltigeres als einen Chevy

    " Nachhaltigkeit" an die Wand genagelt ?? Also mein Chevy Pick Up ist Baujahr 1957 und der fährt immer noch Tip Top, täglich auf der Strasse, also seit 62 Jahren ! Genau so alt bin ich auch und ich bin mir sicher, dass der Chevy nochmal so alt wird, ob ich das erreiche ist eher unwahrscheinlich. Gibt es was Nachhaltigeres? Nein einen Chevy nagelt man nicht an die Wand, man fährt sie, problemlos über Jahrzehnte.

  • PROLLTRASH am 04.12.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blöd

    lieber auf der stelle treten in amerika. als mit der schweiz in eine elektrozukunft. wer gerne viel geld ausgiebt und dann doch nichts kriegt ist wohl gut aufgehoben hier. aber mich nervt es schon seit längerer zeit. wenn ich könnte wäre ich weg.

  • Gasoline Guzzler am 04.12.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Genagelt wurde schon vor 2020 Jahren

    Vor 2020 Jahren wurde ein gewisser JC angenagelt, heute soll es ein GMC Truck sein ? Heisst dass nun, dass es heute viel stärkere Wände und Nägel braucht um das mehrfache an Gewicht zu halten?

  • CH in the USA am 04.12.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Pick ups

    Nur weil Pick ups in der Schweiz keinen Sinn machen heisst das noch lange nicht dass wir hier in den USA diese nicht mehr fahre sollen.Fahrt in Montana, Wyoming den Sierras mal einen Smart....duh....

    • Geläuterter (R)audi am 04.12.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      @CH in the USA

      Wenn was in der Schweiz keinen Sinn macht, dann doch diese hochgezüchteten, tiefergelegten Pseudo 4x4 SUV, wie es Firmen aus Bayern, Stuttgart und Ingolstatt produzieren. Wozu brauche ich eigentlich so was? Niemand getraut sich auch nur auf einem Feldweg damit zu fahren, es genügt ja im Stau zu stehen oder im, der mit Teppich und Leder ausgelegtem Kofferraum, einen Stapel Brennholz zu transportieren. Nein um keinen Preis der Welt gäbe ich meinen Ford Ranger Raptor Pick Up mehr her.

    • Timmeh am 05.12.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst in der Schweiz gut

      Je nach Verwendungszweck, sind Pick-Ups auch bei uns sinnvoll. Nicht grundlos fahren bei uns so viele RAMs gewerblich mit Anhängern rum. Anhängelasten von 10 Tonnen findet man bei anderen PKW halt nirgends.

    • Silverado am 06.12.2019 22:13 Report Diesen Beitrag melden

      CH in the USA

      Warum sollen Pick Up's in der Schweiz keinen Sinn machen ? Meinen brauche ich täglich, nur diese Woche habe ich meine alte Polstergruppe entsorgt und dann am Heimweg eine neue mitgenommen. Dann für den Nachbar einen riesigen TV und einen Kühlschrank abgeholt und gebracht. Bäume geschnitten und die Äste entsorgt. usw usw. Ein Pick Up ist für mich, auch in der Schweiz, ein überaus sinnvolle Nutzfahrzeug.

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